Hot Seat: Dr. Matthias Scholz | TransBiB

Datum: 28 Jan., 2026

Matthias Scholz ist leitender Koordinator von TransBIB, dem nationalen Transfernetzwerk zur Beschleunigung der Industriellen Bioökonomie, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE). In dieser Rolle fungiert er als Brückenbauer: Er vernetzt Regionen, Initiativen und Akteure, um biobasierte Innovationen effizienter aus der Forschung in die industrielle Anwendung zu bringen.  

Was ist TransBIB?  

TransBIB ist ein Metanetzwerk – also ein Netzwerk, das bestehende regionale oder thematische Netzwerke miteinander verbindet –, welches aus den Beispielregionen der Industriellen Bioökonomie hervorgegangen ist. Diese wurden 2021 vom BMWE angefragt, um die regionale Wertschöpfung zu stärken – ein Thema, das durch die Coronapandemie und geopolitische Krisen massiv an Bedeutung gewonnen hat.  

Wir haben erkannt, dass viele Regionen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Anstatt das Rad jedes Mal neu zu erfinden, nutzen wir die „Schwarmintelligenz“. Heute ist TransBIB ein zentraler Baustein im Innovationsökosystem Bioökonomie in Deutschland: Mit 18 Partnern, über 30 Kompetenzhubs (die aus den Regionen entstanden sind) und einem Netzwerk von mehr als 1.200 Unternehmen und Forschungseinrichtungen beschleunigen wir den Technologietransfer.  

Wie genau beschleunigt ihr diesen Transfer?  

Durch zwei Hebel: Vernetzung und Wissen. Kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und Start-ups fehlen oft die Experten oder die passenden Partner, um den Sprung aus dem Labor in den Markt zu schaffen. Unser Metanetzwerk bietet hier den idealen Zugang. Wir bieten verschiedene Netzwerkformate an, von digital, regional bis national.  

Über unseren One-Stop-Shop stellen wir zudem ein digitales Wissenszentrum bereit: Aktuell sind dort 167 Datenbanken zur Bioökonomie und 127 Datenbanken zur Zertifizierung eingebunden. Wo spezifisches Wissen fehlt, erarbeiten wir es selbst – wie etwa mit unserer Skalierungsdatenbank. 

TransBIB gilt als „das“ Skalierungs-Netzwerk in Deutschland. Warum ist das so wichtig?  

Unsere Hauptaufgabe ist es, das sogenannte „Valley of Death“ der Skalierung zu überbrücken – jene kritische Phase, in der vielversprechende Technologien scheitern, weil der Weg vom Labor zur industriellen Produktion zu teuer oder zu komplex ist. Bisher waren Informationen über verfügbare Skalierungsanlagen in Deutschland kaum zugänglich; auf europäischen Plattformen wie Pilots4U war und ist Deutschland ein recht weißer Fleck. 

Wir haben in unserem Auftaktjahr eine Bestandsaufnahme gemacht und über 60 Skalierungsanlagen identifiziert, die nicht nur da sind, sondern auch offen sind für externe Projekte. Anfangs war das eine riesige, wenig nutzerfreundliche Excel-Tabelle. Daher haben wir im zweiten Förderjahr ein KI-Update von TransBIB implementiert. Unser eigenes KI-Tool macht diese Daten nun in unserem One-Stop-Shop leicht zugänglich. Zusätzlich haben wir eine intuitive „Booking.com“-Ansicht für Skalierungsanlagen programmiert, um Angebot und Nachfrage effizient zu matchen.  

Dein Resümee nach zwei Jahren TransBIB?  

Die Entwicklung von TransBIB übertrifft unsere ursprünglichen Pläne. Wir haben bereits jetzt mehr Kompetenzhubs integriert, als wir eigentlich erst nach dem dritten Jahr vorgesehen hatten. Neben der neuen KI-Integration haben wir generell mehr geleistet als ursprünglich angedacht, wie beispielsweise unseren praxisnahen Skalierungsguide. Auch unsere jährlichen Symposien werden sehr gut angenommen und sind zu einem wichtigen Branchentreff geworden. Das nächste TransBIB-Symposium findet am 20. und 21. Mai 2026 im Kunstkraftwerk in Leipzig statt.  

Neben TransBIB bist du auch als Mentor für Start-ups und in der Landwirtschaft aktiv. Wie passt das zusammen?  

Start-ups sind die Innovationsmotoren der Bioökonomie, brauchen aber oft Hilfe, um sich im komplexen Ökosystem zu etablieren. Mit meinem naturwissenschaftlichen Hintergrund und meiner Erfahrung im Technologietransfer und mit TransBIB unterstütze ich Start-ups strategisch und fachlich – etwa bei Start2 (German Accelerator) oder als externer Mentor für die Max-Planck-Förderstiftung.  

Und zur Landwirtschaft: Landwirtschaft und Bioökonomie gehören zusammen, was man allein schon am Namen erkennt. Wir müssen unsere Abhängigkeit von fossilem Kohlenstoff beenden. Da Zirkularität nie zu 100 % geschlossen sein wird, benötigen wir immer „frischen“, regenerativen Kohlenstoff. Hier kommen die Landwirte ins Spiel. Ich verstehe mich selbst als „experimenteller Landwirt“: Ich teste auf eigenen Flächen alte und neue Sorten, um ihr Potenzial als Nahrungsmittel, (Bau-)Material oder für die Biotechnologie zu evaluieren. Aktuell blicke ich gespannt auf meine Gemüse- und Sauerbäume – mal sehen, ob sie den kalten Winter überstehen!  

  

Zur Person: Dr. Matthias Scholz  

Dr. Matthias Scholz (Jg. 1981) ist Chemiker und Biochemiker mit Promotion in bioanorganischer Chemie an der Universität Leipzig sowie internationaler Forschungserfahrung in Schweden und den USA. Nach einem Postdoc in Strukturbiologie an der Vanderbilt University arbeitete er zehn Jahre als unabhängiger Projektleiter in der medizinalchemischen Grundlagenforschung an den Universitäten Köln, Bonn und Zürich, mit Schwerpunkten u. a. auf Small Molecules, Peptiden, Radiochemie und automatisierter Synthese.
2021 wechselte er zum Chemie-Cluster Bayern und verantwortete dort Bioökonomie-Themen mit Fokus auf den TUM-Campus Straubing. Zudem koordinierte er den Innovationsarbeitskreis des VCI Bayern. Derzeit leitet er das bundesweite BMWE-Netzwerk „TransBIB“ an der Technischen Universität München. Ergänzend engagiert er sich als Start-up-Mentor sowie auf europäischer Ebene, etwa im ESFRI und in der Community of Practice für Bioökonomie-Bildung, und unterstützt die deutsche Beteiligung an Großprojekten wie IBISBA und IPCEI Biotechnology.