Exergy3 zählt zu den spannendsten jungen Unternehmen im Bereich industrieller Wärmewende: Mit modularen Hochtemperaturspeichern verwandelt das Team überschüssigen grünen Strom in flexible Prozesswärme. Im Gespräch wird deutlich, welche Rolle die Pilotanlage in Schottland, neue Geschäftsmodelle und Energiehandel für die Skalierung ihrer Technologie spielen.

Lieber Markus, die Exergy3 ist im Oktober in die „50 to Watch“ Liste der Gleantech Group aufgenommen worden. Möchtest du unseren Mitgliedern erzählen, was ihr produziert und welche Dienstleistungen ihr anbietet?​ 

„Industrielle Prozesswärme verursacht rund 25 % der globalen CO₂-Emissionen. Gleichzeitig verschwenden wir große Mengen grüner Energie, weil erneuerbare Erzeuger abgeregelt werden müssen, wenn der Energiebedarf geringer ist als das Angebot oder wenn das Netz überlastet ist. 

Um dieses Problem zu lösen, entwickelt Exergy3 modulare, hochleistungsfähige Wärmespeicher. Kurz gesagt wandeln unsere Systeme grünen Strom in bis zu 1.200 °C heiße Wärme um. Diese speichern wir und können sie anschließend flexibel bei Temperaturen zwischen 100 und 1.000 °C wieder bereitstellen.“ 

Wie funktioniert eure Technologie und was macht sie/Exergy3 so besonders?

    „Im Moment befindet sich unsere Pilotanlage an der Annandale Whisky Distillery in Schottland in der Inbetriebnahme. Dort haben wir drei Module mit einer Gesamtspeicherkapazität von 30 MWh installiert. Zum Laden handeln wir das System aktiv an den Strommärkten – unter der Bedingung, dass täglich zum Schichtbeginn um 6:30 Uhr genügend Energie eingespeichert ist, um den gesamten Wärmebedarf der Destillerie abzudecken. Zum Entladen blasen wir Luft durch unsere Speicher. In Annandale exportieren wir diese anschließend mit rund 530 °C in einen Dampfkessel. Dieser erzeugt Dampf bei etwa 220 °C und 10 bar, der die gesamte Destillerie mit Wärme versorgt. Unser Kontrollsystem ist vollständig mit der Destillerie synchronisiert und passt den Energieausstoß dynamisch an den aktuellen Bedarf an. Die Gesamteffizienz des Systems liegt bei ca. 96%.“ Unser Ziel ist die radikale Reduzierung der globalen CO₂-Emissionen. Das gelingt jedoch nur, wenn wir hyper-skalierbare Lösungen entwickeln, die den Status quo im Wettbewerb deutlich übertreffen. Um ein kommerziell durchsetzungsfähiges Angebot auf den Markt zu bringen, sind wir daher auf drei Feldern Pioniere: 

    • Technologie
    • Neue Geschäftsmodelle und Projektfinanzierung
    • Energiehandel und Netzflexibilität

    Unsere Technologie ist außerordentlich kompakt: Unsere 10-MWh-Module passen in eine Standardgarage und lassen sich entsprechend einfach und kostengünstig produzieren, transportieren und installieren. In Annandale hat es beispielsweise nur vier Tage gedauert, die Anlage in Position zu bringen. Darüber hinaus ist das System darauf ausgelegt, die Lade- und Entladekapazität flexibel an die vorhandene Netzkapazität anzupassen. Wir haben unsere Technologie konsequent auf Kostenoptimierung ausgerichtet – bei Herstellung, Installation und Betrieb. Dennoch bleiben selbstverständlich die Stromkosten der entscheidende Faktor. Deshalb entwickeln wir verschiedene Modelle, um möglichst nahe an den Gaspreis heranzukommen. In Annandale ist es uns bereits mehrfach gelungen, den Gaspreis zu unterbieten. Allerdings sind sowohl in Deutschland als auch im Vereinigten Königreich die Netz- und Stromnebenkosten deutlich höher als bei Gas, was unsere Arbeit herausfordernd macht.“ 

    ​​Für wen ist eure Technologie besonders geeignet?​ 

      ​​Wir können sowohl grünen Dampf als auch direkte Wärme, also heiße Luft, bereitstellen. Darüber hinaus sind wir in der Lage, im Hybridbetrieb zu arbeiten. Das bedeutet, dass wir unsere Systeme gleichzeitig oder abwechselnd mit fossilen Energieträgern betreiben können. Auf diese Weise lassen sich sowohl die Installationskosten als auch die laufenden Brennstoffkosten optimal gestalten.“​ 

      Gibt es noch etwas, was Sie unseren LeserInnen mit auf den Weg geben wollen? 

        ​​Derzeit planen wir unsere Expansion nach Kontinentaleuropa und haben Bayern als strategischen Brückenkopf im Blick. Dort suchen wir nach Projektpartnern, die als Standort für unsere nächste Installation infrage kommen. ​Gleichzeitig bereitet die Europäische Investitionsbank derzeit eine ‚Heat Auction‘ vor, in deren Rahmen potenzielle Abnehmer unserer Technologie für jede vermiedene Tonne CO₂ vergütet werden sollen. 
        ​Wer also Interesse hat seine Energieversorgung lukrativ neu zu denken, kann sich gerne über den Chemiecluster an uns wenden!​

        Veranstaltungshinweis

        Dr. Estelle Clerc ist am 9. Dezember als Expertin in unserem Spotlight-Webinar „Wasser als kritische Ressource der Zukunft – Technologien für eine nachhaltigere Chemieindustrie“ dabei und stellt dort CellX Biosolutions vor.

        Sie freut sich darauf, direkt mit Ihnen in den Austausch zu treten und Ihre Fragen zu beantworten.

        Liebe Estelle, kannst du uns zum Einstieg kurz CellX Biosolutions vorstellen? Was genau macht ihr – und wie helfen eure mikrobiellen Lösungen dabei, hartnäckige Schadstoffe wie PFAS abzubauen?

        CellX Biosolutions ist ein Cleantech-Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, extrem langlebige Industriechemikalien abzubauen – allen voran die Ewigkeitschemikalien PFAS.

        Wir haben Technologien entwickelt, mit denen wir in der Natur seltene Bakterien aufspüren können, die tatsächlich in der Lage sind, diese Stoffe abzubauen – Mikroben, die mit herkömmlichen Methoden nie entdeckt würden. Diese Bakterien kultivieren wir und kombinieren sie zu maßgeschneiderten mikrobiellen Konsortien, die in belasteten Industrieabwässern, Böden oder im Grundwasser eingesetzt werden können. 

        Unsere Vision geht jedoch weiter: Wir wollen weg von energieintensiven Verfahren wie der Verbrennung und stattdessen biologische Lösungen nutzen, um Verschmutzungen direkt an der Quelle zu beseitigen – nicht nur in flüssigen Abwässern, sondern auch an stark belasteten Standorten, deren Böden heute als „Altlasten“ gelten. Solche Flächen möchten wir wieder nutzbar und ökologisch wertvoll machen. 

        Unser Ziel ist es, Sanierungsmethoden zu schaffen, die sowohl nachhaltig für die Industrie als auch regenerativ für Umwelt und Ökosysteme sind. 

        Woran arbeitet ihr aktuell besonders intensiv? Gibt es Entwicklungen oder Projekte, die für euch gerade besonders spannend sind?

        Derzeit konzentrieren wir uns stark darauf, unsere mikrobiellen Konsortien mit realen Industrieproben zu testen. Wir arbeiten parallel an mehreren Anwendungsfeldern: belasteten Böden, hochkonzentrierten Abwässern aus Verfahren wie Schaumfraktionierung oder Umkehrosmose, sowie festen Materialien wie Aktivkohle oder Ionenaustauscherharzen. 

        Bis 2026 werden wir gemeinsam mit unseren Industriepartnern eine Reihe von Lab-Piloten durchführen, die uns diese verschiedenen kontaminierten Matrizes zur Verfügung stellen. 
        Ziel ist es, herauszufinden, in welchen Anwendungen unsere Mikroben am effektivsten arbeiten – diese wollen wir dann ab 2027 in die ersten industriellen Pilotanlagen überführen. 

        Mit welchen Herausforderungen oder Fragestellungen können sich Unternehmen an euch wenden? In welchen Fällen könnt ihr am besten unterstützen?

        Die meisten Unternehmen melden sich bei uns, weil sie PFAS in ganz unterschiedlichen Medien haben – in Böden, konzentrierten Abwässern, Aktivkohle oder Harzen – und testen möchten, wie gut unsere Bakterien damit umgehen können. 
        Andere kommen auf uns zu, weil sie mit Schadstoffen zu tun haben, die derzeit ausschließlich verbrannt werden, da sie als „nicht biologisch abbaubar“ gelten. 


        In solchen Fällen starten wir ein Discovery-Projekt: Wir gehen zurück in die Natur, suchen mit unseren Tools nach neuen Bakterien und entwickeln ein maßgeschneidertes mikrobielles Konsortium für genau diesen Schadstoff und den jeweiligen Abfallstrom. 


        Kurz gesagt: 
        Wenn ein Unternehmen einen persistenten Schadstoff hat, für den es außer Verbrennung keine echte Lösung gibt – dann sind wir genau der richtige Ansprechpartner. 

        Zum Abschluss: Gibt es etwas, das du unseren Leser:innen gerne mitgeben möchtest?

        Wir suchen aktiv die Zusammenarbeit mit Unternehmen, die vor besonders hartnäckigen Abfall- und Schadstoffproblemen stehen. 
        Wenn ein Schadstoff heute als „nicht behandelbar“ gilt, freuen wir uns darauf, gemeinsam mit euch neue Lösungen zu entwickeln. 

        Estelle Clerc, PhD, ist CEO und Mitgründerin von CellX Biosolutions, einem Spin-off der ETH Zürich, das mikrobiologische Lösungen für PFAS und andere langlebige Schadstoffe entwickelt. 
        Sie promovierte in Umwelttechnik und mariner Mikrobiologie an der ETH Zürich und forschte zuvor am MIT. 


        Bei CellX verantwortet Estelle die wissenschaftliche Strategie, die Zusammenarbeit mit Industriepartnern sowie die Markteinführung neuer biologischer Abbautechnologien für einige der weltweit schwierigsten Schadstoffe. 

        Lieber Carsten, mit Fox Base habt ihr es euch zum Ziel gesetzt, die B2B-Prozesse eurer Kunden zu optimieren. Dafür habt ihr euch 2023 nicht nur die Unterstützung des Baustoffzulieferers Schöck AG gesichert, sondern seid nun auch zum zweiten Mal mit dem „Best Of Technology“-Award der WirtschaftsWoche ausgezeichnet worden. 
        (Quelle 1, Quelle 2)  


         
        Wer seid ihr und was macht Fox Base zum „Best Of Technology“-Preisträger? ​

        ​​FoxBase ist ein KI-getriebenes SaaS-Unternehmen aus Düsseldorf mit der Mission, den B2B-Vertrieb radikal zu vereinfachen. Unsere Digital-Sales-Lösung – der Digital Product Selector – revolutioniert die Art und Weise, wie Unternehmen erklärungsbedürftige Produkte vertreiben. Seit unserer Gründung 2018 verfolgen wir einen technologie- und anwenderzentrierten Ansatz, um Vertriebsteams effizienter, schneller und erfolgreicher zu machen. 

        ​Unsere Lösung überzeugt durch den Einsatz sprachgesteuerter künstlicher Intelligenz, die in natürlicher Sprache mit Endkunden kommunizieren, deren Anforderungen verstehen und sofort passende Produktvorschläge machen kann. Das bringt uns nicht nur den „Best of Technology“-Award 2024, sondern bestätigt auch unsere Rolle als Innovationsführer in der Digitalisierung des B2B-Vertriebs​ 

        Euer Digital Product Selector unterstützt Unternehmen dabei, „erklärungsbedürftige Produkte“ leicht zugänglich zu machen. Kannst Du uns anhand eines praktischen Beispiels erklären, was unter „erklärungsbedürftigen Produkten“ zu verstehen ist und wie Eure Software den Vertrieb dieser Produkte unterstützt?​ 

        ​​Erklärungsbedürftige Produkte sind oft technisch komplex und nicht einfach durch einen klassischen Online-Shop verkäuflich – dies sehen wir insbesondere in der Chemieindustrie. Hier sind Formulierungen, Einsatzgebiete und gesetzliche Auflagen häufig kundenspezifisch zu berücksichtigen. 

        ​Ein Praxisbeispiel: Ein Chemieunternehmen das Spezialchemikalien für die Pharmaindustrie vertreibt, muss Kunden dabei unterstützen, aus hunderten Varianten die exakt passende Lösung für ihren Produktionsprozess zu identifizieren. Die Anforderungen können sich je nach Branche, Reinheitsgrad, Sicherheitsanforderungen oder regulatorischen Rahmenbedingungen stark unterscheiden. 

        ​Mit unserem Digital Product Selector wird der Kunde durch eine intelligente Bedarfsanalyse geführt – etwa durch gezielte Fragen zur gewünschten Anwendung, regulatorischen Vorgaben oder Materialeigenschaften. Unsere Software verarbeitet diese Informationen in Echtzeit, filtert das passende Produktangebot und zeigt dem Kunden die optimalen Optionen an – inklusive technischer Datenblätter und Anwendungsbeispiele. Das reduziert Rückfragen, entlastet den technischen Vertrieb und erhöht nachweislich die Abschlussquote​. 

        ​Unsere Kunden können in wenigen Minuten ihre digitale KI-Beratung unter Wahrung sämtlicher Compliance-Vorgaben konfigurieren, testen und live setzen – ganz ohne Programmierkenntnisse.​ 

        Welche Rolle spielt dabei die Künstliche Intelligenz (KI)? ​  

        ​​Künstliche Intelligenz steht im Zentrum unserer Lösung. Wir kombinieren Large Language Models (LLMs) mit klassischen Verfahren wie Facettensuche und Echtzeitberechnungen, um eine flexible und leistungsfähige Interaktion zu ermöglichen. Unsere KI versteht natürliche Sprache, kann spezifisches Branchenwissen integrieren und liefert präzise Empfehlungen – sofort und ohne menschliches Eingreifen. 

        ​Der große Vorteil: Unternehmen können eigene Domain-Wissensbibliotheken aufbauen und so ihre individuelle Expertise digital verfügbar machen. Das macht unsere Lösung nicht nur leistungsfähig, sondern auch extrem adaptierbar und zukunftssicher. Darüber hinaus ist die Integration in bestehende Systeme (CRM, CMS, E-Commerce etc.) problemlos möglich. 

        ​Damit möchten wir vor allem dem Mittelstand den Zugang zu hochmodernen KI-Technologien weiter erleichtern und einer breiten Nutzerbasis zugänglich machen. 

        ​​Gibt es noch etwas, was du unseren LeserInnen mit auf den Weg geben möchtest?

        ​​Um den Einstieg für Unternehmen und Mitarbeiter so einfach wie möglich zu machen, bieten wir zeitlich befristet einen vierwöchigen Proof of Concept (PoC) an. Unternehmen erhalten damit eine sofort einsetzbare Lösung, um das große Potenzial von qualitativ hochwertiger KI im Sales Support konkret zu testen und messbare Mehrwerte innerhalb kürzester Zeit zu erzielen – von signifikanter Aufwandsreduktion bis hin zu einem deutlich verkürzten Vertriebszyklus.​ 

        ​​Carsten Dolch ist Gründer und CEO der FoxBase GmbH. Er hat Informatik mit Schwerpunkt Künstliche Intelligenz an der RWTH Aachen studiert und war im Anschluss zehn Jahre in der IT- und Unternehmensberatung tätig. Seit 2016 treibt er mit FoxBase die Digitalisierung im B2B-Vertrieb voran. Heute verantwortet er die Unternehmensstrategie, Produktvision und den Ausbau der KI-Plattform. Als passionierter Verfechter digitaler Transformation entwickelt er gemeinsam mit seinem Team Lösungen, die den Vertrieb grundlegend verändern.​ 

        Scalable IP unterstützt Start-ups, Scale-ups und KMU dabei, ihre Innovationen mit klaren IP-Strategien abzusichern und wirtschaftlich nutzbar zu machen. Hierbei spielen Patente und Marke eine Rolle, aber auch Geschäftsgeheimnisse oder sogar Defensivveröffentlichungen. Im Gespräch mit Dr. Tilman Breitenstein – ehemals Führungskraft in den Patent- und IP-Abteilungen von Unternehmen wie BASF oder DSM – beleuchten wir, wie man geistiges Eigentum strategisch denkt, Fehler vermeidet und den Wert von IP im Innovationsprozess maximiert.

        Hallo Herr Breitenstein, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für unser Interview nehmen. Zu Beginn, was genau machen Sie heute mit Scalable IP, und wie unterscheidet sich Ihre Arbeit, auch mit Blick auf Ihre frühere Tätigkeit in Industrie & Unternehmen, von klassischer Patentanwaltsarbeit?

        Ich sehe mich als Enabler, über meine Arbeit mit Startups, die Lehre an der Universität, oder über meine Unterstützung durch Seminare und Coaching in Industrieverbänden wie hier im ChemieCluster. Mein Schwerpunkt liegt dabei in der Verbindung der Unternehmensstrategie, also der Frage „wie wollt ihr erfolgreich sein“, oder „warum bezahlt der Kunde Geld für euer Produkt“ mit der IP-Strategie, also „welches IP brauche ich, um diese Unternehmensstrategie zu unterstützen, und welches nicht“. Ich arbeite hier viel mit Visualisierungen wie zum Beispiel dem Osterwalder Canvas, um eine IP-Strategie verständlich und umsetzbar zu machen. Wenn die Entscheidung fällt, Patente anzumelden, helfe ich bei der Suche nach einem spezialisierten Patentanwalt. Ich selber schreibe praktisch keine Patentanmeldungen mehr – denn jede Technologie ist anders, Details können entscheiden, und niemand kann mehr den gesamten chemischen Sektor abdecken.

        Viele Start-ups – besonders in Hightech- oder Chemiebranchen – unterschätzen IP. Was sind typische Fehler oder blinde Stellen, die Sie in jungen Unternehmen sehen, wenn es um Patente oder Know-how-Schutz geht?

        Ich beobachte häufig, dass Start-ups zu spät anfangen, sich mit IP auseinanderzusetzen. Zu häufig wird noch diese Finanzierungsrunde abgewartet, wird noch diese Versuchsreihe gefahren, wird noch dieser Prototyp gebaut. Sie verlieren hierbei einen wertvollen Vorsprung, denn die Konkurrenz schläft nicht. Für eine erfolgreiche Patentanmeldung benötigt man keinen Prototypen. Man muss eine ausführbare Erfindung  beschreiben können, und das ist meistens wesentlich früher. Ich nenne das die Expertenfalle: Der Maßstab für Patentierterbarkeit ist nicht, was kreative Köpfe in einem Spezialgebiet untereinander austüfteln, sondern Patentierterbarkeit wird gegenüber dem vollkommen unkreativen Durchschnittsfachmann ermittelt.

        Können Sie ein Beispiel aus Ihrer Arbeit nennen, bei dem ein durchdachtes IP-Konzept den Unterschied gemacht hat, das damit eine Finanzierung sichern, Wettbewerbsvorteile erzielen oder Nachahmer abschrecken konnte?

        Ich denke hier an einen Mittelständler, der mit seinen Materialien bereits sehr erfolgreich ist, und diese nun auf der nächsten Wertschöpfungstufe durch eine radikal neue Anwendung weiter veredeln wollte. Noch bevor die Firma diese neue Anwendung durch Marketing öffentlich machte, haben wir uns in einem intensiven Workshop mit allen möglichen Schutzmöglichkeiten auseinandergesetzt. Damit meine ich nicht nur die Forscher in F&E, sondern auch Marketing und Sales, Produktion, IT. Das hat uns erlaubt, die neue Anwendung in einer ganzen Reihe von Patent- und Desinganmeldungen in vielen Dimensionen schützen zu können, z.B. das Produkt selbst, aber auch dessen Herstellung, Anwendung, und sogar die entsprechende Software. Ich nenne das einen IP-Harvesting Workshop. Als die Firma die neue Produktlinie nun öffentlich gemacht hat, war diese bereits in vielerlei Hinsicht  gegen Nachahmung geschützt.

        Wenn Sie heute einem innovativen Chemie-Start-up oder einem technologieorientierten Mittelständler drei Empfehlungen zum Thema IP mitgeben müssten — welche wären das?

        Erstens, das eigene IP-Wissen zu steigern. Hierzu gibt es an Universitäten oder in Verbänden wie hier im Chemie-Cluster ausreichend Angebote. Ich habe in meinen über 25 Jahren IP leider zu häufig den Satz gehört, „!ch hätte nicht gedacht, dass das patentiertbar ist’. Das ist immer bedauerlich, wenn der Wettbewerb schlauer war und etwas angemeldet hat, was man selber eigentlich vorher schon erfunden hatte.

        Zweitens : hier möchte ich auf Frage 2. zurückkommen, ich empfehle unbedingt früh zu starten und kleine Schritte zu machen. Eine erste Patentanmeldung zu schreiben, im Prozess zu lernen, und die nächste dann noch besser zu schreiben, statt auf die eine perfekte, weltbewegende Patentanmeldung zu hoffen. Viele wichtige Erfindungen sind inkrementelle Verbesserungen.

        Früh zu starten ist auch wichtig wenn man Partner sucht, zum Beispiel für eine Zusammenarbeit oder Lizenzverhandlungen: auf der Seite großer Unternehmen dauern solche Verhandlungen aufgrund interner Abstimmungsprozesse oft sehr lang. So dass dem Start-up vielleicht irgendwann die Geldmittel ausgehen. Also rechtzeitig das Lizenzpaket schnüren!

        Drittens: den Umgang mit IP aus der Sicht von Risiko und Opportunität betrachten. Eigenes IP ist eine Opportunität, die sollte man schnell anmelden wenn sie entsteht, aber genauso schnell wieder fallen lassen, wenn sich diese Technologie nicht bewährt. Nur so kann man die Kosten kontrollieren.

        Und auf der Risikoseite sollte man die Risiken durch Schutzrechte Dritter versuchen zu quantifizieren: welche Risiken kann man sich erlauben, und welche Risiken würden einem das Genick brechen. In dieser Reihenfolge arbeitet man die Risiken ab.

        Dr. Breitenstein hat in organischer Chemie promoviert und dann direkt die Ausbildung zum Patentanwalt begonnen. Sein Werdegang hat sich dann von Japan über Deutschland in die USA, die Niederlande und Belgien geführt, für drei sehr erfolgreiche Großunternehmen. Als obere Führungskraft hatte er dann auch Gelegenheit, bei der Business School IMD in der Schweiz mehr über wirtschaftliche Zusammenhänge zu lernen. Am meisten Freude hatte er immer an der strategischen Beratung, deshalb hat er sich irgendwann mit diesem Schwerpunkt selbstständig gemacht.

        Der Text wurde mit Hilfe von ChatGPT ohne weitere Korrektur übersetzt

        Pilze gelten als eine der faszinierendsten Ressourcen der Zukunft – nicht nur für die Lebensmittelindustrie, sondern auch für nachhaltige Materialien, Verpackungen und sogar Bauprojekte. Das Startup Fungarium Global setzt genau hier an: Mit einem interdisziplinären Team aus Wissenschaft, Technologie und Unternehmergeist will es Myzel – das Wurzelgeflecht von Pilzen – zur Grundlage einer neuen, umweltfreundlichen Bioökonomie machen.
        Im Gespräch erklärt Mitgründer Nelson Vega, wie aus einer Idee zwischen Chile und Deutschland ein internationales Innovationsprojekt wurde – und warum Pilze, Technologie und Unternehmertum perfekt zusammenpassen.

        Lieber Nelson, könntest du dich kurz vorstellen und die Vision hinter Fungarium erläutern?

        Gerne. Ich bin Nelson Vega, ursprünglich aus Chile, und jetzt Mitbegründer von Fungarium Global gemeinsam mit Dr. Ruben Casillas und Mr. Syed Asad Amin.
        Fungarium entstand aus einem Funken. Ich kam aus Chile, um an einem Double-Degree-Programm teilzunehmen, und während dieser Zeit lernte ich Ruben kennen. Er brachte mich mit Myzel-basierten Materialien in Kontakt und zeigte mir ihr enormes Potenzial.
        Wir sahen darin Anpassungsfähigkeit, Nachhaltigkeit und einen großen Markt, den es zu erschließen galt. Wir mögen Myzel, aber was wir wirklich lieben, ist Technologie. Unser Ziel ist es, Spitzentechnologie zu entwerfen, zu entwickeln und an unsere Myzel-Bioproduktion anzupassen.
        Hier spielt unser leitender Ingenieur und Mitbegründer Mr. Asad eine entscheidende Rolle, da er der Technologieexperte des Teams ist.
        Wir verbinden verschiedene Fachbereiche und sind Pioniere eines Geschäftsmodells des 21. Jahrhunderts, das Technologie integriert und gleichzeitig den Schutz von Ökosystemen fördert.

        Was ist das Besondere an eurem Ansatz zur Entwicklung von Myzel-basierten Materialien und der dahinterstehenden Technologie?

        Wir reiten nicht nur auf der Welle – wir bauen das Surfbrett.
        Unser Team ist stark technologiegetrieben. Wir haben künstliche Intelligenz integriert, eigene Sensorsysteme entwickelt und die Kleinserienproduktion automatisiert.
        Unser Ansatz ist ganzheitlich: Wir stellen nicht nur Materialien her, sondern schaffen Wissen, Werkzeuge und Systeme, die die gesamte Branche voranbringen.

        Eines unserer spannendsten Projekte ist das Myco-Brain – ein intelligentes Sensorsystem, das dafür entwickelt wurde, Umweltbedingungen für die Pilzzucht zu überwachen und zu automatisieren.
        Es ist vielseitig, präzise und bereit, die Bioproduktion zu revolutionieren.

        Wenn du in die Zukunft blickst – was sind eure nächsten Schritte, und wo seht ihr Chancen für Kooperationen?

        Wir sammeln derzeit Kapital und erweitern unsere F&E-Aktivitäten.
        Wir experimentieren mit neuen Materialrezepturen und verfeinern unsere Technologieplattform.
        Dafür suchen wir aktiv nach Biomasseproduzenten, Logistikpartnern und visionären Mitstreitern, die mit uns gemeinsam die Zukunft gestalten wollen.

        Ihr habt kürzlich eure Teilnahme am Projekt Fungal Factories bekanntgegeben – gemeinsam mit Roha Biotech, EarthlyAI, dem Indian Institute of Technology Madras und der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm. Kannst du uns mehr über diese Initiative erzählen und was ihr damit erreichen wollt?

        Fungal Factories ist eine kraftvolle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Indien.
        Gemeinsam mit Roha Biotech, EarthlyAI, IIT Madras und der TH Nürnberg skalieren wir die Myzelproduktion auf industrielle Ebene.
        Doch es geht um mehr als nur Skalierung – es geht darum, Arbeitsplätze zu schaffen, Ressourcen zu optimieren und ein globales Netzwerk für Pilz-Innovationen aufzubauen.
        Ein Blaupause dafür, wie Biotechnologie grenzüberschreitend zusammenarbeiten sollte.

        Gab es einen Moment, in dem dir klar wurde, dass Fungarium mehr als nur eine Idee ist?

        Das wurde mir bewusst, als wir begannen, mit internationalen Partnern in Kontakt zu treten, die unsere Vision teilten.
        Plötzlich waren Myzel-basierte Materialien nicht mehr nur ein Konzept – sie wurden zu einer globalen Realität.
        Die Art und Weise, wie diese Kooperationen organisch entstanden, wie ein lebendes Pilznetzwerk, war geradezu surreal.
        Zu beobachten, wie dieses Ökosystem wächst, sich verbindet und gedeiht, ließ mich erkennen:
        Fungarium ist nicht nur ein Start-up – es ist Teil einer Bewegung.
        Einer Veränderung, bei der Menschen, Technologie und Pilze zusammenkommen, um eine nachhaltige, intelligente Wirtschaft zu gestalten.
        Da wusste ich: Wir jagen keinen Trends hinterher – wir gestalten die Zukunft.

        Als Chief Marketing Officer bei Fungarium wird von Nelson Vega Galleguillos die kommerzielle Strategie des Unternehmens sowie die Einbindung von Partnern und Stakeholdern geleitet.
        Seine Aufgabe besteht darin, Innovationen in Wirkung zu überführen – also die Verbindung zwischen Forschung und Markt herzustellen, indem Produkte von der Prototypenphase zur Marktreife weiterentwickelt werden. In der dynamischen und flexiblen Struktur von Fungarium werden hierarchische Titel jedoch eher als Ausgangspunkt verstanden.
        Vega Galleguillos ist daher auch in Produktion, Verhandlungen, administrative Aufgaben und die Erstellung von Medieninhalten eingebunden.
        Ob bei Partnerpräsentationen oder der Optimierung von Materialrezepturen – er bleibt stets nah am Prozess. Auf diese Weise wird Fungarium agil, authentisch und zukunftsorientiert gehalten.

        Ceresana unterstützt Unternehmen mit fundierten Marktanalysen und praxisnaher Beratung. Im Gespräch mit CEO Oliver Kutsch geht es um zentrale Fragen der Strategiearbeit, aktuelle Herausforderungen der chemischen Industrie und die Chancen neuer Märkte wie der Bioökonomie.

        Welche Fragen beantworten Sie für Ihre Kunden mit Ihren Lösungen im Bereich der Marktforschung? 

        Antwortmöglichkeit 1(positives Beispiel): 

        Wir beantworten für unsere Kunden vor allem die Fragen, die in der täglichen Strategiearbeit wichtig sind. Zum Beispiel: Wo lohnt es sich, weiter zu investieren? Das kann heißen: Welches Land wächst gerade besonders stark, wo gibt es den passenden Absatzmarkt für mein Produkt oder welche Branche ist im Moment interessant für neue Investitionen? 
        Ein weiterer Punkt ist der Blick auf den Wettbewerb: Welche neuen Anbieter drängen in den Markt? Gibt es Übernahmen, Zusammenschlüsse oder Innovationen, die für mich relevant sein könnten?
        Auch entlang der Wertschöpfungskette schauen wir genau hin: Wo finde ich gute Beschaffungsmöglichkeiten, wo sind Kosten oder Risiken geringer?
        Und natürlich geht es auch um die Kunden selbst: Welche Entwicklungen beeinflussen die Nachfrage? Welche Produkte oder Angebote gewinnen an Bedeutung?
        Am Ende liefern wir mit unseren Studien genau die Daten, die man braucht, um diese Fragen zuverlässig zu beantworten. Und wenn es um sehr spezifische Themen geht, entwickeln wir zusammen mit unseren Kunden individuelle Studien – ganz konkret zugeschnitten auf die jeweilige Situation. 

        Antwortmöglichkeit 2 (mit momentaner Wirtschaftlicher Lage im Blick) 

        Wir beantworten für unsere Kunden vor allem die Fragen, die in der täglichen Strategiearbeit wichtig sind. Zum Beispiel: Wo lohnt es sich trotz einer schwachen Konjunktur noch zu investieren – und wo sollte man lieber vorsichtig sein? Das kann heißen: In welchem Land bleibt die Nachfrage auch in einer Rezession stabil? Oder: Welche Branche bietet selbst im Abschwung noch Chancen?
        Ein weiterer Punkt ist der Blick auf den Wettbewerb: Welche neuen Anbieter drängen gerade auf den Markt, vielleicht weil sie von der Krise profitieren? Gibt es Übernahmen oder Zusammenschlüsse, die für meine Positionierung relevant sind?
        Auch entlang der Wertschöpfungskette schauen wir genau hin: Wo finde ich in unsicheren Zeiten verlässliche Beschaffungsmöglichkeiten? Und wo lassen sich Kosten reduzieren, ohne Qualität zu verlieren?
        Und natürlich geht es um die Kunden selbst: Welche Bedürfnisse verändern sich gerade? Welche Produkte werden in einer Rezession wichtiger – und welche verlieren an Bedeutung?
        Am Ende liefern wir mit unseren Studien genau die Daten, die man braucht, um solche Fragen zuverlässig zu beantworten. Und wenn es um sehr spezifische Themen geht, entwickeln wir zusammen mit unseren Kunden individuelle Studien – ganz konkret zugeschnitten auf die jeweilige Situation. 

        Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Ceresana und Unternehmen konkret aus und ist eine Zusammenarbeit auch im Rahmen von Förderprojekten denkbar? 

        In vielen Fällen greifen Unternehmen einfach auf unsere bestehenden Marktstudien zurück – die sind sofort verfügbar und liefern eine sehr gute Grundlage für Entscheidungen. Wenn es spezieller sein soll, arbeiten wir in Form von Auftragsstudien enger zusammen: Dann entwickeln wir die Studie gemeinsam mit dem Kunden und passen die Inhalte genau auf die jeweilige Fragestellung an. 
        Und was Förderprojekte betrifft: Da sind wir offen und bringen gerne unsere Erfahrung ein. Wenn ein Unternehmen also überlegt, ein Projekt über Fördermittel umzusetzen, unterstützen wir das und freuen uns über entsprechende Anfragen. 

        Basierend auf Ihrer langjährigen Erfahrung, wie beurteilen Sie die aktuelle Marktsituation in Deutschland und die Herausforderungen der chemischen Industrie?  

        Die deutsche Chemieindustrie sieht sich mit einer schwierigen Marktsituation konfrontiert, geprägt von schwacher Nachfrage und steigenden Kosten, besonders für Energie, Arbeit und bürokratische Hürden. Unternehmen erwarten für 2025 eine Stagnation der Produktion oder sogar einen Rückgang, was zu einer geringen Anlagenauslastung und Unsicherheiten bei Investitionen führt.  

        Können Sie unseren Mitgliedern Empfehlungen geben, welche Produkte, Kompetenzen oder Geschäftsmodelle aus Ihrer Sicht aktuell am dringendsten benötigt werden? 

        In Deutschland und Europa braucht die chemische Industrie vor allem nachhaltige Produkte wie biobasierte Rohstoffe, recycelbare Materialien und CO₂-arme Chemikalien. Besonders gefragt sind Kompetenzen in Green Chemistry, Biotechnologie, Prozess-Elektrifizierung sowie in Digitalisierung und Datenmanagement. Geschäftsmodelle verschieben sich hin zu Kreislaufwirtschaft, Chemicals-as-a-Service und Partnerschaften über Wertschöpfungsketten hinweg. Treiber sind strenge EU-Regulierungen, steigende Energiepreise und der Druck zur Dekarbonisierung. 

        Wie beurteilen Sie die Entwicklungen im Bereich Bioökonomie? Erfüllt die deutsche Bioökonomie Ihre Erwartungen oder hätten Sie sich weiterreichende Auswirkungen gewünscht? 

        Auf der einen Seite sind die hohen Wachstumsraten der von uns analysierten bioökonomischen Märkte ein sehr gutes Zeichen. Gerade bei Endverbraucher-Produkten sehen wir, dass das Bewusstsein bereits teilweise da ist und Vorteile wie zum Beispiel biologische Abbaubarkeit den Marktanteil stärken können. Auf der anderen Seite gelingt es biobasierten Materialien aber bisher nur selten, ihre Nischen wirklich zu verlassen und sich als konkurrenzfähige Alternative zu petrochemischen Produkten durchzusetzen. Dafür wäre noch deutlich mehr Förderung durch die EU notwendig. 

        Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim mit Diplomabschluss begann die berufliche Laufbahn bei der Pfleiderer AG, einem damals im MDax notierten Holzwerkstoffkonzern. Dort erfolgte zunächst der Einstieg als Trainee in der zentralen Materialwirtschaft, anschließend die Tätigkeit als Referent in der Stabsabteilung Strategic Sourcing der Konzernholding.
        Anfang der 2000er Jahre folgte die Gründung von Ceresana, das sich seitdem zu einem führenden Markt­forschungs- und Beratungsunternehmen für die Industrie entwickelt hat. Als wissensbasierter Dienstleister beliefert das Unternehmen heute mehr als 10.000 Kunden in 60 Ländern mit hochwertigen Analysen. Die Spezialisierung liegt auf den Märkten Kunststoffe, Chemikalien, Industriegüter, Automotive, Verpackungen und Bio-Ökonomie. Das Angebot umfasst umsetzungsorientierte Beratung, maßgeschneiderte Auftragsstudien sowie über 250 auftragsunabhängige Marktstudien.

        Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Faser- und Textilindustrie hat Marina mit MCC Innovare ein Unternehmen gegründet, das Innovation ganzheitlich denkt – von der Faserentwicklung bis zur Markteinführung. Im Hot Seat spricht sie über aktuelle Projekte, die großen Herausforderungen der Branche und ihre Vision für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Zukunft.

        Liebe Marina, wie schön, dich bei uns auf dem Hot Seat begrüßen zu dürfen. Stell uns bitte kurz MCC Innovare vor – was steckt hinter deinem Unternehmen und deinem Portfolio?​ 

          ​​MCC Innovare ist die logische Fortsetzung meiner beruflichen Laufbahn. Nach über 20 Jahren bei Lenzing und Kelheim Fibres wollte ich ein Umfeld schaffen, in dem ich Unternehmen flexibler und strategischer begleiten kann. 
          Mein Ansatz ist: Innovation umsetzbar machen. Ich unterstütze Organisationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Faserentwicklung über Nonwovens bis hin zu Anwendungen in Bekleidung, Hygiene oder technischen Bereichen. Dabei verbinde ich wissenschaftliche Erkenntnisse mit Marktpotenzial und übersetze regulatorische und gesellschaftliche Anforderungen in konkrete Innovationsstrategien.

          ​Kern meiner Arbeit ist das tiefe Verständnis der Faser und ihrer Verarbeitungsschritte. Denn nur wenn wir wissen, wie eine Faser funktioniert, können wir sie so gestalten, dass sie in der Anwendung – ob weich auf der Haut, saugfähig im Hygieneprodukt oder leistungsfähig im technischen Verbundstoff – den Unterschied macht. Dieses Wissen wird seltener, aber es ist entscheidend, um Innovation nachhaltig erfolgreich zu machen. 

          ​​Woran arbeitest du aktuell besonders intensiv?​ 

            ​​Aktuell begleite ich Unternehmen dabei, biobasierte Materialien und Kreislaufkonzepte in marktfähige Produkte zu übersetzen. Dazu gehört die technische Entwicklung – etwa die Optimierung holzbasierter Fasern – genauso wie die strategische Vorbereitung auf kommende EU-Regularien. 
            Ein Schwerpunkt liegt auch auf der systemischen Betrachtung: Ich starte immer bei den Bedürfnissen der Endanwendung und „arbeite rückwärts“ bis zur Faser. So lassen sich genau die Eigenschaften definieren, die ein Produkt braucht – sei es in Bekleidung, Hygiene oder technischen Applikationen.​ 

            Du bist Teil des Projekts BAMBI – welche Rolle übernimmst du dort? 

              ​​Im BAMBI-Projekt arbeite ich in einem großen Netzwerk von Expert:innen aus ganz unterschiedlichen Branchen – von Chemie über Holztechnik bis hin zu Endanwendungen. Meine Rolle darin ist die einer Faser- und Textilexpertin, die die Sprache der Textilindustrie spricht und dieses Know-how in das interdisziplinäre Umfeld einbringt. 
              Konkret bedeutet das: Ich bringe mein tiefes Wissen über holzbasierte Fasern, ihre Eigenschaften und die gesamte Wertschöpfungskette ein – von der Faserentwicklung über die Verarbeitung bis zur Anwendung. Damit schlage ich die Brücke zwischen den innovativen Ansätzen, die wir in dem BAMBI betrachten und den Anforderungen der Textil- und Vliesstoffindustrie.

              Was sind aus deiner Sicht die größten Herausforderungen der Textil- und Faserbranche? 

                ​​ ​Die Branche steht an einem Wendepunkt: 

                • ​Regulation (EPR, Ecodesign, Chemikalienrecht)
                • ​Nachhaltigkeit und Kreislauffähigkeit
                • ​Digitalisierung und funktionale Anforderungen
                • ​Eine zusätzliche Herausforderung sehe ich im Verlust an technischem Grundlagenwissen über die Faserentwicklung und -verarbeitung. Dieses Know-how ist entscheidend, um Innovationen in der Tiefe zu gestalten – und dennoch wird es immer seltener. 

                ​​ Was braucht es, um diesen Herausforderungen zu begegnen? 

                  ​​Wir brauchen einen systemischen Ansatz: Innovation darf nicht in Silos stattfinden. Es braucht Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Faserchemie bis Endanwendung – und über Branchengrenzen hinweg, etwa zu Gesundheit, Mobilität oder Verpackung. 
                  Ebenso wichtig: technische Tiefe mit regulatorischem Weitblick zu kombinieren. Wer schon heute versteht, wie neue Materialien in die Rahmenbedingungen von morgen passen, hat einen klaren Vorteil. 
                  Und – ganz zentral – es braucht Investitionen: in Forschung, Entwicklung und in die Skalierung nachhaltiger Lösungen. Ohne gezielte finanzielle Mittel riskieren wir, den Anschluss im globalen Wettbewerb zu verlieren. 
                  Nicht zuletzt müssen wir das Wissen jener „aussterbenden Spezies“ sichern, die beides vereint: die Grundlagen der Faserentwicklung und die Fähigkeit, daraus marktfähige Produkte zu schaffen.​ 

                  Für welche Fragestellungen können sich Unternehmen oder Partner:innen besonders gut an dich wenden? 

                  • Strategische Innovation: von der Idee zur Umsetzung
                  • ​Faser- und Prozessoptimierung für Bekleidung, Hygiene und technische Anwendungen
                  • ​Integration biobasierter Materialien und nachhaltiger Alternativen
                  • ​Navigieren durch kommende Regularien – von Ökodesign bis Textilstrategie
                  • ​Aufbau von Kooperationen und Netzwerken, die den Weg von Forschung zu Markt verkürzen. 

                  ​​ Welche Entwicklungen möchtest du in den nächsten Jahren selbst aktiv mitgestalten? 

                    Meine Vision ist geprägt vom Leitmotiv „Innovation with Purpose – Collaboration for Impact“. 
                    Ich möchte aktiv dazu beitragen, dass Europa nicht nur bei Nachhaltigkeit Verantwortung übernimmt, sondern auch bei strategischer Agilität, Geschwindigkeit und Wettbewerbsfähigkeit führend bleibt. 
                    Dazu gehört: 

                    • Holz- und biobasierte Materialien großvolumig in den Markt bringen
                    • Unternehmen befähigen, Regulierung als Chance zu nutzen
                    • Kooperationsökosysteme schaffen, die Ideen schneller in Wirkung übersetzen

                    Zum Abschluss: Gibt es etwas, das du unseren Leser:innen gerne mit auf den Weg geben möchtest? 

                    ​Innovation ist keine Option – sie ist die Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit. Aber sie muss sinnstiftend sein: Sie soll echte gesellschaftliche und ökologische Bedürfnisse adressieren und gleichzeitig wirtschaftlichen Wert schaffen. 
                    Mein Rat: Mutig sein, Kooperationen suchen und Innovation systemisch denken. Wer Faser, Prozess, Markt und Regulierung zusammenbringt, wird die Zukunft aktiv gestalten – statt nur zu reagieren.​ 

                    Marina verfügt über fast 25 Jahre Erfahrung in der Faser- und Anwendungsentwicklung sowie im Business Development. Kundenspezifische und marktorientierte Lösungen, unternehmensübergreifende Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette sowie die kontinuierliche Beobachtung langfristiger Branchentrends – insbesondere in den Bereichen Textilien und Vliesstoffe – prägen ihren Karriereweg und sind wesentliche Merkmale ihrer Arbeit. Sie ist in europäischen Textil- und Vliesstofforganisationen aktiv und verfügt über ein weitreichendes Netzwerk in der Faser-, Textil- und Vliesstoffindustrie. Ihre Rolle als Präsidentin des Joint Research Centre und der Textile ETP (European Technology Platform) in Brüssel, Belgien, verschaffte ihr wertvolle Erfahrung in der Förderung gemeinsamer Forschungsinitiativen und in der Weiterentwicklung technologischer Innovationen im Textilsektor. Ihre frühere Tätigkeit als Vorstandsmitglied von CIRFS (European Man-Made Fibre Association) ermöglichte es ihr – auch heute noch durch ihr großes Netzwerk – die Industriepolitik mitzugestalten und die Interessen der europäischen Textilhersteller in größerem Maßstab zu vertreten. Darüber hinaus verschafften ihr die Rollen als Board Member Observer bei EURATEX (The European Apparel and Textile Confederation) in Brüssel, Belgien, sowie als Vorstandsmitglied des Forschungskuratoriums Textil (FKT) in Berlin, Deutschland, wertvolle Einblicke und aktive Mitgestaltung internationaler Branchendynamiken, Textilstrategien und regulatorischer Rahmenbedingungen.

                    Das Fraunhofer IGB in Straubing verbindet anwendungsorientierte Forschung mit praxisnaher Industrieexpertise – insbesondere im Bereich biobasierter Kunststoffe. Im Gespräch mit Frau Falcke werfen wir einen Blick auf die Möglichkeiten, die das Institut Unternehmen bei der Verarbeitung von Biopolymeren bietet, und diskutieren Herausforderungen und Perspektiven rund um Additive, erfolgreiche Produktentwicklungen und die Zukunft der Biokunststoffe.

                    Sehr geehrte Frau Falcke, das Fraunhofer IGB in Straubing ist ein langjähriger Partner des Chemie-Cluster Bayern. Neben den Forschungsbereichen Elektrosynthese und bioinspirierte Chemie bringen Sie Ihre langjährige Industrieexpertise in der Kunststofftechnik ein, um mit Kunden und Partnern an der Verarbeitung vom Polymer zum biobasierten Kunststoff zu arbeiten. Welche Möglichkeiten haben Sie, um bei der Verarbeitung von Biopolymeren zu unterstützen?

                    ​​In der Abteilung „Bioinspirierte Chemie“, unter der Leitung von Dr. Michael Richter, konnten wir durch eine Förderung des Freistaats Bayern das „Labor für Technische Biopolymere (LTBP)“ aufbauen. Dies ermöglicht uns, insbesondere KMU, in der Entwicklung biobasierter und bioabbaubarer Kunststoffprodukte zu unterstützen und mit geeigneter Verarbeitungs- und Prüftechnik interdisziplinäre Ansätze an den Grenzflächen der Polymerchemie und Biologie einzusetzen oder generell Verarbeitungseigenschaften und Materialkennwerte zu ermitteln.  

                    ​Ein besonderer Fokus liegt auf Kooperationen mit regionalen und mittlerweile auch überregionalen KMU und Start-ups. Aber auch große Firmen sind willkommen. Wir haben Expertise im Screening von Polymerisationsmethoden, Funktionalisierung und Compoundierung. Wir verfügen über Kleinstmengenextrusion und -spritzguss im F&E Maßstab und ab Herbst 2025 auch über einen Planetwalzenextruder zur vorseriellen Musterfertigung im multi-kg Maßstab. Darüber hinaus nutzen wir eine klassische Spritzgussmaschine, um im Rahmen von Dienstleistungsaufträgen direkt für und mit unseren Kunden zu fertigen. Neben der Verarbeitung bieten wir Norm-konforme mechanische Materialprüfung (Zugprüfung und Schlagprüfung), thermische Materialprüfung (DSC und TGA) sowie rheologische Materialprüfung (MFI) und ab Herbst 2025 auch thermo-mechanische Materialprüfung (Rheologie und DMA) an.​ 

                    Ob PLA oder biobasiertes Polyamid, neuartige Biokunststoffe können nur erfolgreich eingesetzt werden, wenn diese auf verfügbaren Maschinen verarbeitet werden können. Sie entwickeln und testen hierfür auch biobasierte Additive. Welche Ansätze für neue Additive gibt es und wo liegen die Herausforderungen​? 

                    ​​Die Additiventwicklung (speziell biobasierte Additive) ist bei uns eines der zentralen Themen (z.B. Weichmacher, Nukleierungsmittel). Wir sind in Straubing eine relativ kleines Team und können daher nicht mit großen F&E-Einrichtungen konkurrieren, was Ausstattung und „Manpower“ betrifft. Wir sind jedoch in der vorteilhaften Lage, Themen wie Additiventwicklung für biobasierte, polymere Materialien ganzheitlich zu denken. Wir haben hervorragende chemisch-synthetische und bio-synthetische Expertise und können diese direkt mit unseren kunststofftechnischen Verarbeitungs- und Prüfmethoden vereinen und iterativ unterstützen. Dies führt zu hoher „Agilität und Flexibilität“, sowie zu wenig Hemmnissen, echtes Neuland zu betreten.  Uunsere Kunden begrüßen dies sehr und wissen es, zu schätzen.      ​ 

                    Können Sie uns ein Beispiel für eine erfolgreiche Produktentwicklung geben?

                    T2G ist ein 100 % biobasiertes und bioabbaubares Veredelungsband für Obstbaumveredelung und zeichnet sich durch seine bioaktive Additivierung aus. Die Entwicklung spiegelt die Stärke unsere Aktivtäten in Straubing wider: 
                    Die Idee stammte von meiner Kollegin Manuela Kaiser. Technologisch konnten wir alle chemo-synthetischen und biologischen Aspekte in Straubing abdecken und für die Entwicklungsarbeit stand ein sehr kreatives Team mit industrieerfahrenen KollegInnen bereit. Die Formulierungen sowie Verarbeitungs- und Materialtests erfolgten ebenfalls in Straubing. Die vorserielle Fertigung des Halbzeuges kann hoffentlich im Herbst auf unserem neuen Planetwalzenextruder erfolgen. Die Verarbeitung erfolgt anschließend bei einem industriellen Projektpartner.   ​ 

                    Was glauben Sie, wie sich der Bereich der Biokunststoffe zukünftig entwickelt? Was ist notwendig dafür, dass Kunststoffe auf Basis erneuerbarer Rohstoffe am Markt erfolgreich werden? 

                    ​​Neben den Ideen zu innovativen, biobasierten Basismaterialien (Polymeren) braucht es sehr guten Additivkonzepte, die den Materialien die applikationsgetriebenen Eigenschaften verleihen und für hocheffiziente Verarbeitungsprozesse zugänglich machen. Es braucht viel Kreativität, Ausdauer und ein noch stärkeres Zusammenwirken der Akteure aus der industriellen Forschung und Entwicklung und der Anwendung. Genau dafür sind wir am Fraunhofer IGB in Straubing ein verlässlicher und erfahrener Entwicklungspartner.​ 

                    ​Claudia Falcke ist seit 2019 Leiterin des Themenfelds Kunststofftechnik in der Abteilung für Bioinspirierte Chemie am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Straubing, dem sie seit 2013 angehört. Nach einem Studium der Chemie begann sie ihre berufliche Laufbahn 1999 in der Pharmaforschung bei Bayer HealthCare, wo sie bis 2007 als Laboringenieurin in den chemisch-wissenschaftlichen Laboratorien tätig war. Nach dem Wechsel zur Polymer-Chemie GmbH übernahm sie 2008 die stellvertretende Abteilungsleitung des Zentrallabors und arbeitete ab 2010 in der Stabstelle der Geschäftsführung „Strategische Entwicklungsprojekte Materialien und Technologien“. Ihr Wissen über Kunststoffe vertiefte sie durch ein Studium der Angewandten Kunststofftechnik an der Hochschule Schmalkalden. Ihre wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu Terpenen, Polyamiden und anderen biobasierten Chemikalien und Materialien wurden in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht.

                    Mit ihrer innovativen Technologie zur Wasserstoffgewinnung aus biogenen Reststoffen verfolgt das Unternehmen bhyo einen konsequent dezentralen, nachhaltigen und zirkulären Ansatz – und zeigt, wie die Energiewende vor Ort gelingen kann. Geschäftsführer Herr Schmitt erklärt uns die spannenden Details im Hot Seat Interview.

                    Sehr geehrter Herr Schmitt schön, dass Sie beim Hot Seat dabei sind! Bhyo verfolgt einen spannenden Ansatz zur Wasserstoffproduktion – dezentral, nachhaltig und lokal gedacht.
                    Für alle, die bhyo noch nicht kennen: Wer sind Sie und welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrer Technologie?

                    ​​​bhyo. steht für eine neue Generation nachhaltiger Energieversorgung. Wir gewinnen klimafreundlichen Wasserstoff aus biogenen Reststoffen – also Bioabfällen, Ernterückständen oder Klärschlamm – die sonst meist einfach entsorgt werden. Unser Ziel ist es, diese lokalen Ressourcen vollständig zu verwerten und daraus CO₂-negativ und dezentral erneuerbare Energie zu erzeugen. 

                    ​Dabei ist es unser zentrales Anliegen, alle Stoffkreisläufe zu schließen: Kein Müll, keine Abgase, keine Verschwendung – sondern eine echte Kreislaufwirtschaft, die Reststoffe wieder zu Wertstoffen macht und alle Erzeugnisse weiternutzt. 

                    ​Wir verbinden Technologie mit Verantwortung – für Umwelt, Region und Generationen. 
                    be green. be bhyo. ​ 

                    Sie gewinnen grünen Wasserstoff aus biogenen Reststoffen. Was ist das Besondere an Ihrem Verfahren – und welche Rohstoffe können Sie hierzu nutzen?​ 

                    ​​Das Besondere an unserem Verfahren ist, dass wir biogene Reststoffe vollständig in einem geschlossenen Kreislauf verwerten – ohne Abfälle, ohne Abgase. Dabei erzeugen wir organischen Wasserstoff, also CO₂-negativen Wasserstoff, direkt vor Ort – aus Stoffen, die ohnehin anfallen. 

                    ​Wir nutzen lokale Reststoffe wie Bioabfall, Ernterückstände, Grünschnitt – aber auch komplexere Stoffströme wie Klärschlamm, die bisher oft teuer entsorgt werden mussten. Unser Verfahren ist modular und flexibel, passt sich also optimal an regionale Gegebenheiten an. 

                    ​Besonders ist auch: Wir trennen zusätzlich biogenes CO₂ ab – z. B. für die stoffliche Nutzung in der Industrie – und stellen zudem einen Wärmeüberschuss zur Verfügung, der lokal weiterverwendet werden kann. Damit liefern wir weit mehr als nur grünen Wasserstoff: Wir schaffen echte energetische und stoffliche Kreisläufe. ​​ 

                    Auf dem Gelände der Kläranlage Speyer betreiben Sie aktuell eine Testanlage. Wie kam es zu der Kooperation und wie wichtig ist für Sie die Zusammenarbeit mit kommunalen Versorgern? ​  

                    Die Kooperation mit der Stadt Speyer entstand aus einem gemeinsamen Interesse: biogene Reststoffe vor Ort sinnvoll und nachhaltig zu nutzen, statt sie teuer und energieintensiv zu entsorgen. Die Kläranlage war für uns der ideale Ort, um unser Verfahren im Realbetrieb zu testen – mit echten Stoffströmen und im direkten Austausch mit einem kommunalen Partner. 

                    Für uns ist die Zusammenarbeit mit Kommunen absolut zentral. Denn: Ein Großteil der biogenen Reststoffe fällt genau dort an – bei Städten, Gemeinden, Abfallbetrieben. Unsere Technologie ist darauf ausgelegt, dezentral, modular und ohne aufwändige Logistiklösungen zu funktionieren. Kommunale Versorger bringen nicht nur die Stoffe mit, sondern auch das Know-how über regionale Gegebenheiten und die Nähe zu den Menschen. 

                    Kurz gesagt: Wenn wir die Energiewende wirklich lokal denken wollen, geht das nur gemeinsam mit den Kommunen. 

                    Welche nächsten Entwicklungsschritte stehen für bhyo aktuell an – und in welchen Bereichen sehen Sie konkrete Anknüpfungspunkte für Kooperationen mit Unternehmen, Kommunen oder Forschungseinrichtungen? 

                    Aktuell bereiten wir den Übergang von der Test- zur Skalierungsphase vor. Unser Fokus liegt dabei ganz klar auf der Metropolregion Rhein-Neckar, wo auch unser Standort ist. Hier gibt es durch das Projekt H2Rivers bereits eine hervorragend ausgebaute Wasserstoffinfrastruktur. Gleichzeitig finden wir in räumlicher Nähe eine Vielzahl unterschiedlicher Stakeholder – von Kommunen über Industrie bis hin zu Forschungseinrichtungen – was die Region zu einem idealen Innovationsraum macht. 

                    Zudem arbeiten wir an der Weiterentwicklung unserer Technologie, z. B. in der Effizienzsteigerung bei der CO₂-Abscheidung, der Wärmerückgewinnung sowie der Verwertung von Nebenprodukten wie Flugasche, die wir stofflich nutzbar machen wollen. Auch im Bereich der Datenintegration zur Stoffstromoptimierung gehen wir gezielt Kooperationen ein. Hier entstehen spannende Anknüpfungspunkte für Forschungseinrichtungen – vor allem im Bereich Bioökonomie, Verfahrenstechnik und Ressourceneffizienz. 

                    Für Kommunen bieten wir Lösungen, wie sie ihre Entsorgungs- und Energiekonzepte neu denken können – wirtschaftlich und klimaschonend zugleich. Und für Unternehmen – insbesondere aus Industrie, Logistik, aber auch Landwirtschaft – eröffnen sich Möglichkeiten zur Nutzung von grünem Wasserstoff, Abwärme oder biogenem CO₂. 

                    Wir suchen gezielt nach Partnern, die mit uns eine Kreislaufwirtschaft auf lokaler Ebene realisieren wollen. Nicht morgen. Sondern jetzt. 

                    Gibt es noch etwas, was Sie unseren LeserInnen mit auf den Weg geben wollen? 

                    ​​Ja – wir möchten allen mitgeben: Die Energiewende passiert nicht irgendwo, sie beginnt genau hier. Vor Ort. Mit dem, was wir schon haben. Unsere biogenen0 Reststoffe sind keine Last – sie sind eine riesige Chance. 
                    ​Wenn wir anfangen, Ressourcen neu zu denken, entstehen aus Abfall Wertstoffe, aus Klimakosten Klimanutzen – und aus lokalen Stoffströmen echte Zukunftslösungen. 

                    ​Ein inspirierendes Beispiel liefert die Natur: Ameisen produzieren mehr Biomasse als alle wildlebenden Vögel und Säugetiere zusammen . Trotzdem erzeugen sie keinen Müll – alles wird verwertet, recycelt oder in den Kreislauf zurückgeführt.

                    ​Genau das ist unser Ziel: Eine Wirtschaft, die wie ein Ameisenstaat funktioniert – effizient, ressourcenschonend und vollständig zirkulär.

                    ​Wer daran mitarbeiten möchte – ob als Kommune, Unternehmen oder Forscher – ist bei uns genau richtig. 
                    be green. be bhyo. 

                    ​Rolf Schmitt ist Mitgründer und Geschäftsführer von bhyo. Mit einem Hintergrund in Verfahrenstechnik und langjähriger Erfahrung in der Entwicklung nachhaltiger Energielösungen treibt er die Vision einer dezentralen, kreislaufbasierten Wasserstoffwirtschaft voran. Bei bhyo. verantwortet er insbesondere die strategische Ausrichtung, Technologieentwicklung und den Aufbau von Partnerschaften mit Kommunen, Industrie und Forschung​ 

                    Als zentraler Innovationsmotor in der Region Nordschwarzwald vereint das Technologiezentrum Horb am Neckar (TZH) praxisnahe Unterstützung für Unternehmen mit einem starken Netzwerk rund um Hochleistungskunststoffe – vom Technologietransfer bis zur Startup-Förderung. Maximilian Kossytorz steht uns dazu Frage und Antwort.

                    Können Sie uns kurz das Technologiezentrum Horb vorstellen – welche Schwerpunkte setzen Sie?​ 

                    Das TZH ist ein Innovations-Hub, das sich über die vergangenen Jahre als zentraler Ansprechpartner für Unternehmen sämtlicher Größen im Nordschwarzwald etabliert hat. Mit dem INNONET-Kunststoffcluster managen wir eines der relevantesten Cluster (natürlich neben dem Chemie-Cluster Bayern 😉 ) mit einem Fokus auf die gesamte Wertschöpfungskette Hochleistungskunststoff. Ziel unserer Aktivitäten ist es, sowohl auf lokaler, regionaler als auch internationaler Ebene durch Kollaborationen und Wissenstransfer nachhaltige Innovationen zu ermöglichen. 

                    Welche Branchen sind derzeit besonders stark bei Ihnen vertreten?

                    Das INNONET-Kunststoffcluster legt seit 20 Jahren den Fokus auf die gesamte Wertschöpfungskette von Hochleistungskunststoffen. Unser Anspruch ist es, sämtliche Glieder dieser Wertschöpfungskette abzudecken.​  

                    ​Was passiert gerade im TZH Accelerator? Können Sie uns gegebenenfalls ein konkretes Beispiel nennen? 

                    ​​Auch im TZH Accelerator setzen wir auf das Prinzip des Venture Partnerings. Wir analysieren die Stärken etablierter Unternehmen und nutzen gezielt die Agilität sowie Innovationskraft junger Unternehmen, um vielversprechende Ansätze zu identifizieren und kollaborative Prototypen zu konfigurieren.  

                    ​Konkretes Beispiel: Entwicklung und Tests eines neuartigen Biokunststoffs auf der Basis von Trester. Und viele mehr…​ 

                    Welche Unterstützung bieten Sie beim Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Industrie? 

                    ​​Das Technologiezentrum Horb am Neckar und das INNONET-Kunststoffcluster unterstützen den Technologietransfer durch ein integriertes Leistungsangebot, das gezielt auf die Bedürfnisse von Unternehmen ausgerichtet ist. Im Fokus stehen individuelle Beratungsleistungen, Digital-Coaching sowie praxisorientierte Workshops, die Unternehmen dabei helfen, wissenschaftliche Erkenntnisse in marktfähigen Anwendungsbereichen zu überführen. Über das INNONET-Kunststoff wird ein spezialisiertes Branchennetzwerk organisiert, das den gezielten Austausch zwischen Forschung und Industrie entlang der gesamten Kunststoff-Wertschöpfungskette ermöglicht.  

                    ​Ein weiterer Aspekt des Accelerators ist die Information und Motivation von Studierenden im Bereich Entrepreneurship, um den Transfer ihrer wissenschaftlichen Arbeiten in ein praxisnahes Umfeld zu fördern.  ​ 

                    ​Im Business Development konzentriert sich Maximilian Koyystorz auf die Analyse und Weiterentwicklung bestehender Geschäftsmodelle sowie die Ausarbeitung neuer. Mit dem Schwerpunkt Venture Partnering orchestriert er Pilotprojekte zwischen Start-Ups und Corporates und repräsentiert das TZH in zahlreichen EU-Projekte. Seine Passion sind innovative und ungewöhnliche Geschäftsmodelle und er ist überzeigt davon, dass Innovation immer auf der Basis von guten Kooperationen wächst. Das ist auch sein zentrales Credo bei der Zusammenarbeit mit den Netzwerkpartnern.