4. März 2019

Hot seat: Christian Bürger

Drei Fragen an eine Person aus unserem Umfeld

Herr Bürger, chembid ist nach Ihren eigenen Aussagen die weltgrößte Meta-Suchmaschine für Chemikalien, Kunststoffe sowie für die entsprechenden Lieferanten. Wie funktioniert eine Meta-Suchmaschine genau und wie viele Nutzer erreichen Sie derzeit mit Ihrer Unternehmung?

Das wesentliche Merkmal von Meta-Suchmaschinen besteht darin, dass bei Suchanfragen auf die Ergebnisse mehrerer anderer Suchmaschinen zugegriffen wird, wobei diese die Resultate aufbereitet und in einer einheitlichen Übersicht darstellt. Die vermutlich bekanntesten Beispiele für Meta-Suchmaschinen sind Flug- oder Hotelsuchmaschinen wie Swoodoo, Booking.com etc., die auf verschiedene Datenbanken von z.B. Fluggesellschaften oder Hotelseiten zugreifen und über eine zentrale Suche eine größtmögliche Transparenz und Übersichtlichkeit bieten. Dies ermöglicht den Usern nahezu alle im Web verfügbaren Angebote zu vergleichen, ohne sich über verschiedene Webseiten zu bewegen und ohne mehrere Suchanfragen über viele Plattformen zu stellen. Mit chembid betreiben wir eine Meta-Suchmaschine für gewerbliche Chemikalien- und Kunststoffangebote, die diese plattformübergreifend vergleichbar macht. Im Januar 2019 nutzten etwa 36.000 User weltweit chembid.com, wobei wir im letzten Jahr ein Nutzerwachstum von über 800 % verzeichnen konnten. Für 2019 rechnen wir mit einem ähnlichen Wachstum. Chemikalien- und Kunststoffanbieter, die ihre Produkte kostenfrei direkt in die chembid Suchmaschine einstellen oder ihre Online-Shops mit chembid verknüpfen, können ihre Produkte schnell und kostenlos vielen tausenden Chemikalien- und Kunststoffeinkäufern zugänglich machen und einfacher neue Kunden gewinnen.

 

Wie viele Produkte und Lieferanten kann man derzeit als Nutzer einsehen und miteinander vergleichen? Um Welche Produkte handelt es sich dabei und was gibt es für Such- und Filtermöglichkeiten?

chembid listet derzeit etwa zwei Millionen Produktangebote aus ca. 100.000 weltweiten Anbietershops. Die Produktsuche kann über den Namen, die chemische Bezeichnung, CAS-Nummer, Trade Names oder sonstige Synonyme erfolgen. Die stetig intelligenter werdende Suchtechnologie wird es in Kürze zudem möglich machen, nicht nur über eine Produktbezeichnung, sondern auch nach einem Anwendungsgebiet zu suchen und relevante Produktvorschläge einzusehen. In der Suchmaschine sind zu einem großen Teil Rohstoffe, aber auch bereits viele Spezialchemikalien und Kunststoffe verfügbar. Um die passendsten Angebote zu finden, können die Ergebnisse mittels verschiedener Filter, z.B. nach dem Anbieterstandort, Qualitäten, Graden, Maßeinheiten, Preisen und Lieferbedingungen oder auch nach bestimmten Marktplätzen selektiert werden. Weitere Filter werden laufend ergänzt, sodass zukünftig u.a. auch REACH-zertifizierte Produkte und Anbietertypen eingegrenzt werden können.

 

In der chemischen Industrie sind insbesondere seit dem letzten Jahr verstärkt Aktivitäten wahrzunehmen, die sich im weitesten Sinne mit digitalen Plattformen beschäftigen. Wie erleben Sie diese Entwicklung und was war Ihrer Ansicht nach der Startschuss dafür?

Digitale Plattformen, wie Online-Marktplätze oder soziale Netzwerke, spielen im Consumer-Bereich ja bereits seit vielen Jahren eine bedeutende Rolle. Mit den heutigen Technologien lassen sich nun aber auch die Besonderheiten und Anforderungen, die in B2B-Branchen mit erklärungsbedürftigen Produkten gelten, mehr und mehr abbilden. Die großen Chancen, die sich in der Chemiebranche vor allem in den Bereichen Einkauf, Vertrieb und Vermarktung ergeben, haben viele Unternehmen erkannt und sind zunehmend bereit digitale Plattformen für ihre Beschaffung, die Vernetzung mit ihren Kunden oder die Neukundengewinnung zu nutzen. Die Nachfrage steigt im besonderen Maße auch dadurch, dass Digital Natives, die im Internetboom und mit digitalen Medien aufgewachsen sind, vermehrt in Positionen in Unternehmen nachrücken, in denen sie Einfluss auf Beschaffungsprozesse haben und zunehmend nach web-basierten Lösungen verlangen, mit denen sie schneller und effizienter arbeiten können. Diese Entwicklung wird sich zukünftig noch weiter verschärfen, so dass digitale Plattformen auch in der Chemiebranche eine immer größere Bedeutung haben werden.

 

Christian Bürger verfügt über 10 Jahre Erfahrung in Geschäftsentwicklung und Vermarktung, sowie im Aufbau digitaler Unternehmen und Plattformen im B2B-Bereich. Er sammelte seine Erfahrung in Technologiekonzernen, sowie als Gründer und Geschäftsführer von Internet Startup-Unternehmen. Christian Bürger ist Geschäftsführer der chembid GmbH, die mit chembid.com eine globale Suchmaschine und Beschaffungsplattform für das Chemiegeschäft betreibt, sowie unter dem Namen chembidX eine Onlinemarketing-Agentur für Unternehmen der Chemie- und Kunststoffindustrie. Sein Bachelor- und Master-Studium absolvierte er im Studiengang „Sales Engineering and Product Management“ (M.Sc.) an der Ruhr-Universität Bochum, mit dem Schwerpunkt Materialtechnik. Zudem absolvierte er die Executive Management Programme „Digital Business Strategy“ und „Artificial Intelligence“ an der Massachusetts Institute of Technology (MIT) Sloan School of Management und dem MIT Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory.

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