Interreg-Blog: Blogeintrag zum Projekt BE STROCAL!

Datum: 29 Aug, 2022
Quelle: Pexels – Anna Shvets, Pixabay – geralt

Interview zum Mehrwert des Interreg B-Andockvorhabens BE STROCAL! mit Dr. Theresa Dörres, Projektleiterin im Chemie-Cluster Bayern. Link: INTERREG - Aktuelles - BE STROCAL!: Innovative Software unterstützt die Schaffung neuer Wertschöpfungsketten durch das Zusammenführen von Unternehmen

Das Interreg B-Andockvorhaben BE STROCAL! beschäftigt sich mit einer innovativen Software zur Stärkung lokaler Wertschöpfungsketten im Bereich Bioökonomie. Wo finden sich beispielsweise Abnehmende von Reststoffen in der Region? Welche Produkte gibt es auch biobasiert? Wie kann allgemein die Defossilierung der Wirtschaft, das heißt die Umstellung von fossilen Rohstoffen auf erneuerbare Alternativen, vorangetrieben werden? Um solche Fragen zu beantworten, wurde der sogenannte „Value-Chain-Generator (VCG)“ entwickelt. Dieser führt Unternehmen zusammen, so dass neue Wertschöpfungsketten entstehen oder biobasierte Geschäftsmöglichkeiten entdeckt werden können. Dr. Theresa Dörres vom Chemie-Cluster Bayern berichtet von den Bestrebungen im Projekt und von anstehenden Schulungen für Interessierte.

Worum geht es im Projekt „BE STROCAL!“?

Im Projekt BE STROCAL! (BioEconomic regions grow throug STROng loCAL value chains) dreht sich alles um die Software „Value-Chain-Generator (VCG)“. Die Software wurde von 14 beteiligten Projektpartnern im europäischen Interreg-Projekt AlpLinkBioEco (2018 – 2021) im Alpenraum entwickelt und als Datenbank mit öffentlichen Informationen zu Akteuren aus Forschung und Industrie gefüllt. Mit dem durch das Bundesprogramm Transnationale Zusammenarbeit geförderte Andockprojekt BE STROCAL! wird diese Software nun im Projekt bundesweit publik gemacht. Das Ziel ist es, deutschlandweit Cluster und Regionalentwickler für die Software zu begeistern und als neue Nutzende zu gewinnen. Denn der Clou ist: Mit den enthaltenen Informationen zu Eingangsstoffen, Endprodukten und Reststoffen, lassen sich Unternehmen schnell und leicht im Sinne der Bioökonomie zu neuen Wertschöpfungsketten verknüpfen. So unterstützt die Software die Transformation hin zu einer biobasierten Wirtschaftsweise und stellt ein wertvolles Tool für einzelne Regionen dar.

Was war der Hintergrund, das Projekt BE STROCAL! als Andockprojekt zum Interreg-Projekt AlpLinkBioEco fortzusetzen?

Der VCG ist ein vielversprechendes Instrument, um einen Überblick über innovative Unternehmen in der Region zu gewinnen und gezielt nach Abnehmern oder Zulieferern für biobasierte Produkte in der Industrie zu suchen. Das Potenzial der Software ist groß und noch lange nicht ausgeschöpft. Die Datenbank enthielt im Jahr 2021 beispielsweise hauptsächlich Akteure aus dem Alpenraum. Innovative Unternehmen außerhalb Bayerns und Baden-Württembergs fehlen weitestgehend. Aus diesem Grund wird die Software VCG im Projekt BE STROCAL! in Deutschland bekannt gemacht, neue Nutzer eingebunden und die Datenbank erweitert. Das Ziel ist es, innovative Unternehmen aus Deutschland besser abzubilden und den VCG längerfristig zu nutzen.

Was bringt das Projekt für die Region?

Gerade in unserer heutigen Zeit nimmt die Bioökonomie, die Erschließung von Alternativen für erdölbasierte Produkte und die Verwendung von Reststoffen einen immer höheren Stellenwert ein und erhöht die Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit von Regionen. Lokale Unternehmen, die in der Datenbank gelistet sind, gewinnen an Sichtbarkeit und auch Wettbewerbsfähigkeit. Darüber hinaus dient der VCG auch als Ideenspeicher und Inspirationsquelle. Bereits existierende, lokale Wertschöpfungsketten können auch anderen Regionen als Impuls dienen und dort ähnlich umgesetzt werden.

Gibt es schon erste Projektergebnisse? Wie können die Ergebnisse nach Projektabschluss weiterhin genutzt werden?

Wir haben schon im letzten Jahr begonnen, den VCG und das Projekt BE STROCAL! auf Veranstaltungen zu bewerben und den VCG bundesweit bekannt zu machen. Im Laufe des Jahres fanden zahlreiche Gespräche mit potenziellen Nutzenden statt, aus denen wir hilfreiche Impulse und Anregungen mitgenommen haben. Ebenfalls wurde die Software in den vergangenen Monaten vom ehemaligen Projektpartner aus der Schweiz (iCoSys) und Slowenien (Anteja ECG) mit eigenen Fördermitteln weiterentwickelt und mit einem neuen und nutzerfreundlichen User Interface (Benutzeroberfläche) ausgestattet. In den kommenden Monaten werden wir mehrere öffentliche Schulungen für Interessierte durchführen. Das Angebot steht: Alle Interessierten, Regionalentwicklerinnen und -entwickler, Cluster oder Wirtschaftsförderungsgesellschaften können einen Account erhalten und die Software nutzen. Diese wird selbstverständlich auch nach Projektabschluss nutzbar bleiben.

Quelle: Screenshot von VCG.AI

Was gefällt Ihnen persönlich an der Arbeit im Projekt?

Durch unsere Arbeit im Projekt BE STROCAL! lernen wir vielfältige und innovative Förderprojekte aus allen Regionen Deutschlands, inspirierende Regionalentwicklerinnen und -enwickler, aber auch gut vernetzte und zukunftsgerichtete Cluster kennen. Aus jedem Gespräch nehmen wir Inspirationen für unsere eigene Clusterarbeit mit und erweitern unser Netzwerk stetig weiter, woraus sich neue Möglichkeiten ergeben. Außerdem erfahren wir von innovativen Projekten und auch Unternehmen, die mit ihrer Arbeit etwas bewegen wollen und die Bioökonomie, und auch die Defossilierung, als Grundstein für die Zukunft sehen.

Welche nächsten Schritte sind im Projekt geplant?

Als nächstes bieten wir Schulungen an, in denen alle Funktionen der Software erprobt und auch selbst an eigenen Beispielen getestet werden können. Unsere Schulungen richten sich an Clustermitarbeitende, Regionalentwickelnde, Wirtschaftsförderungsgesellschaften, Hochschulen und interessierte Unternehmen. Interessierte sollen die Möglichkeit erhalten, Teil der VCG-Community zu werden und die Software in ihrem Arbeitsalltag als aktive Nutzende anzuwenden. (Weitere Informationen zu den Schulungen und nächsten Terminen finden Sie am Ende des Artikels).

Haben Sie Tipps für andere Interreg-Projekte zur Nutzung der Andockförderung des Bundesprogramms Transnationale Zusammenarbeit?

Im ehemaligen Interreg-Projekt AlpLinkBioEco wurde die Herangehensweise der Unternehmensvernetzung bereits an ausgesuchten Beispielen erfolgreich getestet. Allerdings war das Potenzial der Software bei Weitem noch nicht ausgeschöpft und wir wollten diese an weiteren realen Herausforderungen aus der Wirtschaft anwenden und testen. Das Andockvorhaben hat uns hierfür sowohl die benötigte Zeit als auch die benötigten Mittel gegeben. Mit BE STROCAL! wird die Software nun auch innerhalb von Deutschland verbreitet. Cluster und Regionalentwickler werden auf die Chancen und Vorteile einer solchen Software aufmerksam gemacht und letztendlich bundesweit neue Nutzende eingebunden. Darüber hinaus ist uns die Resonanz von außenstehenden Partnern wichtig, um letztendlich auch die Weiterentwicklungsmöglichkeiten einer solchen Software zu erörtern. Das Andockvorhaben bietet außerdem die Möglichkeit, konkrete Zukunftsszenarien zu gestalten und auf Basis dieser neue Fördermittel einzuwerben. Wir sehen die Andockförderung deswegen als sehr positives Förderinstrument an. Herausfordernd war der organisatorische und auch rechtliche Aufwand, der einhergeht, wenn eine Software im Rahmen eines geförderten Projektes mit internationalen Projektpartnern entwickelt wird. Hierfür lohnt es sich, ausreichend Zeit vorab oder direkt ins Projekt mit einzuplanen.

Das Interview können Sie ebenfalls auf der Interreg-Homepage nachlesen.


BE STROCAL! – BioEconomic regions grow through STROng loCAL value chains

Eine Initiative des Chemie-Clusters Bayern GmbH

Gefördert durch das „Bundesprogramm Transnationale Zusammenarbeit“ des „Bundesministeriums des Innern und für Heimat“ )