11. Juli 2018

Hot seat: Dr. Florian Hauer

Drei Fragen an eine Person aus unserem Umfeld

Herr Dr. Hauer, Digitalisierung und smarte Vernetzung in Laboren sind in aller Munde. Wie erleben Sie als Softwareanbieter den digitalen Wandel?

In größeren Analytiklaboren sind viele Prozesse und Informationsströme bereits digitalisiert, Digitalisierungsbedarf gibt es insbesondere im F&E-Bereich, wo sich Prozesse ständig ändern und in KMUs, wo Ressourcen für die Projektierung der Digitalisierung knapp sind. Doch auch auf bestehenden Plattformen haben sich die Anforderungen gewandelt: Neben der Steuerung von Prozessen, Proben und Informationen steht immer mehr die Aufbereitung von Daten für Big-Data- und KI-Anwendungen im Vordergrund. Dennoch gibt es vielerorts immensen Aufholbedarf: Insbesondere im akademischen Bereich und in der F&E arbeiten in mehr als 80% der Labore immer noch mit klassischen Papiernotizbüchern und verteilten Datenträgern. Man kann also durchaus feststellen, dass gerade in den Laboren, die die Speerspitze der Innovation bilden, Datenverarbeitung noch mit mittelalterlichen Methoden betrieben wird.

 

Was sind in diesen Laboren die Hemmnisse, die einer Digitalisierung entgegenstehen?

Tatsächlich gibt es immer noch Laborwissenschaftler, die der Meinung sind, eine richtlinienkonforme Dokumentation müsse auf Papier stattfinden – ein Mythos, der sich trotz der expliziten Erwähnung digitaler Formate in Regelwerken wie der GLP oder denen der FDA bereits vor der Jahrtausendwende vielerorts beharrlich gehalten hat. Zudem scheuen sich Labore, die sich anfänglich mit dem Thema Digitalisierung befassen, vor der Komplexität und den Kosten einer allumfassenden Lösung, ohne vorher diejenigen Anwendungsbereiche zu fokussieren, in denen Digitalisierung mit geringem Aufwand die größten Effizienzsteigerungen bringt.

 

Welche aktuellen Trends helfen Laboren die Chancen der Digitalisierung zu nutzen?

Mit einer zunehmenden Modularisierung und Bereitstellungen von Funktionalitäten durch Software, die über standardisierte Schnittstellen mit anderen Datenquellen kommunizieren können, erleben wir aktuell eine starke Kostenreduktion und “Demokratisierung” der Labor-IT. Zudem etablieren sich allmählich Standards für die Gerätekommunikation und Analytikdaten als zusätzliche Innovationstreiber. Die herstellerübergreifende Offenheit von Plattformen und Schnittstellen sind dabei die wichtigsten Voraussetzungen für eine Zukunftsfähigkeit der Anwenderdaten, die auf diesen Plattformen verwaltet werden.

 

Dr. Florian Hauer ist Co-Founder und COO (Chief Operations Officer) der labfolder GmbH. Er promovierte am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen im Bereich der Molekularbiologie und startete kurz darauf, gemeinsam mit seinem Mitstreiter Simon Bungers, die Unternehmung “labfolder”.  Seit 2012 erhielt das Team um labfolder mehrere Preise und Auszeichnungen. Eine 7-stellige Investition hat es ihnen ermöglicht das Kernprodukt weiterzuentwickeln sowie neue Ideen einfließen zu lassen, welche die Funktionalität des digitalen Laborjournals ergänzen.

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Chemie-Cluster Bayern GmbH
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