
Der Fokus von TT49 liegt auf wissenschaftsbasierten Deep-Tech-Startups, die aus der deutschen Forschung stammen. Wie bewerten Sie aktuell das Potenzial von Chemie-Startups, die aus Universitäten oder Fraunhofer-Instituten hervorgehen und welche spezifischen Technologien sehen Sie als besonders vielversprechend?
Wir sehen aktuell ein enormes Potenzial im Bereich wissenschaftsbasierter Chemie- und Material-Startups. Gerade in Deutschland gibt es eine international starke Forschungslandschaft mit exzellenter Grundlagenforschung und hoher industrieller Relevanz. Besonders spannend finden wir Technologien in den Bereichen nachhaltige Materialien, Batteriematerialien, Kreislaufwirtschaft, CO2-Nutzung, grüne Chemie sowie KI-gestützte Prozessoptimierung. Viele dieser Technologien adressieren gleichzeitig Herausforderungen der Dekarbonisierung und der europäischen industriellen Souveränität.
Viele (Chemie)-Startups scheitern an der „Valley of Death“ zwischen Forschung und Marktreife.
Wie unterstützt TT49 konkret Startups in der Pre-Seed-Phase?
Genau in dieser frühen Phase positioniert sich TT49. Wir investieren typischerweise bereits unmittelbar nach der Ausgründung aus der Forschung heraus. Der Fokus liegt dabei auf der Kapitalbereitstellung sowie auf Rahmenbedingungen und Fragestellungen rund um IP-Strukturen, Marktvalidierung, Teamkonstellation, Industriezugang und die Vorbereitung weiterer Finanzierungsrunden. Öffentliche Förderprogramme spielen dabei eine zentrale Rolle, insbesondere bei kapitalintensiven Technologien. Unser Ziel ist es, mit Kapital wissenschaftliche
Exzellenz frühzeitig in unternehmerischen Erfolg zu übersetzen.
Die Chemiebranche steht vor enormen Herausforderungen durch neue und gegebene EURegularien.
Wie helfen Sie Startups, diese regulatorischen Hürden zu meistern?
Regulatorische Anforderungen gehören im Deep-Tech- und Chemiebereich von Anfang an zur Unternehmensstrategie. Entsprechend gewinnen regulatorische Expertise sowie der Austausch mit Industriepartnern, Behörden und spezialisierten Beratern frühzeitig an Bedeutung. Nachhaltigkeit wird dabei grundsätzlich eher als Treiber denn als Risiko verstanden. Viele Startups entstehen vor dem Hintergrund, dass bestehende industrielle Prozesse zunehmend an ihre Grenzen stoßen, etwa im Hinblick auf Energieeffizienz, CO₂-Reduktion oder Kreislaufwirtschaft.
Wie nutzen Sie ihr eigenes Netzwerk, um Start-ups nicht nur finanziell, sondern auch durch Zugang zu Pilotkunden, Industriepartnern oder Infrastrukturen zu unterstützen?
Unser Netzwerk ist einer der wichtigsten Mehrwerte von TT49. Durch unsere Nähe zu Forschungseinrichtungen, Industrieunternehmen, Family Offices und weiteren VC-Investoren können wir junge Unternehmen sehr früh mit relevanten Partnern vernetzen. Gerade im Chemie und Deep-Tech-Bereich sind Pilotprojekte, Zugang zu Labor- und Produktionsinfrastrukturen sowie industrielle Validierung entscheidend für den Unternehmenserfolg. Hier versuchen wir aktiv Türen zu öffnen und langfristige strategische Partnerschaften zu ermöglichen.
Gibt es noch etwas, was Sie unseren LeserInnen mit auf den Weg geben wollen?
Deutschland verfügt über eine außergewöhnlich starke Forschungslandschaft. Entscheidend ist nun, mehr wissenschaftliche Exzellenz schneller in marktfähige Unternehmen zu überführen. Dafür braucht es unternehmerischen Mut, langfristiges Kapital und enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Industrie und Investoren.
Über Johann C. Siemes
Johann C. Siemes ist Managing Partner bei TT49 Management GmbH, dem Nachfolgefonds des Fraunhofer Technologie-Transfer Fonds (FTTF). Er begleitet wissenschaftsbasierte Deep-Tech-Startups aus deutschen Forschungseinrichtungen und Universitäten in frühen Finanzierungsphasen und unterstützt Teams beim Aufbau skalierbarer Geschäftsmodelle, strategischer Partnerschaften und Folgefinanzierungen. Der Fokus von TT49 liegt insbesondere auf technologiegetriebenen Ausgründungen mit hohem industriellen Impact.