29. Januar 2020

Hot seat: Dr. Karl Glas

Drei Fragen an eine Person aus unserem Umfeld

Herr Dr. Glas, Sie sind Teil des Lehrstuhls für Lebensmittelchemie und Molekulare Sensorik am Wissenschaftszentrum Weihenstephan der Technischen Universität München Leiter der Arbeitsgruppe Wassertechnologie. Womit beschäftigen Sie sich und Ihre Mitarbeiter genau?

Der thematische Schwerpunkt der Arbeitsgruppe Wassertechnologie liegt an der Schnittstelle Wasser, Energie und Umwelt im Bereich der Getränke- und Lebensmittelindustrie. Das vielfältige Spektrum unserer Forschungstätigkeiten umfasst die Entwicklung neuartiger Verfahren zur Aufbereitung von Trink- und Abwasser sowie zum anlagen- und prozessorientierten Management von Energie- und Stoffströmen oder spezifische Fragestellungen zu Mikrobiologie und Hygiene.

Die Forschungstätigkeiten sind allesamt durch ein hohes Maß an Interdisziplinarität gekennzeichnet; Ingenieurwissenschaften, Verfahrenstechnik, Mikrobiologie und Chemie werden eng miteinander verzahnt, sowohl innerhalb der Gruppe als auch durch Zusammenarbeit mit anderen TUM-Lehrstühlen, Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, im Falle „BioAd“ mit dem Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden e. V. (IPF).

Letzten Oktober startete Ihr Projekt „BioAd“, das Sie zusammen mit dem Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden (IPF) durchführen. Ihr ambitioniertes Ziel ist die Wasserwiederaufbereitung mithilfe von Brauereireststoffen. Wie gestaltet sich die Umsetzung Ihres Projektes und die Arbeitsaufteilung zwischen den Partnern konkret?

Die Erhöhung der Ressourceneffizienz von Wasseraufbereitungsprozessen durch Wiederverwendung von Reststoffen, ganz im Sinne des Deutschen Kreislaufwirtschaftsgesetzes, steht im wesentlichen Fokus dieses Projekts. Die nachhaltige Nutzung nachwachsender Rohstoffe und der Ersatz von Werkstoffen auf fossiler Basis ist zudem erklärtes Ziel der Forschungsstrategie der Bundesregierung.

Die Verwendung von Biertreber und -hefe als Ersatz herkömmlicher Filtermittel könnte für Brauereien in Zukunft lukrativer sein als bisherige Verwertungswege. Die erschöpften Filtermittel können thermisch oder biologisch verwertet werden, sodass lediglich ein Minimum an zu entsorgendem Abfall entsteht. Durch ihre hohe Verfügbarkeit und der biologischen Abbaubarkeit sind reststoffbasierte Adsorbentien für die Wasseraufbereitung- insbesondere in der Gewässersanierung – interessant. Genau hier besteht die Schnittstelle zwischen dem IPF und unserer Arbeitsgruppe. Die Expertisen beider Forschungsstellen (hinsichtlich z.B. der Herkunft und Zusammensetzung der Reststoffe, deren chemischen Eigenschaften und Charakterisierung, Verfahrenstechnik der Aufbereitung etc.) passen optimal zusammen.

Auf der Suche nach geeigneten Fördermitteln haben Sie sich für das IGF (Industrielle Gemeinschaftsforschung)-Programm der AiF (Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V.) entschieden. Können Sie uns kurz Ihre Wahl und die Vorteile dieses Programms schildern und wie Sie geeignete Industriepartner gefunden haben?

Die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) schlägt eine Brücke zwischen Grundlagenforschung und wirtschaftlicher Anwendung. Adressaten der geplanten Entwicklung sind vor allem Unternehmen, die sich mit der Rohstoffgewinnung und -bereitstellung aus biogenen Ressourcen beschäftigen, Getränkebetriebe, die alternative Absatzwege für Biertreber und Bierhefe suchen sowie Firmen, die im Bereich Abwasseraufbereitung und Wassermanagement, gerade im Hinblick auf betriebsspezifischen und lokalen Lösungen, tätig sind. Aus diesem Grunde und der langjährigen Netzwerkaktivitäten beider Forschungsinstitutionen ist der projektbegleitende Ausschuss mit mittelständischen Firmen aus den eben angesprochenen Bereichen besetzt.

Dr. Karl Glas studierte an der TUM Brauwesen und Getränketechnologie und promovierte 1988 mit Auszeichnung über Brauereiabwasserinhaltsstoffe. Kurz darauf übernahm er die Leitung der Abteilung „Sonder- und Umweltanalytik“ am Forschungszentrum für Brau- und Lebensmittelqualität Weihenstephan. Von 2006 bis 2014 war er wissenschaftlicher Leiter des Competence Pool Weihenstephan (CPW). Zwischen 2010 und 2015 war er Leiter Wissenschaft/Forschung bei der Bayerischen Forschungsstiftung in München.  Seit 2014 ist er in seiner aktuellen Position als Leiter der Arbeitsgruppe Wassertechnologie am Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und molekulare Sensorik der TUM tätig. Er berät seit dreißig Jahren im In- und Ausland Betriebe der Brau- und Getränkeindustrie im Bereich „Wasser und Umwelt“.


Erstes Projekttreffen BioAd (Quelle: TUM)

 

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