Hot Seat: Dr. Mateusz Wielopolski

Zuletzt aktualisiert am: 4 November 2021

Heute dürfen wir Mateusz Wielopolski auf unserem HotSeat begrüßen. Mit ihm sprechen wir über die Kernexpertisen von ÆVOLUTION und erfahren mehr über seine Arbeit als Dozent. Darüber hinaus beleuchten wir gemeinsam kurz die Nachhaltigkeitsentwicklungen in der Sportindustrie und erhalten vertiefte Einblicke zum ÆCIRCULARITY Tool.

Hallo Mateusz, schön dass du dich auf unseren HotSeat setzt: ÆVOLUTION – hol unsere Leser doch gerne einmal ab. WER und vor allem WAS verbirgt sich dahinter? 

Hallo, schön dass ich Teil dieses HotSeat-Konzepts sein darf. Fangen wir mit dem WAS an. Hinter ÆVOLUTION verbirgt sich in erster Linie Innovation – Innovation zu mehr Nachhaltigkeit bei Produkten und Prozessen. Nachhaltigkeit wird heutzutage in einem sehr breiten Kontext verwendet, deswegen lass mich an einem Beispiel darstellen, was dies bei ÆVOLUTION bedeutet. Schauen wir uns doch mal einen Ski an. Wie der Ski aussieht, wie er fährt, wie er hergestellt wird, was er kostet und wie er entsorgt wird, hängt davon ab, welche Materialien verwendet und wie sie miteinander kombiniert werden. Und genau das ist das Spielfeld von ÆVOLUTION. Ausgehend von Materialien, die in technischen und biologischen Kreisläufen zirkulieren können, entwickeln wir ganzheitliche zirkuläre Produktkonzepte, die den gesamten Lebenszyklus in Betracht ziehen. Nachhaltigkeit heißt bei uns allerdings nicht nur Materialien ersetzen, um CO2 einzusparen, sondern vor allem ganzheitlich zu denken um weder bei Performance noch bei der Wirtschaftlichkeit Kompromisse eingehen zu müssen. Deshalb gehört auch die Betrachtung des Geschäftsmodells und kundenbezogene Analysen zu unserem Ansatz. Letzteres stellt vielleicht auch die Besonderheit von ÆVOLUTION dar und hängt mit meinem Background zusammen, womit ich schon beim WER ankomme: Als Chemiker bin ich vor nun fast 10 Jahren über ein spannendes Projekt mit der ETH Zürich in Singapur zu bio-basierten Verbundwerkstofftechnologien und deren Anwendungen in der Bauindustrie gelandet. Danach habe ich ein paar Jahre in der industriellen F&E verbracht – genau zu der Zeit als die Themen Bio-Polymere, Recyclingfähigkeit und Kreislaufwirtschaft wieder an Bedeutung gewannen. Obwohl die Themen nichts Neues waren, wurden sie trotzdem als innovativ angesehen. Ziel war die Entwicklung kommerzieller Lösungen mit Fokus auf die Bedürfnisse des Marktes und der Kunden. Die Frage war also immer, wie kann man die Innovationen wirtschaftlich realisierbar in kommerzielle Anwendungen transferieren. Als aktiver Sportler fand ich schon damals, dass man sich diesbezüglich von der Sportindustrie etwas abschauen kann, weil dort Innovationen am schnellsten umgesetzt werden, v.a. wenn es um neue Materialtechnologien geht. Das funktioniert so effektiv, weil oft stark interdisziplinär und mit großem Fokus auf den Endkunden entwickelt wird. Produkt-Designer, Brandowner, Produktentwickler und Materialspezialisten sitzen oft sehr nah beieinander. Genau diese Interdisziplinarität und die Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette lassen wir in den Entwicklungsansatz von ÆVOLUTION einfließen.

Als Dozent arbeitest du ebenfalls viel mit jungen Leuten zusammen, u.a. in Kooperation mit der ISPO – im spannenden Themenfeld von Materialien in der Sportindustrie. Welcher Trend zeigt sich denn bezüglich Nachhaltigkeit in diesem Industriezweig?

Über meine Dozententätigkeit im Fach Sporttechnologie und mein MBA Studium im Sportmanagement, hatte ich die wunderbare Möglichkeit sowohl mit der jüngeren Generation als auch mit der ISPO das Themenfeld Nachhaltigkeit und Materialien in der Sportindustrie aus einer ganz besonderen Perspektive heraus zu erfahren. Zum einen ist es bemerkenswert, wie stark die jüngere Generation sich im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und Klimawandel bereits mit verschiedenen Materialthemen auseinander setzt. Die jungen Menschen sind interessiert und vor allem informiert. Da war es natürlich äußerst spannend in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der ISPO zusammen systematisch zu erforschen, wie sich dieses neue Nachhaltigkeitsbewusstsein auf das Konsumverhalten auswirkt. Dazu haben wir eine Studie gemacht, mit der wir die Preisbereitschaft für Nachhaltigkeit bei Sportartikeln untersucht haben. Das Resultat war, dass die Auswahl der Materialien heutzutage einen wesentlichen Einfluss auf die Kaufentscheidung bei Sportartikeln haben. Wir konnten auch sehen, welche Materialkonzepte die Preisbereitschaft bei Sportartikeln am meisten beeinflussen. Dabei geht es heute nicht mehr nur um ein Nachhaltigkeitssiegel oder Label, sondern vor allem um Customer Awareness und Education. Je mehr man als Brand in eine transparente und edukative Kommunikationsstrategie investiert, desto größer der Return on Investment bei nachhaltigen Produktkonzepten. Genau dieses Bewusstsein versuchen wir bereits mit in die Design-Phase von neuen Produkten hineinzutragen und vor allem eine Schnittstelle zwischen dem Technologiefokus von Produktentwicklern und Produktmanagern sowie dem Kundenfokus der Brandowner oder Sales-Agents zu schaffen. Der Trend scheint sich dahin zu entwickeln, dass die Kunden nicht nur daran interessiert sind, was das Produkt kann, sondern zunehmend wie es gemacht wird und vor allem, welche Materialien verwendet werden.

Du hast es bereits in deinen Antworten anklingen lassen- Zirkularität spielt natürlich ebenfalls eine entscheidende Rolle in deiner täglichen Arbeit. Auf deiner Homepage sticht hierbei das ÆCIRCULARITY Tool ins Auge. Wie ist das denn aufgebaut, für wen ist das etwas und welche Resultate kann man hierbei erwarten?

Das ÆCIRCULARITY Tool resultierte aus einem studentischen Forschungsprojekt, das wir im Rahmen eines Praktikums im Zusammenhang mit dem EIT Raw Materials Academy Kurs – Junior Expert for Circular Economy angestoßen haben. Wie oben bereits gesagt, hängt die effektive Umsetzung von „Circular Design“ sowie die Anwendung kreislaufwirtschaftlicher Prinzipien stark vom Bewusstsein ab. In vielen Fällen, kann man schon Berge bewegen, wenn man es schafft, im gesamten Unternehmen oder einem Unternehmensbereich die lineare Denkweise durch eine systemische Betrachtung zu ersetzen und ein Bewusstsein für Kreislaufwirtschaft als System zu wecken. Dabei sind wir der Frage auf den Grund gegangen, wie man dieses Bewusstsein messen bzw. quantifizieren kann, um es den Unternehmen einfacher zu machen, konkrete Maßnahmen zur Förderung einer bewussten zirkulären Denkweise umzusetzen. Frei nach dem Prinzip „what gets measured, gets done“. Mit dem Tool (noch ein Prototyp) können Unternehmen, die einen Wandel zur Kreislaufwirtschaft planen, nun messen, wie stark und in welchen der drei Aspekte Technologie, Wirtschaftlichkeit und Soziale Verantwortung das Bewusstsein für Kreislaufwirtschaft bei ihnen selbst wie auch bei ihren Stakeholdern ausgeprägt ist. Auf dieser Basis können sie feststellen, in welchen Bereichen sie noch besser kommunizieren müssen, um das Bewusstsein für Zirkularität auf ganzer Linie zu schaffen und damit den Umstieg zur Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen. Welche Resultate man dabei erwarten kann, darf jeder selbst ausprobieren, wenn er auf den Link https://www.aevolution.tech/acircularity klickt.

Mateusz hat an der FAU in Erlangen in Physikalischer und Computer Chemie promoviert und verfügt über 10 Jahre internationale Erfahrung in Innovation und Technologieentwicklung im Bereich nachhaltiger Materialien mit besonderem Schwerpunkt auf Naturfaserverbundlösungen für high-performance und industrielle Anwendungen, Recycling sowie Kreislaufwirtschaft. Dazu war er an verschiedenen internationalen renommierten Instituten wie z.B. der ETH Zürich, der EMPA oder der EPFL tätig. Seit einigen Jahren lebt er in Bayreuth, wo er 2020 seinen MBA im Sportmanagement abgeschlossen und sich vor fast zwei Jahren mit ÆVOLUTION selbständig gemacht hat. Dabei ist er sowohl in der Industrie als Business Developer für nachhaltige Materialtechnologien und Produkte wie auch noch in der Akademia als Dozent für Sporttechnologie, nachhaltiges Produktdesign und Circular Economy tätig.