
Exergy3 zählt zu den spannendsten jungen Unternehmen im Bereich industrieller Wärmewende: Mit modularen Hochtemperaturspeichern verwandelt das Team überschüssigen grünen Strom in flexible Prozesswärme. Im Gespräch wird deutlich, welche Rolle die Pilotanlage in Schottland, neue Geschäftsmodelle und Energiehandel für die Skalierung ihrer Technologie spielen.
Lieber Markus, die Exergy3 ist im Oktober in die „50 to Watch“ Liste der Gleantech Group aufgenommen worden. Möchtest du unseren Mitgliedern erzählen, was ihr produziert und welche Dienstleistungen ihr anbietet?
„Industrielle Prozesswärme verursacht rund 25 % der globalen CO₂-Emissionen. Gleichzeitig verschwenden wir große Mengen grüner Energie, weil erneuerbare Erzeuger abgeregelt werden müssen, wenn der Energiebedarf geringer ist als das Angebot oder wenn das Netz überlastet ist.
Um dieses Problem zu lösen, entwickelt Exergy3 modulare, hochleistungsfähige Wärmespeicher. Kurz gesagt wandeln unsere Systeme grünen Strom in bis zu 1.200 °C heiße Wärme um. Diese speichern wir und können sie anschließend flexibel bei Temperaturen zwischen 100 und 1.000 °C wieder bereitstellen.“
Wie funktioniert eure Technologie und was macht sie/Exergy3 so besonders?
„Im Moment befindet sich unsere Pilotanlage an der Annandale Whisky Distillery in Schottland in der Inbetriebnahme. Dort haben wir drei Module mit einer Gesamtspeicherkapazität von 30 MWh installiert. Zum Laden handeln wir das System aktiv an den Strommärkten – unter der Bedingung, dass täglich zum Schichtbeginn um 6:30 Uhr genügend Energie eingespeichert ist, um den gesamten Wärmebedarf der Destillerie abzudecken. Zum Entladen blasen wir Luft durch unsere Speicher. In Annandale exportieren wir diese anschließend mit rund 530 °C in einen Dampfkessel. Dieser erzeugt Dampf bei etwa 220 °C und 10 bar, der die gesamte Destillerie mit Wärme versorgt. Unser Kontrollsystem ist vollständig mit der Destillerie synchronisiert und passt den Energieausstoß dynamisch an den aktuellen Bedarf an. Die Gesamteffizienz des Systems liegt bei ca. 96%.“ Unser Ziel ist die radikale Reduzierung der globalen CO₂-Emissionen. Das gelingt jedoch nur, wenn wir hyper-skalierbare Lösungen entwickeln, die den Status quo im Wettbewerb deutlich übertreffen. Um ein kommerziell durchsetzungsfähiges Angebot auf den Markt zu bringen, sind wir daher auf drei Feldern Pioniere:
Unsere Technologie ist außerordentlich kompakt: Unsere 10-MWh-Module passen in eine Standardgarage und lassen sich entsprechend einfach und kostengünstig produzieren, transportieren und installieren. In Annandale hat es beispielsweise nur vier Tage gedauert, die Anlage in Position zu bringen. Darüber hinaus ist das System darauf ausgelegt, die Lade- und Entladekapazität flexibel an die vorhandene Netzkapazität anzupassen. Wir haben unsere Technologie konsequent auf Kostenoptimierung ausgerichtet – bei Herstellung, Installation und Betrieb. Dennoch bleiben selbstverständlich die Stromkosten der entscheidende Faktor. Deshalb entwickeln wir verschiedene Modelle, um möglichst nahe an den Gaspreis heranzukommen. In Annandale ist es uns bereits mehrfach gelungen, den Gaspreis zu unterbieten. Allerdings sind sowohl in Deutschland als auch im Vereinigten Königreich die Netz- und Stromnebenkosten deutlich höher als bei Gas, was unsere Arbeit herausfordernd macht.“
Für wen ist eure Technologie besonders geeignet?
Wir können sowohl grünen Dampf als auch direkte Wärme, also heiße Luft, bereitstellen. Darüber hinaus sind wir in der Lage, im Hybridbetrieb zu arbeiten. Das bedeutet, dass wir unsere Systeme gleichzeitig oder abwechselnd mit fossilen Energieträgern betreiben können. Auf diese Weise lassen sich sowohl die Installationskosten als auch die laufenden Brennstoffkosten optimal gestalten.“
Gibt es noch etwas, was Sie unseren LeserInnen mit auf den Weg geben wollen?
Derzeit planen wir unsere Expansion nach Kontinentaleuropa und haben Bayern als strategischen Brückenkopf im Blick. Dort suchen wir nach Projektpartnern, die als Standort für unsere nächste Installation infrage kommen. Gleichzeitig bereitet die Europäische Investitionsbank derzeit eine ‚Heat Auction‘ vor, in deren Rahmen potenzielle Abnehmer unserer Technologie für jede vermiedene Tonne CO₂ vergütet werden sollen.
Wer also Interesse hat seine Energieversorgung lukrativ neu zu denken, kann sich gerne über den Chemiecluster an uns wenden!