7. September 2020

Hot seat: Andrea Alboni

Drei Fragen an eine Person aus unserem Umfeld

Herr Alboni, als Universal Robots 2008 den ersten kollaborierenden Roboter zur Marktreife führte, löste dies einen industriellen Wandel aus. Können Sie erklären, wie sich seither die Art und Weise der Automatisierung und die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine verändert hat?

Mit unserem ersten kollaborierenden Roboterarm, dem UR5, hat die Robotik vor 12 Jahren eine komplett neue Richtung eingeschlagen. Die sogenannten Cobots eröffnen durch ihre flexible Leichtbauweise und einfache Bedienbarkeit gänzlich neue Möglichkeiten der Automatisierung und machen sie selbst für Kleinstbetriebe und Mittelständler erschwinglich. Seither entwickeln sich Cobots zum Standardinventar moderner Fertigungen – unabhängig von Branche oder Größe der Betriebe. Im Gegensatz zu herkömmlichen Industrierobotern können Cobots ohne die üblichen Schutzzäune eingesetzt werden und dem Menschen unterstützend zur Hand gehen, etwa bei eintönigen oder unergonomisch Aufgaben. So entlasten sie Mitarbeiter, anstatt sie zu ersetzen, und geben ihnen Zeit für anspruchsvollere Aufgaben. Unternehmen profitieren heute dank kollaborativer Robotik von optimal ausgelasteten Maschinen- und Produktionskapazitäten, flexibleren Fertigungsprozessen sowie einer höheren Produktqualität. Der zunehmende Fortschritt im Bereich der KI-Technologien macht Cobots indes noch leichter programmierbar: Sie lernen dazu und optimieren eigenständig ihr Verhalten.

Fallen trennende Schutzzäune weg, verlangt das ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheit. Wie kann ich diese bei Anwendungen mit Cobots überhaupt bewerten und gewährleisten?

Absolut. Sicherheit ist das A und O, wenn es um kollaborierende Roboter geht. Der Mensch muss der Technologie, mit der er unmittelbar zusammenarbeitet, schließlich vertrauen können. Daher sollte sie alle Eigenschaften mitbringen, um eine Anwendung sicher zu gestalten. Konfigurierbare Sicherheitsfunktionen – bei unserer e-Series sind es 17 Stück – begrenzen dabei u.a. Kraft, Leistung und Geschwindigkeit des Roboters, sobald er in Kollaboration mit dem Menschen tritt. Wie auch bei anderen Maschinen müssen Applikationen mit kollaborierenden Robotern außerdem die Anforderungen der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG erfüllen. Diese schreibt eine CE-Kennzeichnung vor, die Anwender im Rahmen einer Risikobeurteilung erhalten. Im Zuge dessen werden dann alle möglichen Gefahren, die von der Anwendung ausgehen könnten, identifiziert und betrachtet. Sofern ihr Betrieb noch nicht als sicher eingeschätzt wird, kommen ergänzende Maßnahmen zur Minderung des Risikos zum Einsatz.

Sie haben Stand heute mehr als 46.000 kollaborierende Roboter weltweit im Einsatz. Wie eingangs gesagt, verteilen sie sich nicht länger nur auf große Konzerne und Automobilriesen. Können Sie Beispiele nennen, wie Cobots speziell bei kleinen und mittleren Unternehmen unterstützen?

Die Möglichkeiten sind vielfältig: Cobots automatisieren etwa Prozesse in der Qualitätsprüfung, das Palettieren von Kartons und Stückgütern, in der Montage oder auch die Maschinenbeladung. Im Universitätskrankenhaus Gentofte in Kopenhagen sortiert ein Cobot – ausgestattet mit einem Bildverarbeitungssystem – beispielsweise Blutproben und unterstützt das Personal dabei, Untersuchungsergebnisse innerhalb einer Stunde liefern zu können. Bei MARKA, einem Chemieunternehmen, das sich auf die Herstellung von Reinigungsmitteln spezialisiert hat, schraubt ein kollaborierender Roboter Flaschendeckel mit höchster Präzision und konstanter Anzugskraft fest. Egal ob im Labor, im Fertigungsbetrieb oder auch in Forschungseinrichtungen: Unternehmen kämpfen mit Wettbewerbs- und Kostendruck sowie einem Mangel an Fachkräften. Automatisierung ist für viele die Antwort, um diese Herausforderungen zu meistern und zukunftsfähig zu bleiben. Wir plädieren dafür, Cobots dabei als ein Werkzeug anzusehen, um Prozesse zu optimieren und Innovationen zu fördern.

Andrea Alboni, Regional Sales Manager D/A/CH bei Universal Robots, verantwortet den Sales-Bereich des Unternehmens für die Länder Deutschland, Österreich und Schweiz. Die hohe KMU-Dichte in diesem Raum bietet eine Menge an Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. Seine über zehnjährige Sales-Expertise kommt Andrea Alboni zugute. Zusammen mit Universal Robots treibt er die Entwicklung und den Einsatz kollaborierender Robotik sowie das Wachstum am Markt weiter voran. 2019 stieg er als Channel Development Manager Western Europe bei Universal Robots ein. Zuvor war Andrea Alboni unter anderem Key Account Manager bei Webasto Thermo & Comfort und als Vertriebsleiter bei SFC Energy angestellt.

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