27. September 2019

Hot seat: Laura Kühn

Drei Fragen an eine Person aus unserem Umfeld

Frau Kühn, seit 2018 sind Sie für den Chemie-Cluster Bayern tätig. Technologie-Scouting und Startup-Kooperationen stehen ganz oben auf Ihrer Agenda. Am Startup-Tag Chemie & Neue Werkstoffe am 12. November in Nürnberg sollen weitere Kooperationen angestoßen werden. Was genau passiert bei dieser Veranstaltung?

Der Startup-Tag Chemie & Neue Werkstoffe ist der zweite Startup-Tag den wir ausrichten. Dieses Mal konnten wir den Cluster Neue Werkstoffe als Partner gewinnen. Der Fokus liegt dieses Jahr auf Startups mit Produkten oder Lösungen für die Material- und Produktentwicklung. Ziel ist es, vor allem kleine und mittlere Unternehmen zur Zusammenarbeit mit Startups zu animieren. Dabei knüpfen wir auch an die Erkenntnisse der letztjährigen Veranstaltung an.

Die Vortragenden werden Fragen zum Gründen in der Chemie, zum Markteintritt als B2B-Startup und zum Schutz von geistigem Eigentum beantworten. Zusätzlich werden sich eine Reihe ausgewählter Startups vorstellen. Auf die klassischen Bühnen-Pitches, bei denen in wenigen Minuten eine Idee präsentiert wird, verzichten wir. Stattdessen soll unser Startup-Karussell, bei dem sich etablierte Unternehmen und Gründungsteams in Kleingruppen unmittelbar auf Augenhöhe austauschen können, mehr Raum für Rückfragen und Diskussionen geben.

Welche Potentiale sehen Sie in einer Zusammenarbeit von Mittelstand und Startups?

Aus meiner Sicht bilden KMUs und Startups eine vielversprechende Kombination. KMUs auf der einen Seite verfügen über intensive Kenntnisse von Produktion und Markt; in Verbindung mit relativ kurzen Entscheidungswegen. Startups auf der anderen Seite kreieren ihre Ideen basierend auf dem neuesten Stand der Wissenschaft, haben dazu den Mut zur Umsetzung und eine unkonventionelle Herangehensweise. Wir konnten schon zahlreiche Überschneidungen identifizieren und schöne Kooperationen anstoßen. Es begeistert mich sehr zu sehen, welche Synergien sich ergeben, wenn kooperationswillige Unternehmen, die im Kerngeschäft nicht aufeinandertreffen würden, zusammengebracht werden.

Wir identifizieren ein breites Spektrum an Potentialen: von der Entwicklung neuer Produkte, dem Lösen von Ineffizienzen, dem Ersatz von teuren oder nicht-nachhaltigen Einsatzstoffen, bis hin zur Nutzung von Reststoffen. Das Thema Venture Capital spielt bei uns meist eine kleinere Rolle.

Darüber hinaus sind Sie für das EU-Projekt POWER4BIO zuständig. Was ist das Ziel dieses Projektes und welche Rolle nimmt der Chemie-Cluster im Konsortium ein?

Das Projekt zielt darauf ab, Regionen beim Übergang zu einer biobasierten Wirtschaft zu unterstützen. POWER4BIO konzentriert sich dabei auf Bewusstseinsbildung, Vernetzung, Politikdialog und gegenseitiges Lernen von den beteiligten Regionen. Hierzu finden in den kommenden Monaten sogenannte Cross-Visits statt, bei denen aktuelle Entwicklungen in den jeweiligen Regionen diskutiert, Potentiale bewertet und Beispiele besichtigt werden. Im Januar 2020 werden die Projektpartner in Bayern zu Gast sein. Darüber hinaus trägt der Chemie-Cluster dazu bei, einen Katalog von biobasierten Geschäftsmodellen zu erstellen, um die Regionen bei der Identifizierung der am besten geeigneten biobasierten Lösungen für ihre Region zu unterstützten. Der Katalog konzentriert sich auf technologisch ausgereifte Lösungen, die sich besonders gut für den Einsatz kleinerer Mengen im ländlichen Raum eignen. Die Geschäftsmodelle hinter den biobasierten Lösungen werden charakterisiert und die relevantesten politischen und finanziellen Rahmenbedingungen für regionale Behörden und Interessensgruppen identifiziert. Zuletzt wird eine standardisierte und flexible Methodik definiert, um die europäischen Regionen bei der Entwicklung und Umsetzung von bioökonomischen Strategien und Roadmaps zu unterstützen. Das Bioregional Strategy Accelerator Toolkit (BSAT) ermöglicht die Bewertung regionaler Bioökonomie-Strategien.

Broschüre POWER4BIO

Laura Kühn ist seit 2018 Leiterin Innovationsmanagement und Geschäftsentwicklung im Chemie-Cluster Bayern. Zuvor war sie in der Geschäftsentwicklung mehrerer Startups und im Technologie-Scouting bei Siemens tätig. Sie studierte Technologiemanagement mit Schwerpunkt Chemie an der TU München.

 

Kontakt

Chemie-Cluster Bayern GmbH
Schwanthalerstraße 100
80336 München