​Hot Seat: Rolf Schmitt | Bhyo GmbH​

Datum: 09 Juli, 2025

Mit ihrer innovativen Technologie zur Wasserstoffgewinnung aus biogenen Reststoffen verfolgt das Unternehmen bhyo einen konsequent dezentralen, nachhaltigen und zirkulären Ansatz – und zeigt, wie die Energiewende vor Ort gelingen kann. Geschäftsführer Herr Schmitt erklärt uns die spannenden Details im Hot Seat Interview.

Sehr geehrter Herr Schmitt schön, dass Sie beim Hot Seat dabei sind! Bhyo verfolgt einen spannenden Ansatz zur Wasserstoffproduktion – dezentral, nachhaltig und lokal gedacht.
Für alle, die bhyo noch nicht kennen: Wer sind Sie und welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrer Technologie?

​​​bhyo. steht für eine neue Generation nachhaltiger Energieversorgung. Wir gewinnen klimafreundlichen Wasserstoff aus biogenen Reststoffen – also Bioabfällen, Ernterückständen oder Klärschlamm – die sonst meist einfach entsorgt werden. Unser Ziel ist es, diese lokalen Ressourcen vollständig zu verwerten und daraus CO₂-negativ und dezentral erneuerbare Energie zu erzeugen. 

​Dabei ist es unser zentrales Anliegen, alle Stoffkreisläufe zu schließen: Kein Müll, keine Abgase, keine Verschwendung – sondern eine echte Kreislaufwirtschaft, die Reststoffe wieder zu Wertstoffen macht und alle Erzeugnisse weiternutzt. 

​Wir verbinden Technologie mit Verantwortung – für Umwelt, Region und Generationen. 
be green. be bhyo. ​ 

Sie gewinnen grünen Wasserstoff aus biogenen Reststoffen. Was ist das Besondere an Ihrem Verfahren – und welche Rohstoffe können Sie hierzu nutzen?​ 

​​Das Besondere an unserem Verfahren ist, dass wir biogene Reststoffe vollständig in einem geschlossenen Kreislauf verwerten – ohne Abfälle, ohne Abgase. Dabei erzeugen wir organischen Wasserstoff, also CO₂-negativen Wasserstoff, direkt vor Ort – aus Stoffen, die ohnehin anfallen. 

​Wir nutzen lokale Reststoffe wie Bioabfall, Ernterückstände, Grünschnitt – aber auch komplexere Stoffströme wie Klärschlamm, die bisher oft teuer entsorgt werden mussten. Unser Verfahren ist modular und flexibel, passt sich also optimal an regionale Gegebenheiten an. 

​Besonders ist auch: Wir trennen zusätzlich biogenes CO₂ ab – z. B. für die stoffliche Nutzung in der Industrie – und stellen zudem einen Wärmeüberschuss zur Verfügung, der lokal weiterverwendet werden kann. Damit liefern wir weit mehr als nur grünen Wasserstoff: Wir schaffen echte energetische und stoffliche Kreisläufe. ​​ 

Auf dem Gelände der Kläranlage Speyer betreiben Sie aktuell eine Testanlage. Wie kam es zu der Kooperation und wie wichtig ist für Sie die Zusammenarbeit mit kommunalen Versorgern? ​  

Die Kooperation mit der Stadt Speyer entstand aus einem gemeinsamen Interesse: biogene Reststoffe vor Ort sinnvoll und nachhaltig zu nutzen, statt sie teuer und energieintensiv zu entsorgen. Die Kläranlage war für uns der ideale Ort, um unser Verfahren im Realbetrieb zu testen – mit echten Stoffströmen und im direkten Austausch mit einem kommunalen Partner. 

Für uns ist die Zusammenarbeit mit Kommunen absolut zentral. Denn: Ein Großteil der biogenen Reststoffe fällt genau dort an – bei Städten, Gemeinden, Abfallbetrieben. Unsere Technologie ist darauf ausgelegt, dezentral, modular und ohne aufwändige Logistiklösungen zu funktionieren. Kommunale Versorger bringen nicht nur die Stoffe mit, sondern auch das Know-how über regionale Gegebenheiten und die Nähe zu den Menschen. 

Kurz gesagt: Wenn wir die Energiewende wirklich lokal denken wollen, geht das nur gemeinsam mit den Kommunen. 

Welche nächsten Entwicklungsschritte stehen für bhyo aktuell an – und in welchen Bereichen sehen Sie konkrete Anknüpfungspunkte für Kooperationen mit Unternehmen, Kommunen oder Forschungseinrichtungen? 

Aktuell bereiten wir den Übergang von der Test- zur Skalierungsphase vor. Unser Fokus liegt dabei ganz klar auf der Metropolregion Rhein-Neckar, wo auch unser Standort ist. Hier gibt es durch das Projekt H2Rivers bereits eine hervorragend ausgebaute Wasserstoffinfrastruktur. Gleichzeitig finden wir in räumlicher Nähe eine Vielzahl unterschiedlicher Stakeholder – von Kommunen über Industrie bis hin zu Forschungseinrichtungen – was die Region zu einem idealen Innovationsraum macht. 

Zudem arbeiten wir an der Weiterentwicklung unserer Technologie, z. B. in der Effizienzsteigerung bei der CO₂-Abscheidung, der Wärmerückgewinnung sowie der Verwertung von Nebenprodukten wie Flugasche, die wir stofflich nutzbar machen wollen. Auch im Bereich der Datenintegration zur Stoffstromoptimierung gehen wir gezielt Kooperationen ein. Hier entstehen spannende Anknüpfungspunkte für Forschungseinrichtungen – vor allem im Bereich Bioökonomie, Verfahrenstechnik und Ressourceneffizienz. 

Für Kommunen bieten wir Lösungen, wie sie ihre Entsorgungs- und Energiekonzepte neu denken können – wirtschaftlich und klimaschonend zugleich. Und für Unternehmen – insbesondere aus Industrie, Logistik, aber auch Landwirtschaft – eröffnen sich Möglichkeiten zur Nutzung von grünem Wasserstoff, Abwärme oder biogenem CO₂. 

Wir suchen gezielt nach Partnern, die mit uns eine Kreislaufwirtschaft auf lokaler Ebene realisieren wollen. Nicht morgen. Sondern jetzt. 

Gibt es noch etwas, was Sie unseren LeserInnen mit auf den Weg geben wollen? 

​​Ja – wir möchten allen mitgeben: Die Energiewende passiert nicht irgendwo, sie beginnt genau hier. Vor Ort. Mit dem, was wir schon haben. Unsere biogenen0 Reststoffe sind keine Last – sie sind eine riesige Chance. 
​Wenn wir anfangen, Ressourcen neu zu denken, entstehen aus Abfall Wertstoffe, aus Klimakosten Klimanutzen – und aus lokalen Stoffströmen echte Zukunftslösungen. 

​Ein inspirierendes Beispiel liefert die Natur: Ameisen produzieren mehr Biomasse als alle wildlebenden Vögel und Säugetiere zusammen . Trotzdem erzeugen sie keinen Müll – alles wird verwertet, recycelt oder in den Kreislauf zurückgeführt.

​Genau das ist unser Ziel: Eine Wirtschaft, die wie ein Ameisenstaat funktioniert – effizient, ressourcenschonend und vollständig zirkulär.

​Wer daran mitarbeiten möchte – ob als Kommune, Unternehmen oder Forscher – ist bei uns genau richtig. 
be green. be bhyo. 

​Rolf Schmitt ist Mitgründer und Geschäftsführer von bhyo. Mit einem Hintergrund in Verfahrenstechnik und langjähriger Erfahrung in der Entwicklung nachhaltiger Energielösungen treibt er die Vision einer dezentralen, kreislaufbasierten Wasserstoffwirtschaft voran. Bei bhyo. verantwortet er insbesondere die strategische Ausrichtung, Technologieentwicklung und den Aufbau von Partnerschaften mit Kommunen, Industrie und Forschung​