Unterschätzte Vielfalt: Wie die Inhaltsstoffe von Holz unsere Industrie verändern könnten 

Datum: 13 Aug., 2025

Der Wald ist in Bayern nicht nur prägend für das Landschaftsbild, sondern auch ein zentraler Rohstofflieferant: Über ein Drittel der Landesfläche ist mit Wald bedeckt. Davon entfallen knapp zwei Drittel auf Nadelholz – vor allem Fichte – und gut ein Drittel auf Laubholz wie Buche und Eiche. Diese Unterscheidung ist nicht nur für Forstwirtschaft und Sägeindustrie relevant, sondern auch für die stoffliche Nutzung von Holz, wie sie im Projekt BAMBI – Marktpotenzial holzbasierte Bioökonomie – im Zentrum steht. 

Verfügbarkeit von Holz: Ein Rohstoff im Wandel 

Aktuell verändert sich der Holzmarkt stark: Die Schließung traditioneller Abnehmer wie Papierfabriken, etwa des Werks von UPM in Ettringen oder Sappi in Stockstadt, zeigt, dass klassische stoffliche Verwertungswege zurückgehen (Quelle: BVSE, 2023). Gleichzeitig bleiben große Mengen Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft verfügbar. Das eröffnet neue Potenziale für eine wertschöpfende Nutzung. 

Was steckt eigentlich in Holz? 

Chemisch betrachtet setzt sich Holz hauptsächlich aus drei Bestandteilen zusammen: 
Cellulose, Hemicellulose und Lignin – gemeinsam machen sie rund 95–98 % des Holzes aus. Die exakte Zusammensetzung variiert je nach Baumart (Laub- vs. Nadelholz), Alter des Holzes und Standortbedingungen. 

  • Cellulose ist ein lineares Polysaccharid und verleiht dem Holz als Hauptgerüst seine Zugfestigkeit und Stabilität. Sie wird industriell bereits breit genutzt, etwa zur Herstellung von Papier,Fasern für Textilanwendungen oder Hygieneartikeln oder Cellulose-Derivaten wie Celluloseacetat. 
  • Hemicellulose ist ein verzweigtes, amorphes Polysaccharidgemisch, das die Cellulosefasern quervernetzt und dem Holz zusätzliche Festigkeit und Stabilität verleiht. Hemicellulose lässt sich aufgrund des hohen Verzweigungsgrades und fehlende Kristallinität leichter aufspalten als Cellulose. Bisher wird sie häufig als Nebenprodukt genutzt oder verbrannt. 

    Doch ihre chemische Vielfalt bietet großes Potenzial: Xylit (Zuckeraustauschstoff), Furfurale (Vorprodukte für Kunststoffe oder Lösungsmittel), Biotenside und Biolösungsmittel sind nur einige Beispiele für ihre Anwendung (Quelle: Bioökonomie.de, Dossier Bioraffinerien)
  • Lignin ist ein komplexes, aromatisches und dreidimensional vernetztes Polymer, das sich zwischen den Cellulose- und Hemicellulosefasern einlagert und die Fasern verbindet. Lignin sorgt für die Druckfestigkeit und schützt das Holz gegenüber chemischen und biologischen Abbauprozessen.  Lignin fällt in großen Mengen als Nebenprodukt bei der Zellstoffproduktion an und wird bisher vor allem thermisch verwertet . Dabei bietet Lignin enorme Chancen für eine stoffliche Nutzung
  • Aromatische Plattformchemikalien: Lignin kann in Bausteine wie Vanillin, Phenole oder Ferulasäure zerlegt werden, die in der chemischen Industrie vielseitig einsetzbar sind. 
  • Biobasierte Klebstoffe und Bindemittel: Lignin kann Phenolharze in Spanplatten oder Sperrholz ersetzen. 
  • Carbonfasern: Lignin kann durch ein umweltfreundliches, lösemittelfreies Verfahren zu hochwertigen Carbonfasern verarbeitet werden, die einen nachhaltigen Ersatz für herkömmliche, erdölbasierte Fasern darstellen. 
  • Additive für Schmierstoffe und Bitumen: Lignin kann fossile Bestandteile in Maschinenölen oder Straßenbelägen ersetzen – wie aktuell in Estland, wo erstmals ein Asphalt mit Ligninzusatz im Straßenbau eingesetzt wurde (Quelle: LinkedIn – KMG OÜ, 2024). 

Und genau hier setzt BAMBI an 

Das Projekt BAMBI verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Holz soll möglichst vollständig verwertet und all seine Bestandteile gezielt stofflich eingesetzt werden, on hochwertigem Stammholz bis zu Reststoffen wie Sägespänen, Schnittresten und Nebenprodukten aus der chemischen Aufspaltung. Hier spielt das Prinzip der Kaskadennutzung, also die mehrfache stoffliche Nutzung von Holz über verschiedene Stufen hinweg, eine wichtige Rolle.  

Im Fokus stehen auch die Holzbestandteile  Hemicellulose und Lignin, deren Nutzung bislang begrenzt ist. Ihre chemische Struktur macht sie jedoch zu vielversprechenden Ausgangsstoffen für biobasierte Materialien, Chemikalien und Hochleistungsprodukte

Ziel von BAMBI ist es, durch den Austausch von Stakeholder:innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette neue Nutzungspfade in Bayern zu erschließen, die den Rohstoff Holz in seiner Gesamtheit ökologisch sinnvoll, wirtschaftlich attraktiv und technologisch innovativ verwerten.

Im Projekt BAMBI wollen wir Impulse für eine effizientere Nutzung der in Bayern verfügbaren Holzressourcen geben. Dazu gehören sowohl kurzfristig umsetzbare Ansätze wie die bessere Verwertung von Totholz durch regionale Sägewerke als auch langfristige Perspektiven im Bereich biobasierter Materialien und innovativer Verfahren. BAMBI bietet eine Plattform für Vernetzung, Austausch und Wissenstransfer – und schafft damit die Grundlage für Innovationen und neue Entwicklungen.  

Sie möchten sich am Projekt BAMBI beteiligen?

Am 22. Oktober findet unser Beteiligungsworkshop für Stakeholder:innen entlang der Wertschöpfungskette von Holz im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie in München statt.