20. März 2019

Hot seat: Prof. Dr. Peter R. Lang

Drei Fragen an eine Person aus unserem Umfeld

Herr Lang, Sie sind Projektmanager des EU-Projekts EUSMI – European Soft Matter Infrastructure – ein Zusammenschluss aus sehr leistungsfähigen und hoch-spezialisierten Forschungseinrichtungen/-geräten, was im Juli 2017 gestartet ist. Was ist der Inhalt dieses Projektes und an wen ist es gerichtet?

EUSMI richtet sich an alle Wissenschaftler aus dem akademischen Bereich und der Industrie, die an Soft Matter Systemen forschen. Wir bieten diesen Kollegen kostenfreien Zugang zu einer Vielfalt von Laboren und Geräten, um Ihnen Experimente zu ermöglichen, die sie an ihren Heimatstandorten nicht durchführen können. Dazu gehören moderne Syntheseverfahren genauso wie einmalige Charakterisierungsmöglichkeiten und Simulationsrechnungen auf Supercomputern. Die Kosten für die Nutzung, Reisen und Aufenthalt werden, vereinfacht gesagt, von der EU getragen.

 

Gibt es auch die Möglichkeit zur Beratung, wenn man sich selbst nicht der Vielfalt an Möglichkeiten bewusst ist, welche Experimente/Analysen möglich sind und was für die vorliegende Fragestellung passen könnte?  

Zum einen unterstützen unsere Partnerlabore immer bei der Durchführung der Experimente vor Ort und bei der Datenanalyse. Dies ist in einigen Fällen schon deshalb unerlässlich, weil die Instrumente weltweit einzigartig sind. Es gibt in vielen Fällen auch die Möglichkeit, Experimente im Servicebetrieb durchführen zu lassen, so dass eine aufwändige Reise zum Instrument nicht erforderlich ist. Darüber hinaus bieten wir durch unseren Projektpartner CR-Competence oder durch das Projektmanagement eine Beratung und Begleitung für potenzielle Nutzer an, die zwar ein konkretes Problem oder eine Fragestellung haben aber, wie sie in Ihrer Frage andeuten, sich über die Vielfalt der Lösungsmöglichkeiten nicht bewusst sind. Dieser Service umfasst Hilfestellung bei der Identifikation der konkreten Fragestellung, der Auswahl des passenden Experiments, Unterstützung bei  der Antragstellung sowie Hilfe bei der Auswertung der Daten und deren Interpretation im Hinblick auf eine mögliche Verwertung.

 

Wie ist das Verfahren aufgebaut bzw. wie lauten die Bedingungen, um Zugang zu den Forschungseinrichtungen/-geräten diese großen Netzwerks zu erhalten?

Grundsätzlich ist jeder Soft Matter Wissenschaftler teilnahmeberechtigt. Als einzige Einschränkungen gelten, dass Zugang nur transnational gewährt werden kann, d.h. deutsche Kollegen können nicht Zugang zu einer deutschen  Einrichtung bekommen.  Außerdem müssen die gewonnenen Ergebnisse in der Regel in gewissem Rahmen verbreitet werden. Letzteres gilt ausdrücklich nicht für kleine und mittelständische Unternehmen. Das Verfahren ist sehr einfach. Nach der Registrierung im EUSMI-Portal (www.eusmi-h2020.eu) kann der Nutzer ausschließlich online einen Antrag stellen, in dem er das gewünschte Experiment auswählen und einige grundlegende Eckdaten zu seinem Experiment angeben muss. Außerdem muss er eine PDF-Datei hochladen, in dem er den wissenschaftlichen Hintergrund oder den Anwendungskontext des vorgeschlagenen Experiments etwas genauer beschreibt. Dieser Antrag wird vom potenziellen Gastgeber und zwei internationalen Gutachtern bewertet und nach spätestens ca. vier Wochen entschieden. Grundsätzlich empfiehlt es sich aber immer, den potenziellen Gastgeber zu kontaktieren und das geplante Experiment hinsichtlich seiner Machbarkeit zu diskutieren.

 

Prof. Dr. Peter R. Lang ist Wissenschaftler am Institut für Komplexe Systeme (ICS-3) des Forschungszentrums Jülich und ist seit einigen Jahren mit dem Management und der Koordination von Europäischen Drittmittelprojekt beauftragt. Er studierte Chemie und promovierte sowie habilitierte in der physikalischen Chemie. Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt hat sich jedoch immer weiter in Richtung der Physik von weicher Materie verschoben.

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Chemie-Cluster Bayern GmbH
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