Für eine schnelle und flexible Zusammenarbeit an Dokumenten eignen sich Anwendungen wie Microsoft Teams oder Google Docs selbstverständlich gut. Sobald es jedoch um die Dokumentenlenkung geht, was beim natürlichen Unternehmenswachstums kaum ausbleibt, stoßen Teams & Co. an ihre Grenzen. Es gibt keine echte Versionskontrolle, so kann jede/r Dateien überschreiben, umbenennen und verschieben. Außerdem ist es nicht auf den ersten Blick erkenntlich, welche Version die freigegebene ist. Freigabeprozesse fehlen generell. Es gibt keine strukturierten Workflows, die sicherstellen, dass ein Sicherheitsdatenblatt oder eine Rezeptur erst nach Prüfung und Freigabe genutzt wird. Fangen wir gar nicht erst mit den Anforderungen an Audit-Trails oder den Datenschutz an, die „einfache“ Anwendungen in der nötigen Tiefe definitiv nicht abdecken. Die Konsequenz: Sobald der erste Kunde einen Nachweis fordert oder eine Zertifizierung ansteht, reicht „Teams reicht doch” nicht mehr. 

Und die Nacharbeit kostet dann deutlich mehr Zeit, als es gekostet hätte, ein System einzuführen, das von Anfang an mitwächst. Mit dem ECM M-Files und der individuellen Konfigurationsmöglichkeit durch die entsprechenden hauseigenen Erweiterungen bietet die DMSFACTORY genau das. Ein zentrales System, das individuell skalierbar ist, die Vergabe von Zugriffsrechten ermöglicht, Freigabeprozesse abbildet und noch vieles mehr leistet, um den Alltag von Unternehmen zu erleichtern.

DSGVO-Konformität ist nicht nur ein Häkchen auf der Unternehmenssicherheits-Checkliste. Sie ist die Basis für eine zuverlässige und effiziente Arbeit. Unternehmen sollten sich deshalb immer fragen:

  • Haben wir bei den von uns verwendeten Anwendungen eine Wahl, wo unsere Daten landen?
    Viele internationale Cloud-Anbieter geben Unternehmen keine echte Kontrolle über den Serverstandort oder das Betreibermodell. Beispielsweise mit flexiblem Hosting, wie On-Premise, Cloud oder hybrid, entscheidet das Unternehmen selbst, wo seine Daten liegen, statt sich dem Modell eines Anbieters zu verpflichten.
  • Welchem Rechtsraum unterliegt der Cloud-Anbieter?
    Es reicht nicht, nur zu fragen „Wo steht der Server?” – die richtige Frage lautet: „Welchem Mutterkonzern und welchem Rechtsraum unterliegt der Anbieter, der diesen Server betreibt?” Nur wenn beides – Serverstandort und Unternehmenssitz/Rechtsraum – innerhalb der EU liegen, ist ein Zugriff über ausländisches Recht wie den CLOUD Act ausgeschlossen.
  • Können wir nachvollziehen, wer wann auf welches einzelne Dokument zugegriffen hat?
    Die meisten Cloud- und Kollaborationssysteme kennen nur grobe Freigabestufen. M-Files ermöglicht dynamische, dokumentengenaue Zugriffsrechte – jede Ebene der Sensibilität lässt sich exakt abbilden. Zudem haben Unternehmen die Wahl, ob sie das System On-Premise oder in der Cloud hosten.
  • Sind wir im Ernstfall wie bei Audits, Behördenanfragen und Sicherheitsvorfällen lückenlos beweisfähig?
    Ohne durchgängige Versions- und Änderungshistorie lässt sich oft nicht mehr rekonstruieren, wer wann was verändert hat. M-Files protokolliert beispielsweise jede Änderung automatisch und macht Unternehmen damit auditfähig, statt sie im Ernstfall unter Zeitdruck nach Nachweisen suchen zu lassen.

Die sichere Alternative liegt nicht in einem weiteren internationalen Cloud-Anbieter, sondern in einem System, das die Kontrolle zurück ins Unternehmen bringt.

Regulatorien wie REACH, ISO-Normen gehen deutlich über das hinaus, was eine reine Dateiablage leisten muss. Im Kern verlangen sie einen lückenlosen Freigabeprozess, eine eindeutige Versionsführung, nachvollziehbare Zugriffssteuerungen, vollständige Änderungsnachweise, die Einhaltung von Aufbewahrungs- und Löschfristen und die Auditfähigkeit im laufenden Betrieb.

Während eine praktische Datenablage vor allem Auffindbarkeit und Zusammenarbeit ermöglichen soll, verlangen REACH und ISO zusätzlich strukturierte Governance. Ein DMS/ECM-System übernimmt dabei die operative Last dieser Nachweispflicht, sodass sich Mitarbeitende auf inhaltliche Entscheidungen statt auf Verwaltungsaufgaben konzentrieren können.

Im Gegensatz zur klassischen Automatisierung lesen, interpretieren und verändern KI-Agenten Dokumente eigenständig. Sie treffen im Rahmen ihrer Berechtigungen Entscheidungen und greifen dabei potenziell auf sehr viele Systeme gleichzeitig zu. Das stellt vollkommen neue Anforderungen an die Dokumentenverwaltung.

Zugriffsrechte werden hier zu einer kritischen Stellschraube, denn wenn nicht mehr nur Menschen, sondern auch Künstliche Intelligenz lesen, ändern und Workflows auslösen können, reicht eine grobe Freigabe auf Ordnerebene nicht mehr aus. Es braucht rollenbasierte Rechte, die auch für KI gelten und jederzeit nachvollziehbar sind. Auch die
Nachvollziehbarkeit wird noch wichtiger als bisher. Ein Audit-Trail muss künftig nicht nur “wer hat was geändert” dokumentieren, sondern auch, ob eine Aktion von einem Menschen oder autonom von einem System ausgelöst wurde. Strukturierte Metadaten werden zur Grundvoraussetzung, denn KI arbeitet nur dann zuverlässig, wenn Dokumente über klare Metadaten in den richtigen Kontext gesetzt werden. Die Qualität der Datenbasis gibt die Qualität der Prozesse vor.

Die Risiken rücken in den Hintergrund, wenn KI verantwortungsvoll implementiert und eingesetzt wird. Denn dann profitieren die Unternehmen von deutlich schnellerer Bearbeitung wiederkehrender Vorgänge wie Prüf- und Freigabeprozesse, konsistenter Einhaltung entsprechender Vorgaben, Entlastung von Routineaufgaben und früherer
Erkennung von Sicherheitslücken und Fehlern.

📅 24.11.2026
📍Lyon & online

Wie können europäische KMU Veränderungen frühzeitig erkennen, auf neue Herausforderungen reagieren und sich langfristig resilient aufstellen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Abschlussveranstaltung des EU-Projekts IDEALIST am 24. November 2026 in Lyon und online.

Nach drei Jahren europäischer Zusammenarbeit bringt das IDEALIST Final Event Unternehmen, Cluster, politische Entscheidungsträger, Innovationsexpert und weitere europäische Akteur zusammen. Im Mittelpunkt stehen aktuelle wirtschaftliche, technologische und geopolitische Veränderungen und ihre Auswirkungen auf europäische Wertschöpfungsketten und industrielle Ökosysteme.

Von Projektergebnissen zu konkreten Lösungen

IDEALIST unterstützt KMU aus den drei industriellen Ökosystemen energieintensive Industrien, Luft- und Raumfahrt & Verteidigung sowie Mobilität, Transport & Automotive dabei, ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen und strukturellen Veränderungen zu stärken.

Beim Final Event werden zentrale Ergebnisse und Instrumente aus dem Projekt vorgestellt und mit Erfahrungen aus der Praxis verbunden. Das Programm bietet unter anderem:

  • Einblicke in aktuelle Disruptionen und ihre Auswirkungen auf die europäische Industrie
  • Praxisbeispiele von Unternehmen zum Umgang mit Veränderungen
  • Vorstellung zentraler IDEALIST-Ergebnisse und entwickelter Tools
  • Pitches von Technologieunternehmen und Lösungsanbieter
  • Austausch zwischen Unternehmen, Clustern und europäischen Netzwerken
  • Networking und Matchmaking mit Teilnehmer aus verschiedenen europäischen Regionen

Dabei geht es auch um die Frage, wie die im Projekt entstandenen Ansätze und Netzwerke über das Projektende hinaus genutzt werden können.

Save the date: 📅 24.11.2026 | 📍Lyon & online

Die Veranstaltung wird im Rahmen des EU-Projekts IDEALIST von den Clustern EDEN und CARA organisiert. Der Chemie-Cluster Bayern ist Projektpartner von IDEALIST.

📅 08.10.2026
📍 Straubing

Biopolymere und biobasierte Polymere sind zentrale Bausteine einer defossilisierten, kreislauforientierten Kunststoffwirtschaft. Ob sie fossile Materialien tatsächlich ersetzen können, entscheidet sich auf der Ebene der Struktur-Eigenschafts-Beziehungen: Molekülaufbau, Kristallinität, Morphologie und supramolekulare Ordnung bestimmen unmittelbar mechanische Kennwerte, Thermostabilität, Barriereeigenschaften, Verarbeitbarkeit und biologische Abbaubarkeit. 

Der Workshop am Fraunhofer IGB Straubing bringt Expertinnen und Experten aus Forschung und Anwendung zusammen, um genau diese Zusammenhänge zu beleuchten. In vier Fachvorträgen (Fraunhofer IGB, TUM Campus Straubing) werden aktuelle Ansätze zur gezielten Struktureinstellung, Charakterisierung und Funktionalisierung biobasierter Polymere vorgestellt und diskutiert. Eine anschließende interaktive Gruppenarbeit überführt die Impulse in konkrete Frage- und Anwendungsstellungen der Teilnehmenden. Eine Führung durch die Labore des Fraunhofer IGB rundet den Tag mit praktischen Einblicken ab. 

Ziel ist es, das Verständnis für die materialwissenschaftlichen Grundlagen biobasierter Polymere zu vertiefen und den Austausch zwischen Wissenschaft, Technologieentwicklung und Anwendung im bayerischen Bioökonomie-Ökosystem zu stärken. 

Agenda 
Ab 10:15 Registrierung 
10:30 Welcome & Einführung (Begrüßung, Ziele des Tages, kurze Vorstellungsrunde) 
Dr. Friederike Metze, Chemie-Cluster Bayern Nico Arbeck, Dr. Daniel Berki-Kiss, Monika Wels, C.A.R.M.E.N. e.V. Dr. Michael Richter, Fraunhofer IGB Straubing 
10:50 Vortrag 1 (15 min) + Diskussion (5 min) Fraunhofer Monoterpene Platform – utilization of biogenic structures for bio-advantaged polymers (Fraunhofer Monoterpen-Plattform – Nutzung biogener Strukturen für Polymere mit biogenem Vorteil) 
Dr. Paul Stockmann, Gruppenleiter Biobasierte Polymere und Additive, Fraunhofer IGB Straubing 
11:10 Vortrag 2 (15 min) + Diskussion (5 min) Tape2Grape – Von der Idee zum Produkt Claudia Falcke, Leiterin Themenfeld Kunststofftechnik Fraunhofer IGB Straubing 
11:30 Kaffeepause 
12:00 Vortrag 3 (15 min) + Diskussion (5 min) Natürliche Polymere für Lebensmittelverpackungen – Struktur, Funktion und Verarbeitung Felix Fischbeck, Materialentwicklung, Gruppe biobasierte Materialien, Fraunhofer IVV, Freising 
12:20 Vortrag 4 (15 min) + Diskussion (5 min) Titel folgt Prof. Dr. Cordt Zollfrank, Lehrstuhl für Biogene Polymere TUM Campus Straubing 
12:40 Vortrag 5 (15 min) + Diskussion (5 min) Extraction of keratin from wool waste for fiber production (Extraktion von Keratin aus Wollabfällen für die Faserproduktion) Prof. Dr. Wenwen Fang, Professur Partikel- und Fasertechnologie für biobasierte Materialien, School TUM Campus Straubing 
13:00 Mittagspause & Networking 
14:00 Parallele Workshop-Sessions CEM: Gruppenarbeit der Teilnehmenden (inkl. kurzer Ergebnisvorstellung), ca. 60 min KDB: moderierte Diskussionsrunde  
15:00 Führung durch das Fraunhofer IGB Straubing 
15:45 Abschluss & Ausklang 
16:15 Ende der Veranstaltung 

📅 14.10.2026 | ⌚10:30-16:00 Uhr | 🖥️ Online

In diesem Open Scope Workshop bringen wir Expertinnen und Experten aus Industrie, Forschung und Entwicklung zusammen, um aktuelle Herausforderungen, innovative Lösungsansätze und neue Kooperationsmöglichkeiten zu diskutieren. Im Mittelpunkt stehen der offene Austausch, das Teilen von Erfahrungen und die gemeinsame Entwicklung neuer Ideen entlang des gesamten Lebenszyklus von Composite-Bauteilen.

Ob neue Recyclingverfahren, Strategien zur Wiederverwendung hochwertiger Bauteile oder biobasierte und zirkuläre Matrixsysteme – der Workshop bietet Raum für Inspiration, fachliche Diskussionen und den Aufbau wertvoller Netzwerke.

Bringen Sie Ihre Perspektiven ein und gestalten Sie mit uns die nächste Generation nachhaltiger Composites.

Die Veranstaltung ist für alle Interessierte kostenfrei.

Freuen Sie sich auf Impulse zu ReUse, Recycling und nachhaltigen Matrixsystemen!

Fotocredits: Tom Bauer

Am 8. Juli 2026 wurde der Chemiepark GENDORF zum Treffpunkt für Innovation, Unternehmertum und die Zukunft der Chemieindustrie. Unter dem Motto „Chemistry in Transformation“ brachte Pitch & Bond 2026 Start-ups, Industrieunternehmen, Investor:innen und Innovationsakteur:innen zusammen – für einen Nachmittag voller inspirierender Impulse, spannender Technologien und wertvoller Gespräche.

Gemeinsam mit unserem Co-Host InfraServ Gendorf haben wir einen Ort geschaffen, an dem aus Ideen neue Partnerschaften entstehen können – genau dort, wo Innovation später ihren Weg in die industrielle Anwendung findet.

Innovation braucht starke Netzwerke

Die chemische Industrie steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Klimaneutralität, Kreislaufwirtschaft, neue biobasierte Verfahren und resiliente Wertschöpfungsketten stellen Unternehmen vor große Herausforderungen – und eröffnen gleichzeitig enorme Chancen.

Start-ups spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie entwickeln neue Technologien, treiben Innovationen voran und bringen frische Perspektiven in etablierte Industrien. Damit diese Lösungen den Weg aus dem Labor in den industriellen Maßstab finden, braucht es jedoch mehr als gute Ideen: Es braucht den Austausch zwischen Gründer:innen, Industrie, Forschung und Kapitalgebern.

Genau hier setzt Pitch & Bond an. Das Veranstaltungsformat des Chemie-Cluster Bayern schafft eine Plattform, auf der Innovationen sichtbar werden, Kontakte entstehen und Kooperationen ihren Anfang nehmen.

Ein Veranstaltungsort, der Transformation erlebbar macht

Mit dem Chemiepark GENDORF bot Pitch & Bond 2026 den passenden Rahmen für dieses Ziel. Bereits vor dem offiziellen Veranstaltungsbeginn erhielten die Teilnehmenden bei einer exklusiven Bustour Einblicke in einen der bedeutendsten Chemiestandorte Bayerns.

Die anschließenden Vorträge fanden im Lehrtechnikum der Bildungsakademie Inn-Salzach (BIT) statt – einer hochmodernen Ausbildungs- und Technikumshalle, die einen realen Produktionsbetrieb im kleineren Maßstab abbildet. Auf rund 2.000 Quadratmetern mit Laboren, Prozessanlagen und einer eigenen Messwarte wurde deutlich, wie aus innovativen Ideen industrielle Realität werden kann. Die außergewöhnliche Location unterstrich damit eindrucksvoll das diesjährige Veranstaltungsmotto „Chemistry in Transformation“.

Zwölf Start-ups gestalten die Zukunft der Chemie

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die 12 ausgewählten Start-ups, die ihre Technologien und Geschäftsmodelle in kurzen Pitch-Sessions präsentierten.

Die Unternehmen deckten drei zentrale Zukunftsfelder der chemischen Industrie ab:

Circular Chemistry | Green Energy & Process Innovation | Industrial Biotechnology

Mit dabei waren:

Die Pitches zeigten eindrucksvoll, wie innovative Technologien dazu beitragen können, Ressourcen effizienter zu nutzen, Emissionen zu reduzieren und neue nachhaltige Produktionsprozesse für die chemische Industrie zu entwickeln.

Innovation entsteht im richtigen Ökosystem

Einen besonderen Impuls setzte die Keynote von Dr. Robert Richard Richter, Geschäftsführer von WERK1 München. Unter dem Titel „From Startup Center to DeepTech Home“ zeigte er auf, welche Faktoren entscheidend sind, um langfristig erfolgreiche Innovationsökosysteme aufzubauen. Im Mittelpunkt stand dabei weniger die Geschichte von WERK1 selbst als vielmehr die Frage, warum manche Innovationsstandorte besonders erfolgreich darin sind, Talente, Kapital, Unternehmen und Ideen dauerhaft miteinander zu vernetzen.

Ergänzt wurde das Programm durch eine Impulse Speech von Christian Eichner (InfraServ Gendorf) zum Thema „Home of Bavarian DeepTech“. Er machte deutlich, welche Rahmenbedingungen DeepTech-Start-ups benötigen, um den Schritt von der Technologieentwicklung in den industriellen Maßstab erfolgreich zu meistern – und welche Rolle Chemieparks dabei als Innovationsökosysteme spielen können.

Mehr als Pitches: Austausch auf Augenhöhe

Pitch & Bond lebt nicht nur von den Präsentationen auf der Bühne. Ebenso wichtig sind die Gespräche dazwischen. Beim gemeinsamen Flying Dinner, während der Networking-Sessions und im persönlichen Austausch zwischen Start-ups, Industrieunternehmen, Investor:innen und Forschungseinrichtungen entstanden zahlreiche neue Kontakte und erste Ideen für zukünftige Kooperationen.

Gerade diese Begegnungen machen Pitch & Bond zu mehr als einer klassischen Pitch-Veranstaltung: Sie schaffen Vertrauen, fördern den Wissenstransfer und bilden die Grundlage für Innovationen, die langfristig Wirkung entfalten können.

Hinter Pitch & Bond: Menschen, die Innovation verbinden

Ein besonderer Dank gilt unserem CCB-Organisationsteam – Anja Strunz, Matthias Klein, Dr. Kerstin Schindler, Dr. Tobias Schwarzmüller, Friederike Metze und Charlène Kerner – die Pitch & Bond 2026 mit großem Engagement vorbereitet und umgesetzt haben.

Ebenso bedanken wir uns herzlich bei unserem Co-Host InfraServ Gendorf für die hervorragende Zusammenarbeit und dafür, dass wir Pitch & Bond im Chemiepark GENDORF ausrichten durften. Unser Dank gilt insbesondere Renate Fleissner, Christian Eichner, Tilo Rosenberger-Süß, Martina Kress und Christoph von Reden, die die Veranstaltung mit großem Einsatz begleitet und ermöglicht haben.

Ein herzliches Dankeschön geht außerdem an Dr. Robert Richard Richter für seine inspirierende Keynote sowie an alle Start-ups, Speaker, Partner:innen und Gäste, die Pitch & Bond 2026 zu einem besonderen Erlebnis gemacht haben.

Ausblick

Die Herausforderungen der Transformation lassen sich nur gemeinsam bewältigen. Veranstaltungen wie Pitch & Bond zeigen, wie wichtig starke Netzwerke zwischen Start-ups, Industrie, Wissenschaft und Investor:innen sind, um innovative Technologien schneller in die industrielle Anwendung zu bringen.

Auch in Zukunft möchten wir mit Pitch & Bond genau diesen Austausch fördern und eine Plattform schaffen, auf der Ideen zu Kooperationen und Innovationen zu marktfähigen Lösungen werden.

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für einen inspirierenden Tag voller neuer Impulse und freuen uns schon jetzt auf die nächste Ausgabe von Pitch & Bond.

Let’s keep bonding.

Im Interview erklärt uns Michel Konder, der Co-Founder von autarkize, warum die Herstellung und Verwendung von Pflanzenkohle sinnvoll ist und was die Pyrolyse-Prozesse der Firma außergewöhnlich macht.

autarkize GmbH setzt auf Pyrolyse, um aus Biomasse wie Gärresten oder Altholz klimapositives Gas und Pflanzenkohle zu erzeugen. Könnt ihr kurz erklären, wie euer Prozess funktioniert und warum er wirtschaftlich und ökologisch sinnvoller ist als herkömmliche Methoden der Biomasse-Verwertung?

Unsere Pyrolyse-Technologie ist technisch und wirtschaftlich eine Revolution. Wir können aus einer großen Bandbreite von Biomassen und biogenen Reststoffen in höchster Qualität ein Synthesegas und Pflanzenkohle erzeugen. Das Synthesegas haben wir soweit getunt, dass es einen Heizwert und Verbrennungseigenschaften ähnlich wie Biogas hat. Gleichzeitig sind unsere Systeme leistungsstark, aber dank Containerbauweise extrem kompakt und flexibel einsetzbar. Wir sind kompatibel mit vielen etablierten Kessel-, BHKW-, Turbinen- und Ofensystemen. Energieintensive Industriebetriebe, Kommunen oder auch Recyclingbetriebe können uns damit mit nur geringen Aufwänden in ihre bestehende Gas-, Dampf-, Wärme- oder Strominfrastruktur integrieren und dabei meist sogar ihre eigenen Reststoffe für die Energieerzeugung nutzen.

Parallel entsteht in unserem Prozess Pflanzenkohle oder Biochar – ein hochreiner, strukturreicher Kohlenstoff, der je nach Feedstock und Verfahrensparametern wiederum extrem viele Einsatzzwecke findet: von Bodenverbesserer oder Futtermittelzusatz in der Landwirtschaft über Struktur- und Wärmeleitmaterial in Baustoffen bis hin zum organischen Aktivkohlefilter. Der Clou dabei: Biochar ist nicht nur ein spannendes Produkt, sondern auch eine echte CO₂-Senke. Im Prozess wird der in der Biomasse gebundene Kohlenstoff so gehärtet, dass er stabil ist und nicht mehr durch z.B. Verrottung zu CO₂ oxidiert. Das funktioniert wissenschaftlich fundiert und wird in den CO₂-Märkten als echte negative Emission gehandelt.

In der Summe rechnet sich das: Ich nehme kohlenstoffreiche Reststoffe, verwandele sie in Gas und Pflanzenkohle. Aus einem Problem mache ich damit Energie und das Produkt Pflanzenkohle und werde als Zusatznutzen sogar klimapositiv. Da wir uns in bestehende Energiesysteme integrieren, bleibt der CAPEX überschaubar und die Amortisationszeit kurz. Bis Ende 2026 gehen deshalb noch weitere 10 Anlagen mit zusammen fast 6 MW in Betrieb.

Eure Anlagen können dabei helfen wichtige Klimaziele zu erreichen. Wie skaliert ihr diese Technologie konkret, um CO₂ aus der Atmosphäre zu entfernen und welche Rolle spielen dabei CO₂-Zertifikate für die Wirtschaftlichkeit?

Skalierung heißt bei uns nicht, eine immer größere Anlage zu bauen, sondern viele gleiche an vielen Orten. Wir sind eine dezentrale Lösung. Unsere Anlagen sind modular und containerbasiert, also überall einsetzbar, wo genug biogene Reststoffe und Energiebedarf zusammenkommen: in der Lebensmittelindustrie, der Land- und Forstwirtschaft, der chemischen und metallurgischen Prozessindustrie, aber auch in der dezentralen Nah- und Fernwärme. Unsere Systeme sind im technischen Aufbau immer gleich – den Unterschied machen die ausgefuchste Verfahrenstechnik, Daten & Algorithmen. Ganz entscheidend dabei: Software. Wir können uns mit derselben Anlagen-Hardware im laufenden Betrieb an unterschiedlichsten Feedstock anpassen und dabei trotzdem Gas und Pflanzenkohle in höchster Qualität liefern. Als Betreiber einer autarkize-Anlage bin ich also super flexibel, habe aber immer Qualitätsprodukte wie die Pflanzenkohle. Und da am Ende die CO₂-Zertifikate auf die Güte der Pflanzenkohle angerechnet werden, habe ich neben einigen tausend Tonnen entzogenem CO₂ und kostengünstigem Gas auch eine konstante Einnahme über den Zertifikatehandel.

Pflanzenkohle kann in Böden, im Bauwesen oder als CO₂-Speicher genutzt werden. Welche konkreten Anwendungsfälle (z. B. in der Landwirtschaft oder Industrie) seht ihr als die vielversprechendsten? Wie überzeugt ihr Skeptiker, dass Pflanzenkohle tatsächlich langfristig CO₂ bindet und nicht nur kurzfristig als „Greenwashing“ dient?

Am weitesten ist die Landwirtschaft. Dort wirkt Pflanzenkohle als Bodenverbesserer, sie speichert Wasser und Nährstoffe, macht Böden widerstandsfähiger gegen Trockenheit und senkt zugleich den Düngereinsatz. Spannend ist aber auch das Bauwesen. In Beton oder Asphalt eingebunden hält die Kohle den Kohlenstoff praktisch unbegrenzt fest und hilft nebenbei, Städte im Sommer kühler zu halten. Mit Partnern arbeiten wir außerdem an Anwendungen wie Platten zur natürlichen Klimaregulierung in Gebäuden.

Den Greenwashing-Vorwurf nehmen wir ernst, weil er berechtigt ist, solange niemand nachweist, was wirklich passiert. Genau deshalb messen und zertifizieren wir. Unsere Pflanzenkohle ist nach dem European Biochar Certificate und dem Global Biochar C-Sink zertifiziert. Über digitale Nachweissysteme verfolgen wir den Weg der Kohle von der Produktion bis zur Anwendung. Ein Skeptiker muss uns also nicht glauben, er kann es prüfen. Der entscheidende Punkt: Anders als bei vielen technischen CO₂-Entnahmeverfahren ist die Speicherung in Pflanzenkohle nicht auf Jahre, sondern auf Jahrhunderte angelegt. Der Kohlenstoff ist chemisch stabil und kehrt nicht so schnell in die Atmosphäre zurück.

Gibt es noch etwas, was Sie unseren LeserInnen mit auf den Weg geben wollen?

Pyrolyse hatte lange einen schwierigen Ruf, weil sie selten wirtschaftlich funktioniert hat. Wir haben uns bewusst für diese Technologie entschieden, weil sie, wenn sie läuft, mehrere Probleme auf einmal löst: Reststoffe, Energie und CO₂. Wer Reststoffe hat und Energie braucht, sollte mit uns sprechen, bevor er in die nächste konventionelle Lösung investiert. Viele Industriebetriebe sitzen genau auf solchen Stoffströmen, ohne sie heute zu nutzen.

Über Michel Konder

BAMBI-Detailworkshop zu Lignin: Potenziale, Herausforderungen und neue Vernetzungen 

Wie können aus Lignin künftig noch mehr marktfähige Produkte entstehen? Welche Anforderungen stellen potenzielle Kund:innen an ligninbasierte Anwendungen? Und welche Technologien und Verfahren sind besonders vielversprechend? 

Diesen Fragestellungen widmete sich ein weiterer Detailworkshop im Rahmen des Projekts BAMBI – Marktpotenzial holzbasierte Bioökonomie in Bayern. Gemeinsam mit Expert:innen aus Industrie und Forschung diskutierte das Projektteam Potenziale, Herausforderungen und konkrete Anwendungsfelder für die stoffliche Nutzung von Lignin. 

Expert:innen entlang der Wertschöpfungskette im Austausch 

Am Workshop beteiligten sich: 

  • Jan Gunschera, Stefan Friebel und Steffen Sydow (Fraunhofer WKI) 
  • Christian Hutterer (AustroCel) 
  • Lars Gabriel (Mercer Rosenthal GmbH) 
  • Sebastian Ziller (Süd-West-Chemie) 
  • Detlef Schmiedel (Fraunhofer ICT) 
     

Im Mittelpunkt standen die Erfahrungen der Teilnehmenden mit aktuellen Projekten, Produkten und Anwendungen rund um Lignin. Die vorgestellten Beispiele lieferten wertvolle Einblicke in den aktuellen Entwicklungsstand verschiedener Technologien und zeigten auf, welche nächsten Schritte für eine breitere Marktdurchdringung erforderlich sind. 

Großes Potenzial, aber mehr Sichtbarkeit erforderlich 

Die Diskussion machte deutlich, dass Lignin als nachhaltiger Rohstoff großes Potenzial für neue Produkte und Wertschöpfungspfade bietet. Gleichzeitig besteht Einigkeit darüber, dass es mehr sichtbare Erfolgsgeschichten und konkrete Anwendungsbeispiele braucht, um die stoffliche Nutzung von Lignin weiter voranzubringen. 

Erste positive Beispiele existieren bereits. Um weitere Anwendungen erfolgreich in den Markt zu bringen, sind jedoch ein intensiver Wissensaustausch, branchenübergreifende Kooperationen und eine stärkere Kommunikation erfolgreicher Projekte erforderlich. 

Neue Anknüpfungspunkte für Kooperationen 

Ein besonders erfreuliches Ergebnis des Workshops war die Identifikation konkreter Anknüpfungspunkte zwischen den Teilnehmenden. Bereits während der Veranstaltung wurden vertiefende Gespräche angestoßen, die nun fortgeführt werden sollen. 

Genau hier setzt BAMBI an: Das Projekt bringt Akteur:innen entlang der Wertschöpfungskette zusammen, fördert den Austausch von Wissen und Erfahrungen und unterstützt die Entwicklung neuer Wertschöpfungspotenziale für die holzbasierte Bioökonomie. 

Auch über das offizielle Projektende Ende Juli 2026 hinaus werden die Projektpartner:innen den Austausch gerne begleiten und relevante Stakeholder:innen miteinander vernetzen. 

Über das Projekt BAMBI 

Das Projekt „BAMBI – Marktpotenzial holzbasierte Bioökonomie in Bayern“ untersucht die Potenziale einer nachhaltigen und wertschöpfenden Nutzung von Holz und seinen Bestandteilen. Im Fokus stehen insbesondere die stoffliche Nutzung von Cellulose, Hemicellulose und Lignin sowie die Entwicklung neuer Wertschöpfungspfade als Alternative zu fossilen Rohstoffen. 

BAMBI wird von der Cluster-Initiative Forst und Holz gGmbH,  der Chemie-Cluster Bayern GmbH und C.A.R.M.E.N. e. V. durchgeführt. Fachlich begleitet wird das Projekt von den Expert:innen Marina Crnoja-Ćosić und Ludwig Lehner. 

Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert.  

Der Fokus von TT49 liegt auf wissenschaftsbasierten Deep-Tech-Startups, die aus der deutschen Forschung stammen. Wie bewerten Sie aktuell das Potenzial von Chemie-Startups, die aus Universitäten oder Fraunhofer-Instituten hervorgehen und welche spezifischen Technologien sehen Sie als besonders vielversprechend?

Wir sehen aktuell ein enormes Potenzial im Bereich wissenschaftsbasierter Chemie- und Material-Startups. Gerade in Deutschland gibt es eine international starke Forschungslandschaft mit exzellenter Grundlagenforschung und hoher industrieller Relevanz. Besonders spannend finden wir Technologien in den Bereichen nachhaltige Materialien, Batteriematerialien, Kreislaufwirtschaft, CO2-Nutzung, grüne Chemie sowie KI-gestützte Prozessoptimierung. Viele dieser Technologien adressieren gleichzeitig Herausforderungen der Dekarbonisierung und der europäischen industriellen Souveränität.

Viele (Chemie)-Startups scheitern an der „Valley of Death“ zwischen Forschung und Marktreife.
Wie unterstützt TT49 konkret Startups in der Pre-Seed-Phase?

Genau in dieser frühen Phase positioniert sich TT49. Wir investieren typischerweise bereits unmittelbar nach der Ausgründung aus der Forschung heraus. Der Fokus liegt dabei auf der Kapitalbereitstellung sowie auf Rahmenbedingungen und Fragestellungen rund um IP-Strukturen, Marktvalidierung, Teamkonstellation, Industriezugang und die Vorbereitung weiterer Finanzierungsrunden. Öffentliche Förderprogramme spielen dabei eine zentrale Rolle, insbesondere bei kapitalintensiven Technologien. Unser Ziel ist es, mit Kapital wissenschaftliche
Exzellenz frühzeitig in unternehmerischen Erfolg zu übersetzen.

Die Chemiebranche steht vor enormen Herausforderungen durch neue und gegebene EURegularien.
Wie helfen Sie Startups, diese regulatorischen Hürden zu meistern?

Regulatorische Anforderungen gehören im Deep-Tech- und Chemiebereich von Anfang an zur Unternehmensstrategie. Entsprechend gewinnen regulatorische Expertise sowie der Austausch mit Industriepartnern, Behörden und spezialisierten Beratern frühzeitig an Bedeutung. Nachhaltigkeit wird dabei grundsätzlich eher als Treiber denn als Risiko verstanden. Viele Startups entstehen vor dem Hintergrund, dass bestehende industrielle Prozesse zunehmend an ihre Grenzen stoßen, etwa im Hinblick auf Energieeffizienz, CO₂-Reduktion oder Kreislaufwirtschaft.


Wie nutzen Sie ihr eigenes Netzwerk, um Start-ups nicht nur finanziell, sondern auch durch Zugang zu Pilotkunden, Industriepartnern oder Infrastrukturen zu unterstützen?

Unser Netzwerk ist einer der wichtigsten Mehrwerte von TT49. Durch unsere Nähe zu Forschungseinrichtungen, Industrieunternehmen, Family Offices und weiteren VC-Investoren können wir junge Unternehmen sehr früh mit relevanten Partnern vernetzen. Gerade im Chemie und Deep-Tech-Bereich sind Pilotprojekte, Zugang zu Labor- und Produktionsinfrastrukturen sowie industrielle Validierung entscheidend für den Unternehmenserfolg. Hier versuchen wir aktiv Türen zu öffnen und langfristige strategische Partnerschaften zu ermöglichen.

Gibt es noch etwas, was Sie unseren LeserInnen mit auf den Weg geben wollen?

Deutschland verfügt über eine außergewöhnlich starke Forschungslandschaft. Entscheidend ist nun, mehr wissenschaftliche Exzellenz schneller in marktfähige Unternehmen zu überführen. Dafür braucht es unternehmerischen Mut, langfristiges Kapital und enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Industrie und Investoren.

Über Johann C. Siemes

Liebe Friederike, herzlich willkommen im Team des Chemie-Cluster Bayern! Erzähl uns doch gerne etwas über deinen bisherigen Background – und was dich besonders an der Arbeit an der Schnittstelle von Chemie, Bioökonomie und Innovation reizt. 

Ich bin Chemikerin mit einem breiten Hintergrund in Polymerchemie sowie organischen Oberflächenmodifikationen und Beschichtungen. In meinem Postdoc habe ich in industrieller Kooperation mit BASF an biobasierten und bioabbaubaren Polymeren geforscht. Zuletzt war ich zwei Jahre in einem Nanobiotechnologie-Startup tätig und habe dort im Bereich Oberflächenforschung gearbeitet. 

Besonders spannend finde ich an der Clusterarbeit, dass hier unterschiedlichste Akteur:innen zusammenkommen – von Start-ups über Industrie bis hin zu Forschungseinrichtungen. Genau an dieser Schnittstelle entstehen oft die interessantesten Ideen, Kooperationen und Innovationen.

Du bringst Erfahrung aus Forschung, industrieller Kooperation und Startup-Umfeld mit. Woran arbeitest du aktuell beim Chemie-Cluster Bayern konkret und welche Themen und Projekte betreust du bei uns? 

Ich arbeite an verschiedenen Aktivitäten und in Projekten des Chemie-Cluster Bayern. Dazu gehören unter anderem das Projekt CREATE, die Mitarbeit im Expertenkreis CCU/CCS sowie die Betreuung von Start-ups und Mitgliedern.

Ein Schwerpunkt deiner Arbeit ist aktuell auch die Organisation von Pitch & Bond – Chemistry in Transformation. Worum geht es bei der Veranstaltung genau und warum ist das Format gerade für Start-ups, Industrie und Investor spannend? 

Pitch & Bond bringt Start-ups, Industrieunternehmen, Investor:innen und weitere Innovationsakteur:innen aus dem Chemie- und DeepTech-Umfeld zusammen. 
Im Mittelpunkt stehen Lösungen für die Transformation der Chemie- und Prozessindustrie – beispielsweise in Bereichen wie Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Chemie, Bioökonomie.  

Besonders spannend finde ich dabei, dass hier nicht nur gepitcht wird, sondern echte Gespräche, neue Kontakte und potenzielle Kooperationen entstehen. Für Start-ups ist es eine große Chance, Sichtbarkeit zu bekommen und direkt mit Industrie und Investor:innen ins Gespräch zu kommen. Gleichzeitig erhalten Unternehmen frühzeitig Einblicke in neue Technologien und innovative Lösungsansätze.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was würdest du als deine persönliche „Superpower“ bezeichnen? 

Meine Superpower ist es, aus „das ist ein Problem“ ein „das könnten wir versuchen“ zu machen. Aus der Forschung habe ich gelernt, Herausforderungen systematisch zu analysieren und gleichzeitig kreative Lösungsansätze zu entwickeln. Gerade an der Schnittstelle von Chemie, Bioökonomie und Innovation hilft mir dieser lösungsorientierte Blick jeden Tag aufs Neue. 

Mit hochaktiven Enzymen verwandelt das Start-up schwer verwertbare Polyesterabfälle in hochwertige Rezyklate und setzt damit auf einen geschlossenen Kreislauf für PET & Co. Wie das funktioniert und warum der Ansatz kosteneffizienter und nachhaltiger ist als herkömmliche Methoden, erklärt Mitgründer Martin Hirschfeld im Hotseat Interview!

Hallo Martin, ihr habt Ester Biotech letztes Jahr offiziell gegründet. Kannst du uns beschreiben, was eure Idee ist und wo ihr aktuell steht?

Unser Ziel ist es, mithilfe von Enzymen einen entscheidenden Beitrag zur Lösung der globalen Plastikkrise zu leisten. Hierzu entwickeln wir biokatalytische Verfahren, mit denen bislang schwer verwertbare Polyesterabfälle in hochwertige Rezyklate überführt werden können.

Unsere Enzyme spalten gezielt die Esterbindungen in Polyestern wie PET, sodass die ursprünglichen Monomere zurückgewonnen, gereinigt und wieder für die Synthese neuer Polymere genutzt werden können. So entsteht Rezyklat, das auch für Anwendungen mit besonders hohen Qualitätsanforderungen geeignet ist, etwa in Lebensmittelverpackungen, Kosmetik, Pharma, Textilien oder technischen Applikationen.

Die Skalierung erfolgt für Recyclingprozess und Enzymproduktion jeweils mit starken strategischen Partnern, sodass beide Pfade effizient aufgebaut werden. Der Recyclingprozess läuft derzeit im 100-Liter-Maßstab, parallel validieren wir gemeinsam mit einem globalen PET-Hersteller die Materialqualität. Unser Ziel ist es, in den kommenden Monaten TRL 6 zu erreichen, ein entscheidender Schritt in Richtung industrieller Umsetzung.

Was unterscheidet eure Enzyme und euren Prozess eigentlich von dem Prozess, den das französische Unternehmen Carbios für das enzymatische Recycling von PET entwickelt hat?

Unsere Enzyme zeichnen sich durch außergewöhnliche Aktivität und Stabilität in Bezug auf Polyesterdegradation aus und bilden den Schlüssel für einen kosteneffizienten Prozess bei höchster Rezyklatqualität. Im Vergleich zu Marktbegleitern wie Carbios erzielen wir durch eine bessere Enzymleistung eine Reduktion der Prozesskosten.

Das Fundament hierfür ist unser proprietäres Enzymentwicklungs-Framework: Unsere patentierte Screening- arbeitet mit echten Kunststofffilmen, sodass wir die Enzyme direkt auf realen Kunststoffoberflächen testen und optimieren können. Der Kunststoffabbau wird dabei im Hochdurchsatz nahezu in Echtzeit verfolgt.
Diese Daten nutzen wir für maschinelles Lernen, wodurch sich die Entwicklung schneller und gezielter vorantreiben lässt.

Darauf aufbauend liegt unser weiterer Fokus auf einem möglichst schlanken und kreislauffähigen Prozessdesign. So können wir beispielsweise PET-Thermoform-Flakes direkt aus dem Schredder einsetzen, ohne energieintensive Extrusionsvorbehandlung. Gleichzeitig haben wir unsere Prozesse von klassischen Batch-Reaktionen in Richtung Fed-Batch- und perspektivisch kontinuierlicher Betriebsweisen weiterentwickelt, was Feedstock-Kosten, Energieeffizienz und Durchsatz deutlich optimiert.

Perspektivisch denken wir dabei bewusst über PET hinaus. Biokunststoffe enthalten wertvolle chemische Bausteine, die zu schade sind, um lediglich kompostiert oder verbrannt zu werden. Unser Ziel ist es, auch für diese Materialien enzymatische Recyclinglösungen zu entwickeln und ihre Bausteine konsequent im Kreislauf zu halten.

Für das Recycling von Kunststoffen gibt es heute bereits gut etablierte mechanische Prozesse und auch andere rohstoffliche Recyclingansätze wie beispielsweise die Pyrolyse. Wo siehst du Vorteile durch enzymatische Verfahren wie eures?

Mechanisches Recycling bleibt weiterhin eine sehr wichtige Säule. Unser enzymatischer Ansatz ist daher nicht als Ersatz gedacht, sondern als gezielte Ergänzung für Kunststoffströme, die mechanisch nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr sinnvoll recycelt werden können. Kettenbrüche, Anreicherung von Additiven und Fremdstoffen – mechanisches Recycling hat seine Grenzen, dann folgt in aller Regel die thermische Verwertung. Genau hier setzen wir an: Mit unserem ESTER Upcycle zerlegen wir solche Materialien wieder in ihre chemischen Bausteine und ermöglichen daraus die Herstellung von neuem, hochwertigem Kunststoff. So kann der enthaltene Kohlenstoff länger im Kreislauf gehalten werden.  

Im Vergleich zu anderen rohstofflichen Recyclingverfahren, sehe ich beim enzymatischen Ansatz mehrere spezifische Vorteile.

Erstens ermöglicht die hohe Selektivität und Robustheit der Enzyme die zuverlässige Depolymerisation auch stark kontaminierter Abfälle, ohne dass unerwünschte Nebenprodukte entstehen. Dies ermöglicht stabile Ausbeuten und vereinfacht den Downstream.

Zweitens erfolgt die Depolymerisation bei milden Bedingungen von etwa 65 °C ohne Druckbeaufschlagung. Dadurch lässt sich der Prozess energetisch sehr flexibel betreiben, etwa durch die Nutzung von Abwärme oder Integration regenerativer Energiequellen, was die Energieeffizienz verbessert und die CO₂-Bilanz optimiert.

Drittens bietet das Recycling auf Monomer-Ebene sowohl einen technischen als auch einen regulatorischen Vorteil. Der Closed-Loop lässt sich mit verhältnismäßig wenigen Prozessschritten realisieren, wodurch Kosten und CO₂-Emissionen reduziert werden. Gleichzeitig sehen aktuelle EU-Entwürfe zur Massenbilanzierung von Rezyklatquoten den sogenannten „fuel-use-excluded“–Ansatz vor. Unserer Verfahren profitiert davon, da der Output vollständig auf die Rezyklatquote angerechnet wird, während einige andere Verfahren dies zum Teil voraussichtlich nicht können.

Auf Basis dieser Faktoren sehe ich ein sehr großes Potenzial, dass unser enzymatischer Ansatz der Industrie dabei helfen kann, steigende Recycling- und Rezyklatquoten zu erreichen – insbesondere bei Anwendungen mit hohen Qualitätsanforderungen. Im Vergleich zu anderen rohstofflichen Recyclingverfahren erwarten wir, dass unser Verfahren sowohl hinsichtlich Kosten und CO₂-Emissionen konkurrenzfähig ist. Gleichzeitig eröffnet es bessere Möglichkeiten für dezentrale Anlagenkonzepte und stößt erfahrungsgemäß auf eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz. Unsere vorläufige techno-ökonomische Analyse sowie eine Ökobilanz für eine Anlage im Industriemaßstab mit einer Kapazität von 45 kt Kunststoffabfall pro Jahr bestätigen diese Einschätzung und bestärken uns und unsere Partner, das Verfahren konsequent weiter zu skalieren. 

Neben dem Recycling von Verpackungen gibt es auch weitere Anwendungen bei denen Polyester eingesetzt werden. Wo siehst du interessante Anknüpfungspunkte für ESTER Biotech? Sucht ihr Kooperationspartner für gemeinsame Entwicklungsprojekte?

Wir möchten die Biokunststoffindustrie dabei unterstützen, neue Polymertypen zu entwickeln, die von Anfang an nach dem Circular-by-Design-Prinzip konzipiert sind. Darauf aufbauend können wir auf Basis unserer Erfahrungen aus dem PET-Recyclingprozess gemeinsam kosteneffiziente, zirkuläre Recyclinglösungen implementieren.

Die hervorragenden Eigenschaften unserer Enzyme in Bezug auf Polyester-Degradation und -Modifikation, kombiniert mit dem Entwicklungs-Framework, sie gezielt für spezifische Anwendungen anzupassen, eröffnen zahlreiche weitere potenzielle Einsatzfelder. Diese evaluieren wir derzeit intensiv mit verschiedenen Industriepartnern und führen Machbarkeitsstudien durch.

Da wir davon ausgehen, dass noch nicht alle Potenziale identifiziert sind, freuen wir uns über den Austausch mit interessierten Industrie- und Forschungspartnern. Immer wenn es darum geht, Polyester gezielt aufzuspalten, abzutrennen oder deren Oberfläche zu modifizieren (etwa in Form einer Erhöhung der Hydrophilisierung, Verbesserung der Homogenität oder Aufrauung) stehen wir gerne als kompetenter und kooperativer Partner zur Verfügung.

Ohr seid vor kurzem dem Chemie-Cluster Bayern beigetreten. Was macht eigentlich unser Netzwerk so wertvoll für euch?

Der Beitritt zum Chemie-Cluster Bayern eröffnet uns den Zugang zu einem starken Netzwerk aus Industrie, Forschung und Technologiepartnern und schafft damit die Basis für gezielten Wissensaustausch und neue strategische Kooperationen.

Das erste Aufeinandertreffen auf einer Messe und der anschließende Online-Termin im erweiterten Kreis haben gezeigt, dass es sowohl persönlich als auch fachlich einen hervorragenden Fit gibt. Zu diesem Zeitpunkt haben wir begonnen, uns verstärkt mit weiteren Einsatzfeldern für unsere Enzyme zu beschäftigen. Dabei haben wir nach einem breiten Industrienetzwerk gesucht, das zugleich fest in Biotechnologie und Chemie verankert ist – und sind im Chemie-Cluster Bayern fündig geworden.

Das Netzwerk ermöglicht es uns, unser Know-how einzubringen, von den Erfahrungen anderer zu lernen und gemeinsam innovative Lösungen für die Herausforderungen in der Kunststoffkreislaufwirtschaft zu entwickeln. Besonders schätzen wir dabei die proaktive Unterstützung durch unseren Ansprechpartner Tobias Schwarzmüller.

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