Innovation, Nachhaltigkeit und die Kraft natürlicher Rohstoffe: Seit unserem letzten Gespräch vor über fünf Jahren hat Lignopure nicht nur Meilensteine erreicht, sondern auch gezeigt, wie Lignin als Schlüsselrohstoff die Bioökonomie revolutionieren kann. Im Interview gibt Wienke Reynolds spannende Einblicke in die Entwicklung des Unternehmens, die Potenziale von Lignin und die Vision einer nachhaltigeren Chemie- und Materialindustrie.

Liebe Wienke, zuletzt warst du vor über fünf Jahren bei uns im Hot Seat – umso mehr freuen wir uns, dich wieder begrüßen zu dürfen! Seit unserem letzten Gespräch hat sich bei euch sicher einiges getan. Erzähl uns doch kurz, wo Lignopure heute steht und welche Meilensteine ihr in den letzten Jahren erreichen konntet. 

Liebe Anja, vielen Dank für die erneute Einladung zum Interview – in den vergangenen fünf Jahren hat sich wirklich unglaublich viel getan und es ist nach wie vor sehr spannend! Damals waren wir noch in der heißen Phase der Prozess- und Produktoptimierung unserer ersten Produktlinie LignoBase für den Kosmetikbereich. Wir bei Lignopure sind spezialisiert auf die Aufbereitung von Lignin zu multifunktionalen natürlichen Inhaltsstoffen. 
 
Wir haben uns aus der Forschung an der TU Hamburg ausgegründet und mit unserer Seed-Finanzierungsrunde unsere ersten Produkte und die zugehörigen Prozesse aufgebaut.  
2023 sind wir mit LignoBase nahezu global auf den Markt gegangen, haben ein Distributionsnetzwerk aufgebaut und erste Kunden bemustert. 2025 sind dann die ersten Endprodukte auf den Markt gekommen, unser größter Meilenstein bisher!  
 
Auch eine weitere Finanzierungsrunde konnten wir erfolgreich schließen. Aktuell arbeiten wir mit Hochdruck an der Markteinführung einer neuen Produktlinie für den Paints & Coatings Bereich, mit welcher wir Ende April live gehen wollen. 

Lignin wird in der Bioökonomie oft als Schlüsselrohstoff diskutiert. Welche funktionalen Eigenschaften machen Lignin aus deiner Sicht besonders interessant – und welche Potenziale werden bislang noch unterschätzt? 

Lignin ist aus zwei Gründen ein Schlüsselrohstoff: Zunächst ist es nach Cellulose das zweithäufigste Biopolymer der Welt, ein massiver Nebenstrom der Zellstoff- und Bioraffinerieindustrie, aber wohl mit Abstand am wenigsten genutzt! Dies müssen wir ändern.  
 
Zudem hat Lignin sehr interessante Schutzfunktionen, welche es in der Zellwand verholzender Pflanzen übernimmt. Und dies sind Funktionen, für welche in Produkten bisher wenige bis gar keine biobasierten Inhaltsstoffe genutzt werden. Hierzu gehören neben der mechanischen Verstärkung vor allem UV-Schutz und Antioxidans bzw. Radikalfänger. Isolierte Lignine weisen öladsorbierende, teilweise filmbildende Eigenschaften auf. Lignin hat zudem je nach Rohstoff und Aufschlussprozess einen spezifischen braunen Farbton, perfekt um es als biobasiertes Pigment zu nutzen.  
 
Die Übertragung der natürlichen Schutzfunktionen aus der Pflanze in das Produkt mit unserer Technologie gibt uns die Möglichkeit, die Performance neuer Materialien zu verbessern und gleichzeitig den Einsatz umwelt- und gesundheitsschädlicher Inhaltsstoffe zu reduzieren. Hierzu gehören z.B. UV-Filter, erdölbasierte Stabilisatoren, Filmbildner und Booster.  

Lignopure arbeitet daran, Lignin gezielt in hochwertige Anwendungen zu bringen.  
In welchen Einsatzfeldern seht ihr derzeit besonders großes Potenzial – und welche Beispiele zeigen bereits heute, was mit Lignin möglich ist? 

Wenn man einen Blick z.B. in aktuelle Forschungsprojekte zum Thema Lignin wirft, findet man dort nahezu alles, was man sich vorstellen kann: Von Bitumen über Gummi zu Thermoplasten und Duromeren oder Farben und Lacken, über Batterietechnologie und Carbon Capture bis hin zu Food, Animal Feed, oder sogar Pharmaanwendungen – und eben Kosmetik!  
 
Da braucht es Fokus. Wir sehen unsere Stärke bei Lignopure vor allem in unserer Pionierarbeit im Life Science Bereich und höherwertigen Materialanwendungen, wo es neben der Natürlichkeit vor allem auf Performance ankommt. Der Kosmetikmarkt war für uns als Startpunkt in vielerlei Hinsicht perfekt. Mit seinen natürlichen Funktionen lässt sich Lignin sehr gut in natürlicher Sonnenschutz- und Hautpflege, aber auch dekorativen Produkten einsetzen.  
 
Gleichzeitig ist der regulatorische Aufwand geringer als in den anderen Life Science Bereichen, die anfänglichen Abnahmemengen moderat und der Markt nimmt Innovationen verhältnismäßig schnell an. Wobei sich Europa hier an anderen Ländern gut eine Scheibe abschneiden kann: Das erste Produkt mit LignoBase ist in Südkorea auf den Markt gekommen, einem der Vorreiter, wenn es um hochwertige, innovative Produktkonzepte geht. Aber auch in Europa werden zeitnah Produkte folgen! 

Du hast deine Lignin-Expertise auch in das Projekt BAMBI – Marktpotenzial holzbasierte Bioökonomie eingebracht. Wie genau sah dein Beitrag aus? Und wie schätzt du das Marktpotenzial von Lignin ein? 

Ja, das war wirklich ein sehr wertvoller und produktiver Tag! Ich hatte die Möglichkeit, Lignopures Perspektive und Expertise in zwei Fokusgruppen einzubringen und mich intensiv mit anderen Experten und Stakeholdern auszutauschen. Insgesamt sind wir sehr überein gekommen, dass es mehr gezielte Förderung für die Entwicklungs- und CAPEX-intensive aber absolut essentielle Skalierung von Lignin-Technologien geben muss. Aber auch, dass nur strikte Regulierungen und Quoten für nachhaltige Rohstoffe die Industrie wirklich bewegen werden, biobasierte Inhaltsstoffe in großem Maßstab einzusetzen.  

Wenn wir nach vorne blicken: Welche Rolle kann Lignin deiner Meinung nach künftig in einer nachhaltigeren Chemie- und Materialindustrie spielen – und woran arbeitet ihr bei Lignopure aktuell besonders intensiv? 

Meiner Meinung nach muss und wird Lignin eine der großen Säulen unserer zukünftigen Bioökonomie sein. Weltweit wird intensiv an der Wertschöpfung biogener Nebenströme und neuen Bioraffineriekonzepten gearbeitet. Hochwertiges Lignin wird in zunehmendem Maße verfügbar und muss auch genutzt werden. 

Zudem steigen die Grenzwerte und regulatorischen Anforderungen an viele persistente, bioakkumulative oder toxische Inhaltsstoffe signifikant an, echte Alternativen sind bisher spärlich gesät. Hierzu zählen neben PFAS und Mikroplastik unter anderem UV-Filter. 
 
Wir arbeiten intensiv and der Erschließung weiterer Märkte, welche dies stark betrifft und in welchen die Funktionalitäten des Lignins besonders viel Potential haben. Der nächste logische Schritt für uns ist daher, Lignin mit seiner Farbe, UV-Schutz und antioxidativen Aktivität als funktionales Pigment im Bereich der Farben, Lacke und Beschichtungen zu etablieren.  
 
Muster und weitere Informationen zu unserer neuen Produktlinie Arbex für den Paints & Coatings Bereich werden Ende April offiziell verfügbar sein, dies wird ein spannender neuer Markt für uns! Diverse Lignine für weitere technische Anwendungen z.B. im Polymerbereich können ebenfalls ganz einfach über uns bezogen werden. 

Über Wienke Reynolds

Wienke Reynolds ist Mitgründerin und CTO der LignoPure GmbH. Sie studierte Bioverfahrenstechnik and der TU Hamburg und promovierte dort am Institut für Thermische Verfahrenstechnik im Bereich Bioraffinerie-Prozessentwicklung. 

Die chemische Industrie steht vor großen Herausforderungen – von Nachhaltigkeit bis zu innovativen Lösungen für globale Märkte. Thomas Wackerbauer von Archroma erklärt, wie das Unternehmen mit maßgeschneiderten Spezialchemikalien, flexibler Lohnfertigung und ambitionierten Nachhaltigkeitszielen nicht nur Branchenstandards setzt, sondern auch seinen Kunden echten Mehrwert bietet.

Hallo Herr Wackerbauer!
Archroma ist ein breit aufgestellter Lieferant für spezielle Chemikalien. Welchen Prinzipien wird dabei gefolgt, welche Branchen werden angesprochen und daraus resultierend, welche Art von Lohnfertigung kann Archroma anbieten?

ARCHROMA bedient viele Industriezweige, wie die Textilindustrie (Farbstoffe, Textilveredelung, funktionelle Ausrüstungen), Verpackungs- und Papierindustrie (Farbstoffe, optische Aufheller, Barrierelösungen) oder Beschichtungen, Klebstoffe und Bauchemie.

Wir stellen kundenspezifische Spezialchemikalien nach individuellen Rezepturen nach Kundenvorgabe her und können Klein- und Großserienproduktionen an unserem Standort anbieten.
Dabei sichern wir die erzeugten Produkte Qualitäts- und regulatorisch mit allen gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich Dokumentation, Analytik, Qualitätskontrolle und der Einhaltung internationaler Standards ab.

Hierbei steht die Nachhaltigkeit (der sogenannte „The Archroma Way“) als Chemiehersteller im Vordergrund. Hier geht es um die Entwicklung umweltfreundlicher und sicherer Chemielösungen, die Reduktion von Wasser-, Energie- und Ressourcenverbrauch bis hin zur Förderung von Kreislaufwirtschaft und verantwortungsvoller Beschaffung.

Wir setzen auf Innovation und Performance mit unseren Hochleistungschemikalien mit funktionalem Mehrwert und maßgeschneiderte Lösungen für spezifische Kundenanforderungen.

Im Besonderen fokussieren wir uns auf Kundenorientierung, einer engen Zusammenarbeit mit Industriekunden und deren Entwicklung individueller Rezepturen und Systemlösungen.

Sie haben derzeit Leerstand in Ihren Anlagen, der wieder befüllt werden soll. Für welche Firmen ist das interessant und welche Möglichkeiten bieten sich hier?

Freie Anlagenkapazitäten können gezielt für Lohnfertigung genutzt werden, insbesondere für kleinere Spezialchemieunternehmen, internationale Firmen ohne eigene Produktion oder Unternehmen mit temporärem Kapazitätsbedarf.

Durch vorhandene Infrastruktur und Know-how kann ARCHROMA verschiedene Dienstleistungen anbieten:

Das reicht von Produktionen Spezialchemie nach Kundenspezifikation, Klein- und Großserien bis zu Scale-up und Pilotproduktion.
Auch bieten wir durch unsere Infrastruktur und Bauflächen ideale Bedingungen für Neuansiedlungen von Start-Up- oder international tätigen Unternehmen. Büro- und Laborflächen, Lagerflächen im Hochregallager stehen ebenso zur sofortigen Nutzung zur Verfügung wie Bauland für größere Expansionen für Unternehmen.

Hieraus ergibt sich ein einzigartiger Vorteil:
Die Kunden können dabei die bestehende Infrastruktur, Qualitätsstandards und Branchenexpertise der ARCHROMA nutzen, um flexible Produktionslösungen für sich zu nutzen und wiederum ihren Kunden anbieten, oder aber auch im großen Maßstab mit uns zu wachsen. Besonders in einer sehr gut angebundenen Verkehrslage nördlich von Augsburg an der B2 ist dies für jedes Unternehmen ein sehr großer Vorteil

Wie reagieren Sie auf aktuelle Markttrends, wie die steigende Nachfrage nach nachhaltigen Chemikalien und die Verknappung von Ressourcen?

Wir reagieren auf Markttrends, indem wir nachhaltige Produkte entwickeln, unsere eigenen Produktionsprozesse effizienter gestalten und eng mit Kunden zusammenarbeiten.
Dadurch können wir Ressourcen schonen, regulatorische Anforderungen erfüllen und gleichzeitig neue Marktchancen für ARCHROMA und seinen Kunden erschließen.

Wie werden diese ambitionierten Nachhaltigkeitsziele in ihre Fertigungsprozesse integriert und wie profitieren die Kunden davon?

Archroma integriert Nachhaltigkeit direkt in seine Produktionsprozesse durch ressourceneffiziente Technologien, nachhaltige Rohstoffe und transparente Standards. Kunden profitieren dadurch von effizienteren Prozessen, regulatorischer Sicherheit und Produkten, die ihre eigenen Nachhaltigkeitsziele unterstützen.

Gibt es noch etwas, was Sie unseren LeserInnen mit auf den Weg geben wollen?

Abschließend möchte ich betonen, dass die chemische Industrie eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung vieler globaler Herausforderungen spielt – insbesondere im Hinblick auf Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und innovative Materialien.

Unternehmen wie ARCHROMA zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und verantwortungsvolles Handeln kein Widerspruch sein müssen, sondern sich gegenseitig stärken können.

Gerade durch enge Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Rohstofflieferanten über Hersteller bis hin zu den Endkunden – können wir Lösungen entwickeln, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch nachhaltig sind.

Mein Wunsch an die Leserinnen und Leser wäre daher, offen für neue Technologien und nachhaltige Ansätze zu bleiben.

Denn die Transformation hin zu einer ressourcenschonenderen Industrie gelingt nur gemeinsam – durch Kooperation, Innovationsgeist und langfristiges Denken.

Ihr Thomas Wackerbauer

Über Thomas Wackerbauer

Thomas Wackerbauer ist Werksleiter des Produktionswerks von ARCHROMA International (Germany) GmbH in Langweid bei Augsburg. In dieser Funktion verantwortet er den Betrieb eines modernen Spezialchemie-Standorts innerhalb des ARCHROMA – Konzerns mit Produktions-, Labor- und Scale-up-Kapazitäten. Sein Fokus liegt auf der Weiterentwicklung des Standorts, der Zusammenarbeit mit Industriepartnern und der Förderung von Innovation im Bereich Spezialchemikalien.

Über das Werk Langweid

Das Werk in Langweid ist in das globale Netzwerk des ARCHROMA-Konzerns eingebunden. Zu den Kernkompetenzen gehören eine moderne Produktion, eine globale Prozessentwicklung mit einem Pilotbetrieb sowie eine Forschungsabteilung für Textilchemikalien. Von den rund 5.000 Mitarbeitenden des ARCHROMA-Konzerns, arbeiten rund 130 Kolleginnen und Kollegen im Werk Langweid.

Mit der BioCampus MultiPilot-Anlage entsteht in Straubing eine wegweisende Demonstrationsanlage für industrielle Biotechnologie, die Forschung und Praxis verbindet. Im Interview erläutert der neue Geschäftsführer des BioCampus, wie das Projekt die regionale Bioökonomie stärkt, welche strategischen Meilensteine bis 2027 erreicht werden sollen – und warum die Anlage zum zentralen Hub für nachhaltige Innovation werden kann. Ein Gespräch über Visionen, Wertschöpfung und die Zukunft der biobasierten Wirtschaft.

Der BioCampus Straubing arbeitet aktuell am Bau der BioCampus MultiPilot-Anlage als einer Mehrzweck-Demonstrationsanlage für industrielle Biotechnologie. Welche Fortschritte sehen Sie derzeit bei diesem Projekt und welche strategischen Meilensteine haben Sie sich als Geschäftsführer persönlich dafür gesetzt?

Die Errichtung der BioCampus MultiPilot ist für uns kein gewöhnliches Bauprojekt, sondern schließt ein Lücke in der hiesigen industrielle Bioökonomie. Wir sind aktuell auf einem sehr guten Weg. Die Anlagenhülle steht bereits, und die ersten Hauptapparate sind im Stahlbau platziert. Nun beginnt die Phase der Detailmontage für die weiteren Apparate, Rohrleitungen und die Verkabelung. Parallel dazu bereiten wir bereits die Inbetriebnahme sowie die ersten konkreten Kundenprojekte vor.

Meine oberste Priorität ist die termingerechte Fertigstellung bis Anfang 2027 und die erfolgreiche Aufnahme des Betriebs im selben Jahr.

Mein strategisches Ziel ist, den BioCampus Straubing durch die MultiPilot-Anlage als den zentralen europäischen Hub für industrielle Biotechnologie zu etablieren. Und unsere exzellente Infrastruktur so tief in das regionale Netzwerk einzufügen, dass wir für Partner und Kunden aus der Industrie und Forschung die unangefochtene erste Adresse sind, wenn es um die Skalierung und Demonstration nachhaltiger Innovationen geht.

Wie bewerten Sie die Bedeutung dieser Anlage für die Entwicklung der industriellen Bioökonomie in Straubing und darüber hinaus? Sehen Sie sie als konkreten Hebel für regionale Wertschöpfung, neue Arbeitsplätze oder internationale Kooperationen?

Die BioCampus MultiPilot-Anlage ist der entscheidende, hier noch fehlende Baustein, um die Brücke zwischen exzellenter Forschung und industrieller Anwendung zu schlagen. Mit ihrem flexiblen Multipurpose-Ansatz verfügt sie über alle Voraussetzungen eines effektiven Skalierungs- und Demonstrationshubs. Unser Ziel ist es, den Freistaat Bayern durch den Standort Straubing noch markanter auf der Landkarte der industriellen Biotechnologie zu positionieren, der weit über die Region hinaus Strahlkraft entfalten.

Dabei ist die Anlage kein Selbstzweck. Besonders wichtig ist mir eine greifbare regionale Wertschöpfung. Wir schaffen ein Umfeld, in dem Unternehmen nicht nur testen, sondern Wurzeln schlagen können. Das Spektrum reicht von der Nutzung unserer Labore im Technologie- und Gründerzentrum Straubing über die Ansiedlung von Demo-Anlagen bis hin zur engen Synergie mit dem TUM Campus Straubing und dem Fraunhofer IGB BioCat. Wir selbst schaffen in der Anlage hochwertige Arbeitsplätze. Letztendlich ist mein Anspruch, die MultiPilot-Anlage an zählbaren Ergebnissen messen zu lassen – für unsere Kunden, die Partner vor Ort und die wirtschaftliche Entwicklung der Region – daran werde ich mit meinem Team arbeiten.

Industrie und Wissenschaft diskutieren derzeit intensiv über die Transformation hin zu einer biobasierten Wirtschaft. Wie möchten Sie als neue Leitung des BioCampus dazu beitragen, insbesondere in Bezug auf Wachstum bestehender Unternehmen, Förderung von Start-ups oder Innovationsnetzwerke? Wie sehen Sie die aktuellen Bewegungen innerhalb der Transformation?

Die Industrie befindet sich aktuell in einem tiefgreifenden Wandel, der weit über die bioökonomische Transformation hinausgeht. Aber für mich ist eines klar: Die industrielle Biotechnologie besitzt ein immenses Potenzial, um diesen Wandel positiv und nachhaltig zu gestalten.

Für eine erfolgreiche Transformation reicht Innovationskraft allein jedoch nicht aus; entscheidend sind die wirtschaftliche Tragfähigkeit und die technoökonomische Verlässlichkeit. Genau hier setzen wir an. Wir verstehen uns als zentrale Anlaufstelle für Unternehmen jeder Größe – vom agilen Start-up bis zu etablierten Konzernen. Unser Ziel ist es, biotechnologische Lösungen von der ersten Idee bis zur marktfähigen Anwendung zu begleiten.

Mit der BioCampus MultiPilot-Anlage wollen wir jenen Akteuren, die den Schritt in die industrielle Umsetzung wagen, operative Hürden aus dem Weg räumen. Wir bieten die Infrastruktur, um Prozesse zu validieren und den Markteintritt neuer Produkte abzusichern. So leisten wir einen aktiven Beitrag dazu, dass die Transformation nicht nur eine Vision bleibt, sondern wirtschaftlicher Erfolg am Standort wird.

Sie sind neu als Geschäftsführer ernannt; welche neuen Impulse oder strategischen Ausrichtungen möchten Sie für BioCampus Straubing setzen? Gibt es besondere Initiativen, Partnerschaften oder Zielmärkte, die Sie in den kommenden Jahren stärken wollen?

Mit meinem industriellen Hintergrund bringe ich eine praxisnahe Erfahrungsperspektive ein, die ich gezielt für die erfolgreiche Inbetriebnahme unserer Anlage und den Ausbau strategischer Partnerschaften nutzen werde. Ich bin der festen Überzeugung: Innovation ist der Motor für nachhaltige Wertschöpfung.

Ein zentraler Impuls wird sein, Kooperationen und Innovationsnetzwerke auf ihren konkreten Nutzen hin auszurichten. Jede unserer Aktivitäten muss einen klaren Wertbeitrag liefern – primär für unsere Kunden, aber auch für die Stadt Straubing, die Region und den Freistaat Bayern als maßgebliche Förderer der BioCampus MultiPilot.

In Bezug auf die Zielmärkte richten wir uns konsequent nach den Bedarfen unserer Kunden. Unser Anspruch ist es, von Beginn an durch eine hohe prozesstechnische Flexibilität und breite Expertise zu überzeugen, damit wir agil auf Marktbewegungen und individuelle Kundenanforderungen reagieren können. So entwickeln wir den BioCampus Straubing zu einem verlässlichen Partner für die industrielle Biotechnologie.

Gibt es noch etwas, was Sie unseren Leser:innen mit auf den Weg geben wollen?

Ich bin beeindruckt von der Unterstützung aus der Politik und unserem Partnernetzwerk, die ich hier in den ersten Wochen erfahren durfte – ein solches Engagement ist keineswegs selbstverständlich. Der Freistaat Bayern investiert hier massiv in die Zukunft der industriellen Bioökonomie. Alle Partner bringen sich uneingeschränkt ein. Unsere Aufgabe ist es nun, diesen Weg konsequent weiterzugehen und den BioCampus als zentralen Erfolgsbaustein zu etablieren.

Dafür haben wir ein kompetentes und hochmotiviertes Team an Bord, das wir in nächster Zeit noch gezielt verstärken werden. Wir blicken mit großer Vorfreude auf die kommenden Aufgaben und sind bereit, unseren Beitrag zur nachhaltigen Transformation der Industrie zu leisten.

  

Über Peter Dettelmann:

Peter Dettelmann studierte Verfahrenstechnik an der RWTH Aachen und verantwortete in der chemischen Industrie zahlreiche Führungsfunktionen, darunter als Standortleiter, als Leiter des Geschäftsbereichs Standortmanagement bei der Evonik Industries AG sowie als Geschäftsführer der Evonik Superabsorber GmbH, wo er unter anderem den Unternehmensverkauf strategisch begleitete. Dort steuerte er zudem erfolgreich die Integration des Unternehmens beim neuen Eigentümer. Seit Dezember 2025 ist er hauptamtlicher Geschäftsführer bei der BioCampus Straubing GmbH. Neben der Geschäftsverantwortung liegt sein aktueller Fokus auf der erfolgreichen Inbetriebnahme der BioCampus MultiPilot im Jahr 2027, einer vom Freistaat Bayern mit 80 Mio. € geförderten Mehrzweckdemonstrationsanlage für die Demonstration und Skalierung von Prozessen der industriellen Biotechnologie.

Seit 30 Jahren begleitet Bayern Kapital innovative Unternehmen beim Wachstum und zählt heute zu den finanzstärksten staatlichen VC-Investoren Deutschlands. Im Gespräch blicken wir auf die Entwicklung des bayerischen Start-up-Ökosystems, die Herausforderungen kapitalintensiver Deeptech-Modelle und die technologischen Trends, die das Investitionsumfeld künftig prägen werden.

Bayern Kapital feierte im letzten Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Wenn Sie zurückblicken –
welche Entwicklungen im bayerischen Start-up-Ökosystem haben Sie in dieser Zeit am meisten
geprägt, und was bedeutet dieses Jubiläum für Sie persönlich?

Im vergangenen Jahr konnten wir das 30-jährige Bestehen von Bayern Kapital feiern, und für
mich persönlich fiel das nahezu zusammen mit meinem eigenen Jubiläum: Seit 25 Jahren bin ich
Teil von Bayern Kapital und habe die Entwicklung des bayerischen Start-up-Ökosystems über
viele Phasen hinweg miterlebt.
Als ich begonnen habe, waren Start-up-Investments stark vom Neuen Markt geprägt, der sich
damals noch auf seinem Höhepunkt befand. Kurz darauf folgte jedoch dessen Zusammenbruch,
Börsengänge als Exit-Pfad spielten für lange Zeit kaum noch eine Rolle und M&A-Transaktionen
gewannen deutlich an Bedeutung.
Über die Jahre hinweg hat der Markt mehrere Höhen und Tiefen durchlaufen. Was sich dabei
immer wieder bestätigt hat: Nach schwierigen Phasen folgen neue Wachstumszyklen – und
wirklich gute Unternehmen finden auch in herausfordernden Zeiten Kapital. Diese Erfahrung
prägt bis heute unser Handeln bei Bayern Kapital und bestätigt den Wert eines langfristigen,
nachhaltigen Investmentansatzes.

Bayern Kapital gilt als einer der finanzstärksten staatlichen VC-Investoren in Deutschland – mit
Beteiligungen von bis zu 50 Mio. Euro pro Unternehmen. Welche Rolle spielt dieses
Alleinstellungsmerkmal für die Attraktivität des Standorts Bayern und für technologieorientierte
Start-ups, etwa aus der Chemieindustrie?

Die Möglichkeit, Unternehmen als Ankerinvestor über mehrere Finanzierungsrunden hinweg
langfristig zu begleiten und Beteiligungen von bis zu 50 Millionen Euro einzugehen, ist ein
zentrales Alleinstellungsmerkmal von Bayern Kapital – und in dieser Kombination europaweit
eine Seltenheit. Gerade für technologieorientierte und kapitalintensive Start-ups, etwa aus der
Chemieindustrie oder angrenzenden Deeptech-Bereichen, ist diese phasenübergreifende
Finanzierungsperspektive entscheidend.
Unsere Investitionen sind dabei bewusst an einen relevanten Standort in Bayern geknüpft.
Dadurch schaffen wir einen klaren Anreiz, innovative und wachstumsstarke Unternehmen im
Freistaat anzusiedeln und hier langfristig zu entwickeln. Für Start-ups bedeutet das
Planungssicherheit und Verlässlichkeit über mehrere Finanzierungsrunden hinweg, für den
Standort Bayern stärkt es die Ansiedlung technologisch anspruchsvoller Unternehmen.
So trägt Bayern Kapital dazu bei, Bayern als attraktiven und wettbewerbsfähigen Standort für
internationale Hightech- und Deeptech-Unternehmen weiter zu stärken.

Viele Chemie-Start-ups stehen vor langen Entwicklungszyklen und hohem Kapitalbedarf. Wo
sehen Sie die größten Stolpersteine bei der Finanzierung – und wie kann Bayern Kapital hier
konkret unterstützen?

Die größten Stolpersteine liegen in der Kombination aus hohem Technologierisiko, großer
Kapitalintensität und langen Entwicklungszyklen. Viele Chemie-Start-ups benötigen erhebliche
Investitionen über einen langen Zeitraum, bevor sie Marktreife erreichen. Gleichzeitig ist
Risikokapital für solche Deeptech-Modelle in Europa weiterhin begrenzt. Hinzu kommen
standortspezifische Herausforderungen wie ein schwieriges Marktumfeld in der europäischen
Chemieindustrie, hohe Energiepreise und eine hohe regulatorische Komplexität, die
Finanzierungsentscheidungen zusätzlich erschweren.
Bayern Kapital kann hier auf mehreren Ebenen konkret unterstützen. Als langfristig orientierter
Investor bringen wir die notwendige Geduld mit und sind nicht auf kurzfristige Erfolge fokussiert.
Darüber hinaus verfügen wir über ein belastbares Netzwerk an nationalen und internationalen
Co-Investoren, das wir für Anschlussfinanzierungen aktivieren können.
Ergänzend unterstützen wir Unternehmen über unser Netzwerk im bayerischen
Innovationsökosystem – etwa durch Kontakte zu Initiativen wie dem ChemieCluster Bayern –
auch bei standortbezogenen Fragestellungen. So tragen wir dazu bei, Finanzierung, Skalierung
und Standortentwicklung gemeinsam zu denken und Chemie-Start-ups langfristig in Bayern zu
verankern.

Welche Kriterien sind für Sie ausschlaggebend, wenn Sie entscheiden, ob Sie in ein Start-up
investieren?

Hier sind mehrere Faktoren relevant:

  • Wer sind die Personen hinter dem Unternehmen? Ist das Team komplementär aufgestellt
  • und sind die wesentlichen Positionen besetzt?
  • Ist der Markt ausreichend groß und besteht ein Wettbewerbsvorsprung?
  • Was ist das zentrale Alleinstellungsmerkmal?
  • Wie sieht das IP-Portfolio aus? Sind die wesentlichen Schutzrechte im Unternehmen oder
  • durch Lizenzen gesichert?
  • Wird das Unternehmen mit der Finanzierungsrunde ausreichend finanziert sein, um
  • wesentliche Entwicklungsmeilensteine zu erreichen, die eine Anschlussfinanzierung oder
  • den Marktzugang ermöglichen?
  • Ist das Konsortium Follow-on fähig?

Wagen wir einen Blick nach vorn: Welche technologischen Trends werden aus Ihrer Sicht in den
kommenden Jahren das Investitionsumfeld am stärksten prägen?

In den kommenden Jahren prägen vor allem KI-getriebene Technologien, Dateninfrastruktur und
Automatisierung das Investitionsumfeld, ergänzt durch Cybersecurity,
Nachhaltigkeitstechnologien und neue Hardware-/Cloud-Architekturen. Für Investorinnen und
Investoren bedeutet das: Kapital fließt verstärkt in skalierbare Plattformen, die Daten, KI und
physische Systeme (Roboter, Edge-Geräte) verbinden und oft durch Regulierung (z.B. EU-KIGesetz,
ESG-Regeln) strukturell begünstigt werden. In der Chemiebranche verschieben sich
Investitionen in den nächsten Jahren stark in Richtung Digitalisierung der Produktion,
nachhaltige Rohstoffe/Prozesse und neue (bio‑)chemische Verfahren. Gleichzeitig steigt der
Druck durch Energiepreise, Regulierung und Dekarbonisierung, was Effizienz- und
Automatisierungstechnologien besonders attraktiv macht.

  

Dr. Nathalie Weitemeyer über sich:

Ich habe an der Universität Tübingen Chemie studiert und im Arbeitskreis von Prof. Ernst Bayer zur
Darstellung und Charakterisierung von Nanopartikeln promoviert. Im Anschluss an meine Promotion
habe ich in bei der Actipac GmbH, einem StartUp, das Drug Delivery Systeme entwickelte, meine
ersten beruflichen Erfahrungen gesammelt. Parallel beendete ich mein Aufbaustudiengang zur
Diplom-Wirtschaftschemikerin. 2001 wechselte ich aus dem StartUp-Bereich in den
Investmentbereich und kam zur Bayern Kapital GmbH. Hier betreute ich Unternehmen aus den
verschiedensten Branchen und Entwicklungsstadien. In den letzten Jahren habe ich als Investment
Director LifeSciences und Senior Investmentmanagerin einen Schwerpunkt im Bereich LifeSciences,
bin aber weiterhin an Fällen aus anderen Branchen interessiert.

Im Interview erklärt Frau Yamaguchi-Humpert, was es mit der Bayerische Auslandsrepräsentanz in Japan auf sich hat, welche Aufgaben erfüllt werden und wie das Firmen aus Bayern helfen kann.

Sehr geehrte Frau Yamaguchi-Humpert. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für unser kleines Hot-Seat-Interview nehmen.
Wenn man ”Bayerische Repräsentanz in Japan” liest, fragt man sich als erstes was das überhaupt ist. Erklären Sie deshalb gerne was die Repräsentanz ist und was sie für Funktionen und Aufgaben erfüllt.

Vielen Dank für die Möglichkeit, die Aufgabe der Repräsentanz Japan des Freistaats Bayern vorstellen zu dürfen. Wir sind stets dankbar für Gelegenheiten, unsere Sichtbarkeit zu erhöhen, um bayerischen KMUs einen Mehrwert durch unseren Service anbieten zu können. Die Repräsentanz des Freistaats Bayern in Japan ist die erste Auslandsvertretung des Freistaats Bayern und besteht seit 1988. Wenn man an die „Bayerische Repräsentanz“ denkt, denkt man häufig, an einen Botschafter, der den Freistaat Bayern repräsentiert. Ganz so ist es jedoch nicht. Wir sind nicht primär zum Repräsentieren da, sondern haben – vor dem Hintergrund, dass wir vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie finanziert werden – einen klaren Schwerpunkt auf wirtschaftliche Themen.

Unsere Kernaufgaben sind:

  1. Akquise ansiedlungsinteressierter japanischer High-Tech-Unternehmen, die Innovationen nach Bayern bringen und den Freistaat als attraktiven und wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort stärken. Dies schafft hochwertige Arbeitsplätze und sichert den Wohlstand Bayerns. Hierbei arbeitet die Repräsentanz eng mit den Kollegen von Invest in Bavaria in München, Nürnberg und Hof zusammen.
  2. Unterstützung bayerischer Unternehmen beim Markteintritt in Japan, indem wir als Türöffner zu relevanten Netzwerkpartnern fungieren. In diesem Zusammenhang unterstützen wir die Kollegen von Bayern International GmbH bei der Vorbereitung und Durchführung von Messebeteiligungsprogrammen oder Delegationsreisen. Unser Ziel ist es, den bayerischen Unternehmen einen klaren Mehrwert für ihre Messebeteiligung oder Delegationsreisen anzubieten.

Um weiter ins Detail zu gehen. Auf welche Kontakte, Netzwerke und Möglichkeiten kann die Repräsentanz zugreifen und gibt es aktuelle Schwerpunkte der japanischen Wirtschaftsförderung? Wie können Firmen und Start-ups aus Deutschland davon profitieren und sich engagieren?

Die Repräsentanz Japan des Freistaats Bayern kann auf ein breit gefächertes Netzwerk aus öffentlichen Institutionen, Wirtschaftsförderorganisationen, Clustern, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-Up-Akteuren in Japan und Bayern zugreifen. Dazu zählen unter anderem Kontakte zu Ministerien und nachgeordneten Behörden, regionalen Wirtschaftsförderern, Industrieverbänden sowie zu Innovations- und Technologiezentren.

Die Repräsentanz unterstützt dabei vor allem bei der Orientierung im Markt, der Kontaktanbahnung und der Identifikation geeigneter Partner.

  1. Gründung einer Tochtergesellschaft in Japan: Wir können bayerischen Unternehmen eine Liste von Dienstleistern zur Verfügung stellen. Aus Neutralitätsgründen können wir jedoch keine spezifischen Dienstleister empfehlen.
  2. Unterstützung durch lokale Wirtschaftsförderer: Wenn Ansprechpartner passend zu ihrer Branche benötigt werden, stellen wir den Kontakt zu den entsprechenden Wirtschaftsförderern in Japan her.
  3. B2B oder Handelsvertreter: Wir vermitteln den Kontakt zu relevanten Stellen.
  4. Talentsuche: Unser Netzwerk kann aktiviert werden, um geeignete Lösung zu finden.

Unser Ziel ist es, bayerischen Unternehmen möglichst umfassenden Mehrwert zu bieten – sei es bei Messebeteiligungen, Delegationsreisen oder Netzwerktreffen.

Ein Best Practice Beispiel ist die Einladung von Dr. Koike, CEO der Rapidus Corporation, zum Bayern-Stand auf der Semicon Japan in Tokyo im letzten Jahr.

Ein weiteres Beispiel sind branchenübergreifende Netzwerktreffen der Messeteilnehmer mit bayerischen Unternehmensvertretern, die bereits erfolgreich in Japan tätig sind, zum Thema: „Doing Business in Japan“.

Übrigens, da wir vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie finanziert werden, ist unser Service für die bayerischen Unternehmen selbstverständlich kostenlos.

Zu Ihrer zweiten Frage: Die Wirtschaftsfördergesellschaften in Japan bieten Unternehmen und Startups verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten an, zum Beispiel bei Behördengängen, der Bürosuche und teilweise auch im B2B-Bereich, wie ihn die Wirtschaftsfördergesellschaft der Stadt Sapporo STEP (Sapporo Transnational Expansion & Partnership) innerhalb des Sapporo Ökosystems anbietet. Mit der Stadt Saitama und der Greater Nagoya Initiative (GNI) stehen wir in sehr engem Austausch. Mein Rat wäre jedoch auf jeden Fall, sich zunächst an die JETRO München zu wenden. Selbstverständlich können wir den Kontakt zur JETRO München herstellen.

Welche weiteren Bayerischen Repräsentanzen gibt es noch? Sind sie untereinander vernetzt und gibt es zentrale Anlaufstellen?

Weltweit gibt es über 30 Bayerische Repräsentanzen, zum Beispiel in den USA, Indien, China, usw. Einmal im Jahr findet ein Repräsentanztreffen aller bayerischen Repräsentanzen in Bayern statt, bei dem sie die Möglichkeit haben, sich untereinander auszutauschen.

Gibt es noch etwas, was Sie unseren Leser:innen mit auf den Weg geben wollen?

Wir sind ein kleines, aber schlagfertiges Büro mit Humor und stets bemüht, für die Anfragen bayerischer sowie japanischer Unternehmen passende Lösungen zu finden.
Wenn Sie sich zunächst über den japanischen Markt informieren möchten, ist es sehr empfehlenswert, am Messebeteiligungsprogramm und an der Delegationsreise der Bayern International GmbH teilzunehmen. Auf diese Weise können Sie ein besseres Gefühl für den japanischen Markt bekommen.
Wenn Sie dienstlich in Japan unterwegs sind, sind Sie jederzeit herzlich eingeladen, uns in unserem Büro in Tokyo zu besuchen. Für Kaffee und Tee ist selbstverständlich gesorgt – wir freuen uns über jeden Besuch!

Kaori Yamaguchi-Humper über sich:
Nach dem Abitur an der Deutschen Schule Tokyo Yokohama und Studium an der LMU München, fing mein beruflicher Werdegang bei Invest in Bavaria – die Ansiedlungsagentur des Freistaats Bayern an, zuständig für die Betreuung von japanischen Unternehmen bei der Ansiedlung und Erweiterung im Rahmen der Bestandspflege. Zuletzt als Deputy Head of Investor Services lag der Schwerpunkt auf den Bereich Life Sciences aus aller Welt. Seit dem 1. September 2025 als inzwischen fünfte Chef Repräsentantin des Freistaats Bayern – Japan Office in Tokyo im Einsatz, um einerseits japanische High-Tech Unternehmen gezielt für die Ansiedlung anzusprechen, die für Innovation sorgen, damit Bayern weiterhin als attraktiver im internationalen Vergleich wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort bleibt und andererseits die bayerischen Unternehmen beim Markteintritt in Japan zu unterstützen.

Matthias Scholz ist leitender Koordinator von TransBIB, dem nationalen Transfernetzwerk zur Beschleunigung der Industriellen Bioökonomie, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE). In dieser Rolle fungiert er als Brückenbauer: Er vernetzt Regionen, Initiativen und Akteure, um biobasierte Innovationen effizienter aus der Forschung in die industrielle Anwendung zu bringen.  

Was ist TransBIB?  

TransBIB ist ein Metanetzwerk – also ein Netzwerk, das bestehende regionale oder thematische Netzwerke miteinander verbindet –, welches aus den Beispielregionen der Industriellen Bioökonomie hervorgegangen ist. Diese wurden 2021 vom BMWE angefragt, um die regionale Wertschöpfung zu stärken – ein Thema, das durch die Coronapandemie und geopolitische Krisen massiv an Bedeutung gewonnen hat.  

Wir haben erkannt, dass viele Regionen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Anstatt das Rad jedes Mal neu zu erfinden, nutzen wir die „Schwarmintelligenz“. Heute ist TransBIB ein zentraler Baustein im Innovationsökosystem Bioökonomie in Deutschland: Mit 18 Partnern, über 30 Kompetenzhubs (die aus den Regionen entstanden sind) und einem Netzwerk von mehr als 1.200 Unternehmen und Forschungseinrichtungen beschleunigen wir den Technologietransfer.  

Wie genau beschleunigt ihr diesen Transfer?  

Durch zwei Hebel: Vernetzung und Wissen. Kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und Start-ups fehlen oft die Experten oder die passenden Partner, um den Sprung aus dem Labor in den Markt zu schaffen. Unser Metanetzwerk bietet hier den idealen Zugang. Wir bieten verschiedene Netzwerkformate an, von digital, regional bis national.  

Über unseren One-Stop-Shop stellen wir zudem ein digitales Wissenszentrum bereit: Aktuell sind dort 167 Datenbanken zur Bioökonomie und 127 Datenbanken zur Zertifizierung eingebunden. Wo spezifisches Wissen fehlt, erarbeiten wir es selbst – wie etwa mit unserer Skalierungsdatenbank. 

TransBIB gilt als „das“ Skalierungs-Netzwerk in Deutschland. Warum ist das so wichtig?  

Unsere Hauptaufgabe ist es, das sogenannte „Valley of Death“ der Skalierung zu überbrücken – jene kritische Phase, in der vielversprechende Technologien scheitern, weil der Weg vom Labor zur industriellen Produktion zu teuer oder zu komplex ist. Bisher waren Informationen über verfügbare Skalierungsanlagen in Deutschland kaum zugänglich; auf europäischen Plattformen wie Pilots4U war und ist Deutschland ein recht weißer Fleck. 

Wir haben in unserem Auftaktjahr eine Bestandsaufnahme gemacht und über 60 Skalierungsanlagen identifiziert, die nicht nur da sind, sondern auch offen sind für externe Projekte. Anfangs war das eine riesige, wenig nutzerfreundliche Excel-Tabelle. Daher haben wir im zweiten Förderjahr ein KI-Update von TransBIB implementiert. Unser eigenes KI-Tool macht diese Daten nun in unserem One-Stop-Shop leicht zugänglich. Zusätzlich haben wir eine intuitive „Booking.com“-Ansicht für Skalierungsanlagen programmiert, um Angebot und Nachfrage effizient zu matchen.  

Dein Resümee nach zwei Jahren TransBIB?  

Die Entwicklung von TransBIB übertrifft unsere ursprünglichen Pläne. Wir haben bereits jetzt mehr Kompetenzhubs integriert, als wir eigentlich erst nach dem dritten Jahr vorgesehen hatten. Neben der neuen KI-Integration haben wir generell mehr geleistet als ursprünglich angedacht, wie beispielsweise unseren praxisnahen Skalierungsguide. Auch unsere jährlichen Symposien werden sehr gut angenommen und sind zu einem wichtigen Branchentreff geworden. Das nächste TransBIB-Symposium findet am 20. und 21. Mai 2026 im Kunstkraftwerk in Leipzig statt.  

Neben TransBIB bist du auch als Mentor für Start-ups und in der Landwirtschaft aktiv. Wie passt das zusammen?  

Start-ups sind die Innovationsmotoren der Bioökonomie, brauchen aber oft Hilfe, um sich im komplexen Ökosystem zu etablieren. Mit meinem naturwissenschaftlichen Hintergrund und meiner Erfahrung im Technologietransfer und mit TransBIB unterstütze ich Start-ups strategisch und fachlich – etwa bei Start2 (German Accelerator) oder als externer Mentor für die Max-Planck-Förderstiftung.  

Und zur Landwirtschaft: Landwirtschaft und Bioökonomie gehören zusammen, was man allein schon am Namen erkennt. Wir müssen unsere Abhängigkeit von fossilem Kohlenstoff beenden. Da Zirkularität nie zu 100 % geschlossen sein wird, benötigen wir immer „frischen“, regenerativen Kohlenstoff. Hier kommen die Landwirte ins Spiel. Ich verstehe mich selbst als „experimenteller Landwirt“: Ich teste auf eigenen Flächen alte und neue Sorten, um ihr Potenzial als Nahrungsmittel, (Bau-)Material oder für die Biotechnologie zu evaluieren. Aktuell blicke ich gespannt auf meine Gemüse- und Sauerbäume – mal sehen, ob sie den kalten Winter überstehen!  

  

Zur Person: Dr. Matthias Scholz  

Dr. Matthias Scholz (Jg. 1981) ist Chemiker und Biochemiker mit Promotion in bioanorganischer Chemie an der Universität Leipzig sowie internationaler Forschungserfahrung in Schweden und den USA. Nach einem Postdoc in Strukturbiologie an der Vanderbilt University arbeitete er zehn Jahre als unabhängiger Projektleiter in der medizinalchemischen Grundlagenforschung an den Universitäten Köln, Bonn und Zürich, mit Schwerpunkten u. a. auf Small Molecules, Peptiden, Radiochemie und automatisierter Synthese.
2021 wechselte er zum Chemie-Cluster Bayern und verantwortete dort Bioökonomie-Themen mit Fokus auf den TUM-Campus Straubing. Zudem koordinierte er den Innovationsarbeitskreis des VCI Bayern. Derzeit leitet er das bundesweite BMWE-Netzwerk „TransBIB“ an der Technischen Universität München. Ergänzend engagiert er sich als Start-up-Mentor sowie auf europäischer Ebene, etwa im ESFRI und in der Community of Practice für Bioökonomie-Bildung, und unterstützt die deutsche Beteiligung an Großprojekten wie IBISBA und IPCEI Biotechnology.

Heute begrüßen wir Innokentij Bogatykh stellvertretend für das dreiköpfige Gründerteam von ModelForge auf unserem Hot Seat. Das Start-up aus Augsburg revolutioniert die KI-basierte Prozessoptimierung für die Chemieindustrie. Wir sprechen mit dem Team über ihre Mission, die Herausforderungen in der Branche und wie ihre Technologie diese adressiert.

Verpassen Sie weiterhin nicht das Spotlight Webinar von ModelForge! 🗓️03.02 ⌚ 11:00, 📍online! Jetzt registrieren:

Hallo liebes Team von ModelForge. Könnt Ihr uns einen Überblick über ModelForge und seine Mission geben?

Chemische Anlagen wirtschaftlich und stabil zu betreiben ist schwierig, weil Entscheidungen oft unter Zeitdruck und mit unvollständigen Informationen in komplexen, dynamischen Systemen getroffen werden. ModelForge baut auf jahrelanger Forschung in Prozessoptimierung auf und nutzt KI, um Mitarbeiter kognitiv zu entlasten und Anlagen effizienter zu fahren. Dafür haben wir eine Plattform entwickelt, mit der sich KI-basierte Assistenzsysteme schnell und passgenau für die jeweilige Anlage und das konkrete Problem erstellen und integrieren lassen.

Welche spezifischen Herausforderungen in der Chemieindustrie adressiert Eure Softwarelösung?

Wir adressieren die Realität im Anlagenbetrieb: Prozesse verändern sich laufend. Klassische Vorhersagemodelle, die für Optimierung eingesetzt werden, verlieren dabei schnell an Performance, und die Systeme degradieren über die Zeit. In der Folge werden modellbasierte Lösungen häufig zu teuren, wartungsintensiven Einzelprojekten mit hohem Aufwand. Die Lösung sind adaptive Prozessmodelle, die sich automatisch an Veränderungen anpassen und sich einfach erstellen lassen. Dadurch bleibt die Systemperformance stabil, und die Einstiegshürde sinkt.

Wie funktioniert die KI-basierte Prozessoptimierung in Eurer Software und welche Vorteile bietet sie im Vergleich zu herkömmlichen Methoden?

Die KI-basierte Prozessoptimierung nutzt KI, um vorherzusagen, wie sich der Prozess entwickeln wird. So werden unerwünschte wie auch gewünschte Betriebszustände früh erkannt, und das System empfiehlt Eingriffe, die den Betrieb näher an das wirtschaftliche Optimum führen. Der Mensch behält dabei immer die Kontrolle. Im Vergleich zu klassischen Methoden lässt sich die Lösung schnell auf eine breite Palette chemischer Prozesse und Anlagen anpassen und kommt ohne laufende Wartung aus. Zudem ist sie so flexibel, dass sie sich auf ähnliche Anlagen übertragen lässt, ohne spürbar an Performance zu verlieren. Damit wird softwaregestützte Prozessoptimierung vom teuren Einzelprojekt zur skalierbaren Flottenlösung.

Könnt Ihr uns Beispiele für erfolgreiche Anwendungen Eurer Werkzeuge in der Industrie nennen?

Die besten Ergebnisse erzielen wir in Batch-Prozessen. Hier variieren die Ausgangsbedingungen von Ansatz zu Ansatz stark. Entscheidungen müssen oft unter Zeitdruck getroffen werden. Zu diesen Prozessen gehören Batch-Reaktionen und Batch-Destillationen. Der optimale Fahrplan lässt sich dort nicht einfach aus festen Rezepten ableiten. Die KI prognostiziert den Batch-Verlauf frühzeitig. Sie macht Abweichungen und kritische Zustände rechtzeitig sichtbar. Außerdem gibt sie konkrete Empfehlungen für die Fahrweise. So laufen Batches schneller und stabiler, und die Anlagenfahrer werden entlastet.

Dr. Innokentij Bogatykh über sich und Model Forge:
Ich habe in meiner Promotion gesehen, dass gute Forschungsansätze oft nicht im Anlagenbetrieb ankommen, weil Integration und ein zuverlässiger Betrieb zu aufwendig sind. Diese Themen werden selten systematisch adressiert, nicht weil sie unwichtig wären, sondern weil sich darüber kaum publizieren lässt. Dass Software seltener abstürzt, sauberer integrierbar ist oder in kurzer Zeit stabil produktiv läuft, ist wissenschaftlich schwer zu verwerten. In der Praxis sind genau diese Faktoren jedoch häufig das Zünglein an der Waage.

Deshalb haben meine Co-Founder und ich ModelForge gegründet, um neueste KI-Methoden so bereitzustellen, dass sie robust im Betrieb laufen, sich schnell integrieren lassen und einen klaren wirtschaftlichen Nutzen liefern.

Exergy3 zählt zu den spannendsten jungen Unternehmen im Bereich industrieller Wärmewende: Mit modularen Hochtemperaturspeichern verwandelt das Team überschüssigen grünen Strom in flexible Prozesswärme. Im Gespräch wird deutlich, welche Rolle die Pilotanlage in Schottland, neue Geschäftsmodelle und Energiehandel für die Skalierung ihrer Technologie spielen.

Lieber Markus, die Exergy3 ist im Oktober in die „50 to Watch“ Liste der Gleantech Group aufgenommen worden. Möchtest du unseren Mitgliedern erzählen, was ihr produziert und welche Dienstleistungen ihr anbietet?​ 

„Industrielle Prozesswärme verursacht rund 25 % der globalen CO₂-Emissionen. Gleichzeitig verschwenden wir große Mengen grüner Energie, weil erneuerbare Erzeuger abgeregelt werden müssen, wenn der Energiebedarf geringer ist als das Angebot oder wenn das Netz überlastet ist. 

Um dieses Problem zu lösen, entwickelt Exergy3 modulare, hochleistungsfähige Wärmespeicher. Kurz gesagt wandeln unsere Systeme grünen Strom in bis zu 1.200 °C heiße Wärme um. Diese speichern wir und können sie anschließend flexibel bei Temperaturen zwischen 100 und 1.000 °C wieder bereitstellen.“ 

Wie funktioniert eure Technologie und was macht sie/Exergy3 so besonders?

    „Im Moment befindet sich unsere Pilotanlage an der Annandale Whisky Distillery in Schottland in der Inbetriebnahme. Dort haben wir drei Module mit einer Gesamtspeicherkapazität von 30 MWh installiert. Zum Laden handeln wir das System aktiv an den Strommärkten – unter der Bedingung, dass täglich zum Schichtbeginn um 6:30 Uhr genügend Energie eingespeichert ist, um den gesamten Wärmebedarf der Destillerie abzudecken. Zum Entladen blasen wir Luft durch unsere Speicher. In Annandale exportieren wir diese anschließend mit rund 530 °C in einen Dampfkessel. Dieser erzeugt Dampf bei etwa 220 °C und 10 bar, der die gesamte Destillerie mit Wärme versorgt. Unser Kontrollsystem ist vollständig mit der Destillerie synchronisiert und passt den Energieausstoß dynamisch an den aktuellen Bedarf an. Die Gesamteffizienz des Systems liegt bei ca. 96%.“ Unser Ziel ist die radikale Reduzierung der globalen CO₂-Emissionen. Das gelingt jedoch nur, wenn wir hyper-skalierbare Lösungen entwickeln, die den Status quo im Wettbewerb deutlich übertreffen. Um ein kommerziell durchsetzungsfähiges Angebot auf den Markt zu bringen, sind wir daher auf drei Feldern Pioniere: 

    • Technologie
    • Neue Geschäftsmodelle und Projektfinanzierung
    • Energiehandel und Netzflexibilität

    Unsere Technologie ist außerordentlich kompakt: Unsere 10-MWh-Module passen in eine Standardgarage und lassen sich entsprechend einfach und kostengünstig produzieren, transportieren und installieren. In Annandale hat es beispielsweise nur vier Tage gedauert, die Anlage in Position zu bringen. Darüber hinaus ist das System darauf ausgelegt, die Lade- und Entladekapazität flexibel an die vorhandene Netzkapazität anzupassen. Wir haben unsere Technologie konsequent auf Kostenoptimierung ausgerichtet – bei Herstellung, Installation und Betrieb. Dennoch bleiben selbstverständlich die Stromkosten der entscheidende Faktor. Deshalb entwickeln wir verschiedene Modelle, um möglichst nahe an den Gaspreis heranzukommen. In Annandale ist es uns bereits mehrfach gelungen, den Gaspreis zu unterbieten. Allerdings sind sowohl in Deutschland als auch im Vereinigten Königreich die Netz- und Stromnebenkosten deutlich höher als bei Gas, was unsere Arbeit herausfordernd macht.“ 

    ​​Für wen ist eure Technologie besonders geeignet?​ 

      ​​Wir können sowohl grünen Dampf als auch direkte Wärme, also heiße Luft, bereitstellen. Darüber hinaus sind wir in der Lage, im Hybridbetrieb zu arbeiten. Das bedeutet, dass wir unsere Systeme gleichzeitig oder abwechselnd mit fossilen Energieträgern betreiben können. Auf diese Weise lassen sich sowohl die Installationskosten als auch die laufenden Brennstoffkosten optimal gestalten.“​ 

      Gibt es noch etwas, was Sie unseren LeserInnen mit auf den Weg geben wollen? 

        ​​Derzeit planen wir unsere Expansion nach Kontinentaleuropa und haben Bayern als strategischen Brückenkopf im Blick. Dort suchen wir nach Projektpartnern, die als Standort für unsere nächste Installation infrage kommen. ​Gleichzeitig bereitet die Europäische Investitionsbank derzeit eine ‚Heat Auction‘ vor, in deren Rahmen potenzielle Abnehmer unserer Technologie für jede vermiedene Tonne CO₂ vergütet werden sollen. 
        ​Wer also Interesse hat seine Energieversorgung lukrativ neu zu denken, kann sich gerne über den Chemiecluster an uns wenden!​

        Veranstaltungshinweis

        Dr. Estelle Clerc ist am 9. Dezember als Expertin in unserem Spotlight-Webinar „Wasser als kritische Ressource der Zukunft – Technologien für eine nachhaltigere Chemieindustrie“ dabei und stellt dort CellX Biosolutions vor.

        Sie freut sich darauf, direkt mit Ihnen in den Austausch zu treten und Ihre Fragen zu beantworten.

        Liebe Estelle, kannst du uns zum Einstieg kurz CellX Biosolutions vorstellen? Was genau macht ihr – und wie helfen eure mikrobiellen Lösungen dabei, hartnäckige Schadstoffe wie PFAS abzubauen?

        CellX Biosolutions ist ein Cleantech-Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, extrem langlebige Industriechemikalien abzubauen – allen voran die Ewigkeitschemikalien PFAS.

        Wir haben Technologien entwickelt, mit denen wir in der Natur seltene Bakterien aufspüren können, die tatsächlich in der Lage sind, diese Stoffe abzubauen – Mikroben, die mit herkömmlichen Methoden nie entdeckt würden. Diese Bakterien kultivieren wir und kombinieren sie zu maßgeschneiderten mikrobiellen Konsortien, die in belasteten Industrieabwässern, Böden oder im Grundwasser eingesetzt werden können. 

        Unsere Vision geht jedoch weiter: Wir wollen weg von energieintensiven Verfahren wie der Verbrennung und stattdessen biologische Lösungen nutzen, um Verschmutzungen direkt an der Quelle zu beseitigen – nicht nur in flüssigen Abwässern, sondern auch an stark belasteten Standorten, deren Böden heute als „Altlasten“ gelten. Solche Flächen möchten wir wieder nutzbar und ökologisch wertvoll machen. 

        Unser Ziel ist es, Sanierungsmethoden zu schaffen, die sowohl nachhaltig für die Industrie als auch regenerativ für Umwelt und Ökosysteme sind. 

        Woran arbeitet ihr aktuell besonders intensiv? Gibt es Entwicklungen oder Projekte, die für euch gerade besonders spannend sind?

        Derzeit konzentrieren wir uns stark darauf, unsere mikrobiellen Konsortien mit realen Industrieproben zu testen. Wir arbeiten parallel an mehreren Anwendungsfeldern: belasteten Böden, hochkonzentrierten Abwässern aus Verfahren wie Schaumfraktionierung oder Umkehrosmose, sowie festen Materialien wie Aktivkohle oder Ionenaustauscherharzen. 

        Bis 2026 werden wir gemeinsam mit unseren Industriepartnern eine Reihe von Lab-Piloten durchführen, die uns diese verschiedenen kontaminierten Matrizes zur Verfügung stellen. 
        Ziel ist es, herauszufinden, in welchen Anwendungen unsere Mikroben am effektivsten arbeiten – diese wollen wir dann ab 2027 in die ersten industriellen Pilotanlagen überführen. 

        Mit welchen Herausforderungen oder Fragestellungen können sich Unternehmen an euch wenden? In welchen Fällen könnt ihr am besten unterstützen?

        Die meisten Unternehmen melden sich bei uns, weil sie PFAS in ganz unterschiedlichen Medien haben – in Böden, konzentrierten Abwässern, Aktivkohle oder Harzen – und testen möchten, wie gut unsere Bakterien damit umgehen können. 
        Andere kommen auf uns zu, weil sie mit Schadstoffen zu tun haben, die derzeit ausschließlich verbrannt werden, da sie als „nicht biologisch abbaubar“ gelten. 


        In solchen Fällen starten wir ein Discovery-Projekt: Wir gehen zurück in die Natur, suchen mit unseren Tools nach neuen Bakterien und entwickeln ein maßgeschneidertes mikrobielles Konsortium für genau diesen Schadstoff und den jeweiligen Abfallstrom. 


        Kurz gesagt: 
        Wenn ein Unternehmen einen persistenten Schadstoff hat, für den es außer Verbrennung keine echte Lösung gibt – dann sind wir genau der richtige Ansprechpartner. 

        Zum Abschluss: Gibt es etwas, das du unseren Leser:innen gerne mitgeben möchtest?

        Wir suchen aktiv die Zusammenarbeit mit Unternehmen, die vor besonders hartnäckigen Abfall- und Schadstoffproblemen stehen. 
        Wenn ein Schadstoff heute als „nicht behandelbar“ gilt, freuen wir uns darauf, gemeinsam mit euch neue Lösungen zu entwickeln. 

        Estelle Clerc, PhD, ist CEO und Mitgründerin von CellX Biosolutions, einem Spin-off der ETH Zürich, das mikrobiologische Lösungen für PFAS und andere langlebige Schadstoffe entwickelt. 
        Sie promovierte in Umwelttechnik und mariner Mikrobiologie an der ETH Zürich und forschte zuvor am MIT. 


        Bei CellX verantwortet Estelle die wissenschaftliche Strategie, die Zusammenarbeit mit Industriepartnern sowie die Markteinführung neuer biologischer Abbautechnologien für einige der weltweit schwierigsten Schadstoffe. 

        Lieber Carsten, mit Fox Base habt ihr es euch zum Ziel gesetzt, die B2B-Prozesse eurer Kunden zu optimieren. Dafür habt ihr euch 2023 nicht nur die Unterstützung des Baustoffzulieferers Schöck AG gesichert, sondern seid nun auch zum zweiten Mal mit dem „Best Of Technology“-Award der WirtschaftsWoche ausgezeichnet worden. 
        (Quelle 1, Quelle 2)  


         
        Wer seid ihr und was macht Fox Base zum „Best Of Technology“-Preisträger? ​

        ​​FoxBase ist ein KI-getriebenes SaaS-Unternehmen aus Düsseldorf mit der Mission, den B2B-Vertrieb radikal zu vereinfachen. Unsere Digital-Sales-Lösung – der Digital Product Selector – revolutioniert die Art und Weise, wie Unternehmen erklärungsbedürftige Produkte vertreiben. Seit unserer Gründung 2018 verfolgen wir einen technologie- und anwenderzentrierten Ansatz, um Vertriebsteams effizienter, schneller und erfolgreicher zu machen. 

        ​Unsere Lösung überzeugt durch den Einsatz sprachgesteuerter künstlicher Intelligenz, die in natürlicher Sprache mit Endkunden kommunizieren, deren Anforderungen verstehen und sofort passende Produktvorschläge machen kann. Das bringt uns nicht nur den „Best of Technology“-Award 2024, sondern bestätigt auch unsere Rolle als Innovationsführer in der Digitalisierung des B2B-Vertriebs​ 

        Euer Digital Product Selector unterstützt Unternehmen dabei, „erklärungsbedürftige Produkte“ leicht zugänglich zu machen. Kannst Du uns anhand eines praktischen Beispiels erklären, was unter „erklärungsbedürftigen Produkten“ zu verstehen ist und wie Eure Software den Vertrieb dieser Produkte unterstützt?​ 

        ​​Erklärungsbedürftige Produkte sind oft technisch komplex und nicht einfach durch einen klassischen Online-Shop verkäuflich – dies sehen wir insbesondere in der Chemieindustrie. Hier sind Formulierungen, Einsatzgebiete und gesetzliche Auflagen häufig kundenspezifisch zu berücksichtigen. 

        ​Ein Praxisbeispiel: Ein Chemieunternehmen das Spezialchemikalien für die Pharmaindustrie vertreibt, muss Kunden dabei unterstützen, aus hunderten Varianten die exakt passende Lösung für ihren Produktionsprozess zu identifizieren. Die Anforderungen können sich je nach Branche, Reinheitsgrad, Sicherheitsanforderungen oder regulatorischen Rahmenbedingungen stark unterscheiden. 

        ​Mit unserem Digital Product Selector wird der Kunde durch eine intelligente Bedarfsanalyse geführt – etwa durch gezielte Fragen zur gewünschten Anwendung, regulatorischen Vorgaben oder Materialeigenschaften. Unsere Software verarbeitet diese Informationen in Echtzeit, filtert das passende Produktangebot und zeigt dem Kunden die optimalen Optionen an – inklusive technischer Datenblätter und Anwendungsbeispiele. Das reduziert Rückfragen, entlastet den technischen Vertrieb und erhöht nachweislich die Abschlussquote​. 

        ​Unsere Kunden können in wenigen Minuten ihre digitale KI-Beratung unter Wahrung sämtlicher Compliance-Vorgaben konfigurieren, testen und live setzen – ganz ohne Programmierkenntnisse.​ 

        Welche Rolle spielt dabei die Künstliche Intelligenz (KI)? ​  

        ​​Künstliche Intelligenz steht im Zentrum unserer Lösung. Wir kombinieren Large Language Models (LLMs) mit klassischen Verfahren wie Facettensuche und Echtzeitberechnungen, um eine flexible und leistungsfähige Interaktion zu ermöglichen. Unsere KI versteht natürliche Sprache, kann spezifisches Branchenwissen integrieren und liefert präzise Empfehlungen – sofort und ohne menschliches Eingreifen. 

        ​Der große Vorteil: Unternehmen können eigene Domain-Wissensbibliotheken aufbauen und so ihre individuelle Expertise digital verfügbar machen. Das macht unsere Lösung nicht nur leistungsfähig, sondern auch extrem adaptierbar und zukunftssicher. Darüber hinaus ist die Integration in bestehende Systeme (CRM, CMS, E-Commerce etc.) problemlos möglich. 

        ​Damit möchten wir vor allem dem Mittelstand den Zugang zu hochmodernen KI-Technologien weiter erleichtern und einer breiten Nutzerbasis zugänglich machen. 

        ​​Gibt es noch etwas, was du unseren LeserInnen mit auf den Weg geben möchtest?

        ​​Um den Einstieg für Unternehmen und Mitarbeiter so einfach wie möglich zu machen, bieten wir zeitlich befristet einen vierwöchigen Proof of Concept (PoC) an. Unternehmen erhalten damit eine sofort einsetzbare Lösung, um das große Potenzial von qualitativ hochwertiger KI im Sales Support konkret zu testen und messbare Mehrwerte innerhalb kürzester Zeit zu erzielen – von signifikanter Aufwandsreduktion bis hin zu einem deutlich verkürzten Vertriebszyklus.​ 

        ​​Carsten Dolch ist Gründer und CEO der FoxBase GmbH. Er hat Informatik mit Schwerpunkt Künstliche Intelligenz an der RWTH Aachen studiert und war im Anschluss zehn Jahre in der IT- und Unternehmensberatung tätig. Seit 2016 treibt er mit FoxBase die Digitalisierung im B2B-Vertrieb voran. Heute verantwortet er die Unternehmensstrategie, Produktvision und den Ausbau der KI-Plattform. Als passionierter Verfechter digitaler Transformation entwickelt er gemeinsam mit seinem Team Lösungen, die den Vertrieb grundlegend verändern.​