17. Dezember 2018

Hot seat: Jonas Schaub

Drei Fragen an eine Person aus unserem Umfeld

Herr Schaub, Sie versuchen tagtäglich neue Lösungen für mittelständische Unternehmen und Konzerne im Kontext des „Industrial Internet of Things“ (IIoT) zu schaffen. Was sind Ihrer Einschätzung nach die derzeit relevantesten Ausprägungen des IIoT? Können Sie uns Beispiele aus der Praxis nennen?

Die von den Sensoren im IIoT bereitgestellten großen Datenmengen bilden die Grundlage für verschiedene Anwendungsfälle. Als relevant sehe ich dabei besonders die “Prädiktive Wartung” (Predictive Maintenance) und die datengetriebene Prozessoptimierung an. Beim Thema Predictive Maintenance wird versucht, Wartungsvorfälle durch Datenanalyse vorherzusehen und so Ausfallzeiten und Wartungsaufwände der Maschinen zu verringern. Bei der Optimierung der Fertigungsprozesse helfen die gesammelten Daten hingegen, Engpässe und Ineffizienzen zu erkennen und geplante Anpassungen zunächst in Simulationen an einem “Digitalen Zwilling” durchzuspielen.

Für einen Maschinenbauer und Weltmarktführer entwickelten wir eine Applikation zur Organisation des Wissens in der Produktion. So können Anwender mit Hilfe einer App Inhalte in Form von Text, Bild und Video abspeichern und direkt am jeweils relevanten Ort, z. B. an einer Maschine, virtuell ablegen. Diese erhobenen Daten und durch Menschen qualifizierte Informationen stellten im späteren Verlauf die Grundlage für einer Applikation zur prädiktiven Instandhaltung dar. Mit dieser kann u. a. durch die Auswertung von Betriebsgeräuschen, ein Fehlerereignis bereits mehrere Tage vor dem Ausfall vorzeitig erkannt und antizipiert werden. Dabei ist elunic nicht nur rein der Dienstleister zur Umsetzung, sondern treibt die Generierung von Ideen von Inspirationen digitaler Lösungen und Geschäftsmodelle entsprechend voran.

 

Ihre Beispiele zeigen, dass es sich um ein durchaus breites Themenfeld handelt, indem Unternehmen individuelle Lösungen finden müssen. Diese sind in der Regel mit hohen Kosten verbunden. Inwieweit halten Sie es für sinnvoll, dass mehrere Unternehmen, die ggfs. ähnliche Bedürfnisse haben, bei der Entwicklung derartiger Lösungen miteinander kooperieren?

Standards spielen in der Industrie eine wichtige Rolle, da eine Vielzahl von Komponenten unterschiedlicher Hersteller harmonisch miteinander kombiniert werden müssen. Da das IIoT sehr nah an diesen Komponenten arbeitet, z.B. durch in Maschinen integrierte Sensoren werden auch hier folglich hohe Ansprüche an die Integration dieser Teilsysteme gestellt. Gerade Allianzen und Kooperationen von produzierenden Unternehmen zur gemeinsamen Entwicklung von Standards und Lösungen können daher signifikante Vorteile bieten – insbesondere auch, da mit IIoT-Lösungen, die direkt als Zubehör zu Maschinen gekauft werden, der Einstieg für kleine und mittlere Unternehmen oft überhaupt erst realistisch wird. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die ADAMOS-Allianz. Hier haben sich mehrere Maschinenbauer zur Schaffung einer gemeinsamen IIoT-Plattform zusammen getan.

 

Was würden Sie Unternehmen raten, die aktuell dabei sind erste Überlegungen in Richtung „IIoT“ anzustellen? Was sind idealerweise die ersten Schritte?

Der erste Schritt sollte immer die Bewusstseinsschaffung sein. Sollen interne Prozesse digitalisiert werden? Sollen bestehende Produkte digital “angereichert” werden und neue Erlösquellen, z. B. durch digitale Services, geschaffen werden? Dann folgt die Auswahl eines Consulting-Partners mit konkreter Erfahrung im IIoT-Bereich sein, der die weiteren Schritte professionell begleitet. Dabei ist es ratsam, sich an Referenzen und anderen, auch branchenübergreifenden, Beispielen inspirieren zu lassen. Ebenso ist es wichtig, möglichst früh praktische Erfahrung zu sammeln um so ein bessere Gefühl dafür zu bekommen, wo die Reise hingehen kann. Ist der Partner gefunden, so kann im nächsten Schritt gemeinsam analysiert werden, welche Potenziale durch die Einführung von IIoT-Lösungen konkret ausgeschöpft werden könnten und welche Bereiche betroffen sind. Auf dieser Basis kann dann im dritten Schritt die Auswahl einer geeigneten Technologie-Plattform getroffen und eine Einschätzung der ggf. benötigten Individual-Komponenten vorgenommen werden. Im vierten Schritt kann dann die eigentliche Umsetzung erfolgen, wobei sich ein agiles Vorgehen mit einem frühen praxisnahen Einsatz der in Entwicklung befindlichen Lösung empfiehlt.

 

Jonas Schaub ist Geschäftsführer der elunic GmbH. Sein Unternehmen begleitet Firmen bei dem Weg in die Digitalisierung und entwickelt digitale Geschäftsmodelle und Software-Lösungen. Als Beirat eines Private Equity Unternehmens berät bei Transaktionen in der Softwarebranche, darüber hinaus ist auch selbst als Business Angel mit eigenen Beteiligungen tätig.

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