Im Interview erklärt uns Michel Konder, der Co-Founder von autarkize, warum die Herstellung und Verwendung von Pflanzenkohle sinnvoll ist und was die Pyrolyse-Prozesse der Firma außergewöhnlich macht.

autarkize GmbH setzt auf Pyrolyse, um aus Biomasse wie Gärresten oder Altholz klimapositives Gas und Pflanzenkohle zu erzeugen. Könnt ihr kurz erklären, wie euer Prozess funktioniert und warum er wirtschaftlich und ökologisch sinnvoller ist als herkömmliche Methoden der Biomasse-Verwertung?

Unsere Pyrolyse-Technologie ist technisch und wirtschaftlich eine Revolution. Wir können aus einer großen Bandbreite von Biomassen und biogenen Reststoffen in höchster Qualität ein Synthesegas und Pflanzenkohle erzeugen. Das Synthesegas haben wir soweit getunt, dass es einen Heizwert und Verbrennungseigenschaften ähnlich wie Biogas hat. Gleichzeitig sind unsere Systeme leistungsstark, aber dank Containerbauweise extrem kompakt und flexibel einsetzbar. Wir sind kompatibel mit vielen etablierten Kessel-, BHKW-, Turbinen- und Ofensystemen. Energieintensive Industriebetriebe, Kommunen oder auch Recyclingbetriebe können uns damit mit nur geringen Aufwänden in ihre bestehende Gas-, Dampf-, Wärme- oder Strominfrastruktur integrieren und dabei meist sogar ihre eigenen Reststoffe für die Energieerzeugung nutzen.

Parallel entsteht in unserem Prozess Pflanzenkohle oder Biochar – ein hochreiner, strukturreicher Kohlenstoff, der je nach Feedstock und Verfahrensparametern wiederum extrem viele Einsatzzwecke findet: von Bodenverbesserer oder Futtermittelzusatz in der Landwirtschaft über Struktur- und Wärmeleitmaterial in Baustoffen bis hin zum organischen Aktivkohlefilter. Der Clou dabei: Biochar ist nicht nur ein spannendes Produkt, sondern auch eine echte CO₂-Senke. Im Prozess wird der in der Biomasse gebundene Kohlenstoff so gehärtet, dass er stabil ist und nicht mehr durch z.B. Verrottung zu CO₂ oxidiert. Das funktioniert wissenschaftlich fundiert und wird in den CO₂-Märkten als echte negative Emission gehandelt.

In der Summe rechnet sich das: Ich nehme kohlenstoffreiche Reststoffe, verwandele sie in Gas und Pflanzenkohle. Aus einem Problem mache ich damit Energie und das Produkt Pflanzenkohle und werde als Zusatznutzen sogar klimapositiv. Da wir uns in bestehende Energiesysteme integrieren, bleibt der CAPEX überschaubar und die Amortisationszeit kurz. Bis Ende 2026 gehen deshalb noch weitere 10 Anlagen mit zusammen fast 6 MW in Betrieb.

Eure Anlagen können dabei helfen wichtige Klimaziele zu erreichen. Wie skaliert ihr diese Technologie konkret, um CO₂ aus der Atmosphäre zu entfernen und welche Rolle spielen dabei CO₂-Zertifikate für die Wirtschaftlichkeit?

Skalierung heißt bei uns nicht, eine immer größere Anlage zu bauen, sondern viele gleiche an vielen Orten. Wir sind eine dezentrale Lösung. Unsere Anlagen sind modular und containerbasiert, also überall einsetzbar, wo genug biogene Reststoffe und Energiebedarf zusammenkommen: in der Lebensmittelindustrie, der Land- und Forstwirtschaft, der chemischen und metallurgischen Prozessindustrie, aber auch in der dezentralen Nah- und Fernwärme. Unsere Systeme sind im technischen Aufbau immer gleich – den Unterschied machen die ausgefuchste Verfahrenstechnik, Daten & Algorithmen. Ganz entscheidend dabei: Software. Wir können uns mit derselben Anlagen-Hardware im laufenden Betrieb an unterschiedlichsten Feedstock anpassen und dabei trotzdem Gas und Pflanzenkohle in höchster Qualität liefern. Als Betreiber einer autarkize-Anlage bin ich also super flexibel, habe aber immer Qualitätsprodukte wie die Pflanzenkohle. Und da am Ende die CO₂-Zertifikate auf die Güte der Pflanzenkohle angerechnet werden, habe ich neben einigen tausend Tonnen entzogenem CO₂ und kostengünstigem Gas auch eine konstante Einnahme über den Zertifikatehandel.

Pflanzenkohle kann in Böden, im Bauwesen oder als CO₂-Speicher genutzt werden. Welche konkreten Anwendungsfälle (z. B. in der Landwirtschaft oder Industrie) seht ihr als die vielversprechendsten? Wie überzeugt ihr Skeptiker, dass Pflanzenkohle tatsächlich langfristig CO₂ bindet und nicht nur kurzfristig als „Greenwashing“ dient?

Am weitesten ist die Landwirtschaft. Dort wirkt Pflanzenkohle als Bodenverbesserer, sie speichert Wasser und Nährstoffe, macht Böden widerstandsfähiger gegen Trockenheit und senkt zugleich den Düngereinsatz. Spannend ist aber auch das Bauwesen. In Beton oder Asphalt eingebunden hält die Kohle den Kohlenstoff praktisch unbegrenzt fest und hilft nebenbei, Städte im Sommer kühler zu halten. Mit Partnern arbeiten wir außerdem an Anwendungen wie Platten zur natürlichen Klimaregulierung in Gebäuden.

Den Greenwashing-Vorwurf nehmen wir ernst, weil er berechtigt ist, solange niemand nachweist, was wirklich passiert. Genau deshalb messen und zertifizieren wir. Unsere Pflanzenkohle ist nach dem European Biochar Certificate und dem Global Biochar C-Sink zertifiziert. Über digitale Nachweissysteme verfolgen wir den Weg der Kohle von der Produktion bis zur Anwendung. Ein Skeptiker muss uns also nicht glauben, er kann es prüfen. Der entscheidende Punkt: Anders als bei vielen technischen CO₂-Entnahmeverfahren ist die Speicherung in Pflanzenkohle nicht auf Jahre, sondern auf Jahrhunderte angelegt. Der Kohlenstoff ist chemisch stabil und kehrt nicht so schnell in die Atmosphäre zurück.

Gibt es noch etwas, was Sie unseren LeserInnen mit auf den Weg geben wollen?

Pyrolyse hatte lange einen schwierigen Ruf, weil sie selten wirtschaftlich funktioniert hat. Wir haben uns bewusst für diese Technologie entschieden, weil sie, wenn sie läuft, mehrere Probleme auf einmal löst: Reststoffe, Energie und CO₂. Wer Reststoffe hat und Energie braucht, sollte mit uns sprechen, bevor er in die nächste konventionelle Lösung investiert. Viele Industriebetriebe sitzen genau auf solchen Stoffströmen, ohne sie heute zu nutzen.

Über Michel Konder

Der Fokus von TT49 liegt auf wissenschaftsbasierten Deep-Tech-Startups, die aus der deutschen Forschung stammen. Wie bewerten Sie aktuell das Potenzial von Chemie-Startups, die aus Universitäten oder Fraunhofer-Instituten hervorgehen und welche spezifischen Technologien sehen Sie als besonders vielversprechend?

Wir sehen aktuell ein enormes Potenzial im Bereich wissenschaftsbasierter Chemie- und Material-Startups. Gerade in Deutschland gibt es eine international starke Forschungslandschaft mit exzellenter Grundlagenforschung und hoher industrieller Relevanz. Besonders spannend finden wir Technologien in den Bereichen nachhaltige Materialien, Batteriematerialien, Kreislaufwirtschaft, CO2-Nutzung, grüne Chemie sowie KI-gestützte Prozessoptimierung. Viele dieser Technologien adressieren gleichzeitig Herausforderungen der Dekarbonisierung und der europäischen industriellen Souveränität.

Viele (Chemie)-Startups scheitern an der „Valley of Death“ zwischen Forschung und Marktreife.
Wie unterstützt TT49 konkret Startups in der Pre-Seed-Phase?

Genau in dieser frühen Phase positioniert sich TT49. Wir investieren typischerweise bereits unmittelbar nach der Ausgründung aus der Forschung heraus. Der Fokus liegt dabei auf der Kapitalbereitstellung sowie auf Rahmenbedingungen und Fragestellungen rund um IP-Strukturen, Marktvalidierung, Teamkonstellation, Industriezugang und die Vorbereitung weiterer Finanzierungsrunden. Öffentliche Förderprogramme spielen dabei eine zentrale Rolle, insbesondere bei kapitalintensiven Technologien. Unser Ziel ist es, mit Kapital wissenschaftliche
Exzellenz frühzeitig in unternehmerischen Erfolg zu übersetzen.

Die Chemiebranche steht vor enormen Herausforderungen durch neue und gegebene EURegularien.
Wie helfen Sie Startups, diese regulatorischen Hürden zu meistern?

Regulatorische Anforderungen gehören im Deep-Tech- und Chemiebereich von Anfang an zur Unternehmensstrategie. Entsprechend gewinnen regulatorische Expertise sowie der Austausch mit Industriepartnern, Behörden und spezialisierten Beratern frühzeitig an Bedeutung. Nachhaltigkeit wird dabei grundsätzlich eher als Treiber denn als Risiko verstanden. Viele Startups entstehen vor dem Hintergrund, dass bestehende industrielle Prozesse zunehmend an ihre Grenzen stoßen, etwa im Hinblick auf Energieeffizienz, CO₂-Reduktion oder Kreislaufwirtschaft.


Wie nutzen Sie ihr eigenes Netzwerk, um Start-ups nicht nur finanziell, sondern auch durch Zugang zu Pilotkunden, Industriepartnern oder Infrastrukturen zu unterstützen?

Unser Netzwerk ist einer der wichtigsten Mehrwerte von TT49. Durch unsere Nähe zu Forschungseinrichtungen, Industrieunternehmen, Family Offices und weiteren VC-Investoren können wir junge Unternehmen sehr früh mit relevanten Partnern vernetzen. Gerade im Chemie und Deep-Tech-Bereich sind Pilotprojekte, Zugang zu Labor- und Produktionsinfrastrukturen sowie industrielle Validierung entscheidend für den Unternehmenserfolg. Hier versuchen wir aktiv Türen zu öffnen und langfristige strategische Partnerschaften zu ermöglichen.

Gibt es noch etwas, was Sie unseren LeserInnen mit auf den Weg geben wollen?

Deutschland verfügt über eine außergewöhnlich starke Forschungslandschaft. Entscheidend ist nun, mehr wissenschaftliche Exzellenz schneller in marktfähige Unternehmen zu überführen. Dafür braucht es unternehmerischen Mut, langfristiges Kapital und enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Industrie und Investoren.

Über Johann C. Siemes

Liebe Friederike, herzlich willkommen im Team des Chemie-Cluster Bayern! Erzähl uns doch gerne etwas über deinen bisherigen Background – und was dich besonders an der Arbeit an der Schnittstelle von Chemie, Bioökonomie und Innovation reizt. 

Ich bin Chemikerin mit einem breiten Hintergrund in Polymerchemie sowie organischen Oberflächenmodifikationen und Beschichtungen. In meinem Postdoc habe ich in industrieller Kooperation mit BASF an biobasierten und bioabbaubaren Polymeren geforscht. Zuletzt war ich zwei Jahre in einem Nanobiotechnologie-Startup tätig und habe dort im Bereich Oberflächenforschung gearbeitet. 

Besonders spannend finde ich an der Clusterarbeit, dass hier unterschiedlichste Akteur:innen zusammenkommen – von Start-ups über Industrie bis hin zu Forschungseinrichtungen. Genau an dieser Schnittstelle entstehen oft die interessantesten Ideen, Kooperationen und Innovationen.

Du bringst Erfahrung aus Forschung, industrieller Kooperation und Startup-Umfeld mit. Woran arbeitest du aktuell beim Chemie-Cluster Bayern konkret und welche Themen und Projekte betreust du bei uns? 

Ich arbeite an verschiedenen Aktivitäten und in Projekten des Chemie-Cluster Bayern. Dazu gehören unter anderem das Projekt CREATE, die Mitarbeit im Expertenkreis CCU/CCS sowie die Betreuung von Start-ups und Mitgliedern.

Ein Schwerpunkt deiner Arbeit ist aktuell auch die Organisation von Pitch & Bond – Chemistry in Transformation. Worum geht es bei der Veranstaltung genau und warum ist das Format gerade für Start-ups, Industrie und Investor spannend? 

Pitch & Bond bringt Start-ups, Industrieunternehmen, Investor:innen und weitere Innovationsakteur:innen aus dem Chemie- und DeepTech-Umfeld zusammen. 
Im Mittelpunkt stehen Lösungen für die Transformation der Chemie- und Prozessindustrie – beispielsweise in Bereichen wie Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Chemie, Bioökonomie.  

Besonders spannend finde ich dabei, dass hier nicht nur gepitcht wird, sondern echte Gespräche, neue Kontakte und potenzielle Kooperationen entstehen. Für Start-ups ist es eine große Chance, Sichtbarkeit zu bekommen und direkt mit Industrie und Investor:innen ins Gespräch zu kommen. Gleichzeitig erhalten Unternehmen frühzeitig Einblicke in neue Technologien und innovative Lösungsansätze.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was würdest du als deine persönliche „Superpower“ bezeichnen? 

Meine Superpower ist es, aus „das ist ein Problem“ ein „das könnten wir versuchen“ zu machen. Aus der Forschung habe ich gelernt, Herausforderungen systematisch zu analysieren und gleichzeitig kreative Lösungsansätze zu entwickeln. Gerade an der Schnittstelle von Chemie, Bioökonomie und Innovation hilft mir dieser lösungsorientierte Blick jeden Tag aufs Neue. 

Mit hochaktiven Enzymen verwandelt das Start-up schwer verwertbare Polyesterabfälle in hochwertige Rezyklate und setzt damit auf einen geschlossenen Kreislauf für PET & Co. Wie das funktioniert und warum der Ansatz kosteneffizienter und nachhaltiger ist als herkömmliche Methoden, erklärt Mitgründer Martin Hirschfeld im Hotseat Interview!

Hallo Martin, ihr habt Ester Biotech letztes Jahr offiziell gegründet. Kannst du uns beschreiben, was eure Idee ist und wo ihr aktuell steht?

Unser Ziel ist es, mithilfe von Enzymen einen entscheidenden Beitrag zur Lösung der globalen Plastikkrise zu leisten. Hierzu entwickeln wir biokatalytische Verfahren, mit denen bislang schwer verwertbare Polyesterabfälle in hochwertige Rezyklate überführt werden können.

Unsere Enzyme spalten gezielt die Esterbindungen in Polyestern wie PET, sodass die ursprünglichen Monomere zurückgewonnen, gereinigt und wieder für die Synthese neuer Polymere genutzt werden können. So entsteht Rezyklat, das auch für Anwendungen mit besonders hohen Qualitätsanforderungen geeignet ist, etwa in Lebensmittelverpackungen, Kosmetik, Pharma, Textilien oder technischen Applikationen.

Die Skalierung erfolgt für Recyclingprozess und Enzymproduktion jeweils mit starken strategischen Partnern, sodass beide Pfade effizient aufgebaut werden. Der Recyclingprozess läuft derzeit im 100-Liter-Maßstab, parallel validieren wir gemeinsam mit einem globalen PET-Hersteller die Materialqualität. Unser Ziel ist es, in den kommenden Monaten TRL 6 zu erreichen, ein entscheidender Schritt in Richtung industrieller Umsetzung.

Was unterscheidet eure Enzyme und euren Prozess eigentlich von dem Prozess, den das französische Unternehmen Carbios für das enzymatische Recycling von PET entwickelt hat?

Unsere Enzyme zeichnen sich durch außergewöhnliche Aktivität und Stabilität in Bezug auf Polyesterdegradation aus und bilden den Schlüssel für einen kosteneffizienten Prozess bei höchster Rezyklatqualität. Im Vergleich zu Marktbegleitern wie Carbios erzielen wir durch eine bessere Enzymleistung eine Reduktion der Prozesskosten.

Das Fundament hierfür ist unser proprietäres Enzymentwicklungs-Framework: Unsere patentierte Screening- arbeitet mit echten Kunststofffilmen, sodass wir die Enzyme direkt auf realen Kunststoffoberflächen testen und optimieren können. Der Kunststoffabbau wird dabei im Hochdurchsatz nahezu in Echtzeit verfolgt.
Diese Daten nutzen wir für maschinelles Lernen, wodurch sich die Entwicklung schneller und gezielter vorantreiben lässt.

Darauf aufbauend liegt unser weiterer Fokus auf einem möglichst schlanken und kreislauffähigen Prozessdesign. So können wir beispielsweise PET-Thermoform-Flakes direkt aus dem Schredder einsetzen, ohne energieintensive Extrusionsvorbehandlung. Gleichzeitig haben wir unsere Prozesse von klassischen Batch-Reaktionen in Richtung Fed-Batch- und perspektivisch kontinuierlicher Betriebsweisen weiterentwickelt, was Feedstock-Kosten, Energieeffizienz und Durchsatz deutlich optimiert.

Perspektivisch denken wir dabei bewusst über PET hinaus. Biokunststoffe enthalten wertvolle chemische Bausteine, die zu schade sind, um lediglich kompostiert oder verbrannt zu werden. Unser Ziel ist es, auch für diese Materialien enzymatische Recyclinglösungen zu entwickeln und ihre Bausteine konsequent im Kreislauf zu halten.

Für das Recycling von Kunststoffen gibt es heute bereits gut etablierte mechanische Prozesse und auch andere rohstoffliche Recyclingansätze wie beispielsweise die Pyrolyse. Wo siehst du Vorteile durch enzymatische Verfahren wie eures?

Mechanisches Recycling bleibt weiterhin eine sehr wichtige Säule. Unser enzymatischer Ansatz ist daher nicht als Ersatz gedacht, sondern als gezielte Ergänzung für Kunststoffströme, die mechanisch nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr sinnvoll recycelt werden können. Kettenbrüche, Anreicherung von Additiven und Fremdstoffen – mechanisches Recycling hat seine Grenzen, dann folgt in aller Regel die thermische Verwertung. Genau hier setzen wir an: Mit unserem ESTER Upcycle zerlegen wir solche Materialien wieder in ihre chemischen Bausteine und ermöglichen daraus die Herstellung von neuem, hochwertigem Kunststoff. So kann der enthaltene Kohlenstoff länger im Kreislauf gehalten werden.  

Im Vergleich zu anderen rohstofflichen Recyclingverfahren, sehe ich beim enzymatischen Ansatz mehrere spezifische Vorteile.

Erstens ermöglicht die hohe Selektivität und Robustheit der Enzyme die zuverlässige Depolymerisation auch stark kontaminierter Abfälle, ohne dass unerwünschte Nebenprodukte entstehen. Dies ermöglicht stabile Ausbeuten und vereinfacht den Downstream.

Zweitens erfolgt die Depolymerisation bei milden Bedingungen von etwa 65 °C ohne Druckbeaufschlagung. Dadurch lässt sich der Prozess energetisch sehr flexibel betreiben, etwa durch die Nutzung von Abwärme oder Integration regenerativer Energiequellen, was die Energieeffizienz verbessert und die CO₂-Bilanz optimiert.

Drittens bietet das Recycling auf Monomer-Ebene sowohl einen technischen als auch einen regulatorischen Vorteil. Der Closed-Loop lässt sich mit verhältnismäßig wenigen Prozessschritten realisieren, wodurch Kosten und CO₂-Emissionen reduziert werden. Gleichzeitig sehen aktuelle EU-Entwürfe zur Massenbilanzierung von Rezyklatquoten den sogenannten fuel-use-excludedAnsatz vor. Unserer Verfahren profitiert davon, da der Output vollständig auf die Rezyklatquote angerechnet wird, während einige andere Verfahren dies zum Teil voraussichtlich nicht können.

Auf Basis dieser Faktoren sehe ich ein sehr großes Potenzial, dass unser enzymatischer Ansatz der Industrie dabei helfen kann, steigende Recycling- und Rezyklatquoten zu erreichen – insbesondere bei Anwendungen mit hohen Qualitätsanforderungen. Im Vergleich zu anderen rohstofflichen Recyclingverfahren erwarten wir, dass unser Verfahren sowohl hinsichtlich Kosten und CO₂-Emissionen konkurrenzfähig ist. Gleichzeitig eröffnet es bessere Möglichkeiten für dezentrale Anlagenkonzepte und stößt erfahrungsgemäß auf eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz. Unsere vorläufige techno-ökonomische Analyse sowie eine Ökobilanz für eine Anlage im Industriemaßstab mit einer Kapazität von 45 kt Kunststoffabfall pro Jahr bestätigen diese Einschätzung und bestärken uns und unsere Partner, das Verfahren konsequent weiter zu skalieren. 

Neben dem Recycling von Verpackungen gibt es auch weitere Anwendungen bei denen Polyester eingesetzt werden. Wo siehst du interessante Anknüpfungspunkte für ESTER Biotech? Sucht ihr Kooperationspartner für gemeinsame Entwicklungsprojekte?

Wir möchten die Biokunststoffindustrie dabei unterstützen, neue Polymertypen zu entwickeln, die von Anfang an nach dem Circular-by-Design-Prinzip konzipiert sind. Darauf aufbauend können wir auf Basis unserer Erfahrungen aus dem PET-Recyclingprozess gemeinsam kosteneffiziente, zirkuläre Recyclinglösungen implementieren.

Die hervorragenden Eigenschaften unserer Enzyme in Bezug auf Polyester-Degradation und -Modifikation, kombiniert mit dem Entwicklungs-Framework, sie gezielt für spezifische Anwendungen anzupassen, eröffnen zahlreiche weitere potenzielle Einsatzfelder. Diese evaluieren wir derzeit intensiv mit verschiedenen Industriepartnern und führen Machbarkeitsstudien durch.

Da wir davon ausgehen, dass noch nicht alle Potenziale identifiziert sind, freuen wir uns über den Austausch mit interessierten Industrie- und Forschungspartnern. Immer wenn es darum geht, Polyester gezielt aufzuspalten, abzutrennen oder deren Oberfläche zu modifizieren (etwa in Form einer Erhöhung der Hydrophilisierung, Verbesserung der Homogenität oder Aufrauung) stehen wir gerne als kompetenter und kooperativer Partner zur Verfügung.

Ohr seid vor kurzem dem Chemie-Cluster Bayern beigetreten. Was macht eigentlich unser Netzwerk so wertvoll für euch?

Der Beitritt zum Chemie-Cluster Bayern eröffnet uns den Zugang zu einem starken Netzwerk aus Industrie, Forschung und Technologiepartnern und schafft damit die Basis für gezielten Wissensaustausch und neue strategische Kooperationen.

Das erste Aufeinandertreffen auf einer Messe und der anschließende Online-Termin im erweiterten Kreis haben gezeigt, dass es sowohl persönlich als auch fachlich einen hervorragenden Fit gibt. Zu diesem Zeitpunkt haben wir begonnen, uns verstärkt mit weiteren Einsatzfeldern für unsere Enzyme zu beschäftigen. Dabei haben wir nach einem breiten Industrienetzwerk gesucht, das zugleich fest in Biotechnologie und Chemie verankert ist – und sind im Chemie-Cluster Bayern fündig geworden.

Das Netzwerk ermöglicht es uns, unser Know-how einzubringen, von den Erfahrungen anderer zu lernen und gemeinsam innovative Lösungen für die Herausforderungen in der Kunststoffkreislaufwirtschaft zu entwickeln. Besonders schätzen wir dabei die proaktive Unterstützung durch unseren Ansprechpartner Tobias Schwarzmüller.

Über Martin Hirschfeld

In diesem Doppelinterview sprechen wir mit Knut Ofterdinger (Weimako) und Steffen Grämer (VUCASUPPORT) über innovative Lösungen für die Herausforderungen von morgen. Im Fokus stehen zwei Perspektiven: Nachhaltige Werkstoffinnovationen und digitale Transformation für KMUs.

Lieber Herr Ofterdinger, mit Ihrem Unternehmen Weimako sind Sie erfolgreich im Bereich biobasierter Materialien für Verpackungen unterwegs. Was bietet Weimako an und was macht das besonders?

Andreas Mayrginther als Techniker und ich kommen beide aus der Kosmetik. Wir haben mit der Idee zu biobasierten, anspitzbaren Kunststoffhülsen einen USP gefunden, den kein weiteres Unternehmen in dieser Nische bedient. Wir verarbeiten in Kooperation mit Compoundherstellern holzbasierte Fasermaterialien aus dem Abfall von Sägewerken und Schreinereien zu einem neuen Kunststoff. Wir vermeiden damit die „Tank oder Teller“ Diskussion, die keine lebensmittelbasierten Rohstoffe verarbeitet haben wollen. Das in den Holzspänen gebundene CO2 bleibt gebunden und wir geben dadurch dem „Abfall“ einen neuen Produktlebenszyklus. Unsere Idee und unsere Produkte sind somit sehr nachhaltig. Grundsätzlich können wir aus unseren biobasierten Rohstoffen für alle Branchen mineralölbasierte Packmittel zu biobasierte Packmittel transferieren. Neben der Kosmetik haben wir erste Kunden aus der NEM- und Pharma Branche. Unsere Packagings sind alle Food, REACH und FDA konform. 

Herr Grämer, Sie sind Gründer und Geschäftsführer von VUCASUPPORT. Was ist Ihre Idee und in welcher Form bieten Sie KMUs Unterstützung an?

Die Idee hinter VUCASUPPORT ist eigentlich aus einer ganz einfachen Beobachtung entstanden: Die meisten Unternehmen haben kein Erkenntnisproblem, sie haben ein Umsetzungsproblem. Sie wissen, dass sie sich immer schneller anpassen müssen, oft getrieben von außen durch Regulierung, Wettbewerbsdruck oder technologische Entwicklungen. Themen wie Digitalisierung, neue Geschäftsmodelle, Fachkräftemangel oder Nachhaltigkeit sind überall präsent. Aber in der Praxis fehlt häufig das Entscheidende: Klarheit darüber, wo man wirklich steht, ein Fokus auf die richtigen Themen und eine strukturierte Umsetzung.

Und genau das ist unser Aufsatztpunkt. Unsere Grundidee ist es, Transformation messbar, vergleichbar und steuerbar zu machen. Wir holen Unternehmen raus aus Bauchgefühl und Einzelmeinungen und schaffen eine objektive Entscheidungsgrundlage. Im Kern geht es darum, Komplexität greifbar zu machen und in Klarheit zu übersetzen.

Der Einstieg erfolgt über unser VUCASUPPORT® 360° Self-Assessment. Damit erhalten Unternehmen einen strukturierten Blick auf ihren Reifegrad in den zentralen Zukunftsfeldern. Für viele ist das der erste Moment, in dem wirklich sichtbar wird, wo sie stehen und wo konkret Handlungsbedarf besteht.

Und genau da beginnt die eigentliche Arbeit. Nach dem Assessment setzen wir gemeinsam Prioritäten und vermeiden bewusst, alles gleichzeitig anzugehen. Stattdessen identifizieren wir die wenigen Themen, die wirklich einen Unterschied machen. Darauf aufbauend werden die nächsten Schritte klar strukturiert, mit konkreten Maßnahmen, realistischen Zeitplänen, klaren Verantwortlichkeiten und messbaren Zielen. So entsteht kein theoretisches Konzept, sondern ein umsetzbarer Fahrplan, der Unternehmen Schritt für Schritt in die Veränderung bringt.

Herr Grämer, welche Bereiche werden im Self-Assessment besonders häufig als „kritisch“ oder „verbesserungswürdig“ identifiziert? Wie ist nach dem Herausstellen dieser Elemente dann die Vorgehensweise und wie lange dauert es in der Regel, bis ein Unternehmen Ergebnisse erhält?

Wenn wir die Ergebnisse aus dem VUCASUPPORT® Self-Assessment betrachten, zeigt sich sehr oft: KMUs haben selten ein einzelnes Problem, sondern kämpfen meist mit fehlender strategischer Klarheit. Viele sind bereits aktiv, haben Projekte gestartet oder Tools eingeführt, aber ohne ein klares Zielbild. Dadurch entsteht oft Aktionismus statt echter Wirkung. Gleichzeitig werden Prozesse digitalisiert, ohne das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln und vorhandene Daten werden kaum zur Steuerung genutzt. Häufig scheitert es zudem an der Umsetzung, weil Strukturen und Verantwortlichkeiten nicht klar geregelt sind.

Genau hier setzen wir an. Wir fokussieren uns bewusst auf die wenigen Themen, die den größten Unterschied machen und übersetzen diese direkt in konkrete, umsetzbare Maßnahmen. Unternehmen erhalten bereits wenige Tage nach dem Assessment eine klare Standortbestimmung und wissen, wo sie ansetzen müssen. Erste Verbesserungen zeigen sich meist schon nach acht bis zwölf Wochen, während größere Veränderungen, etwa im Geschäftsmodell, mehr Zeit benötigen.

Das Assessment selbst ist einfach durchführbar, liefert aber ein objektives und strukturiertes Gesamtbild. Am Ende steht keine Theorie, sondern eine klare Antwort auf die wichtigste Frage: Wo sollten wir denn jetzt anfangen?

Der größte Mehrwert liegt dabei in besseren Entscheidungen. Unternehmen gewinnen Klarheit, setzen ihre Ressourcen gezielter ein und erkennen Risiken frühzeitig. Voraussetzung ist jedoch, dass sie ehrlich hinschauen und bereit sind, die gewonnenen Erkenntnisse auch umzusetzen. Denn das Assessment schafft vor allem eines: eine belastbare Grundlage für die richtigen nächsten Schritte.

Herr Ofterdinger, Weimako setzt auf Werkstoffinnovationen und die grüne Transformation. Mit dem Self-Assessment von VUCASUPPORT, nutzen Sie digitale Tools, um Verbesserungspotenziale für Ihr eigenes Unternehmen zu identifizieren. Was hat Sie daran überzeugt und welchen Nutzen haben Sie für sich daraus gezogen?  

Die Idee von Vucca, sich die überschaubare Zeit zu nehmen, um den Vucca Fragenkatalog zu beantworten hat sich für Weimako sofort gelohnt. Praxisorientierte Fragen und die daraus abgeleiteten Antworten sind eine grosse Hilfe zur Selbsthilfe. Wir brauchten keine teuren Unternehmensberater zu akquirieren. Der Self-Assessment Fragenkatalog kann auf Kundenwunsch angepasst werden. Die Antworten sind gut gegliedert in kurz-, mittel- und langfristige Lösungsvorschläge. So konnten wir sofort an kurzfristigen Lösungen arbeiten.

Wie läuft das Self-Assessment konkret ab, Herr Grämer? Welche Vorteile kann ein Unternehmen daraus ziehen und was es muss selbst einbringen?

Das Self-Assessment ist bewusst einfach gehalten, aber inhaltlich sehr fundiert. Wir arbeiten mit klaren Themenclustern, die auf wissenschaftlichen Studien und Eurostat-Daten basieren, also genau den Bereichen, die für die Zukunft von KMUs wirklich relevant sind.

In jedem dieser Bereiche beantworten Unternehmen 25 konkrete Fragen. Bewertet wird auf einer Skala von eins bis fünf, sodass schnell sichtbar wird, wo man wirklich steht.

Die Auswertung erfolgt nicht nur aus der eigenen Einschätzung heraus. Eine KI unterstützt dabei, Muster zu erkennen, Bewertungen einzuordnen und ein objektives Gesamtbild zu schaffen. Am Ende sieht das Unternehmen klar, wo die größten Hebel liegen und vor allem, wo es konkret anfangen sollte. Der größte Vorteil ist Klarheit. Statt sich zu verzetteln, können Unternehmen ihre Energie auf die wenigen Themen konzentrieren, die wirklich etwas bewegen.

Was es dafür braucht, ist vor allem Ehrlichkeit und die Bereitschaft, die Ergebnisse auch anzunehmen. Denn genau daraus entsteht der eigentliche Mehrwert: bessere Entscheidungen und stärkeres Verständnis über Abteilungsgrenzen hinweg.

Wie lautet Ihr gemeinsames Resumee?

Mit Hilfe des bereits jetzt verfügbaren KI Angebotes kann durch die „Vucca Methode“ eine KI basierte Lösung für KMU Unternehmen generiert werden. Dies zu vernünftigen Kosten. Durch den Fragenkatalog reflektiert jeder Unternehmer seinen IST Stand selber und bekommt einen Benchmark wo sein Unternehmen im Vergleich zu anderen Unternehmen der Branche steht. Dies alles ohne stundenlang von Beratern interviewt zu werden. Machen Sie einen Selbstversuch.

Über Knut Ofterdinger und Weimako

Über Steffen Grämer

In der modernen industriellen Forschung und Entwicklung (F&E) wird der Erfolg zunehmend durch die intelligente Verknüpfung von Daten, Prozessen und KI bestimmt. Wie LabV hier als integrative Lösung ansetzt, um fragmentierte Datenquellen zusammenzuführen, strukturiertes Wissen zu schaffen und die F&E-Prozesse zu optimieren, erklärt uns Herr Jouanique im Interview.

Sehr geehrter Herr Jouanique!
LabV ist eine Plattform für die F&E. Welche Funktionen bietet die Plattform konkret und worin unterscheidet sie sich von anderen Lösungen am Markt?

Unser Fokus liegt darauf, alle relevanten Daten eines F&E-Prozesses in einem System zusammenzuführen: von Materialdaten über Formulierungen und Prozessparameter bis hin zu Mess- und Versuchsergebnissen. Ergänzt wird das durch Funktionen zur strukturierten Dokumentation von Versuchen und Projekten sowie durch einen integrierten KI-Assistenten.

Der entscheidende Punkt ist: Wir sehen KI nicht isoliert, sondern immer in Verbindung mit einer sauberen Datenbasis. Viele Unternehmen arbeiten mit fragmentierten Daten wie Excel-Dateien oder PDFs. Dadurch geht im Arbeitsalltag viel Zeit verloren, weil Informationen zwar vorhanden, aber nicht effizient nutzbar sind. Unser Ansatz ist deshalb, Daten, Wissen und Prozesse zunächst in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen. Auf dieser Grundlage lassen sich dann auch intelligente Funktionen aufbauen.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • eine intelligente Suche in historischen F&E-Daten,
  • die Analyse und Visualisierung von Ergebnissen,
  • die strukturierte Analyse von Dokumenten wie TDS, SDS oder Prüfberichten,
  • sowie KI-gestützte Unterstützung bei der Planung nächster Entwicklungsschritte.

Von anderen Plattformen grenzen wir uns vor allem in drei Punkten ab:

Erstens: Wir verbinden Datenplattform und KI konsequent. Wir glauben nicht an KI auf Basis von Excel-Tabellen, sondern an Material Intelligence auf Grundlage strukturierter Daten.

Zweitens: Unser Ansatz ist praxisnah und industrieorientiert. Wir kommen selbst aus dem industriellen Laborumfeld und entwickeln die Lösung eng mit unseren Kunden weiter.

Drittens: Datensouveränität, der Schutz geistigen Eigentums und eine vertrauenswürdige Infrastruktur sind für uns zentrale Prinzipien. Deshalb legen wir großen Wert darauf, dass die Daten unserer Kunden nach europäischen Datenschutzstandards verarbeitet werden und in einer Infrastruktur liegen, die diesen Anforderungen gerecht wird.

Viele Industrieunternehmen arbeiten mit gewachsenen IT- und Datenstrukturen. Wie gelingt es, LabV in bestehende Systeme zu integrieren? Und welche Erfahrungen haben Sie bislang bei der Einführung der Plattform in Unternehmen gemacht?

Die Integration ist für uns ein zentraler Erfolgsfaktor. In den Unternehmen beginnt niemand auf der grünen Wiese, sondern es gibt bereits bestehende Prüfgeräte, Datenquellen, ERP-Strukturen, Spezialsoftware oder historisch gewachsene Datenablagen. Unser Anspruch ist deshalb nicht, diese Realität zu ignorieren, sondern bestehende Systeme und Daten so zu integrieren, dass sie gemeinsam nutzbar werden.

Technisch arbeiten wir mit einer offenen, universellen Schnittstellenlogik. Das heißt: Wir binden Daten aus unterschiedlichen Quellen an – etwa aus Laborgeräten, bestehenden Datenbanken, ERP-Systemen oder dokumentenbasierten Ablagen. Ziel ist es, aus verteilten Informationen eine nutzbare, strukturierte Wissensbasis zu machen.

Wichtig ist dabei auch, wie wir die Einführung der Plattform angehen: Wir führen LabV nicht als „reines IT-Projekt“ ein, sondern in Kooperation mit dem Fachbereich Forschung und Entwicklung. Das bedeutet, dass wir die tatsächlichen Arbeitsabläufe verstehen und die Einführung so gestalten, dass sie im Labor- und Entwicklungsalltag funktioniert.

Besonders erfolgreich verläuft die Einführung dort, wo Unternehmen früh einen praktischen Nutzen erzielen: etwa durch deutlich bessere Auffindbarkeit historischer Daten, weniger doppelte Versuche oder effizientere Projektarbeit. Aus vielen Gesprächen mit Kunden wissen wir, dass der größte Mehrwert zunächst nicht in futuristischen KI-Szenarien liegt, sondern darin, dass vorhandenes Wissen endlich projektübergreifend nutzbar gemacht wird.

Der Einsatz von KI wirft gerade Fragen zu Vertrauen, Transparenz und Datensicherheit auf. Wie begegnen Sie diesen Bedenken?

Wir nehmen diese Bedenken sehr ernst. Gerade im industriellen Umfeld sollte der Einsatz von Künstlicher Intelligenz kritisch geprüft werden. Schließlich geht es um sensible Daten, geistiges Eigentum, Produktqualität und in vielen Fällen auch um sicherheitsrelevante Entscheidungen. Wir glauben deshalb nicht an KI als Selbstzweck, sondern an KI als Werkzeug für bessere Entscheidungen.

Für uns ist KI ein Assistenzsystem: sie unterstützt Experten, ersetzt sie aber nicht. Wir sehen KI gewissermaßen als Co-Ingenieur oder Co-Chemiker. Das System macht Informationen schneller zugänglich, hilft Muster zu erkennen und bereitet Entscheidungen vor. Die Verantwortung bleibt beim Entwickler.

Welche Rolle spielen strategische Partnerschaften für die Weiterentwicklung von LabV und welche Möglichkeiten sehen Sie für Kooperationen mit Industrie, Forschung oder Investoren?

Wir sind offen für Partnerschaften, wenn sie einen klaren Beitrag zur Weiterentwicklung von Material Intelligence in der industriellen F&E leisten. Partnerschaften können für uns auf unterschiedlichen Ebenen entstehen. Auf technologischer Seite etwa bei Infrastruktur, Datenintegration oder einzelnen KI-Komponenten. Daneben sind auch industrielle Kooperationen interessant, bei denen gemeinsam neue Einsatzmöglichkeiten für unsere Softwareplattform entwickelt werden. Ein weiteres Feld sind Forschungsprojekte mit Hochschulen, zum Beispiel im Bereich Explainable AI.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Rolle von Daten und KI in der industriellen Forschung und Entwicklung in den kommenden Jahren verändern – und worauf sollten Unternehmen heute besonders achten?

Aus unserer Sicht wird sich die Diskussion in den kommenden Jahren verschieben. Weg von der Frage, ob KI in der industriellen Forschung und Entwicklung relevant ist, hin zu der Frage, wie man sie sinnvoll, sicher und wirtschaftlich einsetzt.

50% der KI-Pilotprojekte scheitern. Deshalb ist der wichtigste erste Schritt oft weniger spektakulär, als viele erwarten: Unternehmen müssen ihr Wissen, also ihre Daten und ihre Prozesse zunächst in eine strukturierte Form bringen, die eine sinnvolle Nutzung von KI überhaupt erst ermöglicht. Ohne diese Grundlage bleibt KI Stückwerk. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann KI hingegen ein sehr wirkungsvolles Werkzeug für mehr Effizienz sein und langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sichern.

Wir arbeiten daran, KI-Funktionen wie unserem KI-Assistent vom reinen Assistieren hin zum Optimieren weiterzuentwickeln. Neue Technologien ermöglichen Unternehmen aller Größen, von KI-gestützten Vorhersagen zu profitieren. Diese neue Form der Arbeit in der Forschung & Entwicklung ist bereits Realität und gerade dabei, auch in Deutschland sich in allen Industriebranchen zu verbreiten.

Über Charles Jouanique

Charles Jouanique ist seit mehr als 15 Jahren in der Industrie tätig. Neben der Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle ist er auch Unternehmer und mehrfacher Business Angel für Startups. Er ist Co-Founder und verantwortet den Bereich Sales & Marketing von LabV, einem Software-Unternehmen der NETZSCH-Gruppe.

Weiteres zu LabV

Bei LabV wird derzeit an mehreren Projekten gearbeitet. Unter anderem an der Einführung einer Multi-Agenten-Architektur für ihre Plattform. Ziel ist es, Entwicklerinnen und Entwickler in der Forschung und Entwicklung noch stärker bei der Analyse von Daten und der Planung von Versuchen zu unterstützen und so Entwicklungszyklen zu verkürzen. Wichtig ist ihnen dabei ein klarer Grundsatz: Die Entscheidung bleibt immer beim Menschen, die KI dient ausschließlich als Unterstützung im Entwicklungsprozess.
Darüber hinaus veranstalten sie regelmäßig Webinare, in denen sie aktuelle Herausforderungen der industriellen F&E diskutieren und mögliche Lösungsansätze vorstellen. Außerdem bieten sie Live-Demos an, in denen Interessierte Einblick in die Funktionsweise der Plattform und in neue Entwicklungen erhalten.

Innovation, Nachhaltigkeit und die Kraft natürlicher Rohstoffe: Seit unserem letzten Gespräch vor über fünf Jahren hat Lignopure nicht nur Meilensteine erreicht, sondern auch gezeigt, wie Lignin als Schlüsselrohstoff die Bioökonomie revolutionieren kann. Im Interview gibt Wienke Reynolds spannende Einblicke in die Entwicklung des Unternehmens, die Potenziale von Lignin und die Vision einer nachhaltigeren Chemie- und Materialindustrie.

Liebe Wienke, zuletzt warst du vor über fünf Jahren bei uns im Hot Seat – umso mehr freuen wir uns, dich wieder begrüßen zu dürfen! Seit unserem letzten Gespräch hat sich bei euch sicher einiges getan. Erzähl uns doch kurz, wo Lignopure heute steht und welche Meilensteine ihr in den letzten Jahren erreichen konntet. 

Liebe Anja, vielen Dank für die erneute Einladung zum Interview – in den vergangenen fünf Jahren hat sich wirklich unglaublich viel getan und es ist nach wie vor sehr spannend! Damals waren wir noch in der heißen Phase der Prozess- und Produktoptimierung unserer ersten Produktlinie LignoBase für den Kosmetikbereich. Wir bei Lignopure sind spezialisiert auf die Aufbereitung von Lignin zu multifunktionalen natürlichen Inhaltsstoffen. 
 
Wir haben uns aus der Forschung an der TU Hamburg ausgegründet und mit unserer Seed-Finanzierungsrunde unsere ersten Produkte und die zugehörigen Prozesse aufgebaut.  
2023 sind wir mit LignoBase nahezu global auf den Markt gegangen, haben ein Distributionsnetzwerk aufgebaut und erste Kunden bemustert. 2025 sind dann die ersten Endprodukte auf den Markt gekommen, unser größter Meilenstein bisher!  
 
Auch eine weitere Finanzierungsrunde konnten wir erfolgreich schließen. Aktuell arbeiten wir mit Hochdruck an der Markteinführung einer neuen Produktlinie für den Paints & Coatings Bereich, mit welcher wir Ende April live gehen wollen. 

Lignin wird in der Bioökonomie oft als Schlüsselrohstoff diskutiert. Welche funktionalen Eigenschaften machen Lignin aus deiner Sicht besonders interessant – und welche Potenziale werden bislang noch unterschätzt? 

Lignin ist aus zwei Gründen ein Schlüsselrohstoff: Zunächst ist es nach Cellulose das zweithäufigste Biopolymer der Welt, ein massiver Nebenstrom der Zellstoff- und Bioraffinerieindustrie, aber wohl mit Abstand am wenigsten genutzt! Dies müssen wir ändern.  
 
Zudem hat Lignin sehr interessante Schutzfunktionen, welche es in der Zellwand verholzender Pflanzen übernimmt. Und dies sind Funktionen, für welche in Produkten bisher wenige bis gar keine biobasierten Inhaltsstoffe genutzt werden. Hierzu gehören neben der mechanischen Verstärkung vor allem UV-Schutz und Antioxidans bzw. Radikalfänger. Isolierte Lignine weisen öladsorbierende, teilweise filmbildende Eigenschaften auf. Lignin hat zudem je nach Rohstoff und Aufschlussprozess einen spezifischen braunen Farbton, perfekt um es als biobasiertes Pigment zu nutzen.  
 
Die Übertragung der natürlichen Schutzfunktionen aus der Pflanze in das Produkt mit unserer Technologie gibt uns die Möglichkeit, die Performance neuer Materialien zu verbessern und gleichzeitig den Einsatz umwelt- und gesundheitsschädlicher Inhaltsstoffe zu reduzieren. Hierzu gehören z.B. UV-Filter, erdölbasierte Stabilisatoren, Filmbildner und Booster.  

Lignopure arbeitet daran, Lignin gezielt in hochwertige Anwendungen zu bringen.  
In welchen Einsatzfeldern seht ihr derzeit besonders großes Potenzial – und welche Beispiele zeigen bereits heute, was mit Lignin möglich ist? 

Wenn man einen Blick z.B. in aktuelle Forschungsprojekte zum Thema Lignin wirft, findet man dort nahezu alles, was man sich vorstellen kann: Von Bitumen über Gummi zu Thermoplasten und Duromeren oder Farben und Lacken, über Batterietechnologie und Carbon Capture bis hin zu Food, Animal Feed, oder sogar Pharmaanwendungen – und eben Kosmetik!  
 
Da braucht es Fokus. Wir sehen unsere Stärke bei Lignopure vor allem in unserer Pionierarbeit im Life Science Bereich und höherwertigen Materialanwendungen, wo es neben der Natürlichkeit vor allem auf Performance ankommt. Der Kosmetikmarkt war für uns als Startpunkt in vielerlei Hinsicht perfekt. Mit seinen natürlichen Funktionen lässt sich Lignin sehr gut in natürlicher Sonnenschutz- und Hautpflege, aber auch dekorativen Produkten einsetzen.  
 
Gleichzeitig ist der regulatorische Aufwand geringer als in den anderen Life Science Bereichen, die anfänglichen Abnahmemengen moderat und der Markt nimmt Innovationen verhältnismäßig schnell an. Wobei sich Europa hier an anderen Ländern gut eine Scheibe abschneiden kann: Das erste Produkt mit LignoBase ist in Südkorea auf den Markt gekommen, einem der Vorreiter, wenn es um hochwertige, innovative Produktkonzepte geht. Aber auch in Europa werden zeitnah Produkte folgen! 

Du hast deine Lignin-Expertise auch in das Projekt BAMBI – Marktpotenzial holzbasierte Bioökonomie eingebracht. Wie genau sah dein Beitrag aus? Und wie schätzt du das Marktpotenzial von Lignin ein? 

Ja, das war wirklich ein sehr wertvoller und produktiver Tag! Ich hatte die Möglichkeit, Lignopures Perspektive und Expertise in zwei Fokusgruppen einzubringen und mich intensiv mit anderen Experten und Stakeholdern auszutauschen. Insgesamt sind wir sehr überein gekommen, dass es mehr gezielte Förderung für die Entwicklungs- und CAPEX-intensive aber absolut essentielle Skalierung von Lignin-Technologien geben muss. Aber auch, dass nur strikte Regulierungen und Quoten für nachhaltige Rohstoffe die Industrie wirklich bewegen werden, biobasierte Inhaltsstoffe in großem Maßstab einzusetzen.  

Wenn wir nach vorne blicken: Welche Rolle kann Lignin deiner Meinung nach künftig in einer nachhaltigeren Chemie- und Materialindustrie spielen – und woran arbeitet ihr bei Lignopure aktuell besonders intensiv? 

Meiner Meinung nach muss und wird Lignin eine der großen Säulen unserer zukünftigen Bioökonomie sein. Weltweit wird intensiv an der Wertschöpfung biogener Nebenströme und neuen Bioraffineriekonzepten gearbeitet. Hochwertiges Lignin wird in zunehmendem Maße verfügbar und muss auch genutzt werden. 

Zudem steigen die Grenzwerte und regulatorischen Anforderungen an viele persistente, bioakkumulative oder toxische Inhaltsstoffe signifikant an, echte Alternativen sind bisher spärlich gesät. Hierzu zählen neben PFAS und Mikroplastik unter anderem UV-Filter. 
 
Wir arbeiten intensiv and der Erschließung weiterer Märkte, welche dies stark betrifft und in welchen die Funktionalitäten des Lignins besonders viel Potential haben. Der nächste logische Schritt für uns ist daher, Lignin mit seiner Farbe, UV-Schutz und antioxidativen Aktivität als funktionales Pigment im Bereich der Farben, Lacke und Beschichtungen zu etablieren.  
 
Muster und weitere Informationen zu unserer neuen Produktlinie Arbex für den Paints & Coatings Bereich werden Ende April offiziell verfügbar sein, dies wird ein spannender neuer Markt für uns! Diverse Lignine für weitere technische Anwendungen z.B. im Polymerbereich können ebenfalls ganz einfach über uns bezogen werden. 

Über Wienke Reynolds

Wienke Reynolds ist Mitgründerin und CTO der LignoPure GmbH. Sie studierte Bioverfahrenstechnik and der TU Hamburg und promovierte dort am Institut für Thermische Verfahrenstechnik im Bereich Bioraffinerie-Prozessentwicklung. 

Die chemische Industrie steht vor großen Herausforderungen – von Nachhaltigkeit bis zu innovativen Lösungen für globale Märkte. Thomas Wackerbauer von Archroma erklärt, wie das Unternehmen mit maßgeschneiderten Spezialchemikalien, flexibler Lohnfertigung und ambitionierten Nachhaltigkeitszielen nicht nur Branchenstandards setzt, sondern auch seinen Kunden echten Mehrwert bietet.

Hallo Herr Wackerbauer!
Archroma ist ein breit aufgestellter Lieferant für spezielle Chemikalien. Welchen Prinzipien wird dabei gefolgt, welche Branchen werden angesprochen und daraus resultierend, welche Art von Lohnfertigung kann Archroma anbieten?

ARCHROMA bedient viele Industriezweige, wie die Textilindustrie (Farbstoffe, Textilveredelung, funktionelle Ausrüstungen), Verpackungs- und Papierindustrie (Farbstoffe, optische Aufheller, Barrierelösungen) oder Beschichtungen, Klebstoffe und Bauchemie.

Wir stellen kundenspezifische Spezialchemikalien nach individuellen Rezepturen nach Kundenvorgabe her und können Klein- und Großserienproduktionen an unserem Standort anbieten.
Dabei sichern wir die erzeugten Produkte Qualitäts- und regulatorisch mit allen gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich Dokumentation, Analytik, Qualitätskontrolle und der Einhaltung internationaler Standards ab.

Hierbei steht die Nachhaltigkeit (der sogenannte „The Archroma Way“) als Chemiehersteller im Vordergrund. Hier geht es um die Entwicklung umweltfreundlicher und sicherer Chemielösungen, die Reduktion von Wasser-, Energie- und Ressourcenverbrauch bis hin zur Förderung von Kreislaufwirtschaft und verantwortungsvoller Beschaffung.

Wir setzen auf Innovation und Performance mit unseren Hochleistungschemikalien mit funktionalem Mehrwert und maßgeschneiderte Lösungen für spezifische Kundenanforderungen.

Im Besonderen fokussieren wir uns auf Kundenorientierung, einer engen Zusammenarbeit mit Industriekunden und deren Entwicklung individueller Rezepturen und Systemlösungen.

Sie haben derzeit Leerstand in Ihren Anlagen, der wieder befüllt werden soll. Für welche Firmen ist das interessant und welche Möglichkeiten bieten sich hier?

Freie Anlagenkapazitäten können gezielt für Lohnfertigung genutzt werden, insbesondere für kleinere Spezialchemieunternehmen, internationale Firmen ohne eigene Produktion oder Unternehmen mit temporärem Kapazitätsbedarf.

Durch vorhandene Infrastruktur und Know-how kann ARCHROMA verschiedene Dienstleistungen anbieten:

Das reicht von Produktionen Spezialchemie nach Kundenspezifikation, Klein- und Großserien bis zu Scale-up und Pilotproduktion.
Auch bieten wir durch unsere Infrastruktur und Bauflächen ideale Bedingungen für Neuansiedlungen von Start-Up- oder international tätigen Unternehmen. Büro- und Laborflächen, Lagerflächen im Hochregallager stehen ebenso zur sofortigen Nutzung zur Verfügung wie Bauland für größere Expansionen für Unternehmen.

Hieraus ergibt sich ein einzigartiger Vorteil:
Die Kunden können dabei die bestehende Infrastruktur, Qualitätsstandards und Branchenexpertise der ARCHROMA nutzen, um flexible Produktionslösungen für sich zu nutzen und wiederum ihren Kunden anbieten, oder aber auch im großen Maßstab mit uns zu wachsen. Besonders in einer sehr gut angebundenen Verkehrslage nördlich von Augsburg an der B2 ist dies für jedes Unternehmen ein sehr großer Vorteil

Wie reagieren Sie auf aktuelle Markttrends, wie die steigende Nachfrage nach nachhaltigen Chemikalien und die Verknappung von Ressourcen?

Wir reagieren auf Markttrends, indem wir nachhaltige Produkte entwickeln, unsere eigenen Produktionsprozesse effizienter gestalten und eng mit Kunden zusammenarbeiten.
Dadurch können wir Ressourcen schonen, regulatorische Anforderungen erfüllen und gleichzeitig neue Marktchancen für ARCHROMA und seinen Kunden erschließen.

Wie werden diese ambitionierten Nachhaltigkeitsziele in ihre Fertigungsprozesse integriert und wie profitieren die Kunden davon?

Archroma integriert Nachhaltigkeit direkt in seine Produktionsprozesse durch ressourceneffiziente Technologien, nachhaltige Rohstoffe und transparente Standards. Kunden profitieren dadurch von effizienteren Prozessen, regulatorischer Sicherheit und Produkten, die ihre eigenen Nachhaltigkeitsziele unterstützen.

Gibt es noch etwas, was Sie unseren LeserInnen mit auf den Weg geben wollen?

Abschließend möchte ich betonen, dass die chemische Industrie eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung vieler globaler Herausforderungen spielt – insbesondere im Hinblick auf Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und innovative Materialien.

Unternehmen wie ARCHROMA zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und verantwortungsvolles Handeln kein Widerspruch sein müssen, sondern sich gegenseitig stärken können.

Gerade durch enge Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Rohstofflieferanten über Hersteller bis hin zu den Endkunden – können wir Lösungen entwickeln, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch nachhaltig sind.

Mein Wunsch an die Leserinnen und Leser wäre daher, offen für neue Technologien und nachhaltige Ansätze zu bleiben.

Denn die Transformation hin zu einer ressourcenschonenderen Industrie gelingt nur gemeinsam – durch Kooperation, Innovationsgeist und langfristiges Denken.

Ihr Thomas Wackerbauer

Über Thomas Wackerbauer

Thomas Wackerbauer ist Werksleiter des Produktionswerks von ARCHROMA International (Germany) GmbH in Langweid bei Augsburg. In dieser Funktion verantwortet er den Betrieb eines modernen Spezialchemie-Standorts innerhalb des ARCHROMA – Konzerns mit Produktions-, Labor- und Scale-up-Kapazitäten. Sein Fokus liegt auf der Weiterentwicklung des Standorts, der Zusammenarbeit mit Industriepartnern und der Förderung von Innovation im Bereich Spezialchemikalien.

Über das Werk Langweid

Das Werk in Langweid ist in das globale Netzwerk des ARCHROMA-Konzerns eingebunden. Zu den Kernkompetenzen gehören eine moderne Produktion, eine globale Prozessentwicklung mit einem Pilotbetrieb sowie eine Forschungsabteilung für Textilchemikalien. Von den rund 5.000 Mitarbeitenden des ARCHROMA-Konzerns, arbeiten rund 130 Kolleginnen und Kollegen im Werk Langweid.

Mit der BioCampus MultiPilot-Anlage entsteht in Straubing eine wegweisende Demonstrationsanlage für industrielle Biotechnologie, die Forschung und Praxis verbindet. Im Interview erläutert der neue Geschäftsführer des BioCampus, wie das Projekt die regionale Bioökonomie stärkt, welche strategischen Meilensteine bis 2027 erreicht werden sollen – und warum die Anlage zum zentralen Hub für nachhaltige Innovation werden kann. Ein Gespräch über Visionen, Wertschöpfung und die Zukunft der biobasierten Wirtschaft.

Der BioCampus Straubing arbeitet aktuell am Bau der BioCampus MultiPilot-Anlage als einer Mehrzweck-Demonstrationsanlage für industrielle Biotechnologie. Welche Fortschritte sehen Sie derzeit bei diesem Projekt und welche strategischen Meilensteine haben Sie sich als Geschäftsführer persönlich dafür gesetzt?

Die Errichtung der BioCampus MultiPilot ist für uns kein gewöhnliches Bauprojekt, sondern schließt ein Lücke in der hiesigen industrielle Bioökonomie. Wir sind aktuell auf einem sehr guten Weg. Die Anlagenhülle steht bereits, und die ersten Hauptapparate sind im Stahlbau platziert. Nun beginnt die Phase der Detailmontage für die weiteren Apparate, Rohrleitungen und die Verkabelung. Parallel dazu bereiten wir bereits die Inbetriebnahme sowie die ersten konkreten Kundenprojekte vor.

Meine oberste Priorität ist die termingerechte Fertigstellung bis Anfang 2027 und die erfolgreiche Aufnahme des Betriebs im selben Jahr.

Mein strategisches Ziel ist, den BioCampus Straubing durch die MultiPilot-Anlage als den zentralen europäischen Hub für industrielle Biotechnologie zu etablieren. Und unsere exzellente Infrastruktur so tief in das regionale Netzwerk einzufügen, dass wir für Partner und Kunden aus der Industrie und Forschung die unangefochtene erste Adresse sind, wenn es um die Skalierung und Demonstration nachhaltiger Innovationen geht.

Wie bewerten Sie die Bedeutung dieser Anlage für die Entwicklung der industriellen Bioökonomie in Straubing und darüber hinaus? Sehen Sie sie als konkreten Hebel für regionale Wertschöpfung, neue Arbeitsplätze oder internationale Kooperationen?

Die BioCampus MultiPilot-Anlage ist der entscheidende, hier noch fehlende Baustein, um die Brücke zwischen exzellenter Forschung und industrieller Anwendung zu schlagen. Mit ihrem flexiblen Multipurpose-Ansatz verfügt sie über alle Voraussetzungen eines effektiven Skalierungs- und Demonstrationshubs. Unser Ziel ist es, den Freistaat Bayern durch den Standort Straubing noch markanter auf der Landkarte der industriellen Biotechnologie zu positionieren, der weit über die Region hinaus Strahlkraft entfalten.

Dabei ist die Anlage kein Selbstzweck. Besonders wichtig ist mir eine greifbare regionale Wertschöpfung. Wir schaffen ein Umfeld, in dem Unternehmen nicht nur testen, sondern Wurzeln schlagen können. Das Spektrum reicht von der Nutzung unserer Labore im Technologie- und Gründerzentrum Straubing über die Ansiedlung von Demo-Anlagen bis hin zur engen Synergie mit dem TUM Campus Straubing und dem Fraunhofer IGB BioCat. Wir selbst schaffen in der Anlage hochwertige Arbeitsplätze. Letztendlich ist mein Anspruch, die MultiPilot-Anlage an zählbaren Ergebnissen messen zu lassen – für unsere Kunden, die Partner vor Ort und die wirtschaftliche Entwicklung der Region – daran werde ich mit meinem Team arbeiten.

Industrie und Wissenschaft diskutieren derzeit intensiv über die Transformation hin zu einer biobasierten Wirtschaft. Wie möchten Sie als neue Leitung des BioCampus dazu beitragen, insbesondere in Bezug auf Wachstum bestehender Unternehmen, Förderung von Start-ups oder Innovationsnetzwerke? Wie sehen Sie die aktuellen Bewegungen innerhalb der Transformation?

Die Industrie befindet sich aktuell in einem tiefgreifenden Wandel, der weit über die bioökonomische Transformation hinausgeht. Aber für mich ist eines klar: Die industrielle Biotechnologie besitzt ein immenses Potenzial, um diesen Wandel positiv und nachhaltig zu gestalten.

Für eine erfolgreiche Transformation reicht Innovationskraft allein jedoch nicht aus; entscheidend sind die wirtschaftliche Tragfähigkeit und die technoökonomische Verlässlichkeit. Genau hier setzen wir an. Wir verstehen uns als zentrale Anlaufstelle für Unternehmen jeder Größe – vom agilen Start-up bis zu etablierten Konzernen. Unser Ziel ist es, biotechnologische Lösungen von der ersten Idee bis zur marktfähigen Anwendung zu begleiten.

Mit der BioCampus MultiPilot-Anlage wollen wir jenen Akteuren, die den Schritt in die industrielle Umsetzung wagen, operative Hürden aus dem Weg räumen. Wir bieten die Infrastruktur, um Prozesse zu validieren und den Markteintritt neuer Produkte abzusichern. So leisten wir einen aktiven Beitrag dazu, dass die Transformation nicht nur eine Vision bleibt, sondern wirtschaftlicher Erfolg am Standort wird.

Sie sind neu als Geschäftsführer ernannt; welche neuen Impulse oder strategischen Ausrichtungen möchten Sie für BioCampus Straubing setzen? Gibt es besondere Initiativen, Partnerschaften oder Zielmärkte, die Sie in den kommenden Jahren stärken wollen?

Mit meinem industriellen Hintergrund bringe ich eine praxisnahe Erfahrungsperspektive ein, die ich gezielt für die erfolgreiche Inbetriebnahme unserer Anlage und den Ausbau strategischer Partnerschaften nutzen werde. Ich bin der festen Überzeugung: Innovation ist der Motor für nachhaltige Wertschöpfung.

Ein zentraler Impuls wird sein, Kooperationen und Innovationsnetzwerke auf ihren konkreten Nutzen hin auszurichten. Jede unserer Aktivitäten muss einen klaren Wertbeitrag liefern – primär für unsere Kunden, aber auch für die Stadt Straubing, die Region und den Freistaat Bayern als maßgebliche Förderer der BioCampus MultiPilot.

In Bezug auf die Zielmärkte richten wir uns konsequent nach den Bedarfen unserer Kunden. Unser Anspruch ist es, von Beginn an durch eine hohe prozesstechnische Flexibilität und breite Expertise zu überzeugen, damit wir agil auf Marktbewegungen und individuelle Kundenanforderungen reagieren können. So entwickeln wir den BioCampus Straubing zu einem verlässlichen Partner für die industrielle Biotechnologie.

Gibt es noch etwas, was Sie unseren Leser:innen mit auf den Weg geben wollen?

Ich bin beeindruckt von der Unterstützung aus der Politik und unserem Partnernetzwerk, die ich hier in den ersten Wochen erfahren durfte – ein solches Engagement ist keineswegs selbstverständlich. Der Freistaat Bayern investiert hier massiv in die Zukunft der industriellen Bioökonomie. Alle Partner bringen sich uneingeschränkt ein. Unsere Aufgabe ist es nun, diesen Weg konsequent weiterzugehen und den BioCampus als zentralen Erfolgsbaustein zu etablieren.

Dafür haben wir ein kompetentes und hochmotiviertes Team an Bord, das wir in nächster Zeit noch gezielt verstärken werden. Wir blicken mit großer Vorfreude auf die kommenden Aufgaben und sind bereit, unseren Beitrag zur nachhaltigen Transformation der Industrie zu leisten.

  

Über Peter Dettelmann:

Peter Dettelmann studierte Verfahrenstechnik an der RWTH Aachen und verantwortete in der chemischen Industrie zahlreiche Führungsfunktionen, darunter als Standortleiter, als Leiter des Geschäftsbereichs Standortmanagement bei der Evonik Industries AG sowie als Geschäftsführer der Evonik Superabsorber GmbH, wo er unter anderem den Unternehmensverkauf strategisch begleitete. Dort steuerte er zudem erfolgreich die Integration des Unternehmens beim neuen Eigentümer. Seit Dezember 2025 ist er hauptamtlicher Geschäftsführer bei der BioCampus Straubing GmbH. Neben der Geschäftsverantwortung liegt sein aktueller Fokus auf der erfolgreichen Inbetriebnahme der BioCampus MultiPilot im Jahr 2027, einer vom Freistaat Bayern mit 80 Mio. € geförderten Mehrzweckdemonstrationsanlage für die Demonstration und Skalierung von Prozessen der industriellen Biotechnologie.

Seit 30 Jahren begleitet Bayern Kapital innovative Unternehmen beim Wachstum und zählt heute zu den finanzstärksten staatlichen VC-Investoren Deutschlands. Im Gespräch blicken wir auf die Entwicklung des bayerischen Start-up-Ökosystems, die Herausforderungen kapitalintensiver Deeptech-Modelle und die technologischen Trends, die das Investitionsumfeld künftig prägen werden.

Bayern Kapital feierte im letzten Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Wenn Sie zurückblicken –
welche Entwicklungen im bayerischen Start-up-Ökosystem haben Sie in dieser Zeit am meisten
geprägt, und was bedeutet dieses Jubiläum für Sie persönlich?

Im vergangenen Jahr konnten wir das 30-jährige Bestehen von Bayern Kapital feiern, und für
mich persönlich fiel das nahezu zusammen mit meinem eigenen Jubiläum: Seit 25 Jahren bin ich
Teil von Bayern Kapital und habe die Entwicklung des bayerischen Start-up-Ökosystems über
viele Phasen hinweg miterlebt.
Als ich begonnen habe, waren Start-up-Investments stark vom Neuen Markt geprägt, der sich
damals noch auf seinem Höhepunkt befand. Kurz darauf folgte jedoch dessen Zusammenbruch,
Börsengänge als Exit-Pfad spielten für lange Zeit kaum noch eine Rolle und M&A-Transaktionen
gewannen deutlich an Bedeutung.
Über die Jahre hinweg hat der Markt mehrere Höhen und Tiefen durchlaufen. Was sich dabei
immer wieder bestätigt hat: Nach schwierigen Phasen folgen neue Wachstumszyklen – und
wirklich gute Unternehmen finden auch in herausfordernden Zeiten Kapital. Diese Erfahrung
prägt bis heute unser Handeln bei Bayern Kapital und bestätigt den Wert eines langfristigen,
nachhaltigen Investmentansatzes.

Bayern Kapital gilt als einer der finanzstärksten staatlichen VC-Investoren in Deutschland – mit
Beteiligungen von bis zu 50 Mio. Euro pro Unternehmen. Welche Rolle spielt dieses
Alleinstellungsmerkmal für die Attraktivität des Standorts Bayern und für technologieorientierte
Start-ups, etwa aus der Chemieindustrie?

Die Möglichkeit, Unternehmen als Ankerinvestor über mehrere Finanzierungsrunden hinweg
langfristig zu begleiten und Beteiligungen von bis zu 50 Millionen Euro einzugehen, ist ein
zentrales Alleinstellungsmerkmal von Bayern Kapital – und in dieser Kombination europaweit
eine Seltenheit. Gerade für technologieorientierte und kapitalintensive Start-ups, etwa aus der
Chemieindustrie oder angrenzenden Deeptech-Bereichen, ist diese phasenübergreifende
Finanzierungsperspektive entscheidend.
Unsere Investitionen sind dabei bewusst an einen relevanten Standort in Bayern geknüpft.
Dadurch schaffen wir einen klaren Anreiz, innovative und wachstumsstarke Unternehmen im
Freistaat anzusiedeln und hier langfristig zu entwickeln. Für Start-ups bedeutet das
Planungssicherheit und Verlässlichkeit über mehrere Finanzierungsrunden hinweg, für den
Standort Bayern stärkt es die Ansiedlung technologisch anspruchsvoller Unternehmen.
So trägt Bayern Kapital dazu bei, Bayern als attraktiven und wettbewerbsfähigen Standort für
internationale Hightech- und Deeptech-Unternehmen weiter zu stärken.

Viele Chemie-Start-ups stehen vor langen Entwicklungszyklen und hohem Kapitalbedarf. Wo
sehen Sie die größten Stolpersteine bei der Finanzierung – und wie kann Bayern Kapital hier
konkret unterstützen?

Die größten Stolpersteine liegen in der Kombination aus hohem Technologierisiko, großer
Kapitalintensität und langen Entwicklungszyklen. Viele Chemie-Start-ups benötigen erhebliche
Investitionen über einen langen Zeitraum, bevor sie Marktreife erreichen. Gleichzeitig ist
Risikokapital für solche Deeptech-Modelle in Europa weiterhin begrenzt. Hinzu kommen
standortspezifische Herausforderungen wie ein schwieriges Marktumfeld in der europäischen
Chemieindustrie, hohe Energiepreise und eine hohe regulatorische Komplexität, die
Finanzierungsentscheidungen zusätzlich erschweren.
Bayern Kapital kann hier auf mehreren Ebenen konkret unterstützen. Als langfristig orientierter
Investor bringen wir die notwendige Geduld mit und sind nicht auf kurzfristige Erfolge fokussiert.
Darüber hinaus verfügen wir über ein belastbares Netzwerk an nationalen und internationalen
Co-Investoren, das wir für Anschlussfinanzierungen aktivieren können.
Ergänzend unterstützen wir Unternehmen über unser Netzwerk im bayerischen
Innovationsökosystem – etwa durch Kontakte zu Initiativen wie dem ChemieCluster Bayern –
auch bei standortbezogenen Fragestellungen. So tragen wir dazu bei, Finanzierung, Skalierung
und Standortentwicklung gemeinsam zu denken und Chemie-Start-ups langfristig in Bayern zu
verankern.

Welche Kriterien sind für Sie ausschlaggebend, wenn Sie entscheiden, ob Sie in ein Start-up
investieren?

Hier sind mehrere Faktoren relevant:

  • Wer sind die Personen hinter dem Unternehmen? Ist das Team komplementär aufgestellt
  • und sind die wesentlichen Positionen besetzt?
  • Ist der Markt ausreichend groß und besteht ein Wettbewerbsvorsprung?
  • Was ist das zentrale Alleinstellungsmerkmal?
  • Wie sieht das IP-Portfolio aus? Sind die wesentlichen Schutzrechte im Unternehmen oder
  • durch Lizenzen gesichert?
  • Wird das Unternehmen mit der Finanzierungsrunde ausreichend finanziert sein, um
  • wesentliche Entwicklungsmeilensteine zu erreichen, die eine Anschlussfinanzierung oder
  • den Marktzugang ermöglichen?
  • Ist das Konsortium Follow-on fähig?

Wagen wir einen Blick nach vorn: Welche technologischen Trends werden aus Ihrer Sicht in den
kommenden Jahren das Investitionsumfeld am stärksten prägen?

In den kommenden Jahren prägen vor allem KI-getriebene Technologien, Dateninfrastruktur und
Automatisierung das Investitionsumfeld, ergänzt durch Cybersecurity,
Nachhaltigkeitstechnologien und neue Hardware-/Cloud-Architekturen. Für Investorinnen und
Investoren bedeutet das: Kapital fließt verstärkt in skalierbare Plattformen, die Daten, KI und
physische Systeme (Roboter, Edge-Geräte) verbinden und oft durch Regulierung (z.B. EU-KIGesetz,
ESG-Regeln) strukturell begünstigt werden. In der Chemiebranche verschieben sich
Investitionen in den nächsten Jahren stark in Richtung Digitalisierung der Produktion,
nachhaltige Rohstoffe/Prozesse und neue (bio‑)chemische Verfahren. Gleichzeitig steigt der
Druck durch Energiepreise, Regulierung und Dekarbonisierung, was Effizienz- und
Automatisierungstechnologien besonders attraktiv macht.

  

Dr. Nathalie Weitemeyer über sich:

Ich habe an der Universität Tübingen Chemie studiert und im Arbeitskreis von Prof. Ernst Bayer zur
Darstellung und Charakterisierung von Nanopartikeln promoviert. Im Anschluss an meine Promotion
habe ich in bei der Actipac GmbH, einem StartUp, das Drug Delivery Systeme entwickelte, meine
ersten beruflichen Erfahrungen gesammelt. Parallel beendete ich mein Aufbaustudiengang zur
Diplom-Wirtschaftschemikerin. 2001 wechselte ich aus dem StartUp-Bereich in den
Investmentbereich und kam zur Bayern Kapital GmbH. Hier betreute ich Unternehmen aus den
verschiedensten Branchen und Entwicklungsstadien. In den letzten Jahren habe ich als Investment
Director LifeSciences und Senior Investmentmanagerin einen Schwerpunkt im Bereich LifeSciences,
bin aber weiterhin an Fällen aus anderen Branchen interessiert.