Hot seat: Maja Grünzner

Zuletzt aktualisiert am: 9 Februar 2021

Frau Grünzner, Sie haben vergangenen April eine Stelle als Doktorandin im Rahmen eines Stipendiums für das EU-weite Marie Skłodowska Curie-Projekt LimnoPlast angetreten. Was bedeutet es für Sie in diesem internationalen Doktorandennetzwerk mitzumachen und was würden Sie zukünftigen DoktorandInnen gerne mitgeben?

Teil von LimnoPlast zu sein gibt mir jeden Tag die Möglichkeit zu lernen, Problemstellungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und mit anderen DoktorandInnen aus verschiedensten Ländern sowie Disziplinen über diese diskutieren zu können. Der internationale und interdisziplinäre Austausch liegt mir besonders am Herzen, da bis heute ein Großteil der psychologischen Erkenntnisse aus Studien stammt die westliche, gebildete, industrialisierte, wohlhabende sowie demokratische Nationen untersucht haben. Wir leben in einer globalisierten Welt und deshalb sehe ich es als unabdingbar, dass sich wissenschaftliche Erkenntnisse in einem weltweiten Diskurs entwickeln. Dies ermöglicht LimnoPlast und um Internationalität und Austausch zu fördern besteht die Bedingung, dass die DoktorandInnen eine Stelle in einem Land antreten, indem sie in den letzten drei Jahre keine Haupttätigkeit ausgeübt haben. Zudem besucht jeder von uns im Team eine weitere Institution, um Kompetenzen außerhalb des eigenes Forschungsfeldes sowie weitere Auslandserfahrung zu sammeln. Dabei dürfen wir unser Ziel, die Dissertation nach drei Jahren abzuschließen, nicht aus den Augen verlieren. Deshalb möchte ich persönlich zukünftigen DoktorandInnen dazu einladen: 1. sich erlauben Fehler zu machen und aus diesen zu lernen sowie 2. Vertrauen zu den Teammitgliedern aufzubauen und miteinander für das Projekt zu arbeiten, statt in Konkurrenz. Mit einem starken Team, welches auch Fehler zulässt, wird der Weg zum Doktortitel auch Freude bereiten. 

Das Projekt behandelt das Thema Mikroplastik aus sehr unterschiedlichen Sichtweisen. Können Sie uns einen Überblick geben, wie die 15 involvierten DoktorandInnen dieses Thema angehen und wie arbeiten Sie zusammen, um neue Lösungsansätze zu erarbeiten?

Das Ziel von LimnoPlast und Aufgabe der DoktorandInnen ist es, detaillierte Antworten über die Herkunft von Mikroplastik, dessen Auswirkungen auf die Umwelt sowie den Menschen und innovative Lösungen für die Mikroplastikverschmutzung, speziell in Süßgewässern, zu finden. Wir DoktorandInnen kommen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen, was eine große Stärke von LimnoPlast ist, denn so kann das Thema Mikroplastik holistisch angegangen werden, von einer umweltwissenschaftlichen, technischen und sozialwissenschaftlichen Perspektive. Außerdem wird in unserer Forschung der gesamte Produktzyklus von Plastik mit einbezogen. Wir 15 DoktorandInnen mit unseren Projekten zu unterschiedlichen Schwerpunkten haben ein klares Ziel: Mikroplastik reduzieren. Das Motto in unserer Zusammenarbeit: Think globally, act locally! Obwohl wir in ganz Europa verteilt sind, stehen wir im wöchentlichen Kontakt um Informationen wie z.B. relevante Artikel zu teilen und uns bei Herausforderungen durch Umzug in ein neues Land, bürokratischen Angelegenheiten etc. soweit wie möglich zu unterstützen. Zudem steht uns das Projektmanagement-Team zur Seite, welches nicht nur unsere offenen Fragen beantwortet, sondern auch regelmäßige interne Meetings, Workshops sowie Webinare z.B. das #microplastinar organisiert. Bei Interesse können Sie weitere Informationen unter LimnoPlast finden.

Sie selbst beschäftigen sich mit Mikroplastik aus psychologischer Sicht; wie kann man sich Ihre Arbeit vorstellen? Für Ihre aktuell laufende Umfrage suchen Sie noch Teilnehmer: welchen Hintergrund sollten diese haben und was ist das Ziel Ihres Fragebogens?

Die Besorgnis über die Verschmutzung durch Plastik, insbesondere durch Mikroplastik, ist unter den europäischen Bürgern groß und es werden wirksame Maßnahmen zu ihrer Reduzierung benötigt.

Deshalb erforsche ich Verhaltensansätze in Bezug auf Mikroplastik; insbesondere unter der Verwendung von sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Methoden, um dieses dringende Problem anzugehen. Mit Hilfe unserer ersten Studie wollen wir das Risiko von Mikroplastik und Einschätzungen zu potenziellen Lösungen aus der Perspektive von Experten mit einer Onlineumfrage erfassen. Derzeit analysiere ich die Daten der ersten Erhebungswelle. Die Ergebnisse werden für die Entwicklung von Kommunikationsstrategien benötigt und können zudem über zukünftige Forschungsschwerpunkte informieren.

Die zweite Erhebungswelle hat im Februar gestartet. Falls Sie seit mehreren Jahren im Bereich Mikroplastik forschen oder sich durch anderweitige berufliche Tätigkeit mit dem Thema Mikroplastik sehr gut auskennen, dann wäre es hilfreich, wenn Sie sich 15 Minuten Zeit nehmen könnten, um diese Umfrage auszufüllen. Ich empfehle, dieses am PC und nicht auf dem Smartphone zu tun. 

Zur Umfrage

Maja Grünzner ist Doktorandin und wissenschaftliche Projektmitarbeiterin in der Stadt- und Umweltpsychologie Forschungsgruppe unter der Leitung von Prof. Sabine Pahl an der Universität Wien. Ihre Ausbildung zur Sozialpsychologin fokussierte sich auf Interkulturelle- und Umweltpsychologie. Während ihrer Masterarbeit kollaborierte sie mit dem Savanna Life Projekt. Ziel des Projekts war es, die Kommunikation über Themen wie z.B. Strategien zum Lebensunterhalt und Naturschutz, mit Hilfe eines Brettspiels in ländlichen Gemeinden in Kenia und Tansania, zu fördern.