25. März 2020

Hot seat: Eva Gebauer


Frau Gebauer, Sie sind seit 2014 Leiterin des Bionicums in Nürnberg. Können Sie uns kurz erklären, was das Bionicum ist und womit es sich beschäftigt?

Das Bionicum versteht sich als Informationsplattform zur Bionik und gehört zum Bayerischen Landesamt für Umwelt. Bionik beschäftigt sich mit der Übertragung von Phänomenen aus der Natur in die Technik.  Natürliche Strukturen, Prozesse und Prinzipien haben sich während der Evolution über Millionen von Jahren entwickelt und ihre Praxistauglichkeit unter Beweis gestellt.

In der Ausstellung des Bionicums im Tiergarten Nürnberg kann man sich dem Thema „von der Natur lernen“ auf verschiedenen Ebenen nähern. Es gibt beispielsweise Medienstationen und Experimente zum selbst ausprobieren. Wir haben ein großes Programmangebot, das von Führungen über Experimentierstrecken und Workshops bis hin zu Veranstaltungen wie unserer Jahrestagung Ideenforum reicht. Darüber hinaus sind wir bei vielen städtischen und überregionalen Angeboten präsent, wie der Langen Nacht der Wissenschaften, der KinderUni oder dem Girls Day.

Zu uns kommen alle, die sich über die Bionik informieren wollen – von Schülern über Studenten und der interessierten Öffentlichkeit, bis hin zu Wissenschaftlern und Firmen.

Was ist das Besondere an der Bionik und wo sehen Sie die Zukunft der Bionik-Forschung?

Die Bionik erfordert zum einen interdisziplinäres Denken. Durch die Zusammenarbeit von Naturwissenschaftlern, Ingenieuren aber auch Informatikern oder Architekten entstehen kreative Innovationen.

Zum anderen können mit Hilfe der Bionik nachhaltige, umweltschonende und ressourceneffiziente Technologien, Produktionsprozesse und Produkte entwickelt werden. Aktuelle Ansätze aus der Forschung sind alternative Antriebe von Robotern, bioabbaubare Materialien wie Spinnenseide, natürliche Beschichtungen, selbstreinigende Oberflächen oder energieeffiziente Biokeramik.

Darüber hinaus kann man nach Prinzipien und Prozessen, die aus der Natur abgeschaut wurden, Betriebsabläufe generieren und sogar Unternehmen führen. Die Bionik ist also eine Zukunftswissenschaft und trägt dazu bei, die „biologische Transformation“ mit dem Ziel einer nachhaltigen Wertschöpfung auf den Weg zu bringen.

Im Januar 2019 startete der Projektverbund BayBionik. Im Rahmen dieses Verbundes finanziert das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz sechs Bionik-Projekte führender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bayerischer Hochschulen und Universitäten. Welche Relevanz hat dieses Projekt für die Bionikforschung in Bayern und welche Rolle nimmt das Bionicum in diesem Projektverbund ein?

Nachdem drei vom Bionicum begleitete Forschungsvorhaben 2019 abgeschlossen werden konnten, haben wir uns gefreut, dass jetzt ein weiterer großer Projektverbund zum Thema Bionik ins Leben gerufen wurde. Über diesen Verbund werden Forschungsvorhaben unterstützt, die das Ziel haben, über das Lernen von der Natur technische Produkte umweltverträglich herzustellen und damit Ressourcen zu schonen, Umweltverschmutzung einzudämmen oder Energie bei Produktionsprozessen einzusparen. Damit soll ein wichtiger Beitrag für eine verantwortungsvollere und nachhaltigerer Produktion geleistet werden.

Unsere Rolle besteht darin, von Beginn an die Öffentlichkeit in verschiedenen Formaten über die Herangehensweise, Zwischenergebnisse und Inhalte der einzelnen Forschungsvorhaben in ansprechender und allgemeinverständlicher Weise zu unterrichten. Zudem sind wir eine Anlaufstelle für die Wissenschaftler und Arbeitsgruppen und bieten die Möglichkeit sich untereinander zu vernetzen und sich der Öffentlichkeit und der Wirtschaft vorzustellen.

Stehen Sie und Ihre Mitarbeiter auch anderen Projekten im Bereich Bionik als Projektpartner zur Verfügung?

Wir verstehen uns als Informationsplattform für Bionik und sind offen für einen Austausch mit anderen Akteuren im Bereich Bionik oder daran anknüpfenden Themen wie Biomaterialien, Biotechnologie oder Bioökonomie. Mit unserer Expertise in der Bildung und Vermittlung können wir es uns daher gut vorstellen auch andere Projekte zu begleiten.

Frau Eva Gebauer studierte Geowissenschaften und Paläontologie an der Universität Tübingen. Nach einem Volontariat im Bereich Museumspädagogik am Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt sowie einer Anstellung als wissenschaftliche Mitarbeiterin am UNESCO Welterbe Grube Messel gGmbH entdeckte Frau Gebauer als Projektleitung am staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe ihre Begeisterung für die Bionik. Seit 2014 leitet Frau Gebauer das vom Bayerischen Umweltministerium finanzierte Bionicum im Tiergarten Nürnberg, das seit 2019 den Projektverbund BayBionik öffentlich begleitet.

Kontakt

Chemie-Cluster Bayern GmbH
Schwanthalerstraße 100
80336 München