Hot Seat: Dr. Sarah Jessl

Zuletzt aktualisiert am: 15 November 2021

Hallo Frau Dr. Jessl, der Chemie-Cluster hatte vor kurzem die Gelegenheit Sie, die TUM Venture Labs und vor allem das Venture Lab ChemSPACE an der Technischen Universität München kennenzulernen. Vielen Dank hierfür. Wir hatten einen spannenden und informativen Tag bei Ihnen. Wie würden Sie unseren Leser:innen die TUM Venture Labs und den Fokus des Venture Labs ChemSPACE kurz und verständlich erklären?

Die TUM Venture Labs, eine gemeinsame Initiative von TUM und UnternehmerTUM, unterstützen Wissenschaftler*innen und Studierende der TUM bei unternehmerischen Ausgründungen an den Schnittstellen von Ingenieur-, Natur- und Lebenswissenschaften, KI/IT und Medizin in einzigartiger Weise. Sie bieten den Gründer*innen ein umfassendes Ökosystem mit den erforderlichen Entwicklungsumgebungen und der notwendigen fachlichen Expertise. Das Angebot reicht von der technischen und sozialen Infrastruktur über die Entrepreneurship-Fortbildung bis hin zur Unterstützung durch ein Netzwerk, bestehend aus hochkarätigen Unternehmer*innen, Mentor*innen, Industriepartner*innen, Wissenschaftliche/Domain Expert*innen und Investor*innen.

Das TUM Venture Lab ChemSPACE kanalisiert hierzu die forschungsnahen Gründungsaktivitäten im Bereich der Chemie mit dem Ziel, die Gründung von Start-ups in diesem Bereich bestmöglich zu fördern. Von der Identifikation relevanter Fragestellungen über die prototypische Realisierung, den Forschungstransfer bis hin zur tatsächlichen Gründung werden alle Aspekte und die verschiedensten Phasen der Entwicklung eines Start-up Teams unterstützt. Neben der ideellen Unterstützung verfügt das Venture lab ChemSPACE über eigene Labore an der Chemie-Fakultät, in denen die Teams ihr Ideen weiterentwickeln können.

Welche Unterstützungen bietet das Venture Lab ChemSPACE für Gründende der TUM?

Zunächst bietet unser Venture Lab einen ersten Anlaufpunkt für gründungsinteressierte Chemiker*innen. Oft wissen Gründende nicht, wie vielfältig die Unterstützung schon ist, die es an der TUM gibt, oder haben keinen Überblick, wann welche Instanzen involviert werden sollten. Gerade in der Chemie ist Entrepreneurship noch kein integraler Bestandteil der Ausbildung, weshalb hier oftmals Wissen fehlt, wie Ideen vorangetrieben werden können. Zudem ist der Kontakt zu Studierenden und Wissenschaftler*innen aus anderen Bereichen sehr gering, was die Formation eines interdisziplinären Teams erschwert. Hier unterstützen wir dann mit Navigation, Netzwerk und Fachexpertise. Gemeinsam mit der TUM Gründungsberatung helfen wir den Teams dabei, individuell ihren Weg zu finden und die passenden Angebote zum richtigen Zeitpunkt wahrzunehmen.

Welche Gründende und ihre Start-up Ideen werden gerade vom Venture Lab ChemSPACE unterstützt?

Das Venture Lab ChemSPACE unterstützt generell alle Ideen, die aus der Chemie kommen bzw. auf Chemie basieren. Die Hauptthemen sind bedingt durch die Forschungsschwerpunkte in der Chemie an der TUM sind Chemical Biology, Catalyse und Energie. So haben wir Teams, die sich z.B. mit der Entwicklung neuer Antibiotika beschäftigt, aber auch Teams, die Biogas-Anlagen weiterentwickeln, Reaktoren elektrifizieren oder Analytikgeräte für mehr Anwendungen optimieren- eine Breite Mischung also von spannenden Ideen und Personen.

Ich muss zugeben, als ehemalige Chemiestudentin und auch in meiner Promotionszeit hatte ich nie Berührungspunkte mit dem Thema Gründung in der Chemie. Wie ging es Ihnen und wie wollen Sie die Möglichkeiten rund um das Thema Gründung und Entrepreneurship an Studierende herantragen?

Auch ich hatte während meines Studiums keinerlei Berührungspunkte mit diesem Thema. Erst während meiner Promotion in Cambridge im Engineering Department habe ich mehr mit Leuten zu tun gehabt, die einen Schritt weitergedacht haben als die Publikation, und die Prototypen entwickelt haben. Es ging um Patente schreiben, Technologietransfer und Skalierbarkeit, was ich sehr spannend fand. Alle Aktivitäten wurden von Cambridge Enterprise unterstützt, sodass die Forscher*innen nicht verloren waren.


Ähnlich sehe ich nun auch die Idee der TUM Venture Labs – fachspezifische Unterstützung während des gesamten Ausgründungsprozesses. Während des Studiums sollte natürlich eine tiefgehende chemische Grundlagenausbildung immer im Vordergrund stehen, jedoch ist es aus meiner Sicht zusätzlich wichtig, Veranstaltungen für Studierende und Wissenschaftler*innen zu schaffen, in denen Sie über Entrepreneurship und Technologietransfer erfahren, da hierbei auch Fähigkeiten vermittelt werden, die für die spätere berufliche Laufbahn essenziell sind – egal ob für die chemische Industrie, die akademische Laufbahn oder das eigene Start-up.

Mit dem Blick in die Zukunft – was sind die nächsten Schritte und wie könnten sich Unternehmen und Personen einbringen, die Interesse am wachsenden Münchner Start-up Ökosystem haben? 

Die nächsten Schritte beim Venture Lab ChemSPACE fokussieren sich auf den Ausbau der Infrastruktur (z.B. die Renovierung unserer Labore und die Bereitstellung von Co-working spaces), der Erstellung und Durchführung geeigneter Weiterbildungsprogramme für Wissenschaftler*innen und der Erweiterung unseres Netzwerks für unsere Teams mit Partnern, Mentoren und Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen, sowie dem Aufbau eines Beirats. Falls Sie Interesse an einer Zusammenarbeit haben oder gerne mehr darüber erfahren wollen, melden Sie sich gerne unter chem-venturelabs@tum.de. Mehr Infos über die Venture Labs gibt es auch auf unserer Webseite.


Dr. Sarah Jessl arbeitet seit Mai als Managing Direktorin des Venture Labs ChemSPACE für die TU München. Nach ihrem Polymer- und Kolloidchemie Studium in Bayreuth promovierte sie an der University of Cambridge im Bereich von Energy Storage & Conversion. Nach den folgenden knapp drei Jahren als Laborteamleitung in der Forschung der BASF SE hat sie sich dann entschieden, sich mehr auf den Technologietransfer und die Unterstützung von neuen/ disruptiven Ideen im Bereich der Chemie zu konzentrieren. Im Rahmen der TUM Venture Labs hat sie die Möglichkeit, eine Infrastruktur aufzubauen und Education-Programme zu designen, die den Entrepreneurship-Gedanken den Studierenden und Doktorand*innen näher bringen, und somit einen großen Beitrag zur Innovation und zum Thema Entrepreneurship an der TUM zu leisten. Nebenberuflich ist sie außerdem als Trainerin, Coach und Moderatorin selbstständig und interessiere sich daher auch sehr für die Konzeption von Weiterbildungen für Chemiker*innen, sowie die optimale Unterstützung von Teams durch Teamentwicklungs-Workshops.

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