15. Mai 2018

Hot seat: Robert Späth

Drei Fragen an eine Person aus unserem Umfeld

Herr Späth, wie beurteilen Sie die fortschreitende „Plattformisierung“ der Wirtschaft im Allgemeinen, von der eCommerce-Riesen wie Amazon und Alibaba wohl die prominentesten Vertreter darstellen?

Hier sprechen Sie ein Thema an, welches den Chemiehandel aktuell sehr beschäftigt. Unser Branchenverband hat sich des Themas schon angenommen und einen Erfahrungsaustausch zum Thema eCommerce-Plattformen ins Leben gerufen. Dabei diskutiert man mögliche Szenarien, sieht sich bereits existierende Plattformen an, die sich mit Chemie befassen und das rief bereits neue Ideen zu Plattformen im Chemiehandel hervor. Hier steht die unbestreitbare Marktmacht der von Ihnen angesprochenen eCommerce-Riesen mit enormer Finanzkraft, dem sehr speziellen Knowhow und der Erfahrung des Chemikalienhandels gegenüber. Es ist eine Kernkompetenz unserer Branche, die Sicherheit und die Kontrolle der Supply Chain zu gewährleisten. Die Responsible-Care-Initiative, welche schon seit den 90er Jahren ein wesentlicher Bestandteil unseres Selbstverständnisses darstellt, verlangt es, auch die Themen der Gefahrenabwehr, Produktverantwortung und Transportsicherheit zu adressieren. Ich bin sehr gespannt, wie sich entsprechende Plattformen damit auseinandersetzen. Das Thema bekam jüngst zusätzliche Brisanz durch die Bekanntmachung, dass nun mit BASF und Covestro auch führende Produzenten dazu bereit sind, in bestimmten Regionen, mit Alibaba zusammenzuarbeiten.

 

Vieles deutet daraufhin, dass sich der Chemikalienhandel im Zuge der Digitalisierung stark verändern wird. Wie lautet Ihre Prognose?

Die Digitalisierung verändert die gesamte Wirtschaft und das zieht sich durch die komplette Wertschöpfungskette. Auch am Chemikalienhandel wird das nicht spurlos vorübergehen. Gerade ist ein richtiger Digitalisierungshype festzustellen. Start-ups wittern ihre Chance und versuchen gezielt Ineffizienzen in den sehr konservativen Chemikalienmärkten zu identifizieren, um dort mit smarten Lösungen einzusteigen und ihr Geschäftsmodell zu skalieren. Das wird naturgemäß nicht immer Erfolg haben und nun gibt es einen Wettlauf um die besten Ideen. Dabei spielen auch die etablierten Marktteilnehmer längst mit und am Ende werden sich die besten Lösungen durchsetzen. Für die Kunden wird es nicht leicht, unseriöse Angebote, die auf schnelle Erfolge abzielen, von echten Innovationen zu unterscheiden. Die Einkäufer müssen sich dabei ihrer Verantwortung hinsichtlich der Sicherheit in der Lieferkette und ihrer Versorgung bewusst sein. Nur so kann am Ende der Markt wirklich an Effektivität und Effizienz gewinnen.

 

Müssen Chemiedistributoren neue Geschäftsmodelle entwickeln, indem diese beispielsweise selbst als Plattformbetreiber fungieren?

Die etablierten Chemikalienhändler müssen sich freilich diesem Wettbewerb um neue Geschäftsmodelle und Ideen stellen. Einige versuchen derzeit, eigene Plattformen zu erschaffen, um sich nicht das Ruder aus der Hand nehmen zu lassen. Ich denke, dass es absolut notwendig ist, die Geschäftsprozesse zu überdenken und sich den neuen Herausforderungen unter Zuhilfenahme der Digitalisierung zu stellen. Das hat viel mit der Beherrschung der eigenen Daten und mit Standardisierung zu tun. Solange der Chemiehandel dabei seine Kernkompetenzen nicht vernachlässigt, hat er gute Chancen davon zu profitieren. Der lagerhaltende Chemiehandel erfordert anlagenintensive hochspezialisierte Standorte, welche höchsten Anforderungen genügen und der Spezialitätenhandel muss neben hoher Beratungskompetenz die internationale Logistik beherrschen. Das wird zukünftig durch weitere Bausteine digitaler Service-Angebote bis hin zur Vernetzung über Plattformen ergänzt, aber nicht ersetzt, werden. Am Ende müssen das Angebot an kompetenter Beratung, zuverlässiger Lieferung und Service sowie vor allem das Vertrauen in den Geschäftspartner stimmen.

 

 

Robert Späth ist seit 1996 geschäftsführender Gesellschafter der CSC JÄKLECHMIE GmbH & Co. KG. Als Diplomkaufmann und Bankkaufmann war er im Rahmen seiner Ausbildung auch für DOW in Düsseldorf und für Bayer in Tokyo tätig. Heute ist er u. a. im Verband Chemiehandel sowie im BGA und der IHK ehrenamtlich aktiv und kümmert sich um die Umweltgesetzgebung. CSC JÄKLECHEMIE ist seit 2005 Teil der CG-Gruppe in Hannover Laatzen.

Kontakt

Chemie-Cluster Bayern GmbH
Hansastraße 26
80686 München