19. April 2018

Hot seat: Dr. Thorsten Lambertus

Drei Fragen an eine Person aus unserem Umfeld

Herr Dr. Lambertus, was macht das Fraunhofer Venture Lab und worum geht es bei den „FDays“, die Sie verantworten?

Das Venture Lab unterstützt Mitarbeiter der Fraunhofer-Institute dabei, unternehmerisches Denken und Handeln weiterzuentwickeln, um somit Verwertungspotenziale für Fraunhofer-Technologien frühzeitig zu erkennen und in der Folge auch zu erschließen. Die FDays sind hierbei ein zwölfwöchiges Accelerator-Programm, das Fraunhofer-Teams und auch Teams von ausgewählten Partnern aus dem High-Tech-Bereich die Möglichkeit gibt, sich mit ihren Geschäftsideen für Ausgründungen und Lizenzierungen einem Stresstest auszusetzen. Der inhaltliche Fokus des Programms liegt in der Entwicklung unternehmerischer Teams, des Designs eines passenden Geschäftsmodells sowie den dazu erforderlichen Kunden- und Marktanalysen. Am Ende der zwölf Wochen gibt es dann im Idealfall für alle Klarheit: wie hoch ist das Marktpotenzial, was ist der beste Weg für den Markteintritt und mit welchem Ziel wird die Technologieentwicklung vollendet.

 

Sind Gründungen oder Ausgründungen aus dem Wissenschaftskontext erfolgsversprechender als andere?

Ich bin davon überzeugt, das gute Gründungen aus einer tiefen Expertise entstehen. Das kann tiefe Marktkenntnis sein, besondere Expertise zu bestimmten Geschäftsmodellen, oder eben auch eine ausgeprägte technologische Kompetenz. Gerade im Wissenschaftskontext besteht bereits jahrelange Expertise in spezifischen Technologiefeldern. Zudem sind viele Technologien zum Beispiel durch Patente gut schützbar. Das ergibt einen Hebel, den man verwenden kann, um schlagkräftige Geschäftsmodelle und Unternehmen zu kreieren. Und genau diesen Hebeleffekt entwickeln wir beim Venture Lab gemeinsam mit unseren Teams. Dabei darf man nicht vergessen, dass auch in einem Wissenschaftskontext der Weg zu einer Gründung nur über Gründer funktioniert. Diese suchen wir heute nicht mehr nur in unseren eigenen Reihen, sondern bringen auch gezielt Fraunhofer-externe Gründerpersönlichkeiten in unsere Unternehmensgründungs-Prozesse mit ein. Dann haben wir aus meiner Sicht ein sehr erfolgsversprechendes Paket geschnürt.

 

Gibt es Bedürfnisse, die seitens der Fraunhofer-Spin-offs immer wieder für Sie spürbar sind?

Obwohl jedes Projekt seine ganz spezifischen Herausforderungen besitzt, gibt es natürlich Muster bei den Bedürfnissen. Da ist zum einen das Handwerkszeug zu gesellschaftsrechtlichen Themen, oder wie Venture Capital funktioniert. Darüber hinaus geht es auch immer wieder um ein sehr genaues Kundenverständnis, Zahlungsbereitschaften und passende Geschäftsmodelle. Die Art und Weise wie ein Institutsgeschäft funktioniert ist dann doch deutlich anders von einem jungen Unternehmen am Markt. Zu guter Letzt ist ein gutes Forscherteam ungleich einem guten Gründerteam. Hier eine schlagkräftige, funktionierende Truppe aufzustellen ist ein großes Bedürfnis.

 

Thorsten Lambertus ist Teammitglied des Venture Labs und leitet den FDays®-Accelerator und die Company Building Programme. Zuvor war er an der WU Wien, hat im Bereich Business Model Design promoviert und gelehrt, Industrieprojekte – vom Startup bis zum Konzern – in den Themenfeldern Entrepreneurship und Innovation geleitet sowie eine Gründer-Garage mit aufgebaut. Seine beiden eigenen Startups hat er in den Bereichen SaaS und eCommerce in den Sand gesetzt. Zudem ist er Wirtschaftsingenieur-Absolvent der RWTH Aachen mit dem Schwerpunkt Technologie- und Innovationsmanagement.

Kontakt

Chemie-Cluster Bayern GmbH
Hansastraße 26
80686 München