25. Juni 2019

Hot seat: Dr. Till Merkel

Drei Fragen an eine Person aus unserem Umfeld

Herr Dr. Merkel, im Jahr 2007 startete die Wieland Werke AG mit der Beschichtung von Aluminium. Kurze Zeit später folgten die ersten Aufträge aus der Heizungsindustrie und im Jahr 2018 die Überführung in die Wicoatec GmbH, als eigenständige Tochter der Wieland-Gruppe. Wo steht „Wieland Wicoatec“ heute?

Unser Kerngeschäft befasst sich mit der Verbesserung von Oberflächen metallischer Bauteile durch CDV-Beschichtungen. Seit 2007 sind zum Beispiel mehrere 10.000 Wärmetauscher für Gasheizungen mit Wicoat beschichtet worden und jeden Monat kommen mehr als 1.000 dazu. Darüber hinaus expandieren wir mit unserer weiterentwickelten CVD-Technologie in neue Anwendungsfelder. Aktuell ist die Verdopplung der Produktionskapazität in Arbeit um dem stetig steigenden Anfragen gerecht zu werden. Zudem haben wir unsere Technologie und Anwendungen patentieren lassen. Genaueres dürfen wir an dieser Stelle aber noch nicht verraten. Zusammenfassend sind wir mit unserer Wicoatec-Technologie heute überall unterwegs, wo Kunden Beschichtungsservices benötigen. Die passenden Anlagen werden so entwickelt, dass sie sowohl bei uns produzieren als auch zu einem späteren Zeitpunkt direkt beim Kunden aufgestellt werden können.

 

Was sind die Vorteile des CVD-Verfahrens und für welche Bauteile und Werkstücke wird es verwendet?

Unsere keramische Dünnschicht wird bei Umgebungsdruck aus der Gasphase aufgebracht. Da das Gas jeden Bereich des Bauteils erreicht, findet eine umfassende und konturgetreue Abscheidung auch in komplexen Strukturen statt. Aktuelle Anwendungen liegen beispielsweise in fein strukturierten Wärmeübertragern und Prüfgasanwendungen. Prinzipiell können wir jede metallische Oberfläche durch unsere Beschichtungen funktionalisieren. An Modifikationen zur Beschichtung von Keramiken und Kunststoffe arbeiten wir aktuell mit Hochdruck.

 

Sie sehen auch weitere Anwendungsmöglichkeiten in der chemischen Industrie – wo genau?

Im Detail stehen drei Anwendungen im Fokus: Antifouling-Funktionalisierung soll helfen, die Anlagenverfügbarkeit zu erhöhen. Wartungsintervalle werden verlängert und Standzeiten reduziert. Durch die Inertisierung schützen wir Metalle vor reaktiven Medien und unterbinden die Kontamination von Betriebsmedien durch Metallionen. Durch die Optimierung der Benetzbarkeit erhöhen wir die Effizienz bei Trennprozessen. Neu hinzu kommen bald hybride Schichtsysteme. Dabei kombinieren wir innovative und kommerziell verfügbare Lacksysteme mit unseren chemisch funktionalisierten Zwischenschichten. So werden organische Lacke chemisch an Metalle angebunden. Das ist der nächste Schritt, um unseren Ansprüchen „coat the uncoatables – paint the unpaintables“ gerecht zu werden.

 

Dr. Till Merkel ist Geschäftsführer der Wieland Wicoatec GmbH. Nach Studium (Chemieingenieurwesen) und Promotion am Karlsruhe Institute of Technology (Werkstoffe & Korrosion) entwickelte er zunächst mikroverfahrenstechnische Apparate für die chemische Industrie. Bis zur Ausgründung des Startups Wieland Wicoatec beschäftigte er sich in der Wieland Group mit Korrosion, Oberflächentechnik, technischer Normung sowie Produkt- und Verfahrensinnovationen.

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Chemie-Cluster Bayern GmbH
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