15. Juli 2020

Hot seat: Ulrike Kirschnick

Drei Fragen an eine Person aus unserem Umfeld

Frau Kirschnick, das europäische Verbundprojekt „Transform-CE“, an dem Ihr Institut mitwirkt, hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil von Rezyklaten als Ausgangsmaterial für Produkte der Kunststoffindustrie zu erhöhen. Wie sieht die Situation derzeit aus, und mit welcher Strategie wollen Sie diese verbessern?

Das Thema Kunststoff hat in letzter Zeit im Hinblick auf Entsorgungsengpässe sowie Ocean Plastic und Umweltverschmutzung Aufmerksamkeit erregt. Unsere Herangehensweise legt den Fokus auf das ungenutzte Ressourcenpotenzial dieser „Abfälle“ bei gleichzeitig weltweit steigender Nachfrage nach Kunststoffen und stellt daher die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft in den Mittelpunkt. Eine Region wie Nordwesteuropa mit wenig fossilen Ressourcen für die Kunststoffproduktion kann so neue Wertschöpfungspotenziale erschließen. Das TRANSFORM-CE Projekt bringt das abfallseitige Angebot mit der produktionsseitigen Nachfrage nach Kunststoffen, konkret im Bereich der polyolefinen Kunststoffe aus dem post-consumer-Bereich sowie aus Produktionsprozessen, zusammen. Dies realisieren wir über zwei Pilotanlagen: eine Pilotanlage in den Niederlanden zur Verwertung von Folien in Spritzgussverfahren und eine Pilotanlage in Manchester zur Verwertung von hochwertigen Polyolefinen im 3D-Druck.

Wo bestehen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, wenn es darum geht, den Rezyklatanteil gerade auch in hochwertigen Kunststoffprodukten zu erhöhen?

Es bestehen einige Herausforderungen sowohl im Bereich der Ressourcenbereitstellung als auch beim Einsatz von Kunststoffrezyklaten in der Produktion. Abfallseitig wird eine hochwertige Verwertung von Kunststoffabfällen oftmals dadurch verhindert bzw. erschwert, dass diese nicht am Anfallort getrennt erfasst werden und sortenrein für die weitere Verarbeitung vorliegen. Weitere Defizite stellen die Verschmutzung und unstete Verfügbarkeit der verschiedenen Polymertypen und deren Mengen dar. Hürden beim Einsatz von Rezyklaten aus Anwendersicht sind primär strenge Qualitätsanforderungen, insbesondere im Bereich der technischen Kunststoffe, Lebensmittel- und Medizintechnik, sowie mangelndes Vertrauen in Rezyklate. In Anbetracht des aktuellen Erdölpreises und der volatilen Marktpreise für Sekundärkunststoffe ist der Preisdruck im Vergleich zu primären Kunststoffen ein entscheidendes Hemmnis für die Marktfähigkeit von Rezyklaten, deren Herstellung oftmals mit hohen Fixkosten verbunden ist.

Welche Angebote können Sie im Rahmen dieses Projektes Unternehmen machen, die ein Interesse haben, verstärkt Rezyklate für Ihre Produkte einzusetzen?

Neben der Vernetzung und dem Austausch mit anderen, europäischen Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zum Thema Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen sind im Projekt Workshops vorgesehen, in denen gemeinsam spezifische Herausforderungen analysiert und potenzielle Lösungen zur Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen erarbeitet werden.

Darüber hinaus bietet das IfaS im Rahmen des Projektes Beratungsleistungen für ausgewählte Unternehmen an. Diese beinhalten eine Analyse des Status Quo mit anschließender Eruierung von Potenzialen und Maßnahmen zur Steigerung der Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft im Unternehmen. Konkret kann dies zudem beinhalten, dass geeignete Kunststoffabfälle aus Unternehmen in den Pilotanlagen des TRANSFORM-CE Projektes getestet werden. Nachfrageseitig können unsere Pilotanlagen kunststoffverarbeitenden Unternehmen maßgeschneiderte Filamente, Regranulate/Regenerate, oder Halbzeuge zu Testzwecken zur Verfügung stellen.

Interessierte Unternehmen können das Formular aus der beigefügten Kurzinformation ausfüllen und an uns zurücksenden. Gerne stehen wir auch für telefonische Auskünfte zur Verfügung!

Kurzinformation Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen – TRANSFORM-CE

Ulrike Kirschnick hat an der Hochschule Trier und der Risumeikan Asia Pacific University in Japan Internationales Stoffstrommanagement studiert. Am Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) beschäftigt sie sich in nationalen, europäischen und internationalen Projekten mit verschiedenen Aspekten der Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz, z.B. im Bereich Abfallwirtschaft und Klimaschutz, industrielle Symbiose, Nachhaltigkeitsbewertung und innovative Geschäftsfelder der Kreislaufwirtschaft.

Kontakt

Chemie-Cluster Bayern GmbH
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