2. Mai 2018

Hot seat: Dr. Oliver Mieden

Drei Fragen an eine Person aus unserem Umfeld

Herr Dr. Mieden, Vinnolit nimmt am Programm „VinylPlus“ der europäischen PVC-Industrie zur nachhaltigen Entwicklung teil. Um was geht es dabei und welche Ziele werden verfolgt?

VinylPlus ist das Nachhaltigkeitsprogramm der europäischen PVC-Branche in Form einer freiwilligen Selbstverpflichtung. Dazu wurden etwa 30 konkrete Ziele in fünf Handlungsfeldern erarbeitet und mit einem Zeitplan über 10 Jahre versehen. Es gibt einen jährlichen Rechenschaftsbericht und ein unabhängiges Monitoring Committee mit Vertretern aus EU-Kommission, EU-Parlament, Gewerkschaft, Verbraucherverbänden und Industrie wacht über die Fortschritte. Letztendlich geht es darum, zunehmend geschlossene Stoffkreisläufe zu schaffen, Umweltbelastungen weiter zu reduzieren, sichere und umweltverträgliche Additive einzusetzen und das Klima durch eine möglichst energie- und ressourceneffiziente Produktion zu schonen. Beteiligt sind PVC-Rohstoffhersteller, Additiv-Produzenten und PVC-Verarbeiter.

 

Wie sehen konkrete Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele bei Vinnolit aus und was wurde bisher erreicht?

Die europäische PVC-Branche hat erkannt, dass sie ihre Nachhaltigkeitsziele nur gemeinsam erreichen kann. Die Einzelmaßnahmen unterscheiden sich je nach Stellung in der Wertschöpfungskette. Bei Vinnolit als PVC-Rohstoffhersteller liegt der Fokus auf einer energieeffizienten, ressourcensparenden Erzeugung des Werkstoffs und die Vermeidung von Emissionen in die Umwelt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die anwendungstechnische Beratung und Rezepturentwicklung in Zusammenarbeit mit unseren Kunden, um kritische Additive durch nachhaltigere Alternativen zu ersetzen. Wir sind selbst kein Recycler, haben aber als Unternehmen im Laufe von nunmehr 17 Jahren einen Millionenbetrag beigesteuert, um das Thema voranzubringen. Die Erfolge können sich sehen lassen: so wurden im Rahmen des Programms seit 2000 mehr als 4,2 Millionen Tonnen PVC recycelt – mittlerweile sind es über 600.000 Tonnen pro Jahr. Cadmium- und Bleihaltige Stabilisatoren sowie kurzkettige Phthalat-Weichmacher wurden durch unbedenkliche Alternativen ersetzt. In 2012/2013 haben die PVC-Rohstoffhersteller 10,2 Prozent weniger Energie zur Herstellung einer Tonne PVC verbraucht als in 2007/2008 und sind so auf einem guten Weg ihr Einsparziel von minus 20 Prozent in 2020 zu erreichen.

 

Welche Herausforderungen liegen in diesem Kontext noch vor Ihnen?

Eine zentrale Herausforderung ist das Erreichen des Recyclingziels von 800.000 Tonnen PVC pro Jahr in 2020. Hier gibt es einen Konflikt zwischen dem politischen Ziel, die Kreislaufwirtschaft voranzutreiben und der idealisierten Vorstellung einer völlig schadstofffreien Umwelt, die das Recycling von früher verwendeten Zusatzstoffen ausschließen möchte, auch wenn es keine Gefährdung von Umwelt und Gesundheit beinhaltet. Eine weitere Herausforderung bleibt es, den Nachhaltigkeitsgedanken auch global stärker zu verankern und weltweit ähnliche Programme zu initiieren. Dabei hilft es, dass VinylPlus auch von Seiten der Vereinten Nationen große Anerkennung genießt, so auch als Teil der Rio+20 Commitments von 2012, sowie als Akteur der UN Partnerships for Sustainable Development Goals-Plattform und als Mitglied der Green Industry Platform von UNIDO und UNEP.

 

Der gelernte Chemiker Dr. Oliver Mieden ist bei der Vinnolit GmbH & Co KG, Ismaning, für Environmental Affairs & Corporate Communications verantwortlich und ist stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt e.V. (AGPU). Vinnolit, ein Unternehmen der Westlake-Gruppe, engagiert sich für die nachhaltige Entwicklung von PVC und ist offizieller Partner von VinylPlus.

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