Hot Seat: Peter Dettelmann | BioCampus Straubing GmbH

Datum: 10 März, 2026

Mit der BioCampus MultiPilot-Anlage entsteht in Straubing eine wegweisende Demonstrationsanlage für industrielle Biotechnologie, die Forschung und Praxis verbindet. Im Interview erläutert der neue Geschäftsführer des BioCampus, wie das Projekt die regionale Bioökonomie stärkt, welche strategischen Meilensteine bis 2027 erreicht werden sollen – und warum die Anlage zum zentralen Hub für nachhaltige Innovation werden kann. Ein Gespräch über Visionen, Wertschöpfung und die Zukunft der biobasierten Wirtschaft.

Der BioCampus Straubing arbeitet aktuell am Bau der BioCampus MultiPilot-Anlage als einer Mehrzweck-Demonstrationsanlage für industrielle Biotechnologie. Welche Fortschritte sehen Sie derzeit bei diesem Projekt und welche strategischen Meilensteine haben Sie sich als Geschäftsführer persönlich dafür gesetzt?

Die Errichtung der BioCampus MultiPilot ist für uns kein gewöhnliches Bauprojekt, sondern schließt ein Lücke in der hiesigen industrielle Bioökonomie. Wir sind aktuell auf einem sehr guten Weg. Die Anlagenhülle steht bereits, und die ersten Hauptapparate sind im Stahlbau platziert. Nun beginnt die Phase der Detailmontage für die weiteren Apparate, Rohrleitungen und die Verkabelung. Parallel dazu bereiten wir bereits die Inbetriebnahme sowie die ersten konkreten Kundenprojekte vor.

Meine oberste Priorität ist die termingerechte Fertigstellung bis Anfang 2027 und die erfolgreiche Aufnahme des Betriebs im selben Jahr.

Mein strategisches Ziel ist, den BioCampus Straubing durch die MultiPilot-Anlage als den zentralen europäischen Hub für industrielle Biotechnologie zu etablieren. Und unsere exzellente Infrastruktur so tief in das regionale Netzwerk einzufügen, dass wir für Partner und Kunden aus der Industrie und Forschung die unangefochtene erste Adresse sind, wenn es um die Skalierung und Demonstration nachhaltiger Innovationen geht.

Wie bewerten Sie die Bedeutung dieser Anlage für die Entwicklung der industriellen Bioökonomie in Straubing und darüber hinaus? Sehen Sie sie als konkreten Hebel für regionale Wertschöpfung, neue Arbeitsplätze oder internationale Kooperationen?

Die BioCampus MultiPilot-Anlage ist der entscheidende, hier noch fehlende Baustein, um die Brücke zwischen exzellenter Forschung und industrieller Anwendung zu schlagen. Mit ihrem flexiblen Multipurpose-Ansatz verfügt sie über alle Voraussetzungen eines effektiven Skalierungs- und Demonstrationshubs. Unser Ziel ist es, den Freistaat Bayern durch den Standort Straubing noch markanter auf der Landkarte der industriellen Biotechnologie zu positionieren, der weit über die Region hinaus Strahlkraft entfalten.

Dabei ist die Anlage kein Selbstzweck. Besonders wichtig ist mir eine greifbare regionale Wertschöpfung. Wir schaffen ein Umfeld, in dem Unternehmen nicht nur testen, sondern Wurzeln schlagen können. Das Spektrum reicht von der Nutzung unserer Labore im Technologie- und Gründerzentrum Straubing über die Ansiedlung von Demo-Anlagen bis hin zur engen Synergie mit dem TUM Campus Straubing und dem Fraunhofer IGB BioCat. Wir selbst schaffen in der Anlage hochwertige Arbeitsplätze. Letztendlich ist mein Anspruch, die MultiPilot-Anlage an zählbaren Ergebnissen messen zu lassen – für unsere Kunden, die Partner vor Ort und die wirtschaftliche Entwicklung der Region – daran werde ich mit meinem Team arbeiten.

Industrie und Wissenschaft diskutieren derzeit intensiv über die Transformation hin zu einer biobasierten Wirtschaft. Wie möchten Sie als neue Leitung des BioCampus dazu beitragen, insbesondere in Bezug auf Wachstum bestehender Unternehmen, Förderung von Start-ups oder Innovationsnetzwerke? Wie sehen Sie die aktuellen Bewegungen innerhalb der Transformation?

Die Industrie befindet sich aktuell in einem tiefgreifenden Wandel, der weit über die bioökonomische Transformation hinausgeht. Aber für mich ist eines klar: Die industrielle Biotechnologie besitzt ein immenses Potenzial, um diesen Wandel positiv und nachhaltig zu gestalten.

Für eine erfolgreiche Transformation reicht Innovationskraft allein jedoch nicht aus; entscheidend sind die wirtschaftliche Tragfähigkeit und die technoökonomische Verlässlichkeit. Genau hier setzen wir an. Wir verstehen uns als zentrale Anlaufstelle für Unternehmen jeder Größe – vom agilen Start-up bis zu etablierten Konzernen. Unser Ziel ist es, biotechnologische Lösungen von der ersten Idee bis zur marktfähigen Anwendung zu begleiten.

Mit der BioCampus MultiPilot-Anlage wollen wir jenen Akteuren, die den Schritt in die industrielle Umsetzung wagen, operative Hürden aus dem Weg räumen. Wir bieten die Infrastruktur, um Prozesse zu validieren und den Markteintritt neuer Produkte abzusichern. So leisten wir einen aktiven Beitrag dazu, dass die Transformation nicht nur eine Vision bleibt, sondern wirtschaftlicher Erfolg am Standort wird.

Sie sind neu als Geschäftsführer ernannt; welche neuen Impulse oder strategischen Ausrichtungen möchten Sie für BioCampus Straubing setzen? Gibt es besondere Initiativen, Partnerschaften oder Zielmärkte, die Sie in den kommenden Jahren stärken wollen?

Mit meinem industriellen Hintergrund bringe ich eine praxisnahe Erfahrungsperspektive ein, die ich gezielt für die erfolgreiche Inbetriebnahme unserer Anlage und den Ausbau strategischer Partnerschaften nutzen werde. Ich bin der festen Überzeugung: Innovation ist der Motor für nachhaltige Wertschöpfung.

Ein zentraler Impuls wird sein, Kooperationen und Innovationsnetzwerke auf ihren konkreten Nutzen hin auszurichten. Jede unserer Aktivitäten muss einen klaren Wertbeitrag liefern – primär für unsere Kunden, aber auch für die Stadt Straubing, die Region und den Freistaat Bayern als maßgebliche Förderer der BioCampus MultiPilot.

In Bezug auf die Zielmärkte richten wir uns konsequent nach den Bedarfen unserer Kunden. Unser Anspruch ist es, von Beginn an durch eine hohe prozesstechnische Flexibilität und breite Expertise zu überzeugen, damit wir agil auf Marktbewegungen und individuelle Kundenanforderungen reagieren können. So entwickeln wir den BioCampus Straubing zu einem verlässlichen Partner für die industrielle Biotechnologie.

Gibt es noch etwas, was Sie unseren Leser:innen mit auf den Weg geben wollen?

Ich bin beeindruckt von der Unterstützung aus der Politik und unserem Partnernetzwerk, die ich hier in den ersten Wochen erfahren durfte – ein solches Engagement ist keineswegs selbstverständlich. Der Freistaat Bayern investiert hier massiv in die Zukunft der industriellen Bioökonomie. Alle Partner bringen sich uneingeschränkt ein. Unsere Aufgabe ist es nun, diesen Weg konsequent weiterzugehen und den BioCampus als zentralen Erfolgsbaustein zu etablieren.

Dafür haben wir ein kompetentes und hochmotiviertes Team an Bord, das wir in nächster Zeit noch gezielt verstärken werden. Wir blicken mit großer Vorfreude auf die kommenden Aufgaben und sind bereit, unseren Beitrag zur nachhaltigen Transformation der Industrie zu leisten.

  

Über Peter Dettelmann:

Peter Dettelmann studierte Verfahrenstechnik an der RWTH Aachen und verantwortete in der chemischen Industrie zahlreiche Führungsfunktionen, darunter als Standortleiter, als Leiter des Geschäftsbereichs Standortmanagement bei der Evonik Industries AG sowie als Geschäftsführer der Evonik Superabsorber GmbH, wo er unter anderem den Unternehmensverkauf strategisch begleitete. Dort steuerte er zudem erfolgreich die Integration des Unternehmens beim neuen Eigentümer. Seit Dezember 2025 ist er hauptamtlicher Geschäftsführer bei der BioCampus Straubing GmbH. Neben der Geschäftsverantwortung liegt sein aktueller Fokus auf der erfolgreichen Inbetriebnahme der BioCampus MultiPilot im Jahr 2027, einer vom Freistaat Bayern mit 80 Mio. € geförderten Mehrzweckdemonstrationsanlage für die Demonstration und Skalierung von Prozessen der industriellen Biotechnologie.