
Im Interview erklärt Frau Yamaguchi-Humpert, was es mit der Bayerische Auslandsrepräsentanz in Japan auf sich hat, welche Aufgaben erfüllt werden und wie das Firmen aus Bayern helfen kann.
Sehr geehrte Frau Yamaguchi-Humpert. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für unser kleines Hot-Seat-Interview nehmen.
Wenn man ”Bayerische Repräsentanz in Japan” liest, fragt man sich als erstes was das überhaupt ist. Erklären Sie deshalb gerne was die Repräsentanz ist und was sie für Funktionen und Aufgaben erfüllt.
Vielen Dank für die Möglichkeit, die Aufgabe der Repräsentanz Japan des Freistaats Bayern vorstellen zu dürfen. Wir sind stets dankbar für Gelegenheiten, unsere Sichtbarkeit zu erhöhen, um bayerischen KMUs einen Mehrwert durch unseren Service anbieten zu können. Die Repräsentanz des Freistaats Bayern in Japan ist die erste Auslandsvertretung des Freistaats Bayern und besteht seit 1988. Wenn man an die „Bayerische Repräsentanz“ denkt, denkt man häufig, an einen Botschafter, der den Freistaat Bayern repräsentiert. Ganz so ist es jedoch nicht. Wir sind nicht primär zum Repräsentieren da, sondern haben – vor dem Hintergrund, dass wir vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie finanziert werden – einen klaren Schwerpunkt auf wirtschaftliche Themen.
Unsere Kernaufgaben sind:
Um weiter ins Detail zu gehen. Auf welche Kontakte, Netzwerke und Möglichkeiten kann die Repräsentanz zugreifen und gibt es aktuelle Schwerpunkte der japanischen Wirtschaftsförderung? Wie können Firmen und Start-ups aus Deutschland davon profitieren und sich engagieren?
Die Repräsentanz Japan des Freistaats Bayern kann auf ein breit gefächertes Netzwerk aus öffentlichen Institutionen, Wirtschaftsförderorganisationen, Clustern, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-Up-Akteuren in Japan und Bayern zugreifen. Dazu zählen unter anderem Kontakte zu Ministerien und nachgeordneten Behörden, regionalen Wirtschaftsförderern, Industrieverbänden sowie zu Innovations- und Technologiezentren.
Die Repräsentanz unterstützt dabei vor allem bei der Orientierung im Markt, der Kontaktanbahnung und der Identifikation geeigneter Partner.
Unser Ziel ist es, bayerischen Unternehmen möglichst umfassenden Mehrwert zu bieten – sei es bei Messebeteiligungen, Delegationsreisen oder Netzwerktreffen.
Ein Best Practice Beispiel ist die Einladung von Dr. Koike, CEO der Rapidus Corporation, zum Bayern-Stand auf der Semicon Japan in Tokyo im letzten Jahr.
Ein weiteres Beispiel sind branchenübergreifende Netzwerktreffen der Messeteilnehmer mit bayerischen Unternehmensvertretern, die bereits erfolgreich in Japan tätig sind, zum Thema: „Doing Business in Japan“.
Übrigens, da wir vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie finanziert werden, ist unser Service für die bayerischen Unternehmen selbstverständlich kostenlos.
Zu Ihrer zweiten Frage: Die Wirtschaftsfördergesellschaften in Japan bieten Unternehmen und Startups verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten an, zum Beispiel bei Behördengängen, der Bürosuche und teilweise auch im B2B-Bereich, wie ihn die Wirtschaftsfördergesellschaft der Stadt Sapporo STEP (Sapporo Transnational Expansion & Partnership) innerhalb des Sapporo Ökosystems anbietet. Mit der Stadt Saitama und der Greater Nagoya Initiative (GNI) stehen wir in sehr engem Austausch. Mein Rat wäre jedoch auf jeden Fall, sich zunächst an die JETRO München zu wenden. Selbstverständlich können wir den Kontakt zur JETRO München herstellen.
Welche weiteren Bayerischen Repräsentanzen gibt es noch? Sind sie untereinander vernetzt und gibt es zentrale Anlaufstellen?
Weltweit gibt es über 30 Bayerische Repräsentanzen, zum Beispiel in den USA, Indien, China, usw. Einmal im Jahr findet ein Repräsentanztreffen aller bayerischen Repräsentanzen in Bayern statt, bei dem sie die Möglichkeit haben, sich untereinander auszutauschen.
Gibt es noch etwas, was Sie unseren Leser:innen mit auf den Weg geben wollen?
Wir sind ein kleines, aber schlagfertiges Büro mit Humor und stets bemüht, für die Anfragen bayerischer sowie japanischer Unternehmen passende Lösungen zu finden.
Wenn Sie sich zunächst über den japanischen Markt informieren möchten, ist es sehr empfehlenswert, am Messebeteiligungsprogramm und an der Delegationsreise der Bayern International GmbH teilzunehmen. Auf diese Weise können Sie ein besseres Gefühl für den japanischen Markt bekommen.
Wenn Sie dienstlich in Japan unterwegs sind, sind Sie jederzeit herzlich eingeladen, uns in unserem Büro in Tokyo zu besuchen. Für Kaffee und Tee ist selbstverständlich gesorgt – wir freuen uns über jeden Besuch!
Kaori Yamaguchi-Humper über sich:
Nach dem Abitur an der Deutschen Schule Tokyo Yokohama und Studium an der LMU München, fing mein beruflicher Werdegang bei Invest in Bavaria – die Ansiedlungsagentur des Freistaats Bayern an, zuständig für die Betreuung von japanischen Unternehmen bei der Ansiedlung und Erweiterung im Rahmen der Bestandspflege. Zuletzt als Deputy Head of Investor Services lag der Schwerpunkt auf den Bereich Life Sciences aus aller Welt. Seit dem 1. September 2025 als inzwischen fünfte Chef Repräsentantin des Freistaats Bayern – Japan Office in Tokyo im Einsatz, um einerseits japanische High-Tech Unternehmen gezielt für die Ansiedlung anzusprechen, die für Innovation sorgen, damit Bayern weiterhin als attraktiver im internationalen Vergleich wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort bleibt und andererseits die bayerischen Unternehmen beim Markteintritt in Japan zu unterstützen.