11. Juni 2019

Hot seat: Pamela Valdivia

Drei Fragen an eine Person aus unserem Umfeld

Frau Valdivia, die staatliche chilenische Wirtschaftsförderungsagentur CORFO hat die Einrichtung eines „Chilean Clean Technologies Institute“ für Forschung und industrielle Entwicklung ausgeschrieben. Was ist der Hintergrund für diese Entscheidung?

Historisch gesehen ist Chile ein Land, das stark von den Rohstoffexporten abhängig ist. Heutzutage ist Chile Exportführer von Kupfer und besitzt ca. 50% der gesamten Weltreserven. Parallel hat die Atacama Wüste besondere Merkmale: ein großes Solarpotenzial, eine wichtige metallische Bergbauindustrie und eine starke Position im nichtmetallischen Bergbau. Dazu hat sich Chile vorgenommen, führender Lithiumproduzent mit der weltweit geringsten Emission zu werden, und spezialisierte Dienstleistungen und Mehrwertprodukte anzubieten.

Mit dieser Ausschreibung beabsichtigt CORFO, die Einrichtung des größten technologischen Institutes des Landes zu ermöglichen. Dieses Institut soll in Kollaboration mit internationalen Partnern in Chile gegründet werden, um sich aktuellen Innovationsthemen wie der Nutzung von Solarenergie, emissionsarmer Rohstoffgewinnung und der Weiterverarbeitung von strategisch wichtigen Rohstoffen wie Lithium zu widmen. Mit einer privaten Kofinanzierung von mindestens 30% ist eine Förderung von ca. 200 Millionen USD für einen Zeitraum von zehn Jahren vorgesehen.

 

Warum lohnt es sich auch für deutsche Institutionen, sich auf die Ausschreibung zu bewerben und in Chile zu forschen?

Mit dieser Initiative erwartet CORFO, dass das technologische Institut zu einer internationalen Referenzadresse und ein Hub für Innovation und Entrepreneurship wird. Chile hat somit die große Chance, einen wichtigen Beitrag im Bereich Klimawandel bzw. strategische Materialien und Komponente für die neuen grünen Technologien zu machen: e-Mobility, Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, grüner Wasserstoff mit der niedrigsten Umweltbelastung und mit einer Reichhaltigkeit an natürlichen Ressourcen. Dazu muss man berücksichtigen, dass Chile mit seiner robusten Wirtschaft an erster Stelle der OECD-Länder in Südamerika steht. Das Land verfügt über eine große Anzahl an Handelsabkommen, ist ein Magnet für Talente in der Region und ein natürliches Labor für New-Tech und umweltfreundliche Geschäfte.

Das Clean Technologies Institute bietet den deutschen Institutionen eine interessante Gelegenheit, um die Zusammenarbeit mit chilenischen Partnern in Betracht zu ziehen. So könnten neue Allianzen entstehen oder bereits gegebene Partnerschaften weiterentwickelt werden. Eine Beteiligung deutscher Akteure an der Ausschreibung ist explizit gewünscht. Sowohl die Bayerische Repräsentanz für Südamerika als auch die AHK Chile und ihr Kompetenzzentrum für Bergbau und Rohstoffe begrüßen diese Initiative und möchten Sie aus diesem Grund einladen eine Beteiligung zu evaluieren.

 

Wer kann sich bewerben und wie läuft das Ausschreibungsverfahren ab?

Der Schwerpunkt des Clean Technologies Institutes ist:

  • Forschung und Entwicklung mit dem Ziel neues Wissen zu schaffen bzw. den Technologietransfer von neuen Technologien an die Industrie zu ermöglichen.
  • Technologie- und Beratungsdienstleistungen für Unternehmen und öffentliche Institutionen
  • Aus- und Weiterbildung in Zusammenarbeit mit lokalen und internationalen Bildungseinrichtungen
  • Wissensverbreitung, Innovation und Technologie vor allem für KMUs
  • Förderung von Unternehmertum und technologieorientierter Innovation für die Entwicklung und Implementation von technologischen Lösungen damit lokaler Wert geschaffen wird.

Teilnehmer an der Ausschreibung müssen eine gemeinnützige juristische Person sein, eine Organisation mit regionalem Charakter oder einen Sitz in der Region Antofagasta in Erwägung ziehen, unter anderen Beteiligungsgesellschaften. Hochschulen und/oder Organe der chilenischen Staatsverwaltung müssen vertreten sein.

Die Ausschreibung sieht einerseits die Eintragung an einer Matchmaking-Plattform www.corfo.cl/sites/cpp/corfo-rfi , um das Interesse an der Initiative darzustellen bzw. sich bei anderen Interessenten vorzustellen, und andererseits zwei Phasen beim Bewerbungsverfahren vor. Die ersten zwei Etappen (Matchmaking-Plattform und Etappe I) sind nicht erforderlich um an der letzten Phase (II) teilzunehmen. Die Etappe I Request for Information ist bis zum 20.05.2019 geöffnet. Etappe II Request for Proposals ist bis zum 23.10.2019 geöffnet.

Siehe die Ausschreibung hier: https://www.corfo.cl/sites/cpp/convocatorias/instituto_tecnologico_de_energia_solar

Fragen zum Bewerbungsverfahren müssen an convocatoriarfi@corfo.cl gestellt werden. Dazu wurde vor Kurzem eine 2. Ausschreibung von CORFO veröffentlicht, um spezialisierte Produzenten einzuladen, vor Ort Mehrwertprodukte herzustellen, die Lithium als Einsatzmaterial benutzen. Diese Ausschreibungsfrist ist bis zum 15.01.2020 geöffnet.

Siehe die Ausschreibung hier:  https://www.corfo.cl/sites/cpp/convocatorias/productores_especializados_de_productos_de_litio

Fragen können an folgende Emailadresse gestellt werden lithiumprojects@corfo.cl

 

Pamela Valdivia leitet seit 2013 die Bayerische Repräsentanz Südamerika für Argentinien, Chile, Kolumbien und Peru in Santiago de Chile. Bevor Frau Valdivia für die Auslandshandelskammer in Chile und für das chilenische Außenministerium arbeitete, studierte sie Business Administration und International Business.

Kontakt

Chemie-Cluster Bayern GmbH
Schwanthalerstraße 100
80336 München