13. Mai 2019

Hot seat: Thomas Eigner

Drei Fragen an eine Person aus unserem Umfeld

Herr Eigner, die Bayerische Forschungsallianz (BayFOR) existiert seit 2006, dennoch stellen Sie fest, dass viele Unternehmen, bzw. Forschungseinrichtungen gar nicht wissen, dass und welche Unterstützung Sie von der BayFOR erhalten können. Möchten Sie uns bei dieser Gelegenheit einen kleinen Überblick in Ihr Angebot geben?

Die BayFOR begleitet und berät bayerische Wissenschaftler und Akteure aus der Wirtschaft im Wettbewerb um regionale, nationale und europäische Mittel für Forschung, Entwicklung und Innovation. Eine ganz wesentliche Aufgabe der BayFOR ist dabei, als bayerisches EU-Förderzentrum bayerische Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft auf europäischer Ebene zu vernetzen und sie bedarfsgerecht beim Einwerben von EU-Fördermitteln zu unterstützen. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf dem aktuellen Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizon 2020“ aber auch schon auf dem kommenden Rahmenprogram „Horizon Europe“. Zu diesem Zweck bieten unsere wissenschaftlichen Referenten fachspezifische Informationen, strategische Beratung und aktive Unterstützung bei der Projektanbahnung, dem Aufbau von internationalen Forschungskonsortien und der Ausarbeitung der Förderanträge. Im Falle einer erfolgreichen Evaluierung unterstützt die BayFOR bei der Vertragsvorbereitung mit der Europäischen Kommission und übernimmt gegebenenfalls das Projektmanagement.

 

Sie selbst sind in der BayFOR neben administrativen Aufgaben, wie dem Datenschutz, für Interkulturalität und Konfliktlösung zuständig. Wo sehen Sie die größten Hürden im interkulturellen Zusammenspiel bei größeren Konsortien, beispielsweise im Rahmen eines internationalen EU-Projekts?

Eine der größten Hürden dürfte eine gemeinsam verständliche Sprache sein. Als lingua franca hat sich im internationalen Wissenschaftsbereich und damit auch in EU-Projekten längst das Englische durchgesetzt. Dabei ist erfahrungsgemäß festzustellen, dass es sehr sinnvoll ist, nur jene miteinander kommunizieren zu lassen, die in der Lage sind, auf Englisch zu kommunizieren und dabei ggf. auf unterschiedliche Interpretationen des Geschriebenen bzw. Gesagten eingehen können, um letztlich Missverständnisse – die fatal sein können – zu vermeiden. Des Weiteren regen wir immer an, dass sowohl der Projektkoordinator als auch der (administrative) Projektmanager zumindest in einer Matrix sich die verschiedenen Kulturen, denen die Projektpartner angehören, vergegenwärtigen, sich mit den kulturellen Unterschieden, vorbereitend auf das aktive Projekt, vertraut machen. Konflikte bzw. Ungereimtheiten sollten nicht in der „Welt von Vermutungen“ verharren, sondern geklärt werden. Hierbei haben sich moderierende und mediative Ansätze in der Praxis bestens bewährt. Zu guter Letzt sei hier empfohlen, nur jene Konflikte klärend anzugehen, die der Verantwortliche auch klären kann. Andernfalls ist dringend dazu zu raten, jemanden von außerhalb des Konsortiums damit zu beauftragen.

 

Welche Fehler könnte man Ihrer Meinung nach schon vorab verhindern, wenn man ein neues Projekt starten möchte? Haben Sie ein paar Tipps für uns?

Einen großen Fehler erkennen wir darin, wenn sich nicht die nötige Zeit dafür genommen wird, dass sich alle Partner und Beteiligte zuvor persönlich kennen lernen können. Bei diesem Treffen – oft das sog. Kick-off – ist es von großer Bedeutung, sich nicht nur inhaltlich mit dem Projekt zu beschäftigen, sondern Kommunikationsregeln, Erwartungen für ein gutes Miteinander, Regeln für Krisen und Konflikte gemeinsam im Konsens zu vereinbaren und sich hierauf zu verpflichten. Der für alle Beteiligten sich dabei ergebende Nutzen (Frage nach dem Sinn) sollte unbedingt erläutert werden. Daneben sollte es auch Raum geben, einander persönlich besser bekannt zu machen. Hier empfehlen sich Vorstellungsrunden, Stadtführungen oder ähnliche sog. „social events“. Später im Verlauf des Projektes, kann jeder Beteiligte und insbesondere der Projektkoordinator wie auch –manager hierauf Bezug nehmen, sollte es Abweichungen hierzu geben. Es ist wie bei einem Spiel: Bei Schach weiß jeder Beteiligte, welche Regeln international gelten, nach denen zu spielen ist und womit bei Verstößen zu rechnen ist. Der Vorteil: Der Spielpartner (hier: der Projektpartner) bleibt einschätzbar.

 

Thomas Eigner, Bereichsleiter Administration und Projektmanagement, DSB in der BayFOR. ist in München geboren und Vater von zwei Kindern. Er hat zwei akademische Abschlüsse zum Dipl.-Wirtschaftsingenieur und Master of Mediation plus Ausbildung zum Business Coach (IHK) inne. Interkulturelle Kompetenz nebst Konfliktklärungskompetenzen erwarb er im Rahmen mehrjähriger internationaler Vertriebsaktivitäten in der Bauindustrie, als Weltreisender auf der Suche nach geeigneten Produktionsstätten für Forschungsmuster. Seit Juni 2008 unterstützt er die Geschäftsleitung der BayFOR und ist somit für den Forschungs- und Innovationsstandort Bayern tätig.

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Chemie-Cluster Bayern GmbH
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