10. März 2020

Hot seat: Florian Höchli


Herr Höchli, Ihr Unternehmen hat die erste Ultraschallkamera für die Großindustrie entwickelt. Was müssen wir darunter verstehen und wofür ist so ein Gerät gut?

Die Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Umweltverträglichkeit von Unternehmen in der Großindustrie werden durch zahlreiche Faktoren beeinflusst. Wichtige Aspekte sind dabei der Energieverbrauch, die Effizienz, die Instandhaltung, die Verhinderung oder Verkürzung der Stillstandzeiten sowie der Austritt von Schadstoffen. Ein beeinflussender Faktor diesbezüglich sind Leckagen, d.h. undichte Stellen im Drucksystem. Es ist daher unabdingbar, diese Leckagen schnell und zuverlässig zu detektieren, um diese anschließend weiter zu beobachten oder zeitnah zu reparieren.

Die heutigen Verfahrensweisen zur Aufdeckung von Lecks sind häufig sehr zeitaufwändig und ermöglichen keine umfassende Inspektion von Drucksystemen zu ökonomisch vertretbaren Kosten. Das Schweizer Unternehmen Distran hat ein Handgerät entwickelt, das – basierend auf passiver akustischer Bildgebungstechnologie – die Leckage-Detektion in jüngster Zeit geradezu revolutioniert hat. Diese Neuentwicklung ermöglicht jedem Wartungsteam in großen Industrieanlagen einen zeit- und kosteneffizienteren Umgang mit werktäglich möglichen Gas-Leckagen.

Wo sehen Sie insbesondere Einsatzmöglichkeiten für diese Technologie in der chemischen Industrie?

In der chemischen Industrie kommt Gas sowohl als Arbeitsmedium als auch Produktmedium vor. Zu den herkömmlichen wirtschaftlichen Aspekten einer Detektion und Behebung von Gas-Leckagen gesellt sich vor allem der generelle Sicherheitsfaktor.

Um den sich permanent verändernden Rahmenbedingungen in der Chemiebranche tatsächlich gerecht zu werden, drängen sich neue Technologien auf, um den Werksangehörigen vor Ort erstens die Risikoeinschätzung inner- und außerhalb der Gefahrenzone zu erleichtern, zweitens das Arbeiten in der Höhe zu reduzieren, drittens die richtige Prioritätenwahl in der Wartung zu treffen sowie viertens die Inspektionsberichte letztlich zu vereinfachen.

“Keine Arbeit sollte ausgeführt werden, solange sie nicht als sicher gilt”. Hier setzt Distran an und offeriert mit der neu entwickelten Ultraschallkamera ein einzigartiges Tool, das betriebliche Unfallrisiko zu reduzieren und darüber hinaus die Standards in der Instandhaltung grundlegend zu verbessern.

Alle reden heute über Industrie 4.0 – die Digitalisierung von ganzen industriellen Produktionssystemen. Wie lässt sich Ihre Technologie in solche Systeme einbinden?

Einerseits sollen und müssen die vorhandenen industriellen Produktionsabläufe inkl. deren Überwachung miteinander vernetzt werden. Fest installierte Überwachungssysteme gehören hier dazu. Andererseits bleiben mobile Geräte für weitläufige, komplexe Anlagen resp. für die betriebliche Flexibilität und Sicherheit unverzichtbar. Diese mobilen Geräte mit Messungen in Echtzeit multiplizieren die Fähigkeiten des Betriebspersonals, denn deren Erfahrung wird direkt vor Ort umgesetzt. Die Einbindung der angesprochenen Technologie und damit die gleichzeitige Verbesserung der Kommunikation bilden nun das Herzstück. Ich erachtete es stets als wichtiger, dass mein Team im Feld der angestammten Arbeit nachgeht als danach im Büro zeitaufwändigen administrativen „Kleinkram“ verfassen zu müssen. Hier setzt Distran an und bietet nebst Fotos oder Videos zur optischen Befundaufnahme optional ein eigens entwickeltes Online-Berichterstattungssystem an. Letzteres ermöglicht eine schnelle und effiziente Berichterstellung bzw. Weiterleitung an die nächste Instanz. Davon betroffen sind je nach Ereignis die Ressorts Unterhalt/Instandhaltung, Qualitätssicherung, Umwelt- oder Sicherheitsabteilung oder ganz einfach der direkte Vorgesetzte. Die optische Befundaufnahme der Leckagen hat zwangsläufig ein rascheres Verständnis quer durch alle Instanzen sowie deren einfache fortgesetzte Einbindung in existierend Systeme zur Folge.

Florian Höchli graduierte in Ingenieurwissenschaften mit Fachrichtung Maschinenbau an der ETH Zürich. Danach war er von 2007 bis 2014 bei Alstom weltweit mitverantwortlich für die Inbetriebsetzung von GuD-Kraftwerken, unterstützte in leitender Funktion Projektteams und die Arbeit auf den Testanlagen. Anschließend assistierte er als Senior Engineer bei der Weiterentwicklung des O&M Geschäfts von Alstom/GE u.a. im Bereich Prozessbeurteilungen, Zielsetzungen, Digitalisierung, Risikomanagement und betreute zeitgleich das O&M Management auf den weltumspannenden Kraftwerkanlagen. Seit seinem EMBA Abschluss 2018 an der UZH unterstützt und begleitet er Startups wie aktuell die Zürcher Firma Distran in den Bereichen Technischer Verkauf und Geschäftsfeldentwicklung auf ihrem Weg in die Reife- und Expansionsphase.

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