Hot seat: Andreas Fischer

Zuletzt aktualisiert am: 18 November 2020

Herr Fischer, Sie sind der entscheidende Kopf hinter der Entwicklung des „Value Chain Generators“ im Interreg-Projekt AlpLinkBioEco*.  Kann diese Software reale Wertschöpfungsketten aufbauen, wie der Name verspricht?

Ja, unter der Voraussetzung, dass die Software auf qualitativ hochstehende Daten zugreifen kann. Der Value Chain Generator basiert darauf, dass wir konkrete Akteure der Bioökonomie kennen und verlinken können. Im Zentrum steht die Frage: „Was macht dieser Akteur genau?“. Dazu verwenden wir grundsätzlich NACE-Codes („Nomenclature statistique des activités économiques dans la Communauté européenne“), um die Tätigkeitsfelder grob zu erfassen, gehen dann aber noch einen Schritt weiter, indem wir die verschiedenen Tätigkeiten eines Akteurs mittels natürlicher Sprache beschreiben: „Welche Inputs werden mit welchen Prozessen zu welchen Outputs umgewandelt?“. Die Software ermöglicht dann einerseits eine Verlinkung einzelner Akteure zu Wertschöpfungsketten und andererseits die Suche nach ähnlichen Akteuren an einem bestimmten Knoten der Wertschöpfungskette. Dabei werden Algorithmen eingesetzt, welche mit natürlicher Sprache umgehen können. Im Rahmen des AlpLinkBioEco-Projekts ist es uns so gelungen, mehrere intra-regionale und inter-regionale „Biolinks“ im Alpenraum zu finden und auch konkret umzusetzen.

Das klingt nach einem idealen Tool für Unternehmen auf der Suche nach Ideen für Geschäftsentwicklungen und -kooperationen, die den Sprung hin zu mehr «bio» schaffen wollen! Aber wie genau können Unternehmen die Software in Anspruch nehmen?

Ja genau. Der Value Chain Generator ist für Unternehmen gedacht, welche auf der Suche nach neuen Ideen in der Bioökonomie sind. In ihrer aktuellen Version ist die Software hauptsächlich auf Cluster-Manager als Benutzer ausgerichtet, welche in Zusammenarbeit mit den Unternehmen ihrer Region neue Wertschöpfungsketten entwickeln können. Das ist für die Mitglieder des Chemie-Clusters heute schon möglich, da der Chemie-Cluster Bayern Partner in diesem Projekt ist.

Das Projekt und die EU-Förderung enden im April 2021. Wie wird erreicht, dass das Werkzeug des „Value Chain Generators“ und die zugrundeliegende Datenbank auch danach noch genutzt werden können?

Nach Projektende stellen wir allen Projektpartnern die Daten ihrer eigenen Region sowie den Source Code der Software unter einer freien Softwarelizenz zur Verfügung. Das heißt, dass der Value Chain Generator in der Folge ohne Einschränkungen eingesetzt und weiterentwickelt werden kann. Wir erhoffen uns dadurch, dass sich längerfristig Konsortien im Alpenraum bilden, welche bereit sind, Daten auszutauschen und mit Hilfe der Software neue Wertschöpfungsketten generieren können. Um interessierten Parteien einen Einblick in das Tool zu ermöglichen, werden wir zudem an unserem Forschungsinstitut eine web-basierte Demo-Version mit anonymisierten Akteuren bereitstellen.

Andreas Fischer ist Professor für Informatik am Institut für komplexe Systeme (iCoSys) an der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg, Fachhochschule Westschweiz (HES-SO), wo er im Bereich Mustererkennung und Dokumentenanalyse forscht. Er ist Autor von über 100 wissenschaftlichen Publikationen zu diesen Themen.

*Mehr zum Projekt AlpLinkBioEco: https://www.alpine-space.eu/projects/alplinkbioeco/en/home