Hot Seat: Prof. Dr. Bastian Blombach

Zuletzt aktualisiert am: 31 Mai 2021

Guten Tag Prof. Dr. Blombach: Was hat Sie motiviert, Biotechnologie zu studieren und eine Hochschullaufbahn einzuschlagen?  

Der Spaß an der Wissenschaft, insbesondere an der Grundlagenforschung, aber immer mit dem Blick auf die Anwendung. Meine akademische Laufbahn war nicht geplant, sondern hat sich letztendlich ergeben. Ich hatte mein Studium an der FH Weihenstephan begonnen und eher eine industrielle Laufbahn im Auge. Durch meine Diplomarbeit in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. B. Eikmanns am Institut für Mikrobiologie und Biotechnologie der Universität Ulm habe ich die Faszination der Forschung für mich entdeckt, welche mich bis heute fesselt. Im Rahmen meiner Postdoc-Tätigkeit am Institut für Bioverfahrenstechnik der Universität Stuttgart, unter der Leitung von Prof. Dr. R. Takors, habe ich den Raum bekommen, mir ein eigenes Forschungsprofil aufzubauen mit dem ich dann den Ruf auf die W3-Professur in Straubing bekommen habe.

Das bringt mich direkt zu meiner nächsten Frage: Sie sind seit 2018 W3-Professor für Mikrobielle Biotechnologie am TUM Campus Straubing. Was schätzen Sie besonders am Standort Straubing und wie sehen Sie dessen Weiterentwicklung? 

Am Campus Straubing schätze ich die überschaubare Größe, das recht junge und proaktive Kollegium und den familiären Umgang und Zusammenhalt. Der Campus ist sehr facettenreich und deckt viele Komponenten ab, um eine nachhaltige Biotechnologie zu entwickeln. Da sich der Campus gerade im Aufbau befindet, sind die Strukturen jung und flexibel und erlauben es, sich konstruktiv einzubringen. So konnten wir beispielsweise kürzlich die SynBioFoundry@TUM gründen. Diese Biofoundry ist eine synthetisch-biologische Plattform für Wissenschaft und Industrie zur Entwicklung und Optimierung von biotechnologischen Produktionsprozessen. Der Green Fuel Center, ein Referenzzentrum für synthetische Kraftstoffe, kommt ebenfalls bald. Somit sehe ich der Entwicklung des Campus Straubing in Bezug auf Forschung sehr optimistisch entgegen. Das Thema Bioökonomie und Nachhaltigkeit wird in der Öffentlichkeit immer relevanter und darauf haben wir unser Studiengangsangebot ausgerichtet. Die positive Entwicklung auch in der Lehre zeigt sich durch die stark steigende Zahl an Studierenden in Straubing.

Und nun noch Fragen zur Ihrer ForschungSchwerpunkt Ihrer Arbeiten ist die Entwicklung und Optimierung mikrobieller Produktionsverfahren für Chemikalien und Treibstoffen. Wie ist hier der Status Quo bzgl. industrieller Anwendung, was ist die größte Herausforderung und welche Entwicklung prognostizieren Sie?

Aktuell ist es so, dass industrielle Verfahren und Anlagen zur Produktion von Chemikalien und Treibstoffen im Wesentlichen erdöl-basiert arbeiten. Einzelne Komponenten in diesen komplexen und eng verzahnten Produktionsanlagen durch biotechnologische Prozesse zu ersetzen ist schwierig. Daher sehe ich die Entwicklung hin zu neuen biotechnologischen Kreislaufprozessen auf Basis biogener Rohstoffe. Hier ist aber auch die Politik gefragt, entsprechende Rahmenbedingungen zu definieren, damit die nachhaltige Biotechnologie schneller Fuß fassen kann.

Welches ist Ihre größte wissenschaftliche Errungenschaft und warum?  

Ich habe mir die Frage gestellt, was sind wesentliche Limitierungen und neue Anforderungen in der industriellen Biotechnologie. Diese sind zum einen die immer noch relativ niedrige Produktivität mikrobieller Fermentationsverfahren und zum anderen sind neue Ansätze zur Nutzung von CO2-haltigen Abgasströmen gefragt. Zur Erhöhung der Produktivität haben wir Vibrio natriegens etabliert. Das ist der am schnellsten wachsende Organismus auf unserem Planeten, der sich bei idealen Bedingungen innerhalb von weniger als 10 Minuten verdoppeln kann. Dieser Organismus hat ein großes Potential die Produktivität biotechnologischer Prozesse deutlich zu steigern. Dies konnten wir bereits exemplarisch im Labormaßstab zeigen. Das Thema CO2 adressieren wir mit der Entwicklung von sogenannten Gasfermentationsprozessen und nutzen dazu Hydrogenophaga pseudoflava. Mit diesem Bakterium entwickeln wir nachhaltige Kreislaufprozesse für die Produktion von Chemikalien.

Prof. Dr. Bastian Blombach (Jahrgang 1977) ist seit Oktober 2018 W3-Professor für Mikrobielle Biotechnologie am Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit der Technischen Universität München. Prof. Blombach hat Biotechnologie an der Fachhochschule Weihenstephan studiert und in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. B. Eikmanns am Institut für Mikrobiologie und Biotechnologie der Universität Ulm promoviert. Von 2012 bis 2018 war er Akademischer Rat und Leiter der Arbeitsgruppe Molekulare Biotechnologie am Institut für Bioverfahrenstechnik der Universität Stuttgart unter der Leitung von Prof. Dr. R. Takors. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Entwicklung und Optimierung von mikrobiellen Produktionsverfahren für Chemikalien und Treibstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen.