18. Februar 2019

Hot seat: Jacques Bersier

Drei Fragen an eine Person aus unserem Umfeld

Herr Bersier, Sie sind mit der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg bzw. mit dem Plastics Innovation Competence Center Teil des Koordinatoren-Teams des EU-Interreg-Projekts AlpLinkBioEco, in dem der Chemie-Cluster Bayern einer der 13 Projektpartner ist. Wie ist dieses Projekt entstanden und was ist das Ziel von AlpLinkBioEco?

Im Rahmen des Interreg-Projekts S3-4AlpClusters haben wir uns in den letzten zwei Jahren intensiv mit regionalen Strategien für „intelligente Spezialisierung“ (S3) im Alpenraum auseinandergesetzt. Die grundlegende Idee besteht darin regionale Stärken zu nutzen und mit neuen Wachstumsfeldern zu kombinieren. Die Umsetzung davon ist alles andere als trivial. Entscheidend ist, wie sich gezeigt hat, der Fokus auf konkrete Aktivitäten zur Erschließung neuer Wertschöpfungsketten zwischen Wirtschaftssektoren und Regionen. Wir haben verschiedene Opportunitäten für solche „transformativen Aktivitäten“ im Alpenraum identifiziert, darunter an vorderster Stelle auch die Bioökonomie. Im Rahmen unserer Mitgliedschaft in der EUSALP-Subgruppe Bioökonomie und in enger Zusammenarbeit mit Gerd Meier zu Köcker von der Clusteragentur Baden-Württemberg haben wir dann ein neues Projektkonsortium und ein klar definiertes Ziel entwickelt: Durch Software unterstützte Vernetzung von Akteuren im Alpenraum entlang neuer, bio-basierter Wertschöpfungsketten.

 

Im Konsortium befinden sich mehrere Cluster Organisationen – welchen Vorteil sehen Sie in der engen Zusammenarbeit mit Cluster-Organisationen im Rahmen dieses Projekts?

Cluster-Organisationen sind ideale Akteure für die Entwicklung „transformativen Aktivitäten“. Als Sammelbecken verwandter Kenntnisse und Kapazitäten und als Bindeglied zwischen Forschung und Industrie sind sie prädestiniert die Vernetzung entscheidender Akteure zu neuen Wertschöpfungsketten anzukurbeln. Die Teilnahme an unserem Projekt bietet den Clustern einen Zugang zu innovativen Instrumenten, um über ihre bestehenden Grenzen hinauszuschauen und Wachstumschancen zwischen den acht teilnehmenden Regionen und verschiedenen Wirtschaftssektoren im Bereich der Bioökonomie zu erkennen, insbesondere zwischen der Holz- und der Nahrungsmittelwirtschaft, der Chemie und der Verpackungsindustrie. Dies öffnet auch die Tür für ein gänzlich neues Verständnis der Funktionsweise eines Clusters: weg von Metaclustern, die gleichartige Cluster verbinden wollen, in Richtung dynamischer Netzwerke zur Entwicklung transformativer Aktivitäten und neuer Wertschöpfungsketten.

 

Wie können einzelne Unternehmen aus unserem Wirkungskreis mitwirken bzw. davon profitieren?

Sie sprechen den springenden Punkt an. Unser Projekt ist nicht an bio-basierten transformativen Aktivitäten interessiert, weil Bioökonomie gut klingt. In unserer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit haben wir vielmehr erkannt, dass solche neuen Wertschöpfungsketten echte Geschäftschancen für kleine und mittlere Unternehmen im Alpenraum bieten. Die Alpen sind reich an bio-basierten Materialien und beheimaten hervorragendes technologisches Know-How in der Verarbeitung und Herstellung hochwertiger Produkte. Was fehlt, ist ein makroregionaler Ansatz zur Identifikation neuer Wertschöpfungsketten und die nötigen Instrumente zur Vernetzung der Akteure. Die Mitglieder der teilnehmenden Cluster, aber auch individuelle Unternehmen, sind die Zielgruppe unserer neuen Software.

Jacques Bersier ist Vizedirektor der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg i.Ü.  (HES-SO//FR HEIA-FR) und Direktor für Forschung und Entwicklung. Er fördert insbesondere die Beziehungen zwischen Hochschulen und Wirtschaft und hat maßgeblich zur Umsetzung einer Cluster-Entwicklungspolitik im Kanton Freiburg beigetragen, indem er vier Cluster initiiert hat, darunter den Swiss Plastics Cluster (SPC) und den Cluster Food & Nutrition. Das Plastics Innovation Competence Center (PICC) ist eines der vier Kompetenzzentren der HEIA-FR und arbeitet eng mit dem SPC zusammen.

 

Zur näheren Erläuterung der Begrifflichkeit „transformative Aktivitäten“, siehe Keller et al. 2018, Smart specialization strategies (S3) and clusters : an innovation model for transformative activities, Working Paper EPFL, HES-SO HEIA-FR, ClusterAgentur, http://hesso.tind.io/record/2860/.

Kontakt

Chemie-Cluster Bayern GmbH
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